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Tausend und eine Nacht. Band XVII

Max Henning: Tausend und eine Nacht. Band XVII - Kapitel 5
Quellenangabe
typenarrative
authorUnbekannte Autoren
titleTausend und eine Nacht. Band XVII
publisherVerlag von Philipp Reclam jun.
yearo.J.
firstpub1895
translatorMax Henning
pages174
created20180413
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Schluß.

Während dieser Zeit nun hatte Schehersad von dem König drei Knaben geboren, und, als sie diese Geschichte beendet hatte, erhob sie sich auf ihre Füße und sprach, die Erde vor dem König küssend: »O König der Zeit und Unikum des 173 Jahrhunderts, siehe, ich bin deine Sklavin und habe dir nunmehr tausend und eine Nacht hindurch die Geschichten der Früheren und die warnenden Beispiele der Alten erzählt; darf ich mir nunmehr die Freiheit nehmen und mir von deiner Majestät einen Wunsch erbitten?« Der König versetzte: »Wünsche, und es wird dir gegeben werden, o Schehersad.« Da rief sie nach den Ammen und Eunuchen und sprach zu ihnen: »Bringt meine Kinder her.« Schnell brachten sie ihr dieselben, und da waren es drei Knaben, von denen der eine ging, während der andre kroch und der dritte noch sog. Und nun nahm sie die Kinder und, sie vor den König stellend, küßte sie die Erde vor ihm und sprach: »O König der Zeit, siehe, dieses sind deine Knaben, und ich erbitte mir, daß du mir diesen Kleinen zuliebe das Leben schenkst; denn, so du mich tötest, werden diese Kleinen ohne Mutter sein und werden unter den Frauen keine finden, sie gehörig zu erziehen.« Da weinte der König und sprach, indem er die Knaben an die Brust preßte: »O Schehersad, bei Gott, ich hatte dir schon vergeben, bevor diese Knaben gebracht wurden, da ich dich keusch; fromm, edel und rein sah. Gott segne dich, deine Eltern, deine Wurzel und deinen Zweig! Und ich nehme Gott wider mich zum Zeugen, daß ich dir vergeben habe, und daß dich nicht das geringste Leid treffen soll.« Da küßte sie ihm Hände und Füße und sprach in mächtiger Freude zu ihm: »Gott lasse dein Leben lange währen und mehre dich an Majestät und Würde!« Alsdann verbreitete sich die Freude durch den Serâj und breitete sich in der Stadt aus, und es war eine Nacht, nicht unters Leben zu zählen, deren Farbe weißer war als des Tages Antlitz. Am andern Morgen ließ der König, fröhlich und von Glück überschüttet, alle Truppen vor sich entbieten und verlieh dem Wesir, dem Vater Schehersads, ein kostbares herrliches Ehrenkleid, indem er zu ihm sprach: »Gott schütze dich dafür, daß du mir deine edle Tochter zur Frau gabst, welche es zuwege brachte, daß ich mich nunmehr in Reue der Hinrichtung der Töchter der Leute 174 enthalte. Ich sah, daß sie edel, rein, keusch und tugendhaft ist, und Gott schenkte mir drei Knaben von ihr. Gelobt sei Gott für diese reiche Huld!« Dann verlieh er allen andern Wesiren, Emiren und Großen des Reiches Ehrenkleider und befahl die Stadt dreißig Tage lang zu schmücken, und keiner vom Stadtvolk gab etwas von seinem Geld aus, vielmehr wurden alle Kosten und Ausgaben aus der Schatzkammer des Königs bestritten. Und so schmückten sie die Stadt so prächtig wie nie zuvor aus, und die Tamburins wurden getrommelt, die Flöten geblasen und alle Spielleute trieben Kurzweil, während der König ihnen reiche Spenden und Geschenke machte, den Armen und Bettlern Almosen gab, und alle seine Unterthanen und das ganze Volk seines Königreiches mit seiner Huld umfaßte. Hierauf lebte er mit seinem ganzen Reich in Glück und Freude, in Wonne und Zufriedenheit, bis der Zerstörer der Freuden und der Trenner der Vereinigungen sie heimsuchte.

Preis Ihm, den der Zeiten Umschwung
nicht vertilgt, und den kein Wandel
befällt!  Den das  eine Ding  nicht
abbringt   von    einem   andern
Ding,   und   der  einzig ist  in
den  Eigenschaften  der Voll-
kommenheit!   Und  Segen
und   Heil  auf   den Imâm
Seiner  Hoheit, das Beste
Seiner   Geschöpfe,   un-
sern Herrn Mohammed,
den Herrn der Mensch-
heit,  den wir  demütig
anflehen um ein recht-
schaffenes
Ende!

 


 

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