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Tausend und eine Nacht. Band X

Max Henning: Tausend und eine Nacht. Band X - Kapitel 28
Quellenangabe
typenarrative
authorUnbekannte Autoren
titleTausend und eine Nacht. Band X
publisherVerlag von Philipp Reclam jun.
yearo.J.
firstpub1895
translatorMax Henning
correctorJosef Muehlgassner
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20150411
modified20180223
projectidbbb389ae
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Der Page, welcher die Sprache der Vögel zu verstehen vorgab

Ferner vernahm ich, o König, daß einmal ein feiner Mann auf den Bazar ging, auf dem er einen Pagen sah, der gerade ausgeboten wurde. Da kaufte er ihn und sagte zu seiner Frau, als er ihn nach Hause gebracht hatte: »Gieb gut auf ihn acht.« Eines Tages, nachdem der Page bereits eine Zeitlang bei ihnen zugebracht hatte, sagte der Mann zu seiner Frau: »Geh morgen in den Garten, vergnüg' dich, ergeh und erhol' dich daselbst;« worauf sie erwiderte: »Freut mich und ehrt mich.« Als aber der Page dies vernahm, machte er in der Nacht Speise zurecht, und nahm Wein, gedörrte Früchte und Obst und ging in jenen Garten, wo er auf dem Wege, den die Frau seines Herrn zu gehen hatte, unter je einem Baum die Speisen, den Wein und die Früchte, die frischen sowohl wie die getrockneten, setzte. Am nächsten Morgen befahl der Mann dem Pagen, seine Herrin nach dem Garten zu begleiten und das an Speise, Trank und Obst Nötige mitzunehmen. Hierauf setzte sich die Frau auf und ritt, begleitet von dem Pagen, bis sie zu jenem Garten gelangten. Als sie denselben betraten, krächzte ein Rabe, und der Page rief ihm zu: »Du sprichst die Wahrheit.« Da fragte ihn seine Herrin: »Verstehst du etwa, was der Rabe sagt?« Er erwiderte: »Jawohl, meine Herrin.« Da fragte sie ihn: »Was sagt er denn?« Und er erwiderte: »Meine Herrin, er sagt: »Unter dem Baume da ist Speise; kommt her und esset.« Da versetzte sie: »Ich sehe, du verstehst die Sprache der Vögel,« was er bejahte. Alsdann trat sie an den Baum heran, und, da sie unter ihm ein fertiges Mahl fand, aßen sie, und sie glaubte fest, daß er die Sprache der Vögel verstünde und verwunderte sich über die Maßen. Als sie gespeist hatten, lustwandelten sie weiter, bis der Rabe wieder krähte, worauf der Page ihm wieder zurief: »Du sprichst die Wahrheit.« Da fragte ihn seine Herrin: »Was sagt er?« Und er erwiderte: »Meine Herrin, er sagt, daß sich unter jenem Baum ein Krug Moschuswasser und alter Wein befindet.« Da gingen sie beide zu jenem Baume, und, als sie dort den Wein und das Wasser fanden, verwunderte sie sich noch mehr, und der Page stieg in ihrer Achtung. Nachdem sich beide gesetzt und getrunken hatten, schritten sie in einen andern Teil des Gartens, als der Rabe mit einem Male wieder krächzte, worauf der Page sagte: »Du sprichst die Wahrheit.« Da fragte ihn seine Herrin: »Was sagt er jetzt?« Der Page erwiderte: »Jetzt sagt er, daß sich unter jenem Baume frische und gedörrte Früchte befinden.« Infolgedessen gingen sie zu dem Baume und aßen von den Früchten, als sie dieselben dort fanden. Alsdann gingen sie weiter, als der Rabe wieder krächzte, worauf der Page einen Stein nahm und nach ihm warf. Da fragte sie ihn: »Warum wirfst du ihn, und was hat er gesagt?« Der Page erwiderte: »Meine Herrin, er sagte etwas, was ich dir nicht wiedersagen darf.« Sie versetzte jedoch: »Sag's nur und schäme dich nicht vor mir, denn es steht nichts zwischen mir und dir.« Und nun sagte er in einem fort »nein,« während sie ihn zum Sprechen aufforderte, bis sie ihn beschwor, worauf er zu ihr sagte: »Er sprach zu mir: Thue mit deiner Herrin dasselbe, was ihr Gatte mit ihr thut.« Als sie seine Worte vernahm, fiel sie vor Lachen auf den Rücken und sagte zu ihm: »Das ist ein leichtes Ding, in dem ich dir nicht widersprechen kann.« Hierauf ging sie zu einem Baum und breitete einen Teppich aus, als mit einem Male der Herr des Pagen, der ihm gefolgt war, um nach ihm zu schauen, ihn rief und fragte: »Heda, Bursche, was fehlt deiner Herrin, daß sie dort liegt und weint?« Der Page antwortete: »Ach, mein Herr, sie fiel von einem Baum, und niemand als Gott – Preis Ihm, dem Erhabenen! – erhielt sie dir am Leben. Sie legte sich deshalb dort nieder, um sich eine Weile zu erholen.« Als aber die Frau ihren Mann neben ihrem Kopf stehen sah, erhob sie sich, indem sie sich dabei stellte, als ob ihr etwas fehlte und sie Schmerzen litt, und stöhnte: »Ach, mein Rücken! Ach, meine Seite! Her zu mir, meine Freunde, ich kann nicht länger am Leben bleiben!« Da rief ihr Gatte bestürzt den Pagen und sagte zu ihm: »Hol' deiner Herrin das Pferd und hilf ihr auf.« Als sie dann im Sattel saß, hielt ihr Mann einen Steigbügel und der Page den andern, und ihr Mann tröstete sie in einem fort und sprach: »Gott wird dich wieder heil und gesund machen.«

Dies, o König, sind einige Beispiele von der List und Verschlagenheit der Männer; laß dich daher nicht von deinen Wesiren abbringen, mir zu helfen und mir mein Recht zu verschaffen.« Hierauf weinte sie, und als der König ihr Weinen sah, befahl er, da sie ihm am liebsten von allen Sklavinnen war, seinen Sohn hinzurichten. Nun aber trat der sechste Wesir bei ihm ein, küßte die Erde vor ihm und sprach: »Gott, der Erhabene, mache den König geehrt! Siehe, ich rate dir treu und gut, indem ich dir den Rat gebe, in deines Sohnes Sache langsam zu verfahren.

Fünfhundertunddreiundneunzigste Nacht

Denn, siehe, die Lüge ist wie Rauch, die Wahrheit aber steht auf festen Mauern, und das Licht der Wahrheit verscheucht die Finsternis der Lüge. Wisse, die Arglist der Frauen ist groß, wie denn auch Gott in seinem heiligen Buch spricht: »Fürwahr, der Frauen Arglist ist groß!« So kam mir auch die Geschichte einer Frau zu Ohren, welche Staatshäuptern einen Streich spielte, wie er nie zuvor von jemand ins Werk gesetzt ward.« Da fragte ihn der König: »Wie geschah das?« Und der Wesir erzählte:

 

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