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Tausend und eine Nacht. Band X

Max Henning: Tausend und eine Nacht. Band X - Kapitel 21
Quellenangabe
typenarrative
authorUnbekannte Autoren
titleTausend und eine Nacht. Band X
publisherVerlag von Philipp Reclam jun.
yearo.J.
firstpub1895
translatorMax Henning
correctorJosef Muehlgassner
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20150411
modified20180223
projectidbbb389ae
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Das Weib, das seinen Mann Staub sieben ließ

Ein Mann gab einst seiner Frau einen Dirhem, Reis dafür zu kaufen, und die Frau nahm den Dirhem und ging zum Reishändler, der ihr den Reis dafür gab, dann aber mit ihr zu scherzen und zu liebäugeln anhob und zu ihr sagte: »Reis ist nur gut, wenn man Zucker dazu thut; wünschest du ihn so, so komm auf ein Stündchen zu mir herein.« Da trat die Frau zu ihm in den Laden ein, und der Reishändler sagte zu seinem Sklaven: »Wäge ihr für einen Dirhem Zucker ab.« Hierbei gab er ihm jedoch einen Wink, und der Sklave nahm das Tuch von der Frau und schüttete den Reis wieder aus, worauf er an seine Stelle Staub und an Stelle des Zuckers Steine hineinthat. Dann knüpfte er das Tuch wieder zu und ließ es bei ihr. Als nun die Frau den Reishändler verließ und mit ihrem Tuch heimging, glaubte sie, sie hätte Reis und Zucker in ihrem Tuch und setzte es, zu Hause angelangt, vor ihren Gatten, worauf sie einen Topf holte, während der Mann das Tuch öffnete und Staub und Steine darin fand. Da sagte er zu ihr, als sie den Topf brachte: »Haben wir dir etwa gesagt, wir hätten einen Bau vor, daß du uns Erde und Steine bringst?« Als ihre Blicke nun auf den Inhalt des Tuches fielen, erkannte sie, daß der Reishändler sie begaunert hatte, und rief: »O Mann, in meiner Aufregung holte ich den Topf anstatt des Siebes.« Da fragte ihr Mann: »Was hat dich denn so aufgeregt?« Sie versetzte: »O Mann, mir fiel der Dirhem auf dem Bazar aus der Hand, und schämte ich mich vor den Leuten nach ihm zu suchen; da es mir jedoch nicht leicht fiel den Dirhem zu verlieren, hob ich den Staub auf jener Stelle, an welcher mir der Dirhem entfallen war, auf, um ihn durchzusieben; doch bringe ich jetzt, wo ich nach dem Sieb gegangen bin, den Topf.« Hierauf holte sie das Sieb und sagte zu ihrem Manne, ihm dasselbe überreichend: »Siebe du, denn deine Augen sind schärfer als die meinigen.« Da setzte sich der Mann hin und siebte, bis sein Gesicht und sein Bart ganz bestäubt waren, ohne daß er ihre List merkte oder erfuhr, was sich mit ihr zugetragen hatte.

Dies, o König, ist ein Beispiel von der Arglist der Weiber; und bedenk' auch das Wort Gottes, des Erhabenen: Fürwahr, eure List ist groß!Sure 12, 28. und sein anderes Wort, – Preis Ihm, dem Erhabenen! –: Siehe, Satans List ist schwach!«Sure 4, 78.

Als der König die Worte des Wesirs vernommen hatte, die ihn überzeugten und zufrieden stellten, und die seine Leidenschaft abkühlten, stieg, bei seiner Erwägung der Verse Gottes, die er ihm citiert hatte, das Licht des guten Rates leuchtend auf an dem Himmel seines Verstandes und seiner Gedanken, und er gab den Entschluß, seinen Sohn hinzurichten auf. Da aber trat am vierten Tage das Mädchen zum König ein, küßte die Erde vor ihm und sprach: »O glückseliger und einsichtsvoller König, ich habe dir meinen Rechtsanspruch klar vorgelegt, du aber behandelst mich ungerecht und verschiebst die Vergeltung an meinem Schuldner, dieweil er dein Sohn und dein Herzblut ist. Doch Gott – Preis Ihm, dem Erhabenen! – wird mir wider ihn helfen, wie er dem Prinzen gegen den Wesir seines Vaters half.«

Da fragte sie der König: »Wie geschah das?« Und das Mädchen erzählte:

 

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