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Tausend und Eine Nacht. Elfter Band

Unbekannte Autoren: Tausend und Eine Nacht. Elfter Band - Kapitel 24
Quellenangabe
authorUnbekannte Verfasser
titleTausend und Eine Nacht. Elfter Band
publisherF. W. Hendel Verlag
year1926
editorKarl Martin Schiller
translatorMax. Habicht Fr. H. von der Hagen und Carl Schall
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20180123
projectid1a8085b2
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Geschichte des Knaben von fünf Jahren.

Vier Kaufleute vereinigten sich zu einem Geschäft, wozu sie insgesamt tausend Goldstücke beitrugen, welche sie in einen Beutel taten. Drauf gingen sie fort, um dafür Waren einzukaufen. Auf ihrem Wege mußten sie an einem großen Garten vorbei, dessen Schönheit sie einlud, einzutreten.

 

Tausendste Nacht.

Sie gingen auch wirklich in den Garten hinein und übergaben den Beutel der Gärtnersfrau zum Aufbewahren. Hierauf besahen sie sich die Anlagen, aßen von den Früchten, die aus den Bäumen prangten, tranken von den Quellen und ergötzten sich auf alle Art. Da sprach einer unter ihnen: »Ich habe sehr wohlriechende Seife bei mir; kommt, wir wollen uns bei dieser schönen Quelle das Gesicht und die Haare waschen.« – »Dazu brauchen wir aber einen Kamm,« sagte ein anderer. – »Den wird uns wohl die Gärtnersfrau borgen,« sagte ein dritter, und in demselben Augenblicke lief einer schon, um einen Kamm zu holen. Dieser hatte indes einen Betrug im Sinne; denn er forderte von der Gärtnersfrau den Beutel. Allein sie sagte: »Ich gebe ihn dir nicht, außer, wenn ihr alle beisammen seid oder deine Gefährten mir befehlen, ihn dir auszuliefern.« Nun traf es sich aber, daß die Freunde des Kaufmanns an einem Ort standen, an welchem die Gärtnersfrau sie sehen konnte. Da rief der Mann seinen Freunden zu: »Sie will mir ihn nicht geben.« Da riefen seine Freunde zurück: »Gib ihm doch!«, denn sie glaubten, er meinte den Kamm. Die Frau aber übergab ihm den Beutel, welchen dieser nahm und damit eiligst entfloh. Als er nun jenen zu lange ausblieb, gingen sie zur Gärtnerin und fragten sie: »Warum gibst du ihm nicht den Kamm?« – »Bei Gott,« erwiderte sie, »er hat mir von keinem Kamm gesagt, sondern vom Beutel, den er auch erhalten und davongetragen hat.« Da schlugen sie sich vor Ärgernis ins Gesicht, hielten sich an die Frau und sagten: »Wir haben dir nur befohlen, ihm den Kamm zu geben.« Sie behauptete indes, daß er nur den Beutel verlangt hätte. Da führten sie die Frau vor den Richter, erzählten ihm die ganze Sache, und dieser verurteilte sie zur Wiedererstattung des Geldes. Da ging die Frau ganz außer sich fort, ohne zu wissen, was sie tun sollte. Zufällig ging sie bei einem kleinen Knaben von fünf Jahren vorbei, der in der Straße spielte. Dieser sah sie weinen und fragte sie: »Warum weinest du denn, Mutter?« Sie aber kehrte sich nicht an ihn und verachtete ihn, weil er noch so jung war. Doch der Knabe ließ sich nicht abhalten, lief ihr nach und hörte nicht eher auf, sie zu verfolgen, als bis sie ihm endlich ihr Unglück erzählte. Da sprach er zu ihr: »Schenke mir eine Drachme, damit ich mir Zuckerwerk kaufen kann: da will ich dich von deinem Kummer befreien.« – »Was weißt du denn von solchen Sachen? Du bist ja noch ein Kind!« – »Ich habe dir es gesagt,« erwiderte er, »und ich nehme es auf mich.« – Sie gab ihm also fünf Drachmen; diese nahm er mit Freuden und sagte: »Gehe nur zu dem Richter zurück und bitte ihn, daß er alle vier Männer zusammen vor sich lade. Dann wolltest du ihnen den Beutel wiedergeben, wie es verabredet war.« Sie begab sich also zum Richter und sprach: »Mein Herr, es ist die Verabredung gewesen, daß ich den Beutel nur in Gegenwart aller viere zurückgeben soll. Laß sie also vor dir erscheinen; dann will ich ihnen den Beutel wiedergeben.« Zugleich wandte sie sich zu ihren Anklägern und sprach: »verschafft mir euren vierten Freund. Wenn ihr dann alle beisammen seid, so sollt ihr den Beutel haben.« Sie gingen nun davon, um ihn zu suchen, die Gärtnersfrau aber ging ganz unbesorgt nach Hause, und es ist wohl sicher, daß sie ihren Freund nicht wiedergefunden haben werden.«

Da freute sich der König über seinen Sohn so wie auch alle versammelten Wesire und Großen des Reichs, und alle bezeigten ihm ihren Beifall. Der König fragte hierauf seinen Sohn, wie sich die Sache mit jener Frau verhielte, die ihn solcher Verbrechen beschuldigte. Da rechtfertigte sich der Sohn und schwor bei dem erhabenen Gotte, daß dergleichen nie in seinen Sinn gekommen sei, sondern daß sie im Gegenteil jenen schändlichen Anschlag gemacht habe und ihn zu ihrem Manne habe erwählen wollen. »Ich habe mich wohl stets dagegen gesträubt,« fügte er hinzu, »sie aber hat mir dann immer vorgespiegelt, daß ich dann König sein würde, sobald sie dich nämlich durch Gift umgebracht hätte. Darüber wurde ich denn erzürnt und sprach bei mir selbst: »O du Schändliche, wenn ich werde reden dürfen, so sollst du deinen Lohn empfangen.« Da fürchtete sie sich vor mir und ließ sich nun zu der Handlung verleiten, die dir bekannt ist.«

Der König befahl nun, die Frau vorzuführen, und fragte inzwischen die Anwesenden: »Welche Todesart soll diese Frau jetzt erleiden?« – Da sagten die einen: »Es soll ihr die Zunge ausgeschnitten werden.« Andere dagegen sagten: »Die Zunge soll ihr erst ausgeschnitten, dann aber verbrannt werden.« Nunmehr trat die Verbrecherin herein und redete die Versammlung mit folgenden Worten an: »Mein Verhältnis zu euch gleicht der Geschichte von dem Fuchse.« – »Wie lautet diese Geschichte?« fragte man sie.

 

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