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Tausend und eine Nacht. Band VIII

Max Henning: Tausend und eine Nacht. Band VIII - Kapitel 32
Quellenangabe
typenarrative
authorUnbekannte Autoren
titleTausend und eine Nacht. Band VIII
publisherVerlag von Philipp Reclam jun.
yearo.J.
firstpub1895
translatorMax Henning
pages194
created20180131
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Abd er-Rahmâns Beschreibung des Vogels Roch.

Ferner erzählt man, daß einmal ein Mann vom Volke des MaghribNordwestafrika. lebte, welcher die Länder durchwandert und die Wüsten und Meere durchzogen hatte. Einst hatte ihn das Schicksal zu einer Insel verschlagen, auf welcher er lange Zeit lebte, und als er von ihr nach seiner Heimat zurückkehrte, brachte er die Rippe einer Feder von einem jungen Vogel Roch mit, der noch im Ei gesessen und die Schale noch nicht durchbrochen hatte. Jene Rippe vermochte einen Schlauch voll Wasser in sich aufzunehmen, und es heißt, daß die Flügellänge eines eben ausgebrüteten Vogels Roch tausend Klafter beträgt. Als die Leute jene Federrippe sahen, verwunderten sie sich; der Name jenes Mannes aber lautete Abd er-Rahmân der Maghribite, bekannt unter dem Beinamen der Chinese, da er lange Zeit in China gelebt hatte. Derselbe wußte Wunderdinge zu erzählen, zu denen auch folgende Geschichte gehört. Er reiste einmal in den chinesischen Gewässern –

Vierhundertundfünfte Nacht.

mit einer größern Reisegesellschaft, als sie von fern eine Insel erblickten. Da legte das Schiff mit ihnen bei jener 84 Insel an, und sie sahen, daß sie groß und weit ausgedehnt war. Wie nun das Schiffsvolk ausstieg, um Wasser und Holz einzunehmen, ausgerüstet mit Äxten, Stricken und Wasserschläuchen, und von jenem Manne begleitet, gewahrten sie auf der Insel einen mächtigen weißen, hellschimmernden Kuppelbau von einer Länge von hundert Ellen und gingen auf denselben zu. Als sie jedoch nahe an die Kuppel herangekommen waren, sahen sie, daß es ein Rochei war, und begannen nun dasselbe mit Äxten, Steinen und Knitteln zu bearbeiten, bis die Schale zersprungen war, und das Rochjunge zum Vorschein kam, das einem festgegründeten Berge glich. Sie rupften ihm eine Schwungfeder aus, vermochten es aber nur dadurch, daß sie alle Hand anlegten, wiewohl alle die Federn noch nicht ausgewachsen waren. Hierauf nahmen sie so viel Fleisch von dem jungen Vogel als sie vermochten, mit sich, hieben die Federn an ihrer Wurzel ab und spannten die Segel zur Fahrt aus. Nachdem sie die ganze Nacht über bis zum Sonnenaufgang mit günstigem Wind gesegelt waren, kam mit einem Male der Roch wie eine große Wolke dahergezogen, der in seinen Krallen einen Felsblock gleich einem riesigen Berge, größer als das Schiff, hielt und ihn auf das Schiff und alle die Leute, die sich auf ihm befanden, fallen ließ, als er gerade über dem Schiff schwebte. Das Schiff entkam ihm jedoch durch seine Geschwindigkeit, und der Felsen stürzte hinter ihm mit fürchterlichem Tosen ins Meer, während Gott ihnen das Heil verzeichnete und sie vor dem Untergang errettete. Alsdann kochten sie das Fleisch und aßen es. Es befanden sich aber unter ihnen einige Scheiche mit weißen Bärten, die am nächsten Morgen mit schwarzen Bärten erwachten, und keiner von allen, die von dem Fleisch gegessen hatten, bekam hernach graues Haar. Einige von ihnen behaupteten nun, der Grund dafür, daß ihnen ihre Jugend wiedergekehrt wäre, und daß sie vom Grauwerden geschützt wären, läge darin, daß sie den Topf mit Pfeilholz zum Sieden gebracht hätten, während andere meinten, das Fleisch vom 85 Rochjungen hätte dies zuwege gebracht. Und dies ist eins der größten Wunder.

 

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