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Tausend und eine Nacht. Band X

Max Henning: Tausend und eine Nacht. Band X - Kapitel 12
Quellenangabe
typenarrative
authorUnbekannte Autoren
titleTausend und eine Nacht. Band X
publisherVerlag von Philipp Reclam jun.
yearo.J.
firstpub1895
translatorMax Henning
correctorJosef Muehlgassner
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20150411
modified20180223
projectidbbb389ae
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Von der argen Weiberlist.

Diese Gruppe Geschichten geht auf ein sehr altes persisches Werk zurück, welches unabhängig von Tausend und einer Nacht unter dem Titel Sindibâd-nâmeh existierte. Dasselbe wurde bereits im 11. Jahrhundert unter dem Titel Syntipas aus dem Syrischen ins Griechische und im 12. Jahrhundert als Mischlê Sandebar ins Hebräische übersetzt.

Ferner kam uns zu Ohren, daß in alten Zeiten und längst entschwundenen Tagen unter den Königen der Zeit ein König lebte, der zahlreiche Truppen und Trabanten hatte und reich an Geld und Gut war, jedoch schon beträchtliche Jahre zählte, ohne daß ihm ein Sohn zuteil geworden wäre. Beunruhigt hierüber, wendete er sich an des Propheten – Gott segne ihn und spende ihm Heil! – Fürsprache bei Gott, dem Erhabenen, und flehte Ihn bei dem Ruhm der Propheten und der Heiligen und Märtyrer von Seinen erhöhten Dienern an, daß er ihm einen Sohn schenkte, der das Reich nach seinem Tode erbte und seines Auges Kühlung sei. Alsdann erhob er sich zur selbigen Zeit und Stunde und begab sich in sein Wohnzimmer, worauf er nach seiner Base schickte und bei ihr ruhte. Sie aber ward mit Gottes, des Erhabenen, Erlaubnis schwanger und verbrachte die Monde, bis daß die Zeit ihrer Niederkunft nahte und sie ein Knäblein gebar mit einem Antlitz gleich der Scheibe des Mondes in der vierzehnten Nacht. Nachdem der Knabe bis zu seinem fünften Lebensjahr auferzogen war, übergab ihn der König einem kundigen Weisen, Namens Sindbad, welcher ihn nach vollendetem zehnten Jahre in den Wissenschaften und der Litteratur unterrichtete, bis der Knabe in seiner Zeit seinesgleichen nicht fand an Kenntnissen, Bildung und Geist. Hierauf ließ er ihm eine Anzahl arabischer Ritter kommen, die ihn in der Reitkunst unterwiesen, bis er sein Roß meisterlich auf der Rennbahn tummelte und jegliches Volk seiner Zeit und alle Altersgespielen übertraf. Da begab es sich eines Tages, daß jener Weise dem Jüngling das Horoskop stellte und in den Sternen geschrieben fand, daß er sterben müßte, wenn er während sieben Tagen ein einziges Wort redete. Da begab sich der Weise zu seinem Vater dem König und teilte ihm den Fall mit, worauf der König ihn fragte: »Was ist zu raten und zu thun, o Weiser?« Der Weise erwiderte: »O König, mein Rat und meine Meinung gehen dahin, daß du ihn für die sieben Tage an einem Ort unterbringst, wo er sich vergnügen kann und allerlei Musik zu hören bekommt.«Die Breslauer Ausgabe spinnt die Einleitung viel weiter aus. Nach ihr bleibt der Prinz für sieben Tage stumm, ohne daß der König den Grund ahnt, was besser zum folgenden paßt. Da schickte der König nach einer seiner vertrautesten Sklavinnen, welche die Schönste aller Sklavinnen war, und sagte zu ihr, indem er ihr seinen Sohn übergab: »Nimm deinen Herrn ins Schloß, bring ihn bei dir unter und laß ihn erst nach Verlauf von sieben Tagen heraus.« Und so nahm denn die Sklavin den Knaben bei der Hand und führte ihn in das betreffende Schloß, welches vierzig Gemächer hatte, in deren jedem zehn Sklavinnen wohnten, von denen eine jede ein Musikinstrument so schön zu spielen verstand, daß das ganze Schloß von ihren süßen Weisen tanzte. Rings um das Schloß aber lief ein Fluß, dessen Ufer mit allerlei Obstbäumen und duftigen Blumen bepflanzt waren. Nun war jener Knabe von unbeschreiblicher Schönheit und Anmut, und es begab sich eines Nachts, daß ihn die Lieblingsbeischläferin seines Vaters erblickte und sich so heftig in ihn verliebte, daß sie die Herrschaft über sich verlor und sich auf ihn warf. Der Knabe sagte jedoch: »So Gott will, der Erhabene, werde ich dies, wenn ich diesen Ort verlasse, meinem Vater mitteilen, daß er dich tötet.« Da begab sich die Sklavin zum König und warf sich weinend und schluchzend auf ihn, so daß er sie fragte: »Was giebt's, Sklavin? Was macht dein Herr? Ist er gesund?« Sie versetzte: »O mein Gebieter, siehe, mein Herr stellte mir nach und wollte mich umbringen, als ich ihn abwies. Ich floh vor ihm und will nie wieder zu ihm in das Schloß zurückkehren.« Als sein Vater diese Worte vernahm, ließ er in heftigem Zorn seine Wesire zu sich entbieten und befahl ihnen, seinen Sohn zu töten. Da sprachen sie zu einander: »Der König verlangt wohl jetzt den Tod seines Sohnes, hat er ihn aber töten lassen, so wird er es ganz gewiß bereuen, da er ihn sehr lieb hat, und er ihm erst, nachdem er bereits alle Hoffnung aufgegeben hatte, geschenkt wurde. Und er wird euch dann tadeln und wird zu euch sagen: Warum habt ihr mir nicht abgeraten ihn zu töten?« So kamen sie überein, ihn von seinem Vorhaben abzubringen, und der erste Wesir sprach: »Ich will heute für euch gegen des Königs Zorn einstehen.« Hierauf erhob er sich und trat zum König ein, den er, nachdem er sich vor ihn gestellt hatte, um Erlaubnis zum Reden bat. Als der König ihm die Erlaubnis hierzu erteilt hatte, sprach er zu ihm: »O König, wären dir auch tausend Söhne verliehen, so würdest du doch nicht deiner Leidenschaft folgen und einen von ihnen auf die Worte einer Sklavin hin, sei es, daß sie die Wahrheit gesprochen oder gelogen hätten, töten. Vielleicht ist dies nur eine List, die sie gegen deinen Sohn geschmiedet hat.« Da fragte der König: »Ist dir etwas von der Arglist der Weiber zu Ohren gekommen, o Wesir?« Der Wesir erwiderte: »Jawohl, o König.

 

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