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Tausend und eine Nacht. Band I

Max Henning: Tausend und eine Nacht. Band I - Kapitel 27
Quellenangabe
type
authorUnbekannte Autoren
titleTausend und eine Nacht. Band I
publisherVerlag von Philipp Reclam jun.
yearo.J.
firstpub1895
translatorMax Henning
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20150411
projectidbbb389ae
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Vierundzwanzigste Nacht.

Über diese Worte erzürnte sich seine Großmutter heftig; den Diener anblickend, sagte sie: »Weh dir, verdirbst du mein Kind, daß du mit ihm die Läden von Köchen besuchst?« Da bekam der Eunuch Furcht und log: »Wir sind in keinem Kochladen gewesen; wir sind nur daran vorbeigegangen.« Adschîb behauptete dagegen: »Bei Gott, wir sind doch darin gewesen und haben gegessen; es schmeckte viel besser als dein Gericht.« Da stand seine Großmutter auf und erzählte es dem Bruder ihres Gatten, der, hierüber aufgebracht, den Eunuchen vor sich bringen ließ und ihn zur Rede stellte: »Warum bist du mit dem Knaben in den Laden des Kochs gegangen?« Der Diener log in seiner Angst wieder und sagte: »Wir sind in keinem Laden gewesen.« Adschîb aber sagte: »Jawohl, wir sind in seinem Laden gewesen und haben uns an Granatapfelkernen satt gegessen; dann hat der Koch uns auch noch Scherbett mit Schnee und Zucker zu trinken gegeben.« Der Zorn des Sultans über den Diener wurde hierdurch noch ärger, aber so oft er ihn frug, log er. Da sagte der Sultan: »Sprichst du die Wahrheit, so setz' dich und iß vor uns.« Nun kam der Diener heran und versuchte zu essen; da er es jedoch nicht vermochte, warf er den Bissen aus der Hand und sagte: »Mein Herr, ich bin noch von gestern satt.« Der Wesir, der hieraus merkte, daß er bei dem Koch gewesen war und gegessen hatte, befahl darauf den Sklavinnen ihn zu Boden zu werfen und schlug ihn so lange, bis er um Hilfe schrie und schließlich die Wahrheit bekannte und sagte: »Wisse, wir waren im Laden des Kochs, der Granatapfelkerne gekocht hatte und uns davon aufschöpfte; bei Gott, in meinem Leben habe ich nichts dem gleiches gegessen, abscheulicheres aber wie das da vor uns habe ich auch noch nicht gesehen.« Da sagte die Mutter Hasan Bedr ed-Dîns entrüstet: »Du mußt zu diesem Koch gehen und uns eine Schüssel voll von seinen Granatapfelkernen bringen und sie deinem Herrn zeigen, daß er selber urteilen kann, ob seine oder meine Granatapfelkerne besser und wohlschmeckender sind.« Der Diener antwortete: »Gut,« und sie gab ihm sogleich eine Schüssel und einen halben Dinar.

Nun machte sich der Diener auf den Weg zum Laden und sagte zum Koch: »Wir haben im Hause unsers Herrn über deine Speise gewettet, weil wir nämlich dort auch Granatapfelkerne haben, welche die Hausfrau gekocht hat. Gieb uns für einen halben Dinar und paß beim Kochen auf, daß es gerät, denn wir haben deines Gerichtes wegen schon die jämmerlichsten Prügel zu kosten bekommen.« Da lachte Hasan Bedr ed-Dîn und sagte: »Bei Gott, diese Speise kann niemand so gut kochen wie ich und meine Mutter; sie aber lebt jetzt in fernem Land.« Darauf schöpfte er die Schüssel voll, setzte ihr zum Abschluß Moschus und Rosenwasser hinzu und gab sie dem Diener, der mit ihr nach Hause lief. Als nun die Mutter Hasans sie nahm und kostete; merkte sie an dem feinen Geschmack, wer sie gekocht hatte, und sank mit einem lauten Schrei in Ohnmacht. Der Wesir ließ ihr bestürzt Wasser ins Gesicht sprengen, worauf sie nach einer Weile wieder zu sich kam und sagte: »Wenn mein Sohn noch am Leben ist, so hat er und kein anderer die Granatapfelkerne gekocht; es ist kein Zweifel, es ist mein Sohn Hasan Bedr ed-Dîn, denn nur ich und er wissen diese Speise so gut zu kochen, da er es von mir gelernt hat.« – Als der Wesir diese Worte vernahm, rief er in höchster Freude: »O wie ich mich danach sehne den Sohn meines Bruders zu schauen! Will die Zeit uns wirklich mit ihm vereinen? Doch nur von Gott, dem Erhabenen, erflehe ich unsere Vereinigung.«

Hierauf erhob sich der Wesir unverzüglich, rief über seine Leute und befahl ihnen: »Zwanzig Mann von euch sollen zum Laden des Kochs gehen, ihn einreißen und dem Koch selber mit seinem Turban die Hände auf dem Rücken knebeln und ihn, ohne daß ihm jedoch ein Leid widerfährt, hierherschleppen.« Die Leute antworteten: »Gut.« Dann ritt der Wesir sofort zur Wohnung der Glückseligkeit, zum Vicekönig von Damaskus, und legte ihm die Schreiben, die er vom Sultan mitbekommen hatte, vor. Der Vicekönig küßte sie, führte sie an sein Haupt zum Zeichen der Ehrerbietung. und fragte: »Um wen handelt es sich?« Der Wesir antwortete: »Um einen Koch.« Sogleich gebot der Vicekönig seinen Kämmerlingen sich nach dem Laden des Kochs zu begeben; als sie aber dort ankamen, fanden sie ihn eingerissen und alle Sachen zerschlagen, da die Leute des Wesirs den Befehl ausgerichtet hatten, während er sich zur Wohnung der Glückseligkeit begeben hatte, und nun auf seine Rückkehr von der Wohnung der Glückseligkeit mit dem gefesselten Hasan warteten, der bei sich dachte: »Was mögen sie nur an den Granatapfelkernen gefunden haben, daß mir solches widerfährt?«

Als nun der Wesir vom Vicekönig von Damaskus mit der Erlaubnis ihn mit sich zu nehmen zu den Zelten zurückgekehrt war, verlangte er nach dem Koch. Man führte ihm Hasan Bedr ed-Dîn mit seinem Turban gefesselt vor, der beim Anblick seines Oheims laut weinte und sagte: »Ach, mein Herr, worin habe ich mich gegen euch vergangen?« Der Wesir entgegnete: »Bist du's, der die Granatapfelkerne gekocht hat?« Hasan erwiderte: »Jawohl; was aber habt ihr an ihnen gefunden, daß mir der Kopf abgeschlagen werden soll?« Der Wesir antwortete: »Das ist deine geringste Strafe.« Hasan bat wiederum: »Ach. mein Herr, willst du mir nicht meine Schuld sagen?« »Sofort,« versetzte der Wesir, und rief über die Burschen, ihnen befehlend: »Bringt die Kamele her!« Darauf nahmen sie Hasan Bedr ed-Dîn mit sich, packten ihn in einen Kasten, legten Schlösser davor und ritten ab, um erst wieder bei Anbruch der Nacht Rast zu machen. Dann nahmen sie ihn herunter, aßen ein wenig, holten ihn aus dem Kasten hervor und gaben ihm ebenfalls etwas zu essen. Darauf packten sie ihn wieder in den Kasten und reisten in derselben Weise weiter, bis sie zu einem neuen Halteplatz gelangten. Dort holten sie ihn wieder heraus, und der Wesir fragte ihn zum zweitenmal: »Bist du's, der die Granatapfelkerne gekocht hat?« Hasan erwiderte: »Jawohl, mein Herr.« Darauf befahl der Wesir: »Fesselt ihn!« Die Burschen fesselten ihn, packten ihn wieder in den Kasten und reisten weiter, bis sie in Kairo anlangten und in Er-Reidânîje Ein Platz im Norden von Kairo, wo die von Syrien anlangenden Karawanen Halt machten. abstiegen. Hier befahl der Wesir Hasan aus dem Kasten hervorzuholen und einen Tischler zu rufen. Als derselbe erschien, gab er ihm den Auftrag für Hasan ein Holzkreuz zu machen. Da fragte Hasan: »Was beabsichtigst du damit?« Der Wesir antwortete: »Ich will dich daran nageln und durch die ganze Stadt führen lassen.« Hasan fragte: »Und weswegen willst du das thun?« Der Wesir entgegnete: »Weil du die Granatapfelkerne schlecht gekocht hattest; wie konntest du sie mit so wenig Pfeffer zubereiten?« Hasan versetzte: »Darum, daß zu wenig Pfeffer daran gethan war, willst du mir alles dies zufügen? Genügt es dir nicht, daß ich gefesselt wurde und jeden Tag nur eine Mahlzeit erhielt?« Der Wesir antwortete jedoch: »Weil du zu wenig Pfeffer nahmst, bekommst du als Strafe den Tod.«

Wie nun Hasan bestürzt hierüber und bekümmert über sein Schicksal in Gedanken versunken dasaß, fragte ihn der Wesir: »Worüber bist du so nachdenklich?« Hasan antwortete: »über einen so schwachen Verstand wie den deinigen; hättest du wirklich Verstand, du hättest mir dafür, daß ich zu wenig Pfeffer nahm, dies sicherlich nicht angethan.« Der Wesir entgegnete ihm jedoch: »Es ist unsere Schuldigkeit dich zu strafen, daß du es nicht wieder thust.« Hasan erwiderte ihm darauf: »Das Geringste von dem, was du mir angethan hast, wäre Strafe genug für mich gewesen.« Der Wesir blieb jedoch dabei: »Hilft nichts, du wirst gekreuzigt.« – Alles dies trug sich zu, während der Tischler das Holz zurechtmachte und Hasan ihm zusah.

Als nun die Nacht anbrach, nahm ihn sein Oheim, packte ihn wieder in den Kasten und sagte: »Morgen wirst du gekreuzigt.« Nachdem er dann so lange gewartet hatte, bis er merkte, daß Hasan eingeschlafen war, lud er den Kasten vor sich auf und ritt in die Stadt. Zu Hause angekommen sagte er zu seiner Tochter Sitt el-Husn: »Preis sei Gott, der dich mit dem Sohn deines Oheims wieder vereint hat! Mach' dich auf und richte das Haus wieder ebenso ein, als es in der Nacht deiner Entschleierung war.« Indem sie nun ihren Sklavinnen hierzu Befehl erteilte, und diese die Lichter anzündeten, holte der Wesir das Blatt Papier hervor, auf welchem er die Hauseinrichtung verzeichnet hatte, und befahl, nachdem er es durchgelesen hatte, jeden Gegenstand an seinen Platz zu stellen, so daß jemand, der es sah, nicht daran zweifeln konnte, daß es die Nacht der Entschleierung selber wäre. Ebenso befahl er Bedr ed-Dîns Turban an den Platz, an welchen er ihn selber hingelegt hatte, wieder hinzulegen nebst seinen Hosen und dem Beutel, der unter dem Kissen gewesen war, und hieß seine Tochter sich ebenso wie in der Nacht der Entschleierung zu schmücken und in die Hochzeitskammer zu gehen. »Kommt dann dein Vetter,« sagte er, »so sprich zu ihm: ›Du bist lange draußen geblieben.‹ Bitte ihn bei dir zu bleiben und plaudere mit ihm bis zum Morgen.«

Hierauf holte der Wesir Bedr ed-Dîn aus seinem Kasten hervor, löste ihm die Fesseln von den Füßen und entkleidete ihn im Schlaf bis aufs Nachthemd, ohne daß er etwas davon merkte.

Als Hasan Bedr ed-Dîn nun erwachte und sich in einer erleuchteten Halle fand, sprach er bei sich: »Ist das ein wüster Traum oder bin ich wach?« Wie er aber aufstand und ein wenig weiter schritt und an eine andere Thür kam und hineinschaute, sah er, daß er sich in dem Hause befand, in welchem ihm die Braut entschleiert war, und sah auch die Hochzeitskammer und das Lager, seinen Turban und seine Sachen. Von all dem ganz verwirrt, setzte er einen Fuß vor und den andern wieder zurück und sprach bei sich: »Nein, träume ich, oder bin ich wach?« rieb sich die Stirn und rief ganz verwundert: »Bei Gott, das ist doch der Raum, in welchem mir die Braut entschleiert wurde! Aber ich war doch noch eben in dem Kasten?« Wie er nun so mit sich redete, hob Sitt el-Husn plötzlich den Zipfel des Mückennetzes und rief: »Ach, mein Herr, kommst du wieder? Du bist so lange draußen von mir fort geblieben.« Als er ihre Stimme vernahm und ihr Gesicht sah, lachte er und sagte: »Das ist aber ein wirrer Traum!« Darauf trat er seufzend, nachsinnend und ganz verwirrt von dieser dunkeln Geschichte ein. Beim Anblick seines Turbans, seiner Beinkleider und des Beutels mit den tausend Dinaren rief er aus: »Gott ist allwissend! Das sind wüste Traumgesichte!« und wußte in seiner Verwunderung nicht mehr aus noch ein.

Da redete ihn Sitt el-Husn wieder an: »Was bist du so verwundert und bestürzt, du warst doch zu Anbeginn der Nacht nicht so?« Hasan lachte und sagte: »Wie viele Jahre bin ich wohl fern von dir gewesen!« Sie antwortete: »Gott behüte dich! Gottes Name sei schirmend um dir! Du bist nur einmal auf den Abtritt gegangen und kommst jetzt wieder; was ist mit deinem Verstand vorgefallen?« Hasan Bedr ed-Dîn lachte über ihre Worte und sagte: »Du hast recht, aber als ich von dir gegangen war, überwältigte mich draußen der Schlaf, und mir träumte auf dem Abtritt, ich sei seit zwölf Jahren Koch in Damaskus. Dann war es mir, als wäre ein Knabe, ein Kind vornehmer Leute, mit einem Diener zu mir gekommen, um deretwillen es mir übel erging.« Dann rieb er sich wieder die Stirn und, als er dabei die Narbe spürte, rief er: »Bei Gott, meine Herrin, mir ist doch, als ob es wahr wäre, weil er einen Stein nach mir warf und mir die Stirn blutig schlug. Es ist doch wohl im Wachen geschehen.« Dann sagte er wieder: »Vielleicht träumte mir alles dies, als ich in deinen Armen schlief. Ich träumte, ich wäre nach Damaskus ohne Tarbusch, Turban und Hosen gekommen und hätte dort als Koch gelebt.« Dann stand er wieder eine Weile ratlos da und sagte: »Bei Gott, mir war's im Traum, als ob ich Granatapfelkerne gekocht hätte und zu wenig Pfeffer daran that; bei Gott, ich muß wirklich auf dem Abtritt eingeschlafen sein und dies alles im Traum erlebt haben.« Sitt el-Husn sagte darauf: »Um Gott, was hast du denn noch außerdem geträumt? Da erzählte er ihr alles, was er geträumt zu haben meinte, und rief: »Bei Gott, wäre ich nicht erwacht, sie hätten mich wirklich ans Kreuz geschlagen.« »Aber weswegen denn?« fragte Sitt el-Husn. »Weil zu wenig Pfeffer an den Granatäpfeln war; ich sah auch wie sie mir den Laden verwüsteten, alle meine Kochgeräte zerbrachen und mich selber in einen Kasten steckten. Dann ließen sie einen Tischler kommen, der für mich ein Kreuz aus Holz zimmern mußte, weil sie mich daran schlagen wollten. Doch, Preis sei Gott, der alles dies mich nur im Traum und nicht im Wachen hat erleben lassen!« Sitt el-Husn lachte und zog ihn an ihre Brust; doch wurde er wieder nachdenklich und sagte: »Bei Gott, nein, ich habe doch gewacht; ich weiß wirklich nicht, wie es sich verhält und was wahr ist.« Dann schlief er völlig verwirrt ein und rief im Schlaf die ganze Nacht über bis zum Morgen bald »ich hab' geträumt,« bald »ich hab' gewacht.«

Am nächsten Morgen kam sein Oheim, der Wesir Schems ed-Dîn, zu ihm und begrüßte ihn. Als Hasan Bedr ed-Dîn ihn erblickte, rief er: »Um Gott, warst du's nicht, der mich der Granatapfelkerne wegen, weil sie zu wenig gepfeffert waren, binden und meinen Laden vernageln ließ?« Darauf sagte der Wesir zu ihm: »Wisse, mein Sohn, die Wahrheit ist nun an den Tag gekommen und das Verborgene klar geworden. Du bist meines Bruders Sohn, und alles das habe ich nur gethan, um mich zu vergewissern, daß du derjenige bist, der jene Nacht bei meiner Tochter verbrachte. Ich war meiner Sache nicht eher gewiß, bis ich sah, daß du das Haus, deinen Turban, deine Beinkleider, dein Geld und die beiden Schriftstücke, das eine von deiner Hand, das andere von der Hand deines Vaters, meines Bruders, wiedererkanntest. Deine Mutter aber ist auch hier, ich habe sie von Basra mit mir mitgebracht.« Darauf warf er sich weinend in seine Arme; Hasan Bedr ed-Dîn aber stand erst fassungslos vor Staunen da, dann umschlang er ihn ebenfalls und weinte im Übermaß seiner Freude. Nachdem sie in dieser Weise das Wiedersehen gefeiert hatten, sagte der Wesir: »Mein Sohn, an alledem ist allein schuld, was sich zwischen mir und deinem Vater einst zutrug,« und erzählte ihm alles. Dann ließ er Adschîb rufen; als derselbe eintrat, rief sein Vater: »Das ist der Knabe, der mich mit dem Stein geworfen hat.« Der Wesir aber sagte: »Es ist dein Sohn.« Da warf er sich an seine Brust und sprach die Verse:

»Lang habe ich geweint über unsere Trennung,
Und die Thränen rannen mir von den Lidern.
Ich gelobte, wenn einst der Schützer uns wieder vereinte,
Nie sollte das Wort der Trennung mehr über meine Lippen kommen.
Nun hat mich die Freude so plötzlich ergriffen,
Daß ich im Übermaß meines Glückes weinen muß.«

Als er die Verse gesprochen hatte, trat auch seine Mutter herzu, warf sich an seine Brust und sprach:

»Das Schicksal hatte geschworen mich immerdar zu betrüben;
Doch deinen Schwur hast du gebrochen, so sühne es nun!
Mein Glück ward vollkommen und der Geliebte steht mir zur Seite,
Geh' drum den Freudenboten entgegen und tummle dich!«

Darauf erzählten beide einander, wie es ihnen seit ihrer Trennung ergangen war und was sie erlitten hatten, und dankten Gott für ihre Vereinigung. Alsdann begab sich der Wesir zum Sultan und berichtete ihm die ganze Geschichte, worauf der Sultan voll Verwunderung sie als eine wahre Begebenheit in die Akten für künftige Zeiten einzutragen befahl. Der Wesir aber verlebte mit dem Sohne seines Bruders, seiner Tochter, ihrem Sohne und der Gattin seines Bruders die glücklichsten Tage, bis der Zerstörer aller Freuden und der Trenner aller Vereinigung sie ereilte.

Dies, o Fürst der Gläubigen, ist die Geschichte des Wesirs Schems ed-Dîn und seines Bruders Nûr ed-Dîn. Da rief der Chalife Hârûn er-Raschid: »Bei Gott, das ist eine wunderbare Geschichte!« Dann schenkte er dem jungen Mann eine seiner eigenen Beischläferinnen, bestimmte ihm ein festes Einkommen und nahm ihn unter seine Tischgenossen auf.

»Diese Geschichte aber,« sagte Schehersad, »ist nicht wunderbarer als die Geschichte des Schneiders und des Buckeligen.« Der König fragte sie: »Wie ist diese Geschichte?«

Darauf erzählte Schehersad:

Die Geschichte des Schneiders und des Buckeligen.

 

Ende des ersten Bandes.

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