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Tausend und eine Nacht. Band VIII

Max Henning: Tausend und eine Nacht. Band VIII - Kapitel 20
Quellenangabe
typenarrative
authorUnbekannte Autoren
titleTausend und eine Nacht. Band VIII
publisherVerlag von Philipp Reclam jun.
yearo.J.
firstpub1895
translatorMax Henning
pages194
created20180131
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Saîd bin Sâlim el-Bâhilī und die Barmekiden.

Ferner berichtet man, daß Saîd bin Sâlim el-Bâhilī erzählt: In der Zeit Hārûn er-Raschîds lebte ich in sehr bedrängten Verhältnissen, und die Schulden belasteten meinen Nacken so schwer, daß ich sie nicht bezahlen konnte. Ich wußte nicht mehr aus noch ein und fand mir keinen Rat mehr, was ich thun sollte, da mich die Gläubiger um Bezahlung bestürmten, indem sie meine Thür belagerten und mich von allen Seiten bedrängten. Meine Kümmernis wuchs, und da ich schließlich keinen andern Ausweg fand, ging ich in meiner Bedrängnis zu Abdallāh bin Mâlik el-Chusâī und bat ihn mir mit seinem Rate aufzuhelfen und mich durch seine Klugheit zum Thore des Trostes zu geleiten. Da sagte Abdallāh bin Mâlik el-Chusâī: »Niemand als die Barmekiden können dich aus deinen Sorgen und Bedrängnissen 55 befreien.« Ich antwortete: »Und wer vermag es ihren Hochmut zu ertragen und ihren Dünkel auszustehen?« worauf er erwiderte: »Du wirst's ertragen, um deine Lage zu bessern.«

Dreihundertunddreiundneunzigste Nacht.

Da sprang ich auf und verließ ihn, mich sofort zu El-Fadl und Dschaafar, den Söhnen Jahjā bin Châlids, begebend, schilderte ihnen meine Lage und setzte ihnen meine Verhältnisse auseinander, worauf dieselben erwiderten: »Gott stehe dir mit seiner Hilfe bei, er überhebe dich seiner Geschöpfe durch seine Gnade, er schenke dir reichliches Gut und gebe dir soviel, daß du anderer entbehren kannst; denn, was er will, vermag er, und er ist gütig zu seinen Dienern und kennet ihre Bedürfnisse.« Hierauf verließ ich beide und kehrte mit beklommener Brust, niedergeschlagen und gebrochenen Herzens zu Abdallāh bin Mâlik zurück, ihm ihre Worte widerholend. Er sagte jedoch zu mir: »Du thust gut heute bei uns zu bleiben und Gottes, des Erhabenen, Beschluß abzuwarten.« Infolgedessen blieb ich bei ihm, als mit einem Male nach einer Weile mein Diener zu mir kam und sagte: »Mein Herr, vor unserer Thür halten viele Maultiere mit Lasten, von einem Manne begleitet, der behauptet, er sei der Agent El-Fadls und Dschaafars, der Söhne Jahjās.« Da sagte Abdallāh bin Mâlik: Ich hoffe, der Trost ist zu dir gekommen; steh' auf und schau' nach, was es giebt.« So sprang ich denn auf und eilte nach Hause, wo ich an der Thür einen Mann mit einem Schreiben folgenden Inhalts fand: Siehe, nachdem du bei uns gewesen warst, und wir deine Worte vernommen hatten, machten wir uns nach deinem Fortgang zum Chalifen auf und teilten ihm mit, daß dich deine Verhältnisse bis zur Erniedrigung des Bettelns gebracht hätten. Da befahl er uns zu dir tausend mal tausend Dirhem aus dem Schatzhaus zu schaffen; wir aber sprachen zu ihm: Mit diesem Geld wird er seine Gläubiger bezahlen 56 und seine Schulden damit begleichen, wovon soll er aber seinen Unterhalt bestreiten? Da wies dir der Chalife noch dreihunderttausend Dirhem an, und jeder von uns schickt dir ebenfalls tausend mal tausend Dirhem von seinem eigenen Geld, so daß die gesamte Summe dreitausend mal tausend und dreihunderttausend Dirhem beträgt, womit du deine Lage bessern und deine Verhältnisse ordnen kannst.

Betrachte also die Großmut dieser Edeln; Gott, der Erhabene hab' sie selig!

 

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