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Tausend und eine Nacht. Band VIII

Max Henning: Tausend und eine Nacht. Band VIII - Kapitel 4
Quellenangabe
typenarrative
authorUnbekannte Autoren
titleTausend und eine Nacht. Band VIII
publisherVerlag von Philipp Reclam jun.
yearo.J.
firstpub1895
translatorMax Henning
pages194
created20180131
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Abdallāh, der Sohn des Maamar, und der Mann, der ihm seine Sklavin zum Kauf anbot.

Ferner erzählt man, daß einmal ein Mann vom Volke Basras eine Sklavin kaufte und aufs trefflichste erziehen 33 und unterrichten ließ. Außerdem war er ihr in innigster Liebe zugethan und gab all sein Geld für sie in gemeinschaftlichen Vergnügungen aus, bis er nichts mehr übrig behielt, und die härteste Armut ihn bedrückte. Da sagte das Mädchen zu ihm: »Mein Herr, verkauf' mich, da du das Geld für mich brauchst, und da mich deine Not jammert. Wenn du mich verkauftest und das Geld, das du für mich erhältst, für dich verwendetest, so wäre das besser für dich, als daß ich bei dir bleibe, und vielleicht gewährt dir Gott, der Erhabene, reichliches Brot.« In seiner bedrängten Lage willigte der Mann ein und nahm sie mit sich auf den Bazar, wo der Mäkler sie dem Emir von Basra, dessen Name Abdallāh bin Maamar et-Teimī lautete, anbot. Da sie dem Emir gefiel, kaufte er sie für fünfhundert Dinare und übergab die Summe ihrem Herrn; als dieser aber das Geld genommen hatte und sich zum Gehen wendete, weinte das Mädchen und sprach die beiden Verse:

»Mag dir das Geld, das du bekamst, zum Segen dienen,
Mir aber blieb hier nichts als Leid und Kummer.
Zu meiner schwer betrübten Seele sprech' ich:
Traure wenig oder viel, der Geliebte geht.«

Als ihr Herr die Verse von ihr vernahm, seufzte er und antwortete ihr in den Versen:

»Weißt du auch in dieser Sache nicht aus noch ein,
Und solltest du nichts als den Tod finden, vergieb mir trotzdem.
Dein will ich des Abends und Morgens gedenken,
Und die Erinnerung soll meinem schwer betrübten Herzen ein Trost sein.
Frieden sei auf dir! Wir wollen uns nimmer wiedersehen,
Es sei denn, daß Ibn Maamar es wünscht.«

Als Abdallāh, der Sohn des Maamar, diese ihre Verse vernahm und ihren Gram sah, rief er: »Bei Gott, ich will nicht zu eurer Trennung behilflich sein, nun mir klar geworden ist, daß ihr einander liebt. So nimm das Geld und das Mädchen, o Mann, und Gott lasse dir beides zum Segen gereichen, denn Trennung fällt Liebenden schwer.« 34 Da küßten ihm beide die Hand und gingen fort; und sie lebten hinfort beisammen, bis der Tod sie trennte. Preis ihm, den kein Tod erreicht!

 

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