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Tausend und eine Nacht. Band VIII

Max Henning: Tausend und eine Nacht. Band VIII - Kapitel 12
Quellenangabe
typenarrative
authorUnbekannte Autoren
titleTausend und eine Nacht. Band VIII
publisherVerlag von Philipp Reclam jun.
yearo.J.
firstpub1895
translatorMax Henning
pages194
created20180131
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Der Dummkopf und der Schlaumeier.

Ferner erzählt man, daß einmal ein Dummkopf des Weges gewandert kam, der einen Esel am Halfter nach sich zog. Da erblickten ihn zwei Spitzbuben, und der eine von ihnen sagte zum andern: »Ich will dem Mann den Esel stehlen.« Der andere versetzte: »Wie willst du das anfangen?« Und der erste erwiderte: »Folge mir, ich will es dir zeigen.« Da folgte er ihm, und der erste Spitzbube trat an den Esel, löste ihn aus dem Halfter und übergab ihn seinem Gefährten, worauf er sich selber den Halfter um den Kopf legte und dem Dummkopf folgte, bis er wußte, daß sein Spießgesell sich mit dem Esel aus dem Staube gemacht hatte, und nun stehen blieb. Der Dummkopf zog ihn am Halfter, da er jedoch nicht weiter gehen wollte, wendete er sich um, als er mit einem Male den Kopf eines Mannes im Halfter stecken sah. Da rief er: »Was bist du?« worauf der Dieb erwiderte: »Ich bin dein Esel; mit mir hat sich nämlich eine wunderbare Geschichte zugetragen. Ich hatte eine alte fromme Mutter, zu der ich eines Tages betrunken kam; als sie deshalb zu mir sagte: »Mein Sohn, bereue diese Sünde vor Gott, dem Erhabenen,« langte ich nach einem Stock und prügelte sie, worauf sie mich verfluchte, und Gott, der Erhabene, mich in einen Esel verwandelte und in deine Hand fallen ließ. Die ganze Zeit über blieb ich bei dir, bis heute meine Mutter sich meiner erinnerte und Gott ihr Herz mit Sehnsucht nach mir erfüllte, so daß sie für mich betete, und Gott mich wieder meine frühere menschliche Gestalt annehmen ließ.« Da rief der Mann: »Es giebt keine Macht und keine Kraft außer 44 bei Gott, dem Hohen und Erhabenen! Um Gott, mein Bruder, vergieb mir, was ich dir mit Reiten und sonstwie zufügte.« Alsdann ließ er den Spitzbuben seines Weges gehen und kehrte trunken von Sorge und Kummer heim, so daß ihn sein Weib fragte: »Was fehlt dir, und wo ist der Esel?« Er erwiderte: »Du weißt nicht, was es mit dem Esel auf sich hatte; doch will ich es dir jetzt erzählen.« Alsdann erzählte er ihr die Geschichte, und sie rief: »Weh uns, wie wird Gott, der Erhabene, uns strafen, daß wir diese lange Zeit über einen Menschen für uns arbeiten ließen.« Hierauf spendete sie Almosen und flehte zu Gott um Verzeihung, während ihr Mann eine Zeitlang müßig zu Hause saß, bis sie zu ihm sagte: »Wie lange willst du hier ohne Arbeit im Hause hocken? Geh' auf den Bazar, kauf' uns einen andern Esel und verrichte deine Arbeit mit ihm.« Infolgedessen ging er auf den Bazar zu dem Platz, auf welchem die Esel standen, und siehe, da stand sein Esel zum Verkauf. Als er ihn erkannte, trat er an ihn heran und sagte zu ihm, indem er seinen Mund an sein Ohr legte: »Wehe dir, Unseliger, sicherlich hast du dich wieder betrunken und deine Mutter verprügelt. Doch, bei Gott, ich will dich nimmermehr wieder kaufen.« Sprach's und ging seines Weges.

 

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