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Tausend und eine Nacht. Band X

Max Henning: Tausend und eine Nacht. Band X - Kapitel 40
Quellenangabe
type
authorUnbekannte Autoren
titleTausend und eine Nacht. Band X
publisherVerlag von Philipp Reclam jun.
yearo.J.
firstpub1895
translatorMax Henning
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20150411
projectidbbb389ae
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Fünfhundertundfünfundsiebigste Nacht.

Hier fand er eine große Halle, auf die vier einander gegenüberliegende hohe, große und weite Zimmer hinausgingen, die mit Gold und Silber und bunten Farben bemalt waren. Mitten in der Halle befand sich ein großer marmorner Springbrunnen, über welchen ein Baldachin von Brokat ausgespannt war. In den vier Zimmern befanden sich Sitzplätze, von denen ein jeder einen prunkvoll gebauten Springbrunnen und ein marmoriertes Becken hatte, aus denen das Wasser in Kanälen in ein großes, mit buntem Marmor ausgelegtes Bassin lief. Der Emir Mûsa sagte nun zum Scheich Abd es-Samad: »Komm, wir wollen in diese Zimmer treten.« Hierauf traten sie in das erste Zimmer, das sie angefüllt mit Gold, weißem Silber, Perlen, Edelsteinen, Hyazinthen und andern kostbaren Erzen und Gesteinen fanden, sowie Kisten voll von rotem, gelbem und weißem Brokat. Dann begaben sie sich in das zweite Zimmer, in welchem sie eine Kammer öffneten, die mit Waffen und Kriegszeug, wie vergoldeten Helmen, davidischen Panzern, indischen Schwertern, Lanzen von El-Chatt Ein Ort in Jemen., chwaresmischen Keulen und anderm Kriegszeug angefüllt war. Von hier begaben sie sich zum dritten Zimmer, in welchem sie verschlossene und mit reichgestickten Vorhängen bedeckte Kammern erblickten. Sie öffneten eine der Kammern und fanden sie voll Waffen, die reich mit Gold, und Silber verziert und mit Edelsteinen besetzt waren. Alsdann begaben sie sich zum vierten Zimmer, in welchem sie ebenfalls Kammern fanden, von denen sie eine öffneten; da fanden sie dieselbe ganz von goldenem und silbernem Speise- und Trinkgeschirr, von krystallenen Schalen, Bechern, die mit glänzenden Perlen besetzt waren, Kelchen aus Karneol und dergleichen angefüllt und machten sich darüber her nach Herzenslust von den Sachen an sich zu nehmen und so viel wegzuschleppen, wie nur ein jeder zu tragen vermochte. Als sie die Zimmer verließen, gewahrten sie mitten im Schloß eine Thür aus Teakholz mit Ebenholz- und Elfenbeineinlagen, die mit gleißendem Gold beschlagen, mit einem seidenen reichgeschmückten Vorhang verhängt und mit Schlössern aus weißem Silber verschlossen war, die sich ohne Schlüssel und nur durch einen Kunstgriff öffnen ließen. Der Scheich Abd es-Samad trat jedoch unverzagt an die Schlösser heran und öffnete sie durch seine Klugheit und Geschicklichkeit, worauf sie in einen mit Marmor gepflasterten Flur traten, dessen Wände mit Vorhängen behängt waren, auf denen allerlei wilde Tiere und Vögel mit rotem Gold und weißem Silber gestickt waren, während ihre Augen aus Perlen und Edelsteinen bestanden, alle, die sie schauten, mit ihrem Glanze blendend. Von hier gelangten sie in einen Saal aus poliertem, mit Edelsteinen eingelegten Marmor, der so blank war, daß er dem Beschauer wie fließendes Wasser vorkam, und daß jeder auf ihm ausglitt. Als der Emir Mûsa dies sah, erstaunte er über die Pracht des Saales und befahl dem Scheich Abd es-Samad etwas auf den Fußboden zu streuen, um darauf gehen zu können. Nachdem dies geschehen war, schritten sie weiter und gelangten zu einem großen steinernen vergoldeten Pavillon, wie sie in ihrem ganzen Leben keinen schönern gesehen hatten, in der Mitte überwölbt von einer großen marmornen Kuppel, die ringsherum Gitterfenster hatte, welche mit smaragdenen Stäbchen verziert waren, wie sie kein König besaß. In dem Pavillon war auf Trägern von rotem Gold ein Baldachin aus Brokat ausgespannt, in welchen Vögel mit Füßen aus grünem Smaragd gestickt waren, während sich unter jedem Vogel ein Netz von glänzenden Perlen befand; der Baldachin selber stand über einem Springbrunnen, neben welchem ein mit Perlen, Juwelen und Hyazinthen besetztes Sofa stand, auf welchem ein Mädchen gleich der leuchtenden Sonne dalag, wie kein Auge ein schöneres geschaut hatte. Sie hatte ein glänzendes Perlenkleid an, auf ihrem Haupt trug sie eine Krone aus rotem Gold und eine edelsteinbesetzte Binde, um ihren Hals hatte sie eine Juwelenschnur, auf ihrer Brust funkelten ebenfalls Juwelen, und auf ihrer Stirn flammten zwei Edelsteine so hell wie die Sonne; sie selber aber schien die Ankömmlinge anzuschauen und sie von rechts und links zu betrachten.

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