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Tausend und eine Nacht. Band VIII

Max Henning: Tausend und eine Nacht. Band VIII - Kapitel 23
Quellenangabe
typenarrative
authorUnbekannte Autoren
titleTausend und eine Nacht. Band VIII
publisherVerlag von Philipp Reclam jun.
yearo.J.
firstpub1895
translatorMax Henning
pages194
created20180131
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Dschaafar der Barmekide und der alte Beduine.

Ferner erzählt man, daß der Fürst der Gläubigen Hārûn er-Raschîd eines Tages mit Abū Ishâk dem Tafelgenossen, Dschaafar dem Barmekiden und Abū Nowâs in die Wüste zog, wo sie einen Scheich auf seinem Esel reitend erblickten. Da sagte Hārûn er-Raschîd zu Dschaafar: »Frag' diesen Scheich, woher er kommt;« und so fragte Dschaafar ihn: »Woher kommst du?« worauf der Scheich erwiderte: »Aus Basra.«

Dreihundertundfünfundneunzigste Nacht.

Hierauf fragte Dschaafar: »Und wohin führt dich dein Weg?« Er versetzte: »Nach Bagdad.« Da fragte Dschaafar: »Und was willst du dort thun?« Er antwortete: »Ich will dort eine Medizin für mein Auge suchen.« Da sagte Hārûn er-Raschîd: »Dschaafar, halt' ihn zum Narren.« Dschaafar entgegnete: »Wenn ich ihn zum Narren halte, so bekomme ich etwas Widerwärtiges zu hören.« Der Chalife erwiderte 59 jedoch: »Bei meinem Leben, halt' ihn zum Narren.« Da sagte Dschaafar zum Scheich: »Wenn ich dir eine Medizin verschreibe, die dir hilft, was willst du mir dafür geben?« Der Scheich erwiderte: »Gott, der Erhabene, wird es dir an meiner Statt mit etwas Besserm lohnen als ich dir geben kann.« Nun sagte Dschaafar: »So leihe mir dein Ohr, daß ich dir dies Rezept gebe, das ich keinem andern geben würde.« Der Scheich fragte: »Was ist's?« Und Dschaafar erwiderte: »Nimm drei Pfund vom wehenden Wind, drei Pfund Sonnenstrahlen, drei Pfund Mondschein und drei Pfund Lampenlicht. Misch' alles zusammen und stell' es drei Monate lang in den Wind; alsdann bring' es in einen Mörser ohne Boden und stampf' es drei Monate lang zu feinem Staub. Hast du es zerstoßen, so schütt' es in eine zerbrochene Schüssel und stell' die Schüssel von neuem drei Monate lang in den Wind. Alsdann nimm jeden Tag drei Drachmen beim Schlafengehen von der Medizin ein und setze dies drei Monate lang fort und, so Gott, der Erhabene, es will, wirst du dann wohl und gesund sein.« Als der Scheich diese Worte von Dschaafar vernahm, streckte er sich der Länge nach auf seinem Esel aus und sagte, indem er einen abscheulichen Ton fahren ließ: »Nimm dies als Lohn für das Heilmittel, das du mir verschriebst. Wenn ich es werde eingenommen haben, und Gott, der Erhabene, mich wieder gesund macht, so will ich dir eine Sklavin schenken, die dir in deinem Leben solche Dienste leisten soll, daß Gott dadurch deinen Termin verkürzt; und wenn du gestorben bist, und Gott deine Seele ins Höllenfeuer jagt, so soll sie aus Trauer über dich dein Gesicht mit Dreck beschmieren und sich in ihr Gesicht schlagen und jammern und wehklagen: »O Dummbart, wie dumm warst du!« Da fiel Hārûn er-Raschîd vor Lachen auf den Rücken und wies dem Mann dreitausend Dirhem als Geschenk an. 60

 

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