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Tausend und eine Nacht. Band XII

Max Henning: Tausend und eine Nacht. Band XII - Kapitel 3
Quellenangabe
typenarrative
authorUnbekannte Autoren
titleTausend und eine Nacht. Band XII
publisherVerlag von Philipp Reclam jun.
yearo.J.
firstpub1895
translatorMax Henning
pages200
created20180225
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Hind, die Tochter des En-Noomân, und El-Haddschâdsch.

Ferner erzählt man, daß Hind, die Tochter des En-Noomân, das schönste Weib seiner Zeit war, und es wurde ihre Schönheit und Anmut El-Haddschâdsch berichtet, worauf er sich um sie bewarb und viel Geld für sie draufgehen ließ. Als er sie heiratete, mußte er sich verpflichten, nach der Morgengabe ihr noch zweihunderttausend Dirhem zu zahlen; alsdann suchte er sie heim und blieb lange Zeit bei ihr. Wie er sie nun eines Tages wieder einmal besuchte, fand er sie im Spiegel ihr Gesicht betrachten und die Verse sprechen:

»Hind ist, fürwahr, ein arabisches Füllen
Aus edlem Geblüt, das ein Maultier gedeckt hat.
Gebärt sie ein Hengstfüllen, so segne sie Gott,
Gebärt sie ein Maultier, ist das Maultier dran schuld.«

Als El-Haddschâdsch dies vernahm, kehrte er um, ohne daß sie ihn bemerkt hatte, und schickte Abdallāh bin Tâhir zu ihr, um sich von ihr zu scheiden. Abdallāh bin Tâhir begab sich 11 zu ihr und sprach zu ihr: »El-Haddschâdsch Abū Mohammed läßt dir sagen: Hier sind die zweihunderttausend Dirhem, die ich dir noch von der Morgengabe schuldete; und er hat mich mit der Scheidung beauftragt.« Hind erwiderte ihm darauf: »Wisse, Sohn des Tâhir, während der ganzen Zeit unseres Beisammenseins hatte ich keinen einzigen Tag Freude an ihm; trennen wir uns daher, so werde ich es, bei Gott, nie bereuen, und die zweihunderttausend Dirhem schenke ich dir für die gute Nachricht von meiner Befreiung von jenem Hund von Thakîf.Ein arabischer Stamm.« Hernach vernahm der Fürst der Gläubigen Abd el-Melik bin Merwân von ihr, und es ward ihm ihre Schönheit und Anmut, ihr Wuchs und Ebenmaß, ihrer Rede Süße und ihr Gazellengeäugele beschrieben, so daß er zu ihr schickte und sich um sie bewarb.

Sechshundertundzweiundachtzigste Nacht.

Sie schickte ihm als Antwort einen Brief, in dem sie nach der Lobpreisung Gottes und dem Segenswunsch über seinen Propheten Mohammed – Gott segne ihn und spende ihm Heil! – schrieb: »Des Ferneren, so wisse, o Fürst der Gläubigen, daß der Hund am Gefäß geleckt hat.« Als der Fürst der Gläubigen ihren Brief las, belachte er ihre Worte und schrieb ihr die Antwort mit des Propheten Wort: »Wenn der Hund an dem Gefäße eines von euch geleckt hat, so wasche er sich siebenmal, darunter einmal mir Erde,« und fügte hinzu: »Wasch' das Stäubchen ab von dem Ort des Gebrauchs.« Als sie das Schreiben des Fürsten der Gläubigen gelesen hatte, schrieb sie ihm, da sie ihm nicht mehr widersprechen konnte, nach der Lobpreisung Gottes, des Erhabenen, die Worte: »Wisse, o Fürst der Gläubigen, ich will den Bund nur unter einer Bedingung eingehen; und so du mich fragst, welches diese Bedingung ist, so sage ich, daß El-Haddschâdsch meine Sänfte nach der Stadt, in welcher 12 du dich aufhältst, geleiten soll, barfuß und in den Kleidern, die er trägt.« Als der Chalife diesen Brief von ihr las, lachte er laut und mächtig und schickte zu El-Haddschâdsch, ihm dieses befehlend. El-Haddschâdsch gehorchte, als er das Schreiben des Fürsten der Gläubigen gelesen hatte, ohne irgend welchen Widerspruch und schickte zu Hind, ihr befehlend sich zurecht zu machen. Nachdem sie sich bereit gemacht hatte, langte El-Haddschâdsch mit seinem Gefolge vor Hinds Thür an, und, als sie nun die Sänfte bestieg und rings um sie ihre Sklavinnen und Eunuchen aufsaßen, stieg El-Haddschâdsch ab, ergriff den Zügel des Kamels und führte es barfuß, während sie sich mit ihrer Badewärterin und ihren Sklavinnen über ihn lustig machte, ihn verspottete und verlachte. Dann sagte sie zu ihrer Badewärterin: »Heb' den Vorhang der Sänfte auf.« Sie that es, und, als sie nun mit El-Hadschâdsch Angesicht in Angesicht war, lachte sie ihn aus, worauf er den Vers sprach:

»Wenn du auch jetzt lachst, o Hind, wie viele Nächte wohl
Warst du schlaflos durch mich und klagtest.«

Da gab sie ihm folgende zwei Verse zur Antwort:

»Wenn wir wohlbehalten blieben, so macht es nichts aus,
Wie viel Geld und Gut es uns auch kostete.
Geld läßt sich wieder verdienen und Ehre gewinnen,
Wenn man nur geheilt ist von Krankheit und Schmerzen.«

Und sie hörte nicht eher auf ihn zu verlachen und verspotten, als bis sie sich der Stadt des Chalifen näherte, bei deren Betreten sie einen Dinar zur Erde warf und zu ihm sagte: »Kameltreiber, uns ist ein Dirhem entfallen, such' ihn und gieb ihn uns wieder.« Da schaute El-Haddschâdsch auf den Boden; als er aber nur den Dinar gewahrte, sagte er zu ihr: »Das ist ein Dinar. Sie erwiderte ihm: »Nein, es ist ein Dirhem,« worauf er von neuem entgegnete: »Nein, es ist ein Dinar.« Da rief sie: »Gelobt sei Gott, der uns für einen wertlosen Dirhem einen Dinar gab! Reiche ihn uns.« Vor Scham hierüber errötend, führte sie El-Haddschâdsch in 13 den Palast des Fürsten der Gläubigen Abd el-Melik bin Merwân, und sie trat ein bei ihm und ward eine seiner Beischläferinnen.

 


 

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