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Tausend und eine Nacht. Band VI

Max Henning: Tausend und eine Nacht. Band VI - Kapitel 6
Quellenangabe
typenarrative
authorUnbekannte Autoren
titleTausend und eine Nacht. Band VI
publisherVerlag von Philipp Reclam jun.
yearo.J.
firstpub1895
translatorMax Henning
pages208
created20180114
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Einige Anekdoten über großmütige Männer.

Was aber die Geschichten von großmütigen Männern anlangt, so giebt es deren sehr viele, zu denen auch die Geschichte von Hâtim vom Stamme TaijHâtim, der Fürst dieses berühmten Beduinenstammes, starb wenige Jahre vor Mohammeds Geburt und ist wegen seiner Großmut und Freigebigkeit sprichwörtlich geworden. gehört.

Hâtim vom Stamme Taij.

Man erzählt, daß Hâtim vom Stamme Taij nach seinem Tode auf einem Bergesgipfel begraben wurde, wo man über seinem Grabe zwei Wassertröge aus Stein und zwei steinerne Mädchengestalten mit aufgelöstem Haar aufstellte. Am Fuße jenes Berges strömte ein Bach, und wenn dort Wandersleute einkehrten, so hörten sie gewöhnlich die Nacht über vom Abend bis zum Morgen Geschrei, ohne am Morgen irgendwen außer den aus Stein gehauenen Mädchen zu finden. Als nun einmal Zul-Kurâa der König von Himjar, auf einer Fahrt von seinem Stamme in jenes Wadi einkehrte und die Nacht daselbst verbrachte, –

Zweihundertundsiebzigste Nacht.

hörte er, als er jenem Orte nahe kam, das Geschrei und fragte: »Was ist das für ein Klagegeheul dort oben auf jenem Berge?« worauf man ihm zur Antwort gab: »Das ist das Grab Hâtims vom Stamme Taij, auf welchem zwei Tröge aus Stein und zwei steinerne Mädchengestalten mit aufgelöstem Haar aufgestellt sind; in jeder Nacht hören alle, die hier einkehren, das Geheul und Geschrei.« Da rief Zul-Kurâa, der König von Himjar, Hâtim vom Stamme Taij verspottend: »Hâtim, heute Nacht sind wir deine Gäste, und wir haben einen leeren Magen.« Darauf überkam ihn der Schlaf; doch erwachte er bald wieder erschrocken und rief: »Ihr Araber, kommt her zu mir und schaut nach meinem Tier!« Als sie nun zu seiner Kamelstute kamen, fanden sie dieselbe sich am Boden wälzend, so daß sie sie abstachen und ihr Fleisch brieten und es aßen. Darauf fragten sie ihn, 154 wie dies gekommen wäre, und er antwortete ihnen: »Während ich schlief, erschien mir Hâtim im Traume mit einem Schwert in der Hand und sprach zu mir: »Du bist zu uns gekommen, wo wir nichts bei uns haben.« Darauf verwundete er meine Kamelstute mit dem Schwerte, und hättet ihr sie nicht abgestochen, wäre sie doch krepiert.« Am nächsten Morgen bestieg dann Zul-Kurâa das Tier eines seiner Gefährten, indem er denselben hinter sich aufsitzen ließ. Gegen Mittag erblickten sie einen Reiter auf einem Kamel, welcher in seiner Hand ein anderes führte. Da fragten sie ihn: »Wer bist du?« Er antwortete: »Ich bin Adī, der Sohn Hâtims vom Stamme Taij.« Darauf fragte er: »Wo ist Zul-Kurâa, der Fürst von Himjar?« worauf sie ihm erwiderten: »Der da ist's.« Da sagte er zu ihm: »Steig auf diese Kamelstute an Stelle deines Tieres, da mein Vater deine Stute für dich abstach.« Nun fragte Hâtim: »Wer hat dir das gesagt?« Er erwiderte: »Er kam heute Nacht zu mir im Traume und sprach zu mir: »Adī, siehe, Zul-Kurâa, der König von Himjar, lud sich bei mir zu Gast ein, und da stach ich für ihn seine Kamelin ab. So bring ihm eine Kamelin zum Reiten, denn ich habe nichts.« Da nahm Zul-Kurâa die Kamelin und verwunderte sich über Hâtims Großmut im Leben und im Tod.

 

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