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Tausend und eine Nacht. Band VIII

Max Henning: Tausend und eine Nacht. Band VIII - Kapitel 11
Quellenangabe
typenarrative
authorUnbekannte Autoren
titleTausend und eine Nacht. Band VIII
publisherVerlag von Philipp Reclam jun.
yearo.J.
firstpub1895
translatorMax Henning
pages194
created20180131
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Dreihundertundsiebenundachtzigste Nacht.

Der Müller und sein Weib.

Ferner erzählt man, daß einmal ein Mann lebte, der eine Mühle hatte, welche er durch einen Esel drehen ließ; außerdem aber hatte er ein nichtsnutziges Weib, das er liebte, während sie ihn verabscheute und einen Nachbar liebte, der sie jedoch haßte und nichts von ihr wissen wollte. Da begab es sich, daß ihr Mann im Traum eine Stimme sprechen hörte: »Grab' an der und der Stelle in der Mühle auf der Rundbahn des Esels und du wirst einen Schatz finden.« Als der Mann erwachte, erzählte er seiner Frau den Traum und befahl ihr das Geheimnis zu hüten.

Dreihundertundachtundachtzigste Nacht.

Sie erzählte es jedoch ihrem Nachbar, den sie liebte, um hierdurch seine Gunst zu gewinnen, und er versprach ihr des 42 Nachts zu ihr zu kommen. Wie es nun Nacht war, kam er zu ihr und grub den Schatz in der Mühle aus. Dann fragte er sie: »Wie wollen wir es mit dem Schatz halten?« Sie versetzte: »Wir wollen ihn in zwei gleiche Teile teilen; trenne du dich dann von deinem Weibe, und ich will Mittel und Wege finden, mich von meinem Mann zu trennen, damit du mich heiraten kannst, und wir dann die beiden Hälften zusammenthun und das gesamte Gold in unsern Händen haben.« Der Nachbar entgegnete ihr jedoch: »Ich fürchte, der Satan könnte dich verführen, so daß du einen andern Mann heiratest; denn Gold im Hause ist wie die Sonne in der Wel. Das Richtige ist nach meiner Ansicht daher, daß ich das ganze Geld nehme, so daß du mit aller Macht danach trachtest von deinem Manne geschieden zu werden und zu mir zu kommen.« Sie entgegnete ihm hierauf: »Ich besorge das gleiche von dir und will dir meinen Anteil an dem Gelde nicht übergeben; denn ich bin's doch, die dir zu diesem Gelde verholfen hat.« Als er diese Worte von ihr vernahm, verführte ihn die Geldgier sie zu töten; und so erschlug er sie und warf ihren Leichnam in das Loch, in welchem der Schatz gelegen hatte. Da ihn jedoch der anbrechende Tag hinderte sie zu verbergen, nahm er das Geld und ging fort. Als nun der Müller aus dem Schlaf erwachte und seine Frau nicht fand, ging er in die Mühle, wo er den Esel in die Mühle spannte und ihn mit Rufen antrieb. Kaum hatte der Esel jedoch einige Schritte gethan, da hielt er wieder an und wollte trotz der tüchtigsten Hiebe nicht vorwärts, vielmehr wich er bei jedem Schlag zurück, da er vor dem Leichnam der Frau scheute und nicht vorwärts zu gehen vermochte. Alles dieses geschah, ohne daß der Müller den Grund ahnte, weshalb der Esel nicht anziehen wollte, so daß er ein Messer nahm und ihn damit wieder und wieder stach, ohne daß sich der Esel vom Fleck rührte, bis er ihm schließlich ergrimmt das Messer in die Seite stieß, worauf der Esel tot hinstürzte. Als es aber lichter Tag ward, sah er neben dem toten Esel 43 in dem Loch, in welchem der Schatz gesteckt hatte, sein Weib entseelt liegen, so daß sein Zorn über den Verlust des Schatzes und den Tod seines Weibes und Esels nur noch größer ward, und er sich schwer bekümmerte. Alles dies aber kam daher, daß er sein Geheimnis seinem Weibe mitgeteilt und es nicht bei sich behalten hatte.

 

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