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Tausend und eine Nacht. Band X

Max Henning: Tausend und eine Nacht. Band X - Kapitel 42
Quellenangabe
type
authorUnbekannte Autoren
titleTausend und eine Nacht. Band X
publisherVerlag von Philipp Reclam jun.
yearo.J.
firstpub1895
translatorMax Henning
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20150411
projectidbbb389ae
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Fünfhundertundsiebenundsiebzigste Nacht.

Als der Emir Mûsâ diese Worte hörte, weinte er bitterlich, bis er in Ohnmacht sank. Als er wieder zu sich kam, schrieb er alles auf und ließ sich alles, was er gesehen hatte, als Lehre dienen. Hierauf sagte er zu seinen Gefährten: »Holt die Doppelsäcke und packt all dieses Geld, die Gefäße, Kostbarkeiten und Edelsteine hinein.« Da sagte Tâlib bin Sahl zum Emir Mûsa: »O Emir, sollen wir dieses Mädchen mit all ihrem Schmuck hier lassen, der seinesgleichen nicht hat, dem ähnliches nie wieder gefunden wird? Es ist viel besser als alle Kostbarkeiten, die du nimmst, und das schönste Geschenk, durch das wir die Gunst des Fürsten der Gläubigen gewinnen können.« Der Emir Mûsa versetzte: »Du da, hast du nicht vernommen, was uns das Mädchen auf der Tafel befiehlt, zumal wo sie es uns als Unterpfand giebt und wir keine treulosen Buben sind?« Der Wesir Tâlib entgegnete jedoch: »Sollen wir etwa wegen der Worte da diese Schätze und Edelsteine liegen lassen, wo sie tot ist? Was sollte sie wohl hiermit anfangen, wo dies der Schmuck der Welt und nur der Lebenden Zier ist, und wo ein Wollenkleid zu ihrer Hülle ausreicht? Uns kommt es mehr zu als ihr.« Hierauf trat er an die Treppe heran und stieg die Stufen hinauf, bis er zwischen den beiden Säulen stand; als er aber zwischen die beiden Hüter trat, versetzte ihm der eine einen Keulenschlag auf den Rücken, während der andere ihm mit einem Schwertstreich das Haupt herunterholte, so daß er tot zu Boden stürzte. Da sagte der Emir Mûsa: »Gott erbarme sich nicht deiner Ruhestätte! Fürwahr, es war genug an diesen Schätzen; die Habgier erniedrigt einen Mann.« Hierauf ließ er die Truppen eintreten, welche die Kamele mit den Schätzen und Edelerzen und Gesteinen beluden; dann befahl er ihnen das Thor wieder zu verriegeln, wie es zuvor gewesen war, und zog mit ihnen am Meeresgestade entlang, bis sie in Sicht eines hohen Berges gelangten, der das Meer überragte und voll von Höhlen war, in denen ein Negervolk hauste, das in lederne Häute gekleidet war, auf den Köpfen ebenfalls Burnusse aus Leder trug und eine unbekannte Sprache redete. Als die Schwarzen die Truppen erblickten, flüchteten sie erschreckt zu jenen Höhlen, während ihre Weiber und Kinder an den Eingängen derselben standen. Da fragte der Emir Mûsa: »Scheich Abd es-Samad, was sind das für Menschen?« Der Scheich erwiderte: »Sie sind die vom Fürsten der Gläubigen Gesuchten.« Hierauf stiegen sie ab, nahmen die Lasten herunter und schlugen die Zelte auf; kaum aber waren sie damit fertig geworden, als der König der Schwarzen, der Arabisch sprach, vom Berge zu ihnen herunterstieg. Als er zu dem Emir Mûsa gelangte, begrüßte er ihn, worauf dieser ihm den Salâm erwiderte und ihn mit Auszeichnung aufnahm. Dann fragte ihn der König der Schwarzen: »Seid ihr Menschen oder Dschinn?« Der Emir Mûsa erwiderte: »Was uns anlangt, so sind wir Menschen, ihr aber seid ohne Zweifel Dschinn, da ihr so abgelegen von allen Geschöpfen auf diesem einsamen Berge haust und solche riesigen Leiber habt.« Der König der Schwarzen versetzte jedoch: »Nein, wir sind ebenfalls Menschen und sind vom Stamme der Kinder Cham, des Sohnes Noahs, – Frieden sei auf ihm! – dieses Meer aber heißt das Meer von El-Karkar.« Einschaltung nach der Macnaghtenschen Ausgabe.Nun fragte der Emir Mûsa: »O König, was habt ihr für eine Religion und was betet ihr an?« Der König erwiderte: »Wir beten den Gott der Himmel an und unsere Religion ist die Religion Mohammeds, – Gott segne ihn und spende ihm Heil! –«] Da fragte der Emir Mûsa: »Und wie kamt ihr zur Kenntnis hiervon, wo kein Prophet in dieses euer Land entsandt wurde?« Der König versetzte: »Wisse, o Emir, uns erschien aus diesem Meere ein Mann, von dem ein Licht ausstrahlte, das die weite Welt erhellte, und der mit so lauter Stimme rief, daß man es nah und fern hören konnte: »Ihr Kinder Cham, verehrt den, der sieht und nicht gesehen wird, und sprechet: Es giebt keinen Gott außer Gott, Mohammed ist der Gesandte Gottes! – Und ich bin Abul-Abbâs el-Chidr.« Vor diesem hatten wir einander angebetet, nun aber lud er uns ein zur Anbetung des Herrn der Menschen. Außerdem aber lehrte er uns auch noch andere Worte zu sprechen.« Da fragte der Emir Mûsa: »Und welches sind sie?« Der König erwiderte: »Sie lauten: Es giebt keinen Gott außer dem einigen Gott, der keinen Genossen hat; Ihm ist das Reich und Ihm das Lob. Er giebt das Leben und den Tod und hat Macht über alle Dinge. Mit keinen andern Worten als mit diesen nähern wir uns Gott, dem Mächtigen und Herrlichen, denn nur diese kennen wir. Und in jeder Nacht zum Freitag schauen wir ein Licht auf dem Angesicht der Erde und hören eine Stimme, die da ruft: Hehr und heilig ist der Herr der Engel und des Geistes. Der heilige Geist ist gemeint, der Erzengel Gabriel. Was Gott will, das geschieht, und was er nicht will, das geschieht nicht. Alles Gute kommt von Gottes Gnade, und es giebt keine Macht und keine Kraft außer bei Gott, dem Hohen und Erhabenen!« Hierauf sagte der Emir Mûsa zu ihm: »Wir sind Boten vom König des Islâms Abd el-Melik, dem Sohn des Merwân, und kommen her wegen der kupfernen Flaschen, die bei euch im Meer liegen, und in welche seit der Zeit Salomos, des Sohnes Davids – Frieden auf beide! – die Satane eingesperrt sind! Er befahl uns, ihm einige Flaschen zu bringen, damit er sie sähe und sein Vergnügen an ihnen hätte.« Der König der Schwarzen erwiderte: »Freut mich und ehrt mich.« Hierauf bewirtete er sie mit dem Fleisch von Fischen und befahl den Tauchern einige suleimanische Flaschen aus dem Meer herauszuholen, worauf dieselben zwölf Flaschen brachten. Der Emir Mûsa, der Scheich Abd es-Samad und alle Truppen freuten sich hierüber, da sie nunmehr den Auftrag des Fürsten der Gläubigen ausgerichtet hatten, und der Emir Mûsa machte dem König der Schwarzen viele Geschenke und reiche Präsente, die der König der Schwarzen ihm mit einem Geschenk von menschenähnlichen Meerwundern erwiderte, indem er zu ihm sagte: »Ihr seid während dieser drei Tage, die ihr bei uns verweiltet, mit dem Fleisch dieser Fische bewirtet.« Da entgegnen der Emir Mûsa: »Wir müssen unbedingt einige dieser Fische mit uns nehmen, daß der Fürst der Gläubigen sie sieht, da er an ihnen größere Freude als an den suleimanischen Flaschen haben wird.«

Hierauf verabschiedeten sie sich von ihm und traten den Heimweg an, bis sie wieder nach Damaskus im Lande Syrien gelangten. Hier angelangt, traten sie vor den Fürsten der Gläubigen Abd el-Melik, den Sohn des Merwân, und der Emir Mûsa berichtete ihm alles, was er geschaut, und alle die Verse, die Nachrichten und Ermahnungen, die er gelesen hatte, sowie auch Tâlib bin Sahls Schicksal, worauf der Fürst der Gläubigen versetzte: »Wäre ich doch bei euch gewesen, daß ich hätte schauen können, was ihr schautet!« Dann nahm er die Flaschen und öffnete eine nach der andern, worauf die Satane aus ihnen herausfuhren und zur Verwunderung Abd el-Melik bin Merwâns riefen: »Wir bereuen, o Prophet Gottes, und wollen nimmermehr wieder so sein.«

Was aber die Meertöchter anlangt, die ihnen der König der Schwarzen geschenkt hatte, so setzten sie dieselben in Wassertröge, doch starben sie in der großen Hitze.

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