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Tausend und eine Nacht. Band VIII

Max Henning: Tausend und eine Nacht. Band VIII - Kapitel 27
Quellenangabe
typenarrative
authorUnbekannte Autoren
titleTausend und eine Nacht. Band VIII
publisherVerlag von Philipp Reclam jun.
yearo.J.
firstpub1895
translatorMax Henning
pages194
created20180131
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Mesrûr und Ibn el-Kâribī.

Ferner erzählt man, daß der Fürst der Gläubigen Hārûn er-Raschîd eines Nachts gar keinen Schlaf finden konnte, so daß er zu seinem Wesir Dschaafar dem Barmekiden, dem Sohn des Jahjā, klagte: »Ich kann heute Nacht gar nicht Schlaf finden, und die Brust ist nur so beklommen, daß ich nicht weiß, was ich thun soll.« Bei diesen Worten lachte des Chalifen Eunuch Mesrûr, der vor ihm stand; und der Chalife fragte ihn nun: »Weshalb lachst du? Lachst du etwa aus Mißachtung über mich oder bist du verrückt geworden?« Mesrûr erwiderte: »Bei Gott, o Fürst der Gläubigen, –

Vierhundertste Nacht.

und bei deiner Verwandtschaft mit dem Herrn des Gesandten, ich that dies nicht aus meinem freien Willen. Als ich gestern außerhalb des Palastes spazieren ging und zum Ufer des Tigris gelangte, sah ich dort einen Haufen Volks und gewahrte, als ich nun stehen blieb, einen Mann, Namens Ibn el-Kâribī, welcher die Menge zum Lachen brachte. Ich 70 mußte eben wieder an seine Späße denken und konnte deshalb das Lachen nicht niederzwingen; und so bitte ich dich um Vergebung, o Fürst der Gläubigen.« Da rief der Chalife: »Her mit ihm auf der Stelle!« Nun eilte Mesrûr geschwind hinaus zu Ibn el-Kâribī und sagte zu ihm: »Entsprich dem Fürsten der Gläubigen.« Ibn el-Kâribī erwiderte: »Ich höre und gehorche.« Da aber sagte Mesrûr: »Jedoch nur unter der Bedingung, daß du von dem Geschenk, das dir der Chalife geben sollte, nur den vierten Teil behältst und den Rest mir giebst.« Ibn el-Kâribī versetzte: »Nein, dir die Hälfte und mir die Hälfte.« Mesrûr entgegnete jedoch: »Nein,« und nun sagte Ibn el-Kâribī: »Mir ein Drittel und dir zwei Drittel,« worin Mesrûr nach vielem Sträuben endlich einwilligte. Hierauf erhob sich Ibn el-Kâribī und folgte Mesrûr zum Chalifen. Nachdem er bei dem Fürsten der Gläubigen eingetreten war und ihn mit dem Gruß des Chalifats begrüßt hatte und nun vor ihm dastand, sagte der Fürst der Gläubigen zu ihm: »Wenn du mich nicht zum Lachen bringst, so bekommst du von mir drei Schlage mit diesem Sack.« Da sprach Ibn el-Kâribī bei sich: »Was sind drei Schläge mit diesem Sack für mich, wo mir Peitschenhiebe nicht wehethun!« Er glaubte nämlich, der Sack wäre leer. Hierauf machte er solche Witze, daß selbst ein Zorniger hätte lachen müssen, und trieb allerlei Kurzweil, ohne daß der Chalife lachte oder auch nur lächelte, so daß Ibn el-Kâribī sich darüber verwunderte und in Angst und Furcht geriet. Schließlich sagte der Chalife: »Nun hast du deine Schläge verdient,« und langte zum Sack und verabfolgte ihm einen Schlag damit. In dem Sack befanden sich aber vier Kieselsteine, von denen ein jeder zwei Pfund schwer war. Wie nun der Sack auf seinen Nacken fiel, stieß er einen gewaltigen Schrei aus und rief, indem er sich an das, was Mesrûr sich von ihm ausbedungen hatte, erinnerte: »Vergebung, o Fürst der Gläubigen, höre nur zwei Worte von mir an.« Da sagte der Chalife: »Sprich, was du zu sagen hast;« 71 worauf Ibn el-Kâribī sagte: »Siehe, Mesrûr legte mir eine Bedingung auf, und ich einigte mich mit ihm über dieselbe, daß ich nämlich von der gütigen Gabe des Fürsten der Gläubigen nur ein Drittel erhalten sollte, während die beiden andern Drittel ihm zukommen sollten; und erst nach hartem Sträuben gewährte er mir dies. Jetzt nun, da du mir nichts als Schläge schenktest, hab' ich meinen Anteil erhalten, und die beiden andern Schläge kommen auf sein Teil. Ich habe mein Teil dahin, und dort steht er, o Fürst der Gläubigen; so gieb ihm sein Teil.« Als der Fürst der Gläubigen seine Worte vernahm, fiel er vor Lachen auf den Rücken. Alsdann rief er Mesrûr und gab ihm einen Schlag, worauf derselbe schrie und rief: »O Fürst der Gläubigen, ich habe genug an dem einen Drittel; schenk' ihm zwei Drittel.«

Vierhundertunderste Nacht.

Da lachte der Chalife über beide und wies jedem von ihnen tausend Dinare an, worauf sie fröhlich mit dem Geschenk des Chalifen abzogen.

 

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