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Tausend und Eine Nacht. Elfter Band

Unbekannte Autoren: Tausend und Eine Nacht. Elfter Band - Kapitel 15
Quellenangabe
authorUnbekannte Verfasser
titleTausend und Eine Nacht. Elfter Band
publisherF. W. Hendel Verlag
year1926
editorKarl Martin Schiller
translatorMax. Habicht Fr. H. von der Hagen und Carl Schall
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20180123
projectid1a8085b2
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Geschichte von dem jungen Manne und einer Frau.

»Ein junger Mann sah eine Frau von außerordentlicher Schönheit. Da er indes bemerkte, daß die Frau nichts von ihm hören wollte, so wandte er sich an eine alte Frau, welcher er alles entdeckte, und die ihm sogleich versprach, seinen Wünschen behilflich zu sein. Eines Tages verreiste der Mann dieser schönen Frau, und diesen Zeitpunkt benutzte die Alte, um zu ihr zu gehen und mit ihr Bekanntschaft anzuknüpfen. Sie hatte eine Hündin an sich gewöhnt, und zwar dadurch, daß sie ihr oft etwas zu fressen gab. Diese Hündin nahm sie jedesmal mit sich zu der schönen Frau. Eines Tages aber hatte diese Alte einen Teig bereitet, worein sie Fett und sehr viel Pfeffer getan hatte, und gab diesen der Hündin zu fressen, hierauf ging sie zu der jungen Frau, wohin ihr die Hündin wie gewöhnlich folgte. Da nun aber der viele Pfeffer seine Wirkung tat und ihr die Augen von Tränen überliefen, so fragte sie die Alte, woher es käme, daß die Hündin ihr immer nachliefe, und daß sie immer weinte. »Ach,« sagte die Alte, »es hat sich mit jener Hündin etwas sehr Sonderbares zugetragen. Sie war nämlich einst eine sehr schöne Frau, und ein Christ wurde in sie verliebt und hielt um sie an. Sie verweigerte ihm aber ihre Hand, und da er alle Hoffnung verlor, sie zu besitzen, verwandelte er sie, wie du siehst, in eine Hündin. Sie war meine vertraute Freundin, daher liebe und pflege ich sie jetzt, und sie kann mich nicht sehen, ohne zu weinen, wodurch sie mir gleichsam ihren Zustand klagt.« – »Ach,« sagte die junge Frau, »liebe Alte, ich kenne auch einen jungen Mann, der mich liebt; ich habe ihn aber nie anhören wollen; nun aber machst du mir vor ihm Furcht, daß er mich auch wohl bezaubern könnte.« – »Da hast du ganz recht,« erwiderte die Alte, »es ist sehr möglich, daß er es tun könnte; ich rate dir es als Freundin, wenn dich jemand um deine Liebe bittet, sie ihm nicht abzuschlagen. Kennst du nicht das Sprichwort: Der Vernünftige nimmt ein Beispiel an andern?« – »Wohl,« sagte die junge Frau, »ich werde jetzt gleich Speise und Trank zurechtmachen und dich bitten, ihn zu holen.« Da sich aber die Alte stellte, als wenn sie ihn nicht kenne, so mußte sie ihr vorher genau seine Wohnung beschreiben. Die Alte begab sich nunmehr auf den Weg und suchte den Mann auf; allein er war nirgends zu finden. »Was?« sagte die Alte bei sich selbst, »ich sollte den heutigen Tag dieses Essen, dieses Trinken unbenutzt lassen? Ich sollte ihr niemanden bringen, daß er davon genieße? Nein, das soll nicht sein.« Sie begab sich nunmehr auf den Markt, wo sie einen Mann sah, der von allen Leuten gegrüßt und mit Auszeichnung behandelt wurde. An diesen wandte sie sich und sprach zu ihm: »Mein Herr, willst du diesen Abend bei einer schönen Frau zubringen und von ihr köstlich bewirtet werden?« – »Und wo ist diese?« fragte er. – »Bei mir,« erwiderte sie. – »Nun wohl, so gehe voran, ich werde dir folgen,« sagte er darauf. Sie ging nun von einem Ort zum andern, er immer hinter ihr, bis sie endlich in das Viertel der Stadt kam, wo der Mann selber wohnte. Als sie hier auch durch einige Straßen gegangen war, blieb sie endlich an seiner eigenen Haustür stehen. Hier ließ ihn die Alte an der Türe warten, während er gar nicht wußte, was er sich davon denken sollte.

Unterdes sah die junge Frau, am Fenster stehend, ihren Mann mit der Alten ankommen. »Leider,« sagte die Alte zu ihr, »habe ich den, den du wünschest, nicht finden können; ich bringe dir aber einen andern, der weit schöner ist.« – »Wehe dir,« erwiderte die junge Frau, »das ist ja mein Mann, der eben von der Reise gekommen ist.« – »So?« sagte die Alte, »nun wohl, das hat gar nichts zu sagen; stelle du dich nur, als hättest du mich ausgeschickt, um ihn auf die Probe zu stellen, ob er auch die Treue hält, die er dir geschworen hat.« Als nun der Mann eintrat, eilte ihm seine Frau mit einem Pantoffel entgegen, schlug ihn damit und rief ihm zu: »Sehr schön, so hältst du mir also deine Treue? So muß ich's anstellen, um zu erfahren, wie du gegen mich gesinnt bist? Du führst ein schönes Leben, daß du dich so zu Frauen führen lässest!« Sie fügte noch mehreres der Art hinzu und hörte nicht auf, ihn zu schlagen, während er sich entschuldigte und ihr schwor, daß er sie nie hintergangen habe und weit entfernt sei, ihren Verdacht zu verdienen. Er tat nun alles mögliche, um sie zu besänftigen, küßte ihre Hand und brachte es endlich dahin, daß sie wieder freundlich wurde.

Siehe also, o König, wie weit die List der Weiber gehen kann.«

Diese Erzählung bewog auch wirklich den König, den Tod seines Sohnes aufzuschieben.

Als die fünfte Nacht anbrach, trat die Frau zum Könige herein, indem sie in ihrer Hand einen Becher mit Gift trug. »O König,« sagte sie zu ihm, »wenn du mir nicht gegen deinen Sohn Gerechtigkeit verschaffst, so trinke ich dieses Gift, und dies Verbrechen wird dann an jenem Tage schwer auf dir lasten. Deine Wesire dichten mir List und Kunstgriffe an: aber es gibt auf der Welt nichts Listigeres als die Männer. Dies will ich dir durch folgende Geschichte von dem in das Bildnis eines Mädchens verliebten Juwelier beweisen.«

 

*

Dieses ist ebendieselbe Geschichte, welche in dem ersten Bande Seiten 181 ff. unter dem Titel: »Geschichte Mahmuds« erzählt wird, nur mit dem Unterschiede, daß Mahmud in der tunesischen Handschrift nicht Maler, sondern Juwelier ist, und daß er sich in Persien befindet, nicht aber nach Persien, sondern nach Indien, und zwar nach der Stadt Sanhag reist. Diese Erzählung füllt in unserer tunesischen Handschrift die 990ste und den Anfang der 991sten Nacht aus. (Anm. Habichts.)

*

 

Neunhundertundneunzigste Nacht.

Als die Frau die Geschichte des Juweliers vollendet hatte, sprach sie zum Könige: »Hier kannst du, o König, also deutlich die List der Männer sehen. Du würdest daher sehr unrecht tun, wenn du ihnen trauen und ihren Worten glauben wolltest.«

Inzwischen war der fünfte Tag herangekommen, und der fünfte Wesir nahte sich dem Könige, warf sich vor ihm auf die Erde und sprach: »O König, ich beschwöre dich, bei dem Todesurteil gegen deinen Sohn dich nicht zu übereilen, denn Eile könnte eine lebenslängliche Reue zur Folge haben. Es könnte dir gehen wie einem Manne, dessen Geschichte ich dir erzählen werde.

 

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