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Tausend und eine Nacht. Band X

Max Henning: Tausend und eine Nacht. Band X - Kapitel 30
Quellenangabe
typenarrative
authorUnbekannte Autoren
titleTausend und eine Nacht. Band X
publisherVerlag von Philipp Reclam jun.
yearo.J.
firstpub1895
translatorMax Henning
correctorJosef Muehlgassner
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20150411
modified20180223
projectidbbb389ae
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Die drei Wünsche

Ferner kam mir zu Ohren, daß einmal ein Mann lebte, welcher sich sein ganzes Lebenlang gewünscht hatte die Nacht el-KadrDie Nacht el-Kadr, die Nacht der Allmacht, ist die Nacht, in welcher Gott den Koran dem Erzengel Gabriel offenbarte, der ihn seinerseits wieder zu gegebenen Anlässen Mohammed offenbarte. – Vgl. Sure 97, nach welcher die Nacht el-Kadr besser als tausend Monate ist. Nach Sure 44 werden in dieser Nacht von Gott mit Weisheit alle Dinge entschieden, und die Moslems glauben auf Grund dieser Stelle, daß in dieser Nacht alle menschlichen Schicksale für das folgende Jahr bestimmt werden. Die Nacht el-Kadr ist eine der letzten zehn Nächte des Monats Ramadân. zu sehen. Da schaute er eines Nachts gen Himmel und sah die Engel und die Pforten des Himmels aufgethan und alle Dinge auf ihrem Platz sich anbetend niederwerfen. Als er dies gewahrte, sagte er zu seiner Gattin: »He, du da, Gott hat mich die Nacht el-Kadr schauen lassen, und ich hörte hierbei eine Stimme, welche mir die Erfüllung dreier Wünsche gelobte. Nun möchte ich dich um Rat fragen, was ich mir wünschen soll.« Da sagte seine Frau zu ihm: »Sprich: O Gott, laß meine Mannheit größer werden!« Wie er nun diese Worte sprach, erfüllte sich sofort sein Wunsch über und über, so daß er verzweifelt zu seiner Frau sagte: »Was soll ich nun beginnen? Nur deine Brunst ist schuld daran, daß ich mir dies wünschte.« Da sagte sie: »Wünsche dir, daß Gott dich von dieser Plage befreit;« worauf er sein Haupt gen Himmel hob und sprach: »O Gott, befreie mich von dieser Plage und erlöse mich von dem Übel!« Und sogleich verschwand seine Mannheit gänzlich. Als seine Frau dies gewahrte, sagte sie zu ihm: »Nun bist du mir zu nichts mehr nutz.« Da rief er: »Alles dies kommt von deinem unseligen Rat. Gott hatte mir drei Wünsche gewährt, durch die ich auf Erden und im Jenseits mein Gutes hätte erreichen können, und nun sind zwei Wünsche dahin, und nur noch ein Wunsch ist übrig geblieben.« Seine Frau versetzte: »Bitte Gott, daß er dir deine Mannheit, so wie sie anfangs war, wiedergiebt;« und so betete er zu seinem Herrn, worauf er wieder wie zuvor wurde.

Dies, o König, geschah infolge des üblen Rates der Frau, und ich erzähle es dir nur, damit du dich von der Gedankenlosigkeit der Weiber, der Schwäche ihres Verstandes und ihrer üblen Ratschläge überzeugst. Höre deshalb nicht auf ihre Worte, töte deinen Sohn, dein Herzblut, nicht und verlösch nicht deinen Namen nach dir.«

Da hob der König den Befehl zur Hinrichtung seines Sohnes auf. Am siebenten Tage aber kam das Mädchen schreiend hereingestürzt und zündete ein großes Feuer an, so daß man sie an Händen und Füßen packte und vor den König schleppte, der sie fragte: »Warum hast du das gethan?« Sie versetzte: »Wenn du mir nicht mein Recht an deinem Sohn verschaffst, so werfe ich mich in dieses Feuer, denn mich ekelt das Leben an, und, bevor ich zu dir kam, schrieb ich mein Testament und verteilte mein Gut als Almosen. Ich bin zum Sterben entschlossen, und du sollst es so bitterlich bereuen wie der König die Züchtigung der Badewärterin bereute.« Da fragte sie der König: »Wie war das?« Und das Mädchen erzählte:

 

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