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Tausend und eine Nacht. Band VIII

Max Henning: Tausend und eine Nacht. Band VIII - Kapitel 22
Quellenangabe
typenarrative
authorUnbekannte Autoren
titleTausend und eine Nacht. Band VIII
publisherVerlag von Philipp Reclam jun.
yearo.J.
firstpub1895
translatorMax Henning
pages194
created20180131
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Die tugendhafte Israelitin und die beiden Scheiche.

Der Leser findet hier die alte »Historie von Susanna und Daniel« nur wenig verändert wieder.

Ferner erzählt man, daß in alten Zeiten und in längstentschwundenen Tagen ein tugendhaftes Weib unter den Kindern Israel lebte, welches fromm und gottesfürchtig war und alle Tage ins Bethaus ging, doch vor dem Gebet zuvor in einem benachbarten Garten die Waschung vollzog. In jenem Garten waren zwei Scheiche als Hüter angestellt, und beide verliebten sich in sie und stellten ihr nach, während sie dieselben abwies. Da sagten sie zu ihr: »Wenn du dich uns nicht ergiebst, so legen wir Zeugnis auf Unzucht wider dich ab.« Das Mädchen erwiderte jedoch: »Gott wird mich vor eurer Bosheit schützen.« Da öffneten sie das Gartenthor und schrieen laut, worauf die Leute von allen Seiten herbeigelaufen kamen und fragten: »Was giebt's?« Sie entgegneten: »Wir ertappten dieses Mädchen mit einem jungen Mann, doch entkam er aus unsern Händen.« Nun war es aber in jener Zeit des Volkes Brauch des Ehebruches Überführte drei Tage lang publik zu machen und dann zu steinigen. Und so riefen sie drei Tage lang ihre Schande aus, während die beiden Scheiche täglich zu ihr kamen und, die Hände auf ihr Haupt legend, sagten: »Gelobt sei Gott, welcher seinen Zorn auf dich herabgesendet hat!« Als sie nun das Mädchen steinigen wollten, folgte ihnen Daniel, der damals zwölf Jahre zählte und hier sein erstes Wunder verrichtete, – Segen und Heil auf unsern Propheten und auf ihn! – und ließ nicht nach ihnen zu folgen, bis er sie eingeholt hatte und zu ihnen sagte: »Beeilet euch nicht mit ihrer Steinigung, bis ich unter ihnen gerichtet habe.« Da stellten sie ihm einen Stuhl hin, und er setzte sich und trennte die beiden Scheiche als erster, der Zeugen voneinander trennte. Alsdann fragte 58 er den ersten der beiden: »Was hast du gesehen?« worauf dieser ihm das Vorgefallene erzählte. Nun fragte Daniel: »An welchem Ort im Garten ist dies geschehen?« Und der Scheich antwortete: »Auf der östlichen Seite unter einem Birnenbaum.« Hierauf fragte er den andern Scheich nach dem, was er gesehen hätte, und, als dieser ihm das Vorgefallene vorgetragen hatte, fragte er ihn: »An welchem Orte im Garten?« worauf derselbe erwiderte: »Auf der westlichen Seite unter einem Apfelbaum.« Alles dies aber trug sich vor dem Mädchen zu, welches Haupt und Hände gen Himmel kehrte und zu Gott um Errettung flehte. Da sandte Gott, der Erhabene, einen rächenden Blitz vom Himmel, der die beiden Scheiche verbrannte, und erwies hierdurch die Unschuld des Mädchens. Dieses Wunder war aber das erste der Wunder Daniels, des Propheten Gottes, auf den der Frieden komme!

 

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