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Tausend und eine Nacht. Band VIII

Max Henning: Tausend und eine Nacht. Band VIII - Kapitel 14
Quellenangabe
typenarrative
authorUnbekannte Autoren
titleTausend und eine Nacht. Band VIII
publisherVerlag von Philipp Reclam jun.
yearo.J.
firstpub1895
translatorMax Henning
pages194
created20180131
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Der Chalife El-Hâkim und der reiche Kaufmann.

Ferner erzählt man, daß der Chalife El-Hâkim bi-Amri-llāh eines Tages mit seinem Hofstaat ausritt und an einem Garten vorüberkam, in welchem er einen Mann umgeben von Sklaven und Eunuchen erblickte. Er bat ihn um einen Trunk Wasser, und der Mann reichte ihm denselben und sagte zu ihm: »Vielleicht thut mir der Fürst der Gläubigen die Ehre an, daß er absteigt und bei mir im Garten einkehrt.« Da stieg der König ab und kehrte mit seinem Gefolge im Garten ein, worauf der Besitzer des Gartens hundert Teppiche, hundert lederne Matten und hundert Kissen brachte und ihnen hundert Platten mit Früchten, hundert Näpfe mit Süßigkeiten und hundert Terrinen voll süßer Scherbetts vorsetzte, so daß El-Hâkim sich hierüber höchlichst verwunderte und zu ihm sagte: »Mann, das ist ein wunderbarlich Ding mit dir; hattest du etwa von unserm Kommen gewußt und uns dies hier zugerichtet?« Der Mann erwiderte jedoch: 46 »Nein, bei Gott, o Fürst der Gläubigen, ich wußte nichts von euerm Kommen; ich bin weiter nichts als ein Kaufmann aus der Masse deiner Unterthanen, doch habe ich hundert Beischläferinnen, und als der Fürst der Gläubigen mich mit seiner Einkehr beehrte, da schickte ich zu jeder einzelen von ihnen, daß sie mir das Mittagessen in den Garten sendete, und so schickte mir eine jede etwas von ihrer Einrichtung und den Überschuß von Speise und Trank von ihrem Mahl; jeden Tag nämlich schickt mir eine von ihnen eine Schüssel mit Fleisch, eine Platte mit Erfrischungen, eine Platte mit Früchten, einen Napf voll Süßigkeiten und eine Terrine voll Scherbett. Das ist alle Tage mein Mittagsmahl, und ich fügte dem nichts für dich hinzu.« Da warf sich der Fürst der Gläubigen el-Hâkim bi-Amri-llāh mit dem Angesicht zur Erde und sprach, Gott, dem Erhabenen, dankend: »Gelobt sei Gott, welcher einen meiner Unterthanen so reich begnadet hat, daß er den Chalifen samt seinem Gefolge speisen kann, ohne daß er Vorkehrungen dazu zu treffen hat, vielmehr sie von dem Überschuß seiner Mahlzeit bewirtet!« Alsdann befahl er alles Geld, das in jenem Jahre geschlagen war, und dessen Summe siebenhundert und dreitausend Dirhem betrug, aus seinem Schatzhaus zu holen und setzte sich nicht eher aufs Pferd, als bis man das Geld gebracht hatte, worauf er es jenem Manne mit den Worten gab: »Bediene dich des Geldes wie es deine Verhältnisse erfordern; deine Großmut verdiente noch mehr.« Alsdann saß der König auf und ritt seines Weges.

 

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