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Tausend und eine Nacht. Band X

Max Henning: Tausend und eine Nacht. Band X - Kapitel 23
Quellenangabe
typenarrative
authorUnbekannte Autoren
titleTausend und eine Nacht. Band X
publisherVerlag von Philipp Reclam jun.
yearo.J.
firstpub1895
translatorMax Henning
correctorJosef Muehlgassner
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20150411
modified20180223
projectidbbb389ae
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Der Sohn des Wesirs und die Frau des Badhalters

»O König, es kam mir zu Ohren, daß einmal ein Badhalter lebte, bei welchem die Großen und Häupter des Volkes zu baden pflegten. Da kam eines Tages auch ein hübscher junger Wesirssohn zu ihm ins Bad, welcher fett und wohlbeleibt war. Als dieser Jüngling seine Kleider ausgezogen hatte, seufzte der Badhalter, der ihn beim Baden bediente, beim Anblick seines feisten Leibes, und schlug die eine Hand wider die andere, so daß ihn der Jüngling fragte: »Was fehlt dir, Badhalter?« Da versetzte er seufzend: »Ach, mein Herr, du jammerst mich bei all deinem Glück und deiner großen Schönheit und Anmut, weil du bei deiner Fettleibigkeit dich gar nicht wie andere Männer vergnügen kannst.« Der Jüngling erwiderte: »Du hast recht, jedoch fällt mir ein, daß ich etwas vergessen habe.« – »Was ist's!« fragte der Badhalter. Der Jüngling entgegnete: »Nimm diesen Dinar und hol mir ein hübsches Mädchen, einen Versuch anzustellen.« Da nahm der Badhalter den Dinar und ging zu seiner Frau, zu der er sagte: »Frau, da ist zu mir ins Bad ein Jüngling, ein Wesirssohn, gekommen, der zwar schön wie der Mond in der Nacht seiner Fülle ist, dabei aber so fett ist, daß er sich gar nicht wie andere Männer vergnügen kann. Als ich ihn deshalb bejammerte, gab er mir diesen Dinar und bat mich ihm ein Mädchen zu holen, damit er einen Versuch machen könnte. Nun verdienst du den Dinar am ehesten, und da ich dich beschütze, kann es uns ja auch nichts schaden. Sitz daher eine Weile bei ihm, lach ihn aus und nimm diesen Dinar von ihm. Da nahm die Frau des Badhalters, die das hübscheste Weib seiner Zeit war, den Dinar und erhob sich, schmückte sich und zog ihre prächtigsten Sachen an. Hierauf begleitete sie ihren Gatten, der sie zu dem Wesirssohn in ein leeres Gemach führte. Als sie ihn aber erblickte und sah, daß er ein hübscher Jüngling war und holdseligen Gesichts wie der Vollmond, wurde sie von seiner Schönheit und Anmut ganz verwirrt, wie auch der Jüngling bei ihrem Anblick sofort Kopf und Herz verlor. Infolgedessen verriegelten sie beide die Thür, worauf der Jüngling sich mit seiner Frau aufs beste vergnügte, während der Badhalter entsetzt vor der Thür stand und in einemfort rief: »O Umm Mohammed, nun ist's genug, komm heraus, dein Knäblein hat schon lange auf die Brust warten müssen.« Sagte dann der Jüngling zu ihr: »Geh hinaus zu deinem Kind und komm hernach wieder,« so versetzte sie: »Wenn ich von dir fortgehe, so geb ich meinen Geist noch vor meinem Kinde auf. Entweder muß ich es am Weinen sterben lassen, oder es muß als Waise aufgezogen werden.« So blieb sie bei dem Jüngling, während ihr Mann vor der Thür rief und schrie und weinte und um Hilfe lamentierte, ohne daß ihm jemand zu Hilfe kam, und dabei immer beteuerte »Ich bringe mich um«, bis er schließlich, da er keinen Weg zu seiner Frau fand, von Kummer und Eifersucht überwältigt, auf die höchste Spitze des Bades stieg und sich herunterstürzte, so daß er tot war.

Ferner kam mir, o König, von der Arglist der Weiber noch eine andere Geschichte zu Ohren.« Da fragte ihn der König: »Was kam dir zu Ohren?« Und der Wesir erzählte:

 

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