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Tausend und eine Nacht. Band I

Max Henning: Tausend und eine Nacht. Band I - Kapitel 7
Quellenangabe
typenarrative
authorUnbekannte Autoren
titleTausend und eine Nacht. Band I
publisherVerlag von Philipp Reclam jun.
yearo.J.
firstpub1895
translatorMax Henning
correctorJosef Muehlgassner
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20150411
modified20180223
projectidbbb389ae
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Geschichte des zweiten Scheichs mit den beiden Hunden.

»Wisse, o Herr der Könige der Dschân, diese beiden Hunde hier sind meine Brüder, ich selber bin der dritte. Als mein Vater starb, hinterließ er uns dreitausend Dinare.Ein Dinar war ungefähr gleich 10 Mark und die übliche Goldmünze. 20-25 Dirhem machten einen Dinar aus. Ich machte nun mit meinem Erbteil einen Laden auf, kaufte und verkaufte, meine Brüder begaben sich dagegen mit Waren auf die Reise und blieben mit den Karawanen ein Jahr lang fort. Als sie wiederkamen, hatten sie nichts. Da sagte ich zu ihnen: »Meine Brüder, gab ich euch nicht den Rat, die Reise zu unterlassen?« Sie weinten und sprachen: »Ach, Bruder, Gott, der Mächtige und Herrliche, hat dies über uns verhängt; solche Worte sind auch jetzt nutzlos, denn wir haben nichts.« Ich nahm sie darauf in meinen Laden, begab mich dann mit ihnen ins Bad, gab ihnen kostbare Kleider und speiste mit ihnen. Nach dem Essen sagte ich zu ihnen: »Meine Brüder, ich will den Jahresertrag meines Ladens berechnen und den Verdienst mit Ausnahme des Grundkapitals unter uns teilen.« Als ich die Rechnung gemacht hatte, fand ich einen Gewinn von dreitausend Dinaren. Da pries ich Gott, den Mächtigen und Herrlichen, und teilte erfreut den Gewinn unter uns in drei gleiche Teile.Der vorliegende Text läßt nur einen Bruder auf Reisen gehen und den Gewinn 2000 Dinare betragen. Nach dem folgenden müssen aber beide Brüder verreist gewesen sein. Die Breslauer Ausgabe läßt erst einen und dann den andern Bruder mit gleichem Mißerfolge auf die Reise gehen. Hierauf blieben wir eine Zeitlang zusammen, bis meine Brüder wieder nach einer Reise Verlangen trugen und mich veranlassen wollten mit ihnen zu reisen. Ich lehnte es jedoch ab, indem ich ihnen vorhielt: »Was habt ihr denn auf eurer Reise verdient, daß ich auf Gewinn rechnen könnte?« Obwohl sie nicht abließen in mich zu drängen, lehnte ich es doch standhaft ab, so daß wir sechs volle Jahre in unsern Läden kauften und verkauften, bis ich ihnen endlich Gehör gab und sagte: »Meine Brüder, wir wollen unsern Besitz berechnen.« Wir thaten es und, da wir sechstausend Dinare vorfanden, sagte ich: »Wir wollen die Hälfte davon vergraben, daß es uns nützt, falls uns irgend etwas zustoßen sollte, und jeder von uns dann tausend Dinare nehmen und damit handeln kann.« »Dein Rat ist ausgezeichnet,« sagten sie. Nun teilte ich das Geld in zwei Teile, vergrub dreitausend Dinare und gab von den andern dreitausend einem jeden tausend. Darauf beschafften wir Waren, heuerten ein Schiff und verluden unsre Sachen. Nachdem wir einen vollen Monat gereist waren, gelangten wir zu einer Stadt, in welcher wir unsere Waren verkauften und einen Gewinn von zehn Dinaren auf einen Dinar erzielten. Als wir darauf wieder abreisen wollten, fanden wir am Meeresstrande ein in Lumpen gekleidetes Mädchen, das mir die Hand küßte und zu mir sprach: »Ach, mein Herr, bist du wohl gütig und gefällig, ich will es dir auch vergelten.« Ich antwortete: »Ja, ich bin gütig und gefällig, auch wenn du mir es nicht vergiltst.« Darauf sagte sie: »Ach, mein Herr, heirate mich und nimm mich in dein Land, ich schenke mich dir. Erweise mir diese Güte und Gefälligkeit, da ich zu denen gehöre, die man gütig und gefällig behandeln soll und die es zu lohnen wissen. Laß dich durch meinen Zustand nicht beirren.«

Als ich ihre Bitte vernahm, hatte mein Herz um der Sache willen, die Gott, der Mächtige und Herrliche, beabsichtigte, Mitleid mit ihr, daß ich sie zu mir nahm, sie kleidete, ihr auf dem Schiff ein schönes Lager zurechtmachte und sie freundlich und ehrerbietig behandelte. Unterwegs aber faßte ich so starke Liebe zu ihr, daß ich mich weder bei Tag noch bei Nacht von ihr trennen konnte und über sie meine Brüder ganz aus den Augen ließ, so daß sie auf mich eifersüchtig wurden und mir meinen Besitz und die Menge meiner Waren mißgönnten. Ihre Augen schielten nach all meinem Gut, und sie beredeten sich mich zu töten und mein Gut zu nehmen, indem sie sprachen: »Wir wollen unsern Bruder umbringen, daß all das Gut unser wird;« und der Satan putzte ihnen ihr Vorhaben so schön zu, daß sie mich, als ich an der Seite meiner Gattin schlief, mit ihr aufhoben und uns ins Meer warfen.

Sobald nun aber meine Gattin erwachte, schüttelte sie sich und ward zu einer Ifrîte, die mich auflud und auf eine Insel niederlegte. Darauf verschwand sie auf kurze Zeit, kam aber gegen Morgen wieder und sagte: »Ich, deine Gattin, habe dich aufgehoben und dich mit Gottes, des Erhabenen, Erlaubnis vor dem Tode errettet. Denn, wisse, ich bin eine Dschinnîje; als ich dich erblickte, liebte dich mein Herz um Gottes willen, denn ich glaube auch an Gott und seinen Gesandten, – Gott segne ihn und spende ihm Heil! So kam ich zu dir in dem Zustande, in dem du mich sahst, und du nahmst mich zum Weibe. Siehe! jetzt habe ich dich vor dem Ertrinken gerettet. Auf deine Brüder aber bin ich erzürnt und muß sie töten.«

Als ich ihre Erzählung vernahm, erstaunte ich und dankte ihr für das, was sie an mir gethan. »Was aber meine Brüder anlangt,« sagte ich, »so ist ihr Tod nicht erforderlich.« Darauf erzählte ich ihr alles, was sich mir mit ihnen zugetragen hatte, von Anfang bis zu Ende, und als sie meine Geschichte vernommen hatte, sagte sie: »Ich will noch jetzt in dieser Nacht zu ihnen fliegen und sie mit ihrem Schiff versenken.« Ich beschwor sie: »Um Gott, thu's nicht, sagt doch das Sprichwort: Thue Gutes dem, der dir Böses zufügt, der Übelthäter hat genug an seinem Werk. Bei alledem sind es doch immer meine Brüder.« Sie entgegnete jedoch: »Nein, sie müssen sterben.«

Nachdem ich so ihr Herz zu erweichen gesucht hatte, lud sie mich wieder auf, flog mit mir fort und legte mich auf das Dach meines Hauses nieder. Ich öffnete die Thüren, holte die dreitausend Dinare, die ich verborgen hatte, aus der Erde hervor, öffnete, nachdem ich die Leute begrüßt hatte, wieder meinen Laden und kaufte Waren ein. Als ich dann des Abends in mein Haus ging, fand ich diese beiden Hunde dort angebunden. Wie sie meiner ansichtig wurden, standen sie auf, kamen weinend heran und hingen sich an mich. Ich hätte nichts gewußt, wenn mir meine Gattin nicht gesagt hätte, daß es meine Brüder wären. Als ich sie fragte: »Wer hat ihnen das angethan?« sagte sie: »Ich schickte zu meiner Schwester, die hat es gethan; erst nach zehn Jahren sollen sie wieder erlöst werden.«

Ich kam jetzt auf der Reise zu ihr, daß sie sie erlöst, nachdem sie zehn Jahre in diesem Zustande verbracht haben, hier vorbei; und da ich diesen jungen Mann hier sah, und sein Abenteuer erfuhr, wollte ich nicht eher fortgehen, bis ich das weitere zwischen euch beiden gesehen hätte. Das ist meine Geschichte.«

Da sagte der Dschinnî: »Das ist eine wunderbare Geschichte; ich schenke dir dafür ein Drittel von seinem Blut, das mir für seine Schuld verfallen ist.«

Indem trat der dritte Scheich mit dem Maultier heran und redete den Dschinnî an: »Ich will dir auch eine Geschichte erzählen, die noch wunderbarer ist als die Geschichte der beiden; schenke mir dafür den Rest seines Blutes und seiner Schuld.« Der Dschinnî antwortete: »Gut.« Da erzählte der Scheich:

 

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