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Tausend und Eine Nacht. Elfter Band

Unbekannte Autoren: Tausend und Eine Nacht. Elfter Band - Kapitel 19
Quellenangabe
authorUnbekannte Verfasser
titleTausend und Eine Nacht. Elfter Band
publisherF. W. Hendel Verlag
year1926
editorKarl Martin Schiller
translatorMax. Habicht Fr. H. von der Hagen und Carl Schall
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20180123
projectid1a8085b2
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Geschichte der frommen Frau.

»Eine fromme, gottergebne Frau lebte am Hofe eines Königs. Sie stand bei ihm in solcher Achtung, daß sein ganzes Haus glaubte, sie bringe Segen in seine Familie. Eines Tages saß sie neben der Königin, und diese gab ihr eine sehr kostbare Juwelenschnur, tausend Goldstücke an Wert, zum Aufbewahren. »Nimm dieses,« sagte sie zugleich zu ihr, »bis ich aus dem Bade zurückkomme.« Die fromme Frau legte das Halsband auf ihr Betpult und verrichtete sodann einige Geschäfte. Während dieser Zeit aber kam eine Elster, trug diese Schnur in ihrem Schnabel fort und verbarg sie in irgend einem Winkel des Schlosses. Als die Königin aus dem Bade zurückkam, verlangte sie die Schnur von der Frau zurück, welche dieselbe aber nirgends fand. Da die Königin nachmals das anvertraute Kleinod von ihr forderte, erwiderte sie: »O Königin, als ich es von dir in Empfang nahm, legte ich es in meinen Betstuhl, in welchem ich betete, dann verrichtete ich noch einige Geschäfte, bis du vom Bade zurückkamst, und nun finde ich es nicht mehr, vielleicht hat jemand von der Dienerschaft mich unachtsam gefunden und es indessen geraubt.« Der König, der ein sehr grausamer Mann war, setzte, als er dies hörte, alle Hochachtung, die er bisher für sie gehabt hatte, beiseite, ließ seinem Zorn und Argwohn freien Lauf und befahl, da sie nicht gestehen wollte, sie aus die Folter zu legen. Hier erduldete sie die größten Qualen und Martern, ohne jedoch ihre Aussage zu ändern. Sie wurde darauf in ein Gefängnis gebracht und an Händen und Füßen gefesselt. Eines Tages saßen der König und seine Gemahlin in einem Gartenhause dem Schlosse gegenüber, und der König sah diesen Vogel, wie er aus einem Fenster des Schlosses herausflog und in seinem Schnabel etwas hielt, was er an einen nicht sehr entfernten Ort hintrug. Sogleich befahl er einigen Sklaven, dem Vogel nachzulaufen, um zu sehen, was er wegtrüge. Diese nahmen es ihm auch bald ab, und die Königin erkannte, daß es die vermißte Schnur sei. Nun sah der König die Unschuld der frommen Frau ein und bereute die grausame Ungerechtigkeit, womit er sie behandelt hatte. Mit Reichtümern wollte er sie jetzt überhäufen, mit Tränen bat er es ihr ab, aber das Geschehene konnte er dadurch nicht ungeschehen machen. Sie weigerte sich, irgend etwas von ihm anzunehmen, verließ seinen Hof und widmete sich ganz dem Dienste Gottes und den Handlungen der Frömmigkeit.

Doch es fällt mir noch eine andre Geschichte ein,« fügte die Frau hinzu, »die dir die List der Männer deutlich zeigen wird.

 

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