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Tausend und eine Nacht. Band XX

Max Henning: Tausend und eine Nacht. Band XX - Kapitel 6
Quellenangabe
typenarrative
authorUnbekannte Autoren
titleTausend und eine Nacht. Band XX
publisherVerlag von Philipp Reclam jun.
yearo.J.
firstpub1895
translatorMax Henning
pages180
created20180514
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Geschichte der Prinzessin von Darjabar.

»Auf einem Eiland steht eine große Stadt, Darjabar geheißen, in der ein König von hoher Macht regierte. Trotz seiner Tugend und Tapferkeit war er jedoch stets betrübt und bekümmert, da er keine Kinder hatte, und betete unaufhörlich um welche. Nach langen Jahren und vielem Beten ward ihm eine halbe Erhörung zu teil, indem ihm eine Tochter geboren ward, nämlich ich selber. Mein Vater, der sich zuerst schwer grämte, freute sich hernach mächtig über meine unselige Geburt; und als ich das Alter zum Lernen erreicht hatte, ließ er mich im Lesen und Schreiben unterweisen und im Hofceremoniell, den königlichen Pflichten und den Chroniken der Vergangenheit unterrichten, damit ich ihm als Erbin auf dem Königsthron folgte. Eines Tages traf es sich jedoch, 160 daß mein Vater auf die Jagd ritt und einen Wildesel so hitzig verfolgte, daß er sich gegen Abend von seinem Gefolge getrennt fand. Ermüdet von der Jagd, stieg er von seinem Roß und sprach bei sich, indem er sich neben einen Waldpfad setzte: »Der Wildesel wird gewiß in diesem Dickicht Schutz suchen.« Mit einem Male gewahrte er ein Licht hell zwischen den Bäumen scheinen, und im Glauben, ein Weiler wäre in der Nähe, beschloß er dort zu übernachten und am nächsten Morgen in der Frühe seinen Weg weiter fortzusetzen. Er erhob sich infolgedessen und fand, als er sich dem Licht näherte, daß es aus einer einsamen Hütte im Walde kam. Dann lugte er in das Innere derselben und erblickte einen Abessinier von mächtiger Leibesmasse und einem Satan gleich von Aussehen, der auf einem Diwan saß. Vor ihm standen viele große Krüge voll Wein, und über einem Kohlenfeuer röstete er einen ganzen Stier, dessen Fleisch er verzehrte, indem er dabei von Zeit zu Zeit einen tiefen Zug aus einem der Krüge that. Außerdem gewahrte der König noch in jener Hütte ein Mädchen von ausgezeichneter Schönheit und Anmut, das in einem Winkel in tiefer Kümmernis dasaß; ihre Hände waren mit Stricken festgebunden, und zu ihren Füßen lag ein Kind von zwei oder drei Jahren, das über die traurige Lage seiner Mutter weinte.

Als mein Vater die unglückliche Lage der beiden erblickte, ward er von Mitleid ergriffen und wollte sich mit dem Schwert in der Hand auf das Ungeheuer stürzen; da er sich indessen ihm nicht gewachsen fühlte, unterdrückte er seinen Zorn und verblieb auf seiner verstohlenen Lauer. Nachdem der Riese alle Krüge geleert und die Hälfte des gerösteten Stiers aufgefressen hatte, wendete er sich zu dem Mädchen und sagte zu ihm: »O holdseligste Prinzessin, wie lange willst du noch spröde sein und dich von mir fern halten? Siehst du nicht, wie sehr es mich verlangt dein Herz zu gewinnen, und wie ich aus Liebe zu dir sterbe? Es wäre nur recht, wenn du mir meine Liebe erwidertest und mich als dein eigen ansähest; 161 ich wollte dann der gütigste Mensch zu dir sein.« Das Mädchen rief jedoch: »O Ghûl der Wüste, wovon schwatzest du? Nie, nimmermehr sollst du deinen Wunsch an mir erreichen, wie heiß dich auch danach verlangen mag. Foltere mich oder, wenn du willst, vernichte mich auf der Stelle, doch nimmerdar will ich mich deinen Lüsten ergeben.« Bei diesen Worten ergrimmte der Wilde und brüllte laut: »Es ist genug und übergenug, dein Haß erzeugt Haß in mir, und jetzt wünsche ich allein dich ums Leben zu bringen.« Alsdann packte er sie mit der einen Hand und zog mit der andern sein Schwert, um ihr das Haupt vom Rumpf zu trennen, als mein Vater einen Pfeil so geschickt schoß, daß er ihm das Herz durchbohrte und blitzend zum Rücken herausfuhr, worauf der Riese zu Boden stürzte und alsbald nach Dschehannam fuhr. Hierauf trat mein Vater in die Hütte, löste die Bande des Mädchens und fragte sie, wer sie wäre und wie das Scheusal sie hierhergebracht hätte. Sie versetzte: »Nicht weit von hier lebt am Seegestade ein Sarazenenstamm gleich den Teufeln der Wüste. Ganz wider meinen Willen ward ich mit ihrem Prinzen vermählt, und der ekelhafte Schurke, den du soeben erschlugst, war einer der Vertrauten meines Gatten. Er verliebte sich leidenschaftlich in mich und brannte vor Verlangen mich in seine Gewalt zu bekommen und aus meiner Heimat fortzuschleppen. Als daher mein Gatte eines Tages abwesend und ich allein war, entführte er mich mit diesem meinem Kind aus dem Palast in diese gottverlassene Wildnis, wo, wie er wußte, alles Suchen und Mühen umsonst war; dann stellte er von Stunde zu Stunde schimpfliche Ansinnen an mich, doch durch Gottes, des Erhabenen, Barmherzigkeit entrann ich bisher aller Befleckung durch jenes schmutzige Scheusal. Als ich nun heute Abend, an meiner Rettung verzweifelnd, sein brutales Ansinnen wieder abwies und er mir deshalb das Leben nehmen wollte, ward er durch deine tapfere Hand umgebracht. Dies ist meine Geschichte.«

Mein Vater tröstete die Prinzessin und sagte zu ihr: 162 »O meine Herrin, laß dein Herz guter Dinge sein; bei Tagesanbruch will ich dich aus dieser Wildnis nehmen und dich nach der Stadt Darjabar führen, über die ich als Sultan herrsche; und sollte dir der Ort gefallen, so wohne daselbst, bis dein Gatte kommt und dich sucht.« Das Mädchen versetzte: »O mein Herr, dieser Vorschlag mißfällt mir nicht.« Infolgedessen nahm mein Vater am andern Tage beim ersten Morgengrauen Mutter und Kind aus der Wildnis und zog heimwärts, als er unterwegs auf seine Sirdâre und Offiziere stieß, die ihn die ganze Nacht nach allen Seiten hin gesucht hatten. Sie waren mächtig erfreut den König wieder zu sehen und verwunderten sich über die Maßen, als sie eine Verschleierte bei ihm erblickten, da sie es nicht begreifen konnten, daß ein so hübsches Fräulein in einer so verlassenen Wildnis wohnen sollte. Hierauf erzählte ihnen der König sein Abenteuer mit dem Ungeheuer und der Prinzessin und berichtete ihnen, wie er den Schwarzen umgebracht hatte. Dann setzten sie ihren Heimritt fort, indem einer der Emire das Fräulein hinter sich aufs Pferd setzte, während ein andrer das Kind in seine Obhut nahm. Nachdem sie die Residenz erreicht hatten, ließ der König eine große und prächtige Wohnung für seinen Gast erbauen, und der Knabe erhielt ebenfalls eine passende Erziehung; und so verbrachte die Mutter ihre Tage in aller Annehmlichkeit und Zufriedenheit. Als nach Verlauf von einigen Monaten keine so sehnlichst erwartete Nachricht von ihrem Gatten eingetroffen war, willigte sie ein meinen Vater zu heiraten, den sie durch ihre Schönheit, Anmut und ihr bestrickendes Wesen gefangen genommen hatte. Und so heiratete er sie, und sie wohnten, nachdem der Ehekontrakt aufgezeichnet war, so wie es der Brauch in jener Zeit war, zusammen in einem Haus. Mit der Zeit wuchs der Knabe zu einem kräftigen und hübschen Jüngling heran, und er ward vollkommen im höfischen Ceremoniell und in jeglicher Kunst und Wissenschaft, die Prinzen wohl anstehen. Der König und alle Wesire und Emire hatten 163 ihre Freude an ihm und beschlossen, daß ich ihn heiraten und er als Erbe des Throns und Königreiches dem Sultan folgen sollte. Der Jüngling freute sich ebenfalls über solche Zeichen der Huld seitens meines Vaters, am meisten aber freute es ihn von seiner Vereinigung mit der einzigen Tochter seines Beschützers reden zu hören. Eines Tages nun wünschte mein Vater meine Hand in die seinige zu legen, damit die Hochzeitsceremonie sofort stattfände; zuvor wollte er jedoch meinem Bewerber gewisse Bedingungen auferlegen, von denen eine war, daß er nie eine andre als mich, die Tochter seiner Gemahlin, heiraten sollte. Diese Bedingung mißfiel jedoch dem hochfahrenden Jüngling, der auf der Stelle seine Zustimmung hierzu verweigerte, indem er glaubte, er werde durch das Verlangen einer solchen Bedingung als ein verächtlicher und geringgeschätzter Bewerber von gemeiner Geburt angesehen. Auf diese Weise ward die Hochzeit verschoben, und dieser Verzug erregte dem Jüngling hohes Mißvergnügen, da er in seinem Herzen meinen Vater für seinen Feind hielt. Infolgedessen lauerte er ihm stets auf um ihn in seine Gewalt zu bekommen, bis er ihn eines Tages in einem Wutanfall erschlug und sich selber zum König von Darjabar erklärte. Überdies wollte der Mörder in mein Gemach eindringen, um mich ebenfalls umzubringen, wenn mich nicht der Wesir, ein treuergebener Diener der Krone, bei der Nachricht vom Tod seines Herrn fortgenommen und im Hause eines Freundes versteckt hätte, wo er mir befahl mich verborgen zu halten. Zwei Tage hernach, nachdem er ein Schiff ausgerüstet hatte, brachte er mich mit einer Duenna an Bord und segelte nach dem Lande eines meinem Vater befreundeten Königs, um mich seinem Schutz anzuvertrauen und von ihm ein Hilfsheer zu erhalten, damit er sich an dem undankbaren Jüngling rächte, der sich als Verräter am Salz erwiesen hatte. Wenige Tage nachdem wir die Anker gelichtet hatten, erhob sich jedoch ein rasender Sturm, der dem Kapitän und der Schiffsmannschaft alle Besinnung raubte, und mit einem 164 Male stürzten die Wogen mit so gewaltiger Stärke über das Schiff, daß es zerbrach und der Wesir, die Duenna und alle andern, die sich auf ihm befanden, in den Wogen ertranken. Ich allein klammerte mich, wiewohl halb ohnmächtig, an eine Planke und ward bald hernach von der Meeresströmung an den Strand geworfen, denn Gott hatte mich in seiner Allmacht aus dem rasenden Meer vor dem Tode errettet, damit mich noch andre Leiden träfen. Als ich wieder zum Bewußtsein gelangte, fand ich mich lebend am Strand und sagte Gott, dem Erhabenen, Dank; da ich aber weder den Wesir noch die andern erblickte, erkannte ich, daß sie im Wasser umgekommen waren. Da gedachte ich wieder der Ermordung meines Vaters und stieß einen lauten schmerzlichen Schrei aus; und in meiner Verlassenheit fürchtete ich mich so sehr, daß ich mich wieder ins Meer stürzen wollte, als plötzlich die Stimme eines Mannes und das Getrampel von Pferdehufen in meine Ohren schallte. Als ich mich daraufhin umwendete, gewahrte ich eine Reiterschar, in deren Mitte sich ein hübscher Prinz befand; er saß auf einem Roß von edelstem arabischen Geblüt und trug einen goldgestickten Überrock; ein mit Diamanten besetzter Gurt umschloß seinen Leib, und auf seinem Haupte trug er eine goldne Krone; kurz, sowohl aus seiner Tracht als aus seinem Anblick ergab es sich, daß er ein geborener Herrscher war. Als mich die Ritter mutterseelenallein am Meeresstrande gewahrten, verwunderten sie sich über die Maßen, und der Prinz entsandte einen seiner Hauptleute sich nach meiner Geschichte zu erkundigen und ihm Bericht zu erstatten. Wiewohl jedoch der Hauptmann mit Fragen in mich drang, gab ich ihm keine Antwort und vergoß im tiefsten Schweigen eine Thränenflut. Infolgedessen sprachen sie angesichts der Schiffstrümmer bei sich: »Wahrscheinlich ist irgend ein Schiff an diesem Strand gescheitert; seine Planken und Balken sind an den Strand geworfen, und zweifellos befand sich dieses Mädchen im Schiff und wurde auf einer Planke ans Land getrieben.« Hierauf drängten sich die Ritter 165 um mich und baten mich ihnen mein Widerfahrnis zu erzählen, doch antwortete ich ihnen auch jetzt noch kein Wort. Alsdann näherte sich mir der Prinz selber und schickte erstaunt sein Gefolge fort, worauf er mich mit folgenden Worten anredete: »O meine Herrin, befürchte nichts Böses von mir und betrübe dich nicht durch unnötige Furcht. Ich will dich nach Hause nehmen und unter die Obhut meiner Mutter stellen; doch möchte ich aus diesem Grunde gern wissen, wer du bist. Die Königin wird sich sicherlich mit dir befreunden und dich in aller Bequemlichkeit und Zufriedenheit halten.« Als ich nun merkte, daß sich sein Herz mir zuneigte, erzählte ich ihm alles, was mir widerfahren war, und er ward aufs tiefste beim Anhören der Geschichte meiner traurigen Schicksale bewegt, so daß seine Augen in Thränen schwammen. Dann tröstete er mich und nahm mich mit sich, worauf er mich seiner Mutter der Königin übergab, die ebenfalls meiner Geschichte ein freundliches Ohr lieh und sich beim Anhören derselben schwer bekümmerte und nicht müde ward, Tag und Nacht, so weit es in ihren Kräften stand, mich zu pflegen und glücklich zu machen. Überdies war sie, als sie sah, daß sich ihr Sohn in mich verliebt hatte und von Liebe verstört war, damit einverstanden, daß ich seine Gattin würde, während ich gleichfalls darin einwilligte, als ich die Schönheit und Vornehmheit seines Gesichts und seiner Gestalt sah und seine erprobte Liebe und Herzensgüte erwog. Infolgedessen ward in gehöriger Zeit die Hochzeit mit königlichem Pomp und Prunk gefeiert. Doch wer vermöchte dem Schicksal zu entrinnen? In der Hochzeitsnacht ergriff ein König von Zanzibar, der nahe bei jener Insel wohnte und zuvor bereits gegen das Königreich Umtriebe gemacht hatte, die günstige Gelegenheit und griff uns mit einem gewaltigen Heer an. Nachdem er viele erschlagen hatte, gedachte er mich und meinen Gatten lebend gefangen zu nehmen, doch entrannen wir seinen Händen und flüchteten unter dem Dunkel der Nacht an den Meeresstrand. Wir fanden dort ein Fischerboot, in das wir, 166 unsern Sternen dankend, stiegen, worauf wir abstießen und uns von der Strömung weit fort tragen ließen, ohne zu wissen, wohin uns das Schicksal trieb. Am dritten Tage gewahrten wir ein Schiff, das auf uns zusteuerte, worüber wir uns mächtig freuten, da wir glaubten, es wäre irgend ein Kauffahrer, der uns zu Hilfe käme. Kaum hatte es sich jedoch neben uns gelegt, als fünf oder sechs Piraten mit gezückten Schwertern in der Faust zu uns hineinsprangen, uns die Arme nach hinten zusammenbanden und uns auf ihr Schiff schleppten. Dann rissen sie mir den Schleier vom Gesicht und verlangten mich sogleich zu besitzen, indem ein jeder zum andern sagte: »Ich will diese Dirne haben.« In dieser Weise entbrannte Zank und Streit, bis es nach kurzer Zeit zum Handgemenge und Blutvergießen kam und einer nach dem andern fiel, bis alle Räuber erschlagen waren und nur noch ein einziger Pirat, der tapferste von der Bande, übrigblieb, der zu mir sagte: »Du sollst mit mir nach Kairo fahren, wo einer meiner Freunde wohnt, und ich will dich ihm geben, da ich ihm versprach, daß ich ihm auf dieser Fahrt ein schönes Mädchen als Sklavin beschaffen würde.« Als er dann meinen Gatten sah, den die Piraten gebunden hatten, rief er: »Wer ist dieser Hund? Ist's ein Liebhaber oder ein Freund?« Ich versetzte: »Es ist mein mir vermählter Gatte.« Da rief er: »Es ist gut; fürwahr, es geziemt mir ihn von den bittern Schmerzen der Eifersucht und dem Anblick, dich in eines andern Armen zu sehen, zu befreien.« Hierauf hob der Schurke den unglücklichen Prinzen, an Händen und Füßen gebunden, hoch und warf ihn ins Meer, während ich laut schrie und ihn vergeblich um Barmherzigkeit anflehte. Als ich den Prinzen in den Wellen ringen und untergehen sah, schrie und jammerte ich, indem ich mir ins Gesicht schlug, die Haare ausraufte und mich ebenfalls ins Wasser stürzen wollte. Jedoch vermochte ich es nicht, da er mich festhielt und mich an den Hauptmast band. Alsdann setzten wir unsre Fahrt mit günstigem Wind fort und gelangten nach 167 kurzer Zeit zu einer kleinen Hafenstadt, wo er Kamele und Sklaven kaufte und nach Kairo zog. Als wir jedoch wenige Tagemärsche unsrer Reise hinter uns hatten, kam plötzlich der Abessinier, der in diesem Schloß wohnte, auf uns zu. Aus der Ferne hielten wir ihn für einen hohen Turm, und als er uns näher kam, konnten wir kaum glauben, daß es ein menschliches Wesen war. Sein gewaltiges Schwert ziehend, sprengte er sofort auf den Seeräuber los und befahl ihm, sich samt mir und allen seinen Sklaven gefangen zu geben und ihn mit nach hinten gebundenen Armen zu begleiten. Da stürzte sich der Räuber mit feurigem Mut an der Spitze seiner Sklaven auf den Abessinier, und lange Zeit tobte der Kampf erbittert hin und her, bis er mit seinen Leuten tot auf dem Feld lag, worauf der Abessinier die Kamele forttrieb und mich samt dem Leichnam des Seeräubers zu diesem Schloß nahm, wo er das Fleisch seines Gegners zum Abendessen verschlang. Hierauf wendete er sich zu mir, während ich bitterlich weinte, und sagte: »Banne dies Weh und diesen Zorn aus deiner Brust und weile in diesem Schloß in aller Ruhe und Bequemlichkeit und tröste dich mit meiner Umarmung. Da du jetzt jedoch schwer betrübt bist, will ich dich für heute Nacht entschuldigen; morgen aber mußt du dich mir unbedingt ergeben.« Alsdann führte er mich in eine abgesonderte Kammer und legte sich, nachdem er die Thore und Thüren fest verschlossen hatte, in einem andern Raum schlafen. Am nächsten Morgen in der Frühe erhob er sich und suchte das Schloß rundum ab, worauf er, die Pforte öffnend und dann wieder verschließend, wie gewöhnlich auszog, um Reisende zu überfallen. Die Karawane entkam ihm jedoch, und als er mit leeren Händen heimkehrte, stieß er auf dich, und du erschlugst ihn.«

 

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