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Tausend und eine Nacht. Band VIII

Max Henning: Tausend und eine Nacht. Band VIII - Kapitel 31
Quellenangabe
typenarrative
authorUnbekannte Autoren
titleTausend und eine Nacht. Band VIII
publisherVerlag von Philipp Reclam jun.
yearo.J.
firstpub1895
translatorMax Henning
pages194
created20180131
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Der König und die tugendhafte Frau.

Ferner erzählt man, daß einmal ein König verkleidet auszog, um die Verhältnisse seiner Unterthanen kennen zu lernen und in ein großes Dorf gelangte, das er allein betrat. Da er durstig geworden war, trat er an die Thür eines der Häuser des Dorfes und bat um Wasser, worauf eine hübsche Frau mit einem Wasserkrug herauskam und ihm denselben zu trinken reichte. Als er sie aber erblickte, verführte ihn ihre Schönheit so sehr, daß er sie um ihre Gunst bat. Das Weib, das ihn erkannt hatte, führte ihn nun ins Haus und hieß ihn sich setzen, worauf sie ihm ein Buch reichte und zu ihm sagte: »Sieh' dir dieses Buch an, bis ich wieder zu dir zurückgekehrt bin.« So setzte er sich denn und las in dem Buche, und siehe, es handelte über das Verbot der Unzucht und über die Strafen, die Gott den Unzüchtigen bereitet hat. Da schauderte ihm die Haut und, vor Gott bereuend, rief er das Weib, gab ihr das Buch und ging fort. Als der Mann der Frau, welcher abwesend gewesen war, wieder heimkehrte, erzählte sie ihm das Vorgefallene, worüber er erschrak und bei sich sprach: »Ich fürchte, des Königs Begehren könnte auf sie gefallen sein;« und von Stund an wagte er es nicht mehr sie zu berühren. Nachdem er sich geraume Zeit in dieser Weise verhalten hatte, teilte die Frau ihren Nachbarn ihres Mannes Verhalten gegen sie mit, die nun vor dem König über ihn Klage führten und also zu ihm sprachen: »Gott stärke den König! Siehe, dieser Mann hat von uns ein Stück Land zum Bestellen gepachtet, doch läßt er es, nachdem er es eine Weile bestellt hat, jetzt brach liegen und läßt es uns auch nicht einem andern zum Bestellen verpachten, so daß das Land darunter leidet, und wir fürchten, es möchte dadurch, daß es brach liegt, ganz verderben; denn der Acker, der nicht bebaut wird, verdirbt.« Da fragte der König: »Was hat dich an der Bestellung deines Landes verhindert?« Und der Mann antwortete: »Gott stärke den 83 König! Siehe, es kam mir zu Ohren, daß der Löwe das Feld betreten hat, und ich fürchte mich vor ihm und bin nicht imstande mich dem Acker zu nähern, da ich weiß, daß ich es in meiner Furcht nicht mit dem Löwen aufnehmen kann.« Der König, der den Sinn der Parabel verstand, erwiderte: »Du da, siehe, der Löwe hat deinen Acker nicht betreten; er ist gut zur Saat, bestell' ihn nur, und Gott, der Erhabene, segne ihn dir, denn der Löwe thut ihm nichts zuleide.« Alsdann wies er ihm und seiner Frau ein schönes Angebinde an und schickte sie heim.

 

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