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Tausend und eine Nacht. Band VIII

Max Henning: Tausend und eine Nacht. Band VIII - Kapitel 36
Quellenangabe
typenarrative
authorUnbekannte Autoren
titleTausend und eine Nacht. Band VIII
publisherVerlag von Philipp Reclam jun.
yearo.J.
firstpub1895
translatorMax Henning
pages194
created20180131
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Die Liebenden vom Stamme Teij.

Ferner wird berichtet, daß nach dem Zeugnisse El-Kâsims, des Sohnes des Adī, ein Mann von den Ban? Tamîm folgendes erzählte: Ich ging einst aus, um ein verlaufenes Stück Vieh zu suchen, und kam hierbei zu den Wassern der Banū Teij, wo ich Leute in zwei Gruppen nahe bei einander stehen sah, von denen jede unter einander im Disput begriffen war. Da faßte ich sie genau ins Auge und gewahrte nun in einer der beiden Gruppen einen von Krankheit verzehrten jungen Mann, der wie ein abgenutzter, eingetrockneter Schlauch aussah, und, während ich ihn betrachtete, die Verse sprach:

Was fehlt meiner Schönen, daß sie nicht wiederkehrt?
Ist's Geiz von meiner Schönen oder Sprödigkeit?
Krank ward ich, und all die Lieben besuchten mich,
Wie kommt's, daß dich unter ihnen mein Aug' nicht erschaute? 94
Wärst du krank geworden, ich wäre zu dir geeilt,
Und kein Schelten und Drohen hätte mich abgeschreckt.
Da ich dich unter ihnen vermißte, blieb ich allein,
Denn des Trautgesellen Verlust, o du mein Hort, ist schwer.

Da eilte ein Mädchen aus der andern Gruppe, das seine Worte gehört hatte, auf ihn zu, und wehrte ihren Angehörigen, die ihr nachfolgten mit Schlägen; und sobald als der Jüngling sie erblickte, stürzte er auf sie zu, während die Leute seiner Gruppe ihm gleichfalls nacheilten und ihn zurückhielten. Beide rangen jedoch so lange, bis sie sich befreit hatten, worauf sie aufeinander zuliefen und, sich mitten zwischen den beiden Gruppen in die Arme fallend, tot zu Boden sanken.

Vierhundertundelfte Nacht.

Da kam ein Scheich aus den Zelten, trat an die beiden heran und rief laut weinend: »Wir sind Gottes, und zu ihm kehren wir zurück!« Alsdann sagte er: »Gott, der Erhabene, hab' euch selig! Obwohl ihr im Leben nicht vereint wart, so will ich euch doch im Tode vereinigen.« Hierauf befahl er sie herzurichten; und sie wuschen sie und wickelten beide in ein Leichentuch und gruben für sie ein Grab und beteten über sie und bestatteten sie in dem Grab, wobei ich niemand in den beiden Gruppen sah, weder Mann noch Weib, der sie nicht beweint und sich vors Gesicht geschlagen hätte. Ich fragte nun den Scheich nach den beiden, und er antwortete mir: »Sie war meine Tochter, und er war meines Bruders Sohn, und die Liebe brachte sie zu dem Ende, das du hier siehst.« Ich entgegnete: »Gott gebe dir Ersatz! weshalb aber verheiratetest du nicht beide?« Er antwortete: »Ich fürchtete mich vor Schimpf und Schande und bin nun gerade in beides hineingeraten.« Und dies ist eine wunderbare Liebesgeschichte.

 

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