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Tausend und eine Nacht. Band X

Max Henning: Tausend und eine Nacht. Band X - Kapitel 48
Quellenangabe
type
authorUnbekannte Autoren
titleTausend und eine Nacht. Band X
publisherVerlag von Philipp Reclam jun.
yearo.J.
firstpub1895
translatorMax Henning
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20150411
projectidbbb389ae
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Fünfhundertunddreiundachtzigste Nacht.

Hierauf ritten sie wieder weiter, bis sie gegen Tagesanbruch in ein grünes, strahlendes Gelände kamen, darinnen die Bäume ragten, die Vögel sangen, die Gärten in herrlichster Pracht blühten und viele stolze Schlösser standen. Hier stieg der Dschinnenprinz von seinem Roß, und befahl dem Jüngling ebenfalls abzusteigen, worauf er ihn bei der Hand nahm und ihn in eines der Schlösser führte, in welchem er einen erhabenen König und stolzen Sultan erblickte. Nachdem er den ganzen Tag über bis zum Anbruch der Nacht bei ihm verweilt und gegessen und getrunken hatte, erhob sich der Dschinnenprinz wieder und bestieg sein Roß, den Menschenprinzen hinter sich nehmend, worauf sie unter dem Dunkel der Nacht bis zum Morgen hurtig dahertrabten, bis sie gegen Tagesanbruch zu einem schwarzen, unbewohnten, mit schwarzen Steinen und Felsen besäeten Gelände gelangten, als wäre es ein Stück von Dschehannam. Da fragte der Menschenprinz: »Wie heißt dieses Land?« Der Dschinnenprinz erwiderte: »Es heißt das schwarze Land und gehört einem Dschinnenkönig, Namens Zul-Dschanâhein, Der Herr der beiden Schwingen. den keiner der andern Könige zu bezwingen vermag, und ohne dessen Erlaubnis es keiner betreten darf. Bleib daher auf deinem Fleck stehen, bis ich seine Erlaubnis eingeholt habe. Während nun der Jüngling stehen blieb, ging der Dschinnenprinz fort und kehrte nach einer Weile zurück, worauf sie weiter ritten, bis sie zu einer Quelle gelangten, die aus schwarzen Bergen hervorströmte. Hier sagte der Dschinnenprinz zum Jüngling: »Steig ab.« Da stieg der Jüngling von seinem Roß ab, und der Dschinnenprinz sprach: »Trink von dieser Quelle.« Und zu derselbigen Zeit und Stunde, zu welcher der Jüngling aus der Quelle trank, ward er wieder wie zuvor durch Gottes, des Erhabenen, Allmacht eine Mannsperson. Da freute sich der Jüngling maßlos und fragte: »O mein Bruder, wie heißt diese Quelle?« Der Dschinnenprinz versetzte: »Sie heißt die Frauenquelle, weil jede Frau, die aus ihr trinkt, zum Manne wird. Lobe Gott, dank' ihm für deine Genesung und besteig' dein Pferd.« Da warf sich der Prinz, Gott, dem Erhabenen, dankend, nieder, worauf er sein Pferd bestieg, und nun beide den Rest des Tages über hurtig einhertrabten, bis sie jenes Dschinnîs Land wieder erreicht hatten, bei dem der Prinz die Nacht herrlich und in Freuden verbrachte. Den ganzen folgenden Tag über schmausten und zechten sie, bis die Nacht hereinbrach, worauf der Dschinnenprinz den Jüngling fragte: »Wünschest du heute Nacht zu deinen Angehörigen heimzukehren?« Der Jüngling erwiderte: »Ja, ich möchte es gern, ich sehne mich danach.« Da rief der Dschinnenprinz einen von seines Vaters Sklaven, Namens Râdschis, und sagte zu ihm: »Nimm diesen jungen Mann von mir fort, lad ihn auf deine Schulter und laß den Morgen nicht über ihn anbrechen, bevor er bei seinem Schwiegervater und seiner Gattin angelangt ist.« Der Sklave erwiderte: »Ich höre und gehorche; freut mich und ehrt mich!« Hierauf ging er fort und kehrte nach einer Weile in Ifrîtengestalt wieder, so daß der junge Mann bei seinem Anblick vor Entsetzen seinen Verstand verlor, der Dschinnenprinz aber sagte zu ihm: »Sei ohne Furcht, steig auf dein Pferd und setz' mit ihm auf seine Schulter.« Der Jüngling versetzte jedoch: »Nein, ich will mein Pferd bei dir lassen und mich selber auf seine Schulter setzen.« Hierauf stieg er von seinem Pferd herunter und stieg auf die Schulter des Ifrîten, worauf der Dschinnenprinz zu ihm sagte: »Schließe deine Augen.« Da schloß er seine Augen, und der Ifrît erhob sich und entschwebte mit ihm zwischen Himmel und Erde, ohne daß der Jüngling etwas von sich wußte. Ehe aber noch das letzte Drittel der Nacht anbrach, befand er sich auf dem Dach des Palastes seines Schwiegervaters, und der Ifrît sagte zu ihm: »Steig' ab.« Da stieg er ab, und nun sagte der Ifrît: »Öffne deine Augen, denn dies ist das Schloß deines Schwiegervaters und seiner Tochter.« Hierauf verließ er ihn und verschwand. Als es nun lichter Tag geworden war, und der Jüngling seine Angst überstanden hatte, stieg er vom Schloßdach zu seinem Schwiegervater herunter, der sich bei seinem Anblick vor ihm erhob, ihm entgegenging und, verwundert darüber, ihn vom Schloßdach herabsteigen zu sehen, zu ihm sagte: »Sonst sehen wir die Leute durch die Thüren kommen, du aber steigst vom Himmel herab.« Der Prinz erwiderte ihm darauf: »Was Gott – Preis Ihm, dem Erhabenen! – will, das geschieht.« Verwundert hierüber und zugleich über seine Rettung erfreut, befahl der König nach Sonnenaufgang seinem Wesir prächtige Bankette anzurichten, und, als dieselben fertig waren, wurde die Hochzeit gefeiert, worauf der Prinz seine Gattin heimsuchte und zwei Monate lang bei seinem Schwiegervater verweilte. Alsdann reiste er mit ihr zur Residenz seines Vaters, während ihr Vetter aus Eifersucht und Neid darüber, daß der Prinz sie heimgeführt und Gott – Preis Ihm, dem Erhabenen! – ihm über ihn und den Wesir seines Vaters den Sieg gegeben hatte, starb. In vollkommenstem Glück und in höchster Freude langte der Prinz mit seiner Gattin bei seinem Vater an, der ihn mit seinen Truppen und seinen Wesiren einholte.

So hoffe auch ich zu Gott, dem Erhabenen, daß er dir gegen deine Wesire beistehen wird, o König, und ich bitte dich, daß du mir mein Recht an deinem Sohne verschaffst.« Als der König dies vernahm, befahl er seinen Sohn hinzurichten.

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