Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Max Henning >

Tausend und eine Nacht. Band I

Max Henning: Tausend und eine Nacht. Band I - Kapitel 25
Quellenangabe
typenarrative
authorUnbekannte Autoren
titleTausend und eine Nacht. Band I
publisherVerlag von Philipp Reclam jun.
yearo.J.
firstpub1895
translatorMax Henning
correctorJosef Muehlgassner
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20150411
modified20180223
projectidbbb389ae
Schließen

Navigation:

Geschichte der Wesire Nûr ed-DînLicht des Glaubens. und Schems ed-Dîn.Sonne des Glaubens.

»Wisse, o Fürst der Gläubigen, es lebte einmal in Kairo ein gerechter und gütiger Sultan, welcher einen klugen und erfahrenen Wesir hatte, der in den Geschäften und der Regierung wohlbewandert war. Derselbe war hochbetagt und hatte zwei Söhne, schön wie zwei Monde, von denen der ältere Schems ed-Dîn, der jüngere Nûr ed-Dîn hieß; und es war der jüngere noch schöner wie der ältere, so daß es zu seiner Zeit keinen schönern gab und sich sein Ruf weit in den Ländern verbreitete, und manch einer aus seinem Lande nach Ägypten reiste, um seine Schönheit zu schauen. Wie es sich nun begab, daß ihr Vater starb, zog der Sultan, nachdem er ihn betrauert hatte, seine Söhne in seine Nähe, legte ihnen Ehrenkleider an und sprach zu ihnen: »Ihr beide sollt nunmehr euers Vaters Amt verwalten.« Da küßten sie erfreut vor ihm die Erde und traten, nachdem sie die Totenfeier für ihren Vater einen ganzen Monat abgehalten hatten, das Wesirat an, indem ein jeder eine Woche lang die Geschäfte führte, und, wenn der Sultan eine Reise unternahm, der eine von ihnen ihn begleitete.

So traf es sich eines Nachts, daß der Sultan am nächsten Morgen zu verreisen beschloß, als gerade die Reihe an dem älteren war. Wie nun die Brüder in jener Nacht über dies und das redeten, sagte der ältere: »Mein Bruder, ich wünschte wohl, daß wir uns beide in derselben Nacht verheirateten.« Der jüngere erwiderte darauf: »Thue so, mein Bruder, wie dir gut deucht, ich habe gegen deinen Vorschlag nichts einzuwenden.« Nachdem sie hierin also übereingekommen waren, sagte nach einer Weile der ältere wieder zu seinem jüngern Bruder: »Wenn Gott es nun so anordnet, daß wir uns verloben und in derselben Nacht verheiraten, und beide Frauen an demselben Tage niederkommen, und Gott es so fügt, daß deine Frau einen Knaben, meine Frau aber ein Mädchen bekommt, so wollen wir sie beide verheiraten, da es doch Bruderskinder sind.« Darauf fragte Nûr ed-Dîn: »Mein Bruder, was verlangst du von meinem Sohn als Brautgabe für deine Tochter?« Schems ed-Dîn antwortete: »Ich verlange dreitausend Dinare, drei Gärten und drei Landgüter; will der junge Mann den Vertrag unter andern Bedingungen abschließen, so wäre das nicht in der Ordnung.« Als Nûr ed-Dîn dies vernahm, sagte er: »Was ist das für eine Brautgabe, die du dir von meinem Sohne ausbedingst! Weißt du nicht, daß wir beide Brüder sind und Wesire gleichen Ranges? Es wäre deine Pflicht, deine Tochter meinem Sohne als Geschenk ohne Brautgabe zu geben, da du außerdem doch weißt, daß ein Knabe mehr wert als ein Mädchen ist; mein Kind ist aber ein Knabe, durch ihn und nicht durch deine Tochter wird unser Name fortgepflanzt.« Darauf entgegnete Schems ed-Dîn: »Was sprichst du von meiner Tochter?« Nûr ed-Dîn sagte: »Daß unser Name nicht durch sie unter den Emiren fortgepflanzt wird. Du aber willst mit mir nach dem Rate jenes verfahren, der da sagte: »Wenn du jemand abweisen willst, so stelle einen hohen Preis.« Schems ed-Dîn versetzte darauf: »Ich sehe, daß du einfältig bist, indem du deinen Sohn für mehr wert als meine Tochter hältst; kein Zweifel, dir fehlt der rechte Verstand und die gute Lebensart, wenn du unser gemeinschaftliches Wesirat erwähnst. Nur aus Mitleid mit dir und um einen Adjunkten und Assistenten zu haben, habe ich dich im Wesirat neben mir zugelassen. Sprich aber, was du willst, nach der Äußerung dieser Worte werde ich, bei Gott, meine Tochter nicht deinem Sohne vermählen, wenn du sie auch mit Gold aufwägen wolltest.« Nûr ed-Dîn antwortete darauf zornig: »Ich werde meinen Sohn niemals mit deiner Tochter vermählen.« »Und mir paßt er nicht als Mann für meine Tochter,« sagte Schems ed-Dîn; »müßte ich nicht verreisen, ich würde ein Exempel an dir statuieren. Aber, wenn ich wieder heimkomme, wird Gott thun, was er will.« Bei diesen Worten seines Bruders geriet Nûr ed-Dîn in den heftigsten Zorn, daß er ganz abwesend wurde; doch verschloß er ihn in sich, und jeder von ihnen brachte die Nacht getrennt zu. Am nächsten Morgen nun verreiste der Sultan, indem er zunächst zur Insel übersetzte und von dort sich in Begleitung seines Wesirs Schems ed-Dîn nach den Pyramiden begab. Sein Bruder Nûr ed-Dîn jedoch, der die Nacht in heftigstem Zorn verbracht hatte, begab sich am nächsten Morgen nach dem Gebet in seine Schatzkammer, holte einen kleinen Reisesack hervor, füllte ihn mit Gold und sprach, der Worte seines Bruders gedenkend und der Verachtung und des Hochmuts, die er ihm bezeugt hatte die Verse:

»Reise! für deine Freunde findest du andere zum Ersatz;
Und mach' dich müde, denn darin liegt des Lebens Süße.
Still zu sitzen bringt einem klugen und gebildeten Manne keinen Ruhm
Darum zieh aus von der Heimat und durchwandre die Fremde!
Ich sah, daß die stehenden Wasser verderben,
Fließendes Wasser ist frisch, stehendes faul.
Nähme der Mond nicht ab und zu, so diente er nicht zu Vorzeichen,
Und des Beobachters Auge schaute nicht zu ihm hinauf.
Löwen, die nicht ihr Dickicht verlassen, machen keine Beute,
Und der Pfeil, der nicht vom Bogen schnellt, kann sein Ziel nicht treffen.
Goldklumpen an ihrem Platze gleichen dem Sande,
Und die Aloe ist in ihrer Heimat nur eine Art Brennholz.
Geht sie ins Ausland, so wird sie eine begehrte Kostbarkeit,
Bleibt sie jedoch daheim, so steigt sie zu keinem Ansehen.«

Als er die Verse gesprochen hatte, beauftragte er einen seiner Pagen ihm ein stargraues, hochgewachsenes und schnellfüßiges Maultier zu satteln. Der Page vollzog den Befehl, indem er dem Maultier einen goldgestickten Sattel mit indischen Steigbügeln und eine Schabracke aus isfahanischem Sammet auflegte, so daß das Maultier wie eine zur Schau gestellte Braut einherschritt. Nachdem er ihm dann noch eine seidene Decke und einen Gebetsteppich hatte auflegen, und den Reisesack unter dem Gebetsteppich befestigen lassen, sagte er zu den Sklaven und dem Pagen: »Ich will zur Erholung einen Ausflug aus der Stadt nach der Gegend von Kaljûb machen und drei Nächte fortbleiben; es soll mir keiner von euch folgen, da ich mich beklommen ums Herz fühle.« Nach diesen Worten versah er sich noch mit etwas Reisekost und ritt dann schnell aus Kairo in der Richtung der offenen Wüste fort. Um Mittag hatte er bereits die Stadt Bilbeis erreicht; er stieg daselbst ab, um sich und dem Maultier Rast zu gönnen, verzehrte etwas und ritt, nachdem er für sich und das Maultier Proviant beschafft hatte, in derselben Richtung weiter fort, bis er am zweiten Mittag nach Jerusalem gelangte. Hier stieg er wieder ab um sich und dem Maultier Rast zu gönnen und etwas zu essen; dann legte er den Sattel unter seinen Kopf, breitete den Teppich aus und legte sich, immer noch von Zorn erfüllt, schlafen. Am nächsten Morgen bestieg er wieder das Maultier und trabte weiter, bis er nach der Stadt Aleppo kam. Hier kehrte er in einem Chan ein und verweilte drei Tage, um sich und dem Maultier Rast zu gönnen und sich in der frischen Luft zu ergehen. Dann entschied er sich wieder zur Weiterreise, setzte sich in den Sattel und ritt aus der Stadt, ohne zu wissen wohin. Er machte erst wieder Halt, als er nach vielen Tagen zur Nachtzeit in der Stadt Basra anlangte, was er jedoch erst erfuhr, als er im Chan eingekehrt war. Dort angelangt, nahm er den Reisesack herunter, breitete den Gebetsteppich aus und übergab das Maultier mit dem ganzen Reitzeug dem Pförtner damit er es noch ein wenig herumführte. Wie nun der Pförtner mit dem Maultier durch die Straßen ging, traf es sich gerade, daß der Wesir von dem Fenster seines Schlosses das Maultier erblickte und aus seinem kostbaren Reitzeug schloß, es müßte das Maultier eines Wesirs oder Königs sein. In seiner Verwunderung hierüber befahl er einem seiner Pagen, den Pförtner zu ihm zu bringen. Als der Page mit dem Pförtner nun vor den Wesir, der schon hochbetagt war, hintrat, und der Pförtner vor ihm die Erde geküßt hatte, fragte ihn der Wesir: »Wer ist der Besitzer des Maultiers und wie sieht er aus?« Der Pförtner antwortete: »Mein Herr, der Besitzer dieses Maultiers ist ein sehr junger Mann von feinem Wesen, ein Kaufmannssohn von achtungeinflößendem, respektvollem Aussehen.« Als der Wesir dies vernahm, erhob er sich, bestieg sein Roß und ritt zum Chan, um den jungen Mann zu besuchen. Als Nûr ed-Dîn den Wesir kommen sah, stand er auf, ging ihm entgegen und umarmte ihn; der Wesir stieg darauf von seinem Pferd, hieß ihn willkommen und forderte ihn auf an seiner Seite Platz zu nehmen. Dann fragte er ihn: »Mein Sohn, woher kommst du und was beabsichtigst du?« Nûr ed-Dîn antwortete: »Mein Herr, ich komme aus der Stadt Kairo, woselbst mein Vater Wesir war, doch ist er jetzt zu Gottes Barmherzigkeit abgeschieden.« Dann erzählte er ihm alles von Anfang bis zu Ende und schloß: »Ich habe mir nun vorgenommen, nicht eher heimzukehren, als ich alle Städte und Länder gesehen habe.« Als der Wesir seine Erzählung vernommen hatte, entgegnete er ihm: »Mein Sohn, folge nicht deinem Zorne und stürze dich ins Verderben, denn die Länder sind wüst; ich bin besorgt um dich, daß dir der Lauf der Zeit widerfährt.« Hierauf befahl er ihm den Reisesack, die Decke und den Gebetsteppich aufs Maultier zu legen und nahm ihn mit sich in sein Haus. Hier gab er ihm ein elegantes Zimmer und erwies ihm Ehren und Aufmerksamkeiten. Die Liebe zu Nûr ed-Dîn erfaßte ihn so stark, daß er zu ihm sprach: »Mein Sohn, ich bin ein alter Mann und habe keinen Sohn, doch hat mir Gott eine Tochter geschenkt, die dir an Schönheit gleichkommt. Viele Bewerber habe ich schon abgewiesen, doch nun hat die Liebe zu dir mein Herz so stark erfaßt, daß ich dich frage: Hast du Lust meine Tochter als Sklavin anzunehmen, daß sie dich bedient und du ihr Ehgemahl wirst? Nimmst du meinen Vorschlag an, so gehe ich zum Sultan von Basra und sage ihm, daß meines Bruders Sohn eingetroffen ist, und stelle dich ihm vor, daß er dich an meiner Statt zum Wesir macht, und ich still zu Haus sitze, denn ich bin ein alter Mann geworden.«

Bei diesen Worten des Wesirs von Basra senkte Nûr ed-Dîn sein Haupt und sagte: »Ich höre und gehorche.« Da befahl der Wesir erfreut seinen Dienern ein Mahl anzurichten und den großen Empfangssaal, der für die hohen Emire hergerichtet war, zu schmücken. Dann versammelte er seine Freunde, lud die Großen des Reichs und die Kaufleute von Basra ein und sagte zu ihnen, als sie vollzählig anwesend waren: »Ich habe einen Bruder, welcher in den ägyptischen Landen Wesir ist, und dem Gott zwei Söhne schenkte, wie er mir, wie ihr wißt, eine Tochter geschenkt hat. Mein Bruder hatte es mir nun ans Herz gelegt, meine Tochter mit einem seiner Söhne zu vermählen, wozu ich meine Einwilligung gab. Da sie nunmehr das heiratsfähige Alter erlangt hat, hat er mir einen seiner Söhne hergeschickt; es ist der junge, hier anwesende Mann. Ich will jetzt seinen Ehevertrag mit meiner Tochter aufsetzen, daß er die Ehe bei mir vollzieht.« Sie antworteten darauf: »Vortrefflich handelst du so.« Nachdem sie dann Scherbett von Zucker getrunken hatten und mit Rosenwasser besprengt worden waren, gingen sie wieder heim; der Wesir aber befahl seinen Dienern Nûr ed-Dîn ins Bad zu geleiten und schenkte ihm selber einen seiner besten Anzüge; außerdem schickte er ihm Handtücher, Schüsseln, Räucherfäßchen und was er sonst benötigte. Als Nûr ed-Dîn dann in dem Anzuge aus dem Bade kam, bestieg er, strahlend wie der Vollmond, sein Maultier, ritt zum Wesir ins Schloß zurück, trat bei ihm ein und küßte ihm die Hand; der Wesir aber hieß ihn willkommen und sprach zu ihm:

Zwanzigste Nacht.

»Ruhe heute Nacht bei deiner Gattin; morgen will ich dann mit dir zum Sultan gehen und von Gott alles Gute für dich erbitten.« So begab sich denn Nûr ed-Dîn zu seiner Gattin, der Tochter des Wesirs.

Was nun Nûr ed-Dîns Bruder anlangt, so war derselbe nach längerer Abwesenheit mit dem Sultan wieder zurückgekehrt. Als er seinen Bruder nicht fand und die Diener deshalb nach ihm befragte, gaben sie ihm zur Antwort: »An demselben Tage, an welchem du mit dem Sultan verreistest, ließ er das Maultier mit dem Prunkgeschirr aufzäumen und ritt, wie er sagte, fort nach Kaljûb, um ein oder zwei Tage fortzubleiben; es sollte ihm keiner von uns folgen, da er sich ums Herz beklommen fühlte. Seit jenem Tage haben wir dann bis heute nichts mehr von ihm gehört.« Als Schems ed-Dîn diese Kunde vernahm, betrübte sich sein Herz über die Trennung von seinem Bruder, und der Kummer über seinen Verlust bedrückte ihn schwer: »Schuld hieran,« sprach er bei sich, »bin ich allein, daß ich ihn in der Nacht vor meiner Abreise mit dem Sultan so hart anließ, worauf er in seiner Aufregung fortgereist ist; ich muß ihm unbedingt Leute nachschicken.« Darauf ging er zum Sultan und machte ihm hiervon Mitteilung, welcher infolgedessen Boten mit Sendschreiben an die Gouverneure in allen Provinzen ausschickte. Nûr ed-Dîn hatte jedoch in der Zeit, in welcher sein Bruder mit dem Sultan verreist gewesen war, ferne Länder durchzogen, so daß die Boten ohne irgend welche Kunde von ihm wieder zurückkehrten, und Schems ed-Dîn die Hoffnung, seinen Bruder je wieder zu sehen, aufgab. Sich selber anklagend sagte er: »Ich habe meinen Bruder durch meine Worte über die Heirat der Kinder erzürnt; wäre es doch nie geschehen! Aber nichts anderes als mein Mangel an Verstand und Überlegung ist schuld daran.« Nicht allzulange nachher bewarb er sich um die Tochter eines Kaufmanns in Kairo, setzte den Ehekontrakt mit ihr auf und ruhte bei ihr. Es traf sich aber nach dem Willen Gottes, des Erhabenen, daß Schems ed-Dîn in derselben Nacht, in welcher Nûr ed-Dîn bei seiner Gattin, der Tochter des Wesirs von Basra, ruhte, sich seiner Gemahlin nahete, auf daß Sein Beschluß an seinen Kreaturen erfüllt würde, und es so geschähe, wie sie es besprochen hatten. So fügte es sich denn auch, daß die beiden Gattinnen von ihnen schwanger wurden, und die Gattin Schems ed-Dîns, des Wesirs von Kairo, eine Tochter gebar, wie man eine schönere in Kairo nicht gesehen hatte, und die Gattin Nûr ed-Dîns einen Sohn zur Welt brachte, wie man in seiner Zeit keinen schönern fand, wie der Dichter sagt:

»Käme die Schönheit herbei, um sich mit ihm zu vergleichen,
Würde sie beschämt ihren Kopf zur Erde senken.
Oder fragte man: Sahst du, o Schönheit, je einen ihm gleich?
Sie würde antworten: Einen ihm gleich? Nein.«

Sie nannten ihn HasanSchön. und richteten am siebenten Tage nach seiner Geburt ein Gastmahl und Bankett aus wie für einen Königssohn. Dann begab sich der Wesir von Basra in Begleitung Nûr ed-Dîns zum Sultan und küßte, als er vorgelassen wurde, die Erde; Nûr ed-Dîn aber, der eine in der Kunst der Rede gewandte Zunge und ein festes Herz hatte, und schön und gütig war, sprach die Worte des Dichters:

»Er ist's, der mit seiner Gerechtigkeit alle Wesen umfaßt,
Der alle Zonen unterworfen und hingebreitet hat.
Danke ihm für seine Wohlthaten, die keine Wohlthaten sind,
Sondern Geschmeide am Hals derer, die sie empfangen;
Und küsse ihm die Fingerspitzen, die keine Fingerspitzen sind,
Sondern die Schlüssel zum täglichen Brot.«

Der Sultan nahm sie huldvollst auf und bedankte sich bei Nûr ed-Dîn für seine Worte; dann fragte er den Wesir: »Wer ist der junge Mann?« Der Wesir erzählte ihm darauf von Anfang bis zu Ende seine Geschichte und sagte: »Es ist meines Bruders Sohn.« Der Sultan fragte ihn: »Wie kommt's, daß er deines Bruders Sohn ist, wo wir doch nie etwas von ihm hörten?« Der Wesir erwiderte: »Unser Herr und Sultan, ich hatte einen Bruder, der in den ägyptischen Landen Wesir war; bei seinem Tode hinterließ er zwei Söhne, von denen der ältere als Wesir den Platz seines Vaters eingenommen hat, während dieser sein jüngerer Sohn zu mir kam. Da ich aber geschworen hatte, keinem andern als ihm meine Tochter zu vermählen, gab ich sie ihm zur Frau, als er zu mir kam. Er ist jung, und ich bin ein alter Mann, dessen Gehör abgenommen hat und dessen Verstand schwach geworden ist; so ist es darum mein Wunsch von unserm Herrn und Sultan, daß er ihn an meine Stelle setzt, da er doch meines Bruders Sohn und der Gatte meiner Tochter ist, und für das Amt eines Wesirs auch taugt, da er Verstand und Überlegung besitzt.«

Der Sultan sah ihn daraufhin an, und, da er ihm gefiel, hieß er den Vorschlag des Wesirs, ihn in das Wesirat einzusetzen, gut und sagte zu. Dann ließ er ihm ein kostbares Ehrenkleid einhändigen und eines seiner erlesensten Maultiere zuführen und setzte ihm auch Gehalt und Einkünfte fest. Darauf küßte ihm Nûr ed-Dîn die Hand und ging mit seinem Schwiegervater wieder nach Haus, indem beide in höchster Freude meinten: »Dieses Kind ist zu gesegneter Stunde geboren.«

Als sich Nûr ed-Dîn am nächsten Tage wieder zum Sultan begab, befahl er ihm den Platz des Wesirs einzunehmen. Nûr ed-Dîn setzte sich und machte sich voll Eifer an seine Obliegenheiten, indem er die Angelegenheiten und Streitsachen der Unterthanen ganz nach der Weise der Wesire entschied, so daß der Sultan, der ihm zusah, sich über sein Verhalten, seine Verstandesschärfe und trefflichen Anordnungen verwunderte und ihn noch mehr ehrte und liebte. Nûr ed-Dîn aber ging nach Schluß des Diwans wieder nach Haus und erzählte seinem Schwiegervater zu dessen Freude alles, was sich zugetragen hatte. Der alte Wesir befaßte sich von nun an ganz mit der Erziehung des jungen Hasan, während Nûr ed-Dîn das Amt des Wesirs ausübte, und der Sultan sich schließlich Tag und Nacht nicht mehr von ihm trennte und ihm seinen Gehalt und seine Einkünfte so sehr vermehrte, daß sein Wohlstand immer größer wurde, und er Schiffe auf eigene Rechnung mit Waren und dergleichen fahren ließ und zahlreiche Grundstücke bebaute, Schöpfräder und Gärten anlegte, bis sein Sohn Hasan vier Jahre alt ward, und der alte Wesir, der Vater seiner Gattin, das Zeitliche segnete. Nachdem er ihn mit großem Gepränge bestattet hatte, befaßte er sich dann selber mit der Erziehung seines Sohnes, bis dieser herangewachsen war, und er ihm einen Lehrer kommen ließ, der ihn in seinem Hause lesen lehrte, und ihn aufs beste unterrichten und erziehen mußte. Nach einigen Jahren konnte denn auch Hasan nicht nur lesen, sondern wußte auch den Koran auswendig und hatte sich viele nützliche Kenntnisse angeeignet und nahm fürder zu an Anmut, Schönheit und Ebenmaß, daß er dem Dichterwort entsprach:

Er ist ein Mond, welcher alle Schönheiten im vollsten Maße besitzt,
Daß die Sonne aus den Anemonen seiner Wangen aufgeht.
So vollkommene Anmut ward ihm zu eigen,
Daß die Schönheit aller Geschöpfe von ihm herzurühren scheint.

Nachdem nun der Lehrer seine Erziehung im Schlosse seines Vaters, aus welchem er seit seiner Geburt nicht herausgekommen war, beendet hatte, legte ihm sein Vater, der Wesir Nûr ed-Dîn, eines Tages einen der kostbarsten Anzüge an, setzte ihn auf eins seiner erlesensten Maultiere und begab sich mit ihm zum Sultan. Als er auf dem Wege zu ihm vor dem Volk des Königreiches zum erstenmal vorüber kam, wurden alle Leute über seine ausnehmende Anmut und Schönheit, die Eleganz seines Wuchses und sein Ebenmaß verblüfft, und der Sultan erstaunte ebenfalls über seine Schönheit, als sie bei ihm eintraten, und er Hasan Bedr ed-Dîn,Der Vollmond des Glaubens. den Sohn des Wesirs Nûr ed-Dîn, sah. Er gewann ihn sogleich lieb, beschenkte ihn und sagte zu seinem Vater: »Wesir, du mußt ihn von jetzt ab alle Tage mitbringen.« Nûr ed-Dîn antwortete: »Ich höre und gehorche;« darauf ging er mit seinem Knaben wieder nach Haus und begab sich von nun an täglich mit Hasan Bedr ed-Dîn zum Sultan, bis Hasan fünfzehn Jahr geworden war.

Bald hernach wurde der Wesir Nûr ed-Dîn krank, und, da er sein Ende nahe fühlte, ließ er seinen Sohn vor sich kommen und sprach zu ihm: »Wisse, mein Sohn, die Welt hier ist die Stätte der Vergänglichkeit, das Jenseits aber die Stätte des Bleibens; ich wünsche dir einige Lehren zu geben, merke daher wohl auf, was ich dir sage, und neige dein Herz ihnen zu.« Hierauf gab er ihm Vorschriften über schicklichen Verkehr mit den Leuten und richtige Führung seiner eigenen Angelegenheiten. Indem er sich wieder seines Bruders, seiner Heimat und seines Geburtslandes erinnerte, hub er an über die Trennung von seinen Freunden zu weinen, daß ihm die Thränen niederrannen, und befahl seinem Sohne ein Blatt Papier zu holen. Als er das Blatt Papier gebracht hatte, schrieb er alle Ereignisse seines Lebens von Anfang bis Ende mit dem Datum seiner Vermählung mit der Tochter des Wesirs, seiner Ankunft in Basra und seines Zusammentreffens mit dem Wesir von Basra auf und schärfte ihm dringend ein das Papier zu bewahren, da auf ihm seine Herkunft, sein Adel und Stammbaum aufgezeichnet seien. Hasan Bedr ed-Dîn nahm das Papier, rollte es zusammen, legte es in ein Stück Wachstuch und nähte es in seinen Tarbusch zwischen Tuch und Futter ein, während ihm die Thränen niederliefen, daß er sich so jung schon von seinem Vater trennen sollte. Nûr ed-Dîn aber fuhr fort seinem Sohne gute Ermahnungen zu erteilen, bis er verschied. Da erhob sich große Trauer um ihn in seinem Hause, und der Sultan und alle Emire geleiteten ihn zu Grabe und trauerten zwei Monate lang um ihn. Da nun aber während dieser Zeit der junge Hasan niemals ausritt und weder im Diwan noch vor dem Sultan erschien, setzte dieser einen Kämmerling an seine Stelle und einen neuen Wesir an die Stelle seines Vaters und befahl demselben alle Häuser Nûr ed-Dîns, sein Vermögen, seine Landgüter und seinen ganzen Besitz zu versiegeln, worauf sich der Wesir mit den Kämmerlingen zum Hause Nûr ed-Dîns begab, um die Versiegelung vorzunehmen und Hasan Bedr ed-Dîn vor den Sultan zu bringen, damit er nach seinem Willen mit ihm verführe.

Unter den Soldaten befand sich jedoch einer der Mamluken des verstorbenen Wesirs Nûr ed-Dîn, dem das Schicksal des Sohnes seines Herrn schwer auf die Seele fiel; er begab sich deshalb zu Hasan Bedr ed-Dîn, welcher mit gesenktem Haupt und bekümmerten Herzens über den Verlust seines Vaters dasaß, und teilte ihm das Vorgefallene mit. Auf die Frage Hasans, ob er noch Zeit hätte, in sein Haus zu gehen, um sich etwas Geld auf den Weg mitzunehmen, gab ihm der Mamluk zur Antwort: »Rette dich!« Da verhüllte er sein Haupt mit dem Saum seines Gewandes und ging zur Stadt hinaus. Als er aber unterwegs die Leute miteinander reden hörte, daß der Sultan den neuen Wesir ins Haus seines Vaters geschickt hätte, um sein Hab und Gut zu versiegeln und an ihn selber Hand zu legen und ihn vor den Sultan zu führen, daß er getötet würde, und die Leute seine Schönheit und Anmut beklagten, kam er von seinem Wege ab und irrte planlos umher, bis ihn das Geschick zu dem Friedhof, auf welchem sein Vater ruhte, führte. Er ging dort hinein und wanderte zwischen den Gräbern, bis er zu der Grabstätte seines Vaters kam, wo er sein Gesicht wieder enthüllte und sich niedersetzte. Wie er dort nun dasaß, nahte sich ihm plötzlich ein Jude aus Basra und fragte ihn: »Mein Herr, wie kommt's, daß ich dich so verändert sehe?« Hasan antwortete ihm: »Mir erschien vorhin mein Vater im Schlaf und machte mir Vorwürfe darüber, daß ich sein Grab nicht besucht hätte. Erschreckt und in der Besorgnis, der Tag könnte zu Ende gehen, ohne daß ich ihn besucht hätte, und ich dadurch bedrückt würde, kam ich deshalb hierher.« Der Jude sagte darauf zu ihm: »Mein Herr, dein Vater hat Schiffe mit Gütern ausgeschickt, von denen einige zurückgekehrt sind. Ich würde gern die Ladungen jedes eingetroffenen Schiffes für tausend Dinare von dir kaufen.« Hierauf holte der Jude einen mit Gold gefüllten Beutel hervor und zählte daraus tausend Dinare auf; dann übergab er sie Hasan, dem Sohne des Wesirs, und sagte: »Schreib' mir einen Schein und untersiegele ihn.« Hasan nahm ein Stück Papier und schrieb darauf: Der Schreiber dieses Scheines, Hasan Bedr ed-Dîn, der Sohn des Wesirs Nûr ed-Dîn, hat dem Juden N. N. alle Ladungen jedes Schiffes seines Vaters, welches von der Fahrt zurückgekehrt ist, für tausend Dinare verkauft und das Geld dafür im voraus erhalten. Nachdem er dann von diesem Schein für sich eine Abschrift genommen hatte, übergab er denselben dem Juden, welcher damit fortging, während er weinend und seines frühern Ansehens und Glückes gedenkend zurückblieb, bis die Nacht ihn überkam und er in Schlummer fiel. Im Schlaf sank sein Haupt vom Grabe, so daß er, als der Mond aufging, auf dem Rücken lag, und sein Antlitz von den Strahlen des Mondes hell beleuchtet wurde.

Dieser Friedhof war jedoch von gläubigen Dschinn bewohnt. Als daher eine Dschinnîje hervorkam und das Antlitz des schlafenden Hasan erblickte, erstaunte sie über seine Schönheit und Anmut und rief: »Preis sei Gott, dieser Jüngling ist schön wie eine Huri!« Dann schwang sie sich in die Lüfte, um nach ihrer Gewohnheit umherzukreisen, als sie plötzlich einen Ifrît erblickte, der ebenfalls die Luft durchzog. Nachdem sie einander begrüßt hatten, fragte sie ihn: »Woher kommst du?« Er antwortete: »Aus Ägypten.« Darauf fragte sie ihn: »Möchtest du wohl mit mir kommen und dir einen schönen Jüngling anschauen, der auf dem Friedhof eingeschlafen ist?« Er antwortete ihr: »Gut.« Darauf flogen sie zum Friedhof hinunter, und sie fragte ihn: »Hast du wohl in deinem Leben einen gesehen, der ebenso schön wie dieser Jüngling ist?« Der Ifrît schaute ihn an und rief dann aus: »Preis sei Ihm, der seinesgleichen nicht hat! Doch, meine Schwester, ich möchte dir gern etwas, was ich gesehen habe, erzählen.« Sie antwortete: »Erzähle!« Da sagte er: »Ich habe im Lande Ägypten ein Menschenkind gesehen, das ebenso schön wie dieser Jüngling ist; es ist die Tochter des Wesirs.« Auch der König hatte von ihr gehört und sie von ihrem Vater Schems ed-Dîn zur Ehe begehrt. Der Wesir gab ihm jedoch zur Antwort: »Unser Herr und Sultan, nimm meine Entschuldigung an und habe Mitleid mit meinem Kummer. Wie du weißt, verließ uns mein Bruder Nûr ed-Dîn, mein Mitwesir, ohne daß wir wußten, wohin er gegangen war. Die Schuld hieran trug ich, indem er sich bei einem Gespräch, das wir über unsere Vermählung führten, über mich erzürnte, und im Groll fortging.« Darauf erzählte er dem König alles, was zwischen ihnen vorgefallen war, und schloß seine Erzählung: »Da nun dies die Ursache seines Grolls war, habe ich an jenem Tage, da meine Tochter von ihrer Mutter geboren wurde, geschworen, sie keinem andern als dem Sohne meines Bruders zu vermählen. Dies ist nun gegen sechzehn Jahre her; da vernahm ich vor kurzem, daß mein Bruder die Tochter des Wesirs von Basra geheiratet und einen Sohn von ihr erhalten hat; ihm und keinem andern werde ich, meinem Bruder zu Liebe, meine Tochter vermählen. Als ich diese Nachricht empfing, verzeichnete ich auch das Datum meiner Vermählung und der Geburt meiner Tochter; Mädchen sind noch genug vorhanden.« Der Sultan ergrimmte jedoch über die Worte seines Wesirs und sprach: »Wie kommt's, daß ein Mann wie ich die Tochter von einem Manne deinesgleichen zur Frau begehrt, und du sie mir mit nichtssagenden Vorwänden vorenthältst? Aber, bei meinem Haupte, ich werde sie einem geringeren als ich bin, dir zum Trotz, verheiraten!« Darauf ließ der Sultan einen seiner Stallknechte, der vorn und hinten buckelig war, herbeiholen, zwang ihn den Ehevertrag mit der Tochter des Wesirs zu schreiben und befahl ihm noch in dieser Nacht die Hochzeit zu feiern und die Brautkammer zu betreten. Soeben verließ ich ihn inmitten der Mamluken des Sultans, welche brennende Kerzen trugen und ihn an der Thür des Bades verlachten und verspotteten, während die Tochter des Wesirs, die unter allen Menschen diesem Jüngling am ähnlichsten ist, weinend und von ihrem Vater getrennt unter den Schmink- und Putzweibern saß. Wirklich, meine Schwester, einen häßlicheren als diesen Buckeligen sah ich nie zuvor, das Mädchen aber ist noch schöner als dieser Jüngling.« – Die Dschinnîje antwortete ihm darauf:

Einundzwanzigste Nacht.

»Du lügst, dieser Jüngling ist das schönste Menschenkind seiner Zeit;« der Ifrît entgegnete jedoch wieder: »Bei Gott, meine Schwester, das Mädchen ist noch schöner, doch paßt nur er allein für sie, da sie beide so ähnlich sind, daß sie vielleicht gar Geschwister oder Bruderskinder sind. Ach, wie schade um sie, daß sie diesen Buckeligen nehmen muß!« Nun sagte die Dschinnîje: »Mein Bruder, wir wollen ihn unterfassen und ihn zu dem Mädchen hinbringen, um zu sehen, wer von beiden schöner ist.« Der Ifrît erwiderte: »Ich höre und gehorche, das ist das richtige; es giebt keinen bessern Vorschlag als diesen, und ich will ihn selber tragen.« Darauf lud er ihn auf und stieg mit ihm in den Luftraum empor, während die Ifrîte ihm zur Seite flog, bis er mit ihm in der Stadt Kairo ankam, wo er ihn auf eine Steinbank niedersetzte und dann aufweckte. Als nun Hasan aus dem Schlafe erwachte und sich nicht mehr zur Seite des Grabes seines Vaters in Basra fand, blickte er sich nach rechts und links um und erkannte, daß er in einer ganz fremden Stadt war. Eben wollte er zu schreien anheben, als ihm der Ifrît einen Wink gab und, nachdem er ein Licht angezündet hatte, zu ihm sprach: »Wisse, daß ich dich hierher gebracht habe, um an dir etwas um Gottes willen zu thun. Nimm dieses Licht, begieb dich damit zu jenem Bad und misch' dich dort unter die Menge; geh' immerfort mit ihnen, bis du zum Brautsaal gelangst, tritt dort unbekümmert ein und stelle dich zur rechten Hand des buckeligen Bräutigams auf. Jedesmal, wenn dann die Sängerinnen, die Putz- und Schminkweiber vorüberkommen, stecke deine Hand in die Tasche, die du voll Gold finden wirst, und wirf ihnen eine Handvoll zu. Fürchte nicht, daß du deine Hand etwa einstecken könntest ohne die Tasche voll Gold zu finden, und gieb jedem, der zu dir kommt, getrost eine Handvoll. Fürchte nichts und vertrau nur auf deinen Schöpfer, denn nicht durch deine Macht oder Kraft geschieht dies, sondern durch Gottes Macht und seine Kraft.«

Als Hasan Bedr ed-Dîn diese Worte des Ifrîts vernahm, rief er: »Was ist das für ein Abenteuer, und was mag wohl der Zweck dieser Güte sein?« Dann begab er sich mit brennender Kerze zum Bade, wo er den Buckeligen hoch zu Roß antraf, mischte sich dort unter die Leute so wie er war, angethan mit Tarbusch, Turban und golddurchwirktem Oberkleid, und marschierte in dem Festzuge wacker mit. So oft aber die Sängerinnen an die Volksmenge herantraten um Geld zu empfangen, griff er in die Tasche, nahm eine Handvoll und warf sie den Sängerinnen und Putzweibern ins Tamburin, so daß es sich ganz mit Dinaren anfüllte, und die Sängerinnen völlig verblüfft waren, während die Menge über seine Schönheit und Anmut erstaunte. In dieser Weise verfuhr er, bis sie zum Hause des Wesirs anlangten, und die Kämmerlinge nun die Menge zurückdrängten. Die Sängerinnen und Putzweiber erklärten jedoch: »Bei Gott, wir kommen nicht herein, wenn uns dieser junge Mann, der uns mit seiner Güte überschüttet hat, nicht begleiten darf; auch soll die Braut nur in seiner Gegenwart entschleiert werden.« Infolgedessen betraten sie zusammen den Festsaal und hießen ihn, dem buckeligen Bräutigam zum Trotz, Platz zu nehmen. Nun stellten sich die Frauen der Emire, der Wesire und Kämmerlinge, alle mit Cachenez verschleiert, mit großen brennenden Kerzen in zwei Reihen zur Rechten und Linken des Brautthrons auf, vom Brautthron an bis zum gegenüberliegenden Ende des Lîwâns bei dem Gemach, aus welchem die Braut kommen mußte. Wie sie aber Hasan Bedr ed-Dîn in all seiner Schönheit und Anmut mit einem Antlitz, das wie die wachsende Mondsichel leuchtete, erblickten, neigten sich ihm ihre Herzen zu, und die Sängerinnen sagten zu den anwesenden Frauen: »Wisset, dieser hübsche Jüngling hat uns nichts als rotes Gold geschenkt, bedient ihn daher aufs beste und gehorchet seinen Wünschen.« Darauf drängten sich die Frauen mit ihren Lichtern um ihn, um seine Schönheit zu betrachten, und wurden von derselben so bestrickt, daß jede von ihnen wünschte ein Jahr oder auch nur einen Monat oder eine Stunde an seiner Brust zu ruhen, und dann ihre Schleier lüfteten und in der Verwirrung ihrer Herzen riefen: »Wohl der, die diesen Jüngling besitzt, oder deren Herr er ist!« Indem sie dann den buckeligen Stallknecht samt dem, der die Ursache seiner Vermählung mit der lieblichen Braut war, verwünschten, flehten sie zugleich bei jeder Verwünschung auf Hasan Bedr ed-Dîn Segen herab.

Jetzt begannen die Sängerinnen das Tamburin zu schlagen, und die Braut erschien inmitten der Putzweiber, parfümiert und beräuchert, mit reichem Schmuck im Haar und um den Hals, und in Gewändern nach altpersischer Königstracht gekleidet, von denen eins mit Goldstickereien, die wilde Tiere und Vögel zum Vorwurf hatten, bedeckt war, und über die andern Kleider bis zum Boden niederhing. Am Halse trug sie eine Juwelenschnur, die Tausende wert war, von deren Edelsteinen ein jeder prächtiger war, als ihn je ein TubbaTubba war der Titel der alten Könige von Jemen. oder Kaiser besessen hatte. So glich sie dem leuchtenden Vollmond in seiner vierzehnten Nacht und, wie sie näher herzutrat, einer Huri – Preis ihm, der sie so schön erschaffen! Die Frauen aber, die sie umringten, schimmerten wie Sterne rings um den entschleierten Vollmond.

Wie nun Hasan Bedr ed-Dîn aus Basra inmitten der Gäste, und von ihnen angeschaut, dasaß, und die Braut schwebend und schwank herangeschritten kam, trat der buckelige Stallknecht vor um sie zu empfangen; sie wendete ihm jedoch den Rücken und trat vor ihren Vetter Hasan hin, daß alle Leute lachten. Wie sie nun aber sahen, daß Hasan in die Tasche fuhr und das Gold mit vollen Händen in die Tamburins der Sängerinnen warf, meinten sie fröhlich: »Wir wünschten wohl, daß dir die schöne Braut gehörte,« wozu Hasan lächelte. Der buckelige Bräutigam saß während dem ganz allein wie ein Affe da; so oft man ihm die Kerze anzündete, verlosch sie wieder, daß er den Kopf verlor und haßerfüllt im dunkeln saß, während ihn die andern mit ihren Kerzen umgaben, die geradezu wunderbar leuchteten, so daß alle mit Verstand Begabten in Erstaunen gerieten, und die Braut ihre Hände gen Himmel hob und flehte: »O Gott, gieb mir diesen zum Gemahl und befreie mich von dem buckeligen Stallknecht!«

Hierauf begannen die Putzweiber die Braut Hasan Bedr ed-Dîn in sieben Kostümen nacheinander vorzustellen und zu entschleiern, wobei der buckelige Stallknecht wieder allein dasaß. Als sie diese Ceremonie beendet hatten, erlaubten sie den Gästen heimzugehen, worauf alle Frauen und Kinder, welche dem Feste beigewohnt hatten, fortgingen, bis nur Hasan Bedr ed-Dîn und der buckelige Stallknecht allein übrig blieben. Während nun die Putzweiber die Braut mit sich nahmen, um ihr den Schmuck und die Kleider abzunehmen und sie für den Bräutigam zurechtzumachen, trat der buckelige Bräutigam an Hasan Bedr ed-Dîn heran und sagte zu ihm: »Mein Herr, du hast uns heute Nacht Gesellschaft geleistet und uns mit deiner Güte überschüttet; warum machst du nun aber dich nicht auch auf und gehst nach Haus, bevor du herausgeworfen wirst?« Hasan erwiderte: »Im Namen Gottes!« stand auf und ging zur Thür hinaus. Da trat ihm jedoch der Ifrît in den Weg und sagte: »Bleib, Hasan Bedr ed-Dîn; bald wird der Buckelige herauskommen und auf den Abtritt gehen, dann geh' wieder hinein und setz' dich in die Hochzeitskammer. Kommt dann die Braut, so sprich: »Ich bin dein Gemahl; der König hat diese Täuschung nur vorgenommen, weil er um deinetwillen vor dem bösen Auge besorgt war; der, den du gesehen hast, ist nur einer unserer Stallknechte.« Dann tritt an sie heran, entschleiere ihr Gesicht und fürchte von keinem etwas böses.«

Während Bedr ed-Dîn und der Ifrît noch miteinander redeten, kam auch schon der Buckelige auf den Abtritt heraus und setzte sich auf den Stuhl. Da kam der Ifrît aus dem dort befindlichen Wassertrog in der Gestalt einer Maus und machte Sîk! Sîk! Der Buckelige fragte: »Warum bist du hierhergekommen?« Da wuchs die Maus zur Größe einer Katze und schwoll noch mehr an, bis sie zu einem Hunde wurde und Hau! Hau! bellte. Wie der Stallknecht das sah, bekam er Angst und rief: »Mach', daß du fortkommst, Unseliger!« Nun schwoll der Hund zu einem Eselsfüllen an und brüllte ihm ins Gesicht Hâk! Hâk! Da schrie der Stallknecht in seiner Angst: »Zu Hilfe, ihr Leute im Haus!« Aber der Esel schwoll nun zur Größe eines Stieres an, der ihm den Weg versperrte und mit menschlicher Stimme brüllte: »Wehe dir, Unseliger, du stinkendster aller Stallknechte!« Da bekam der Stallknecht vor Schreck Diarrhöe und fiel mit klappernden Zähnen hinten über. Der Ifrît aber schrie ihn an: »Ist dir die Erde zu eng geworden, daß du durchaus mein Liebchen heiraten willst?« Der Stallknecht schwieg. »Gieb Antwort,« brüllte der Ifrît, »oder ich mache die Erde zu deiner Wohnung.« Da antwortete er: »Bei Gott, ich habe keine Schuld; man hat mich dazu gezwungen, ohne daß ich es wußte, daß sie einen Liebsten unter den Büffeln hat; aber ich bitte nun Gott und dich reuig um Vergebung.« Hierauf entgegnete der Ifrît: »Ich schwöre es bei Gott, verläßt du jetzt diesen Ort oder sprichst du auch nur ein Wort, bevor die Sonne aufgeht, so bringe ich dich um. Ist die Sonne aufgegangen, magst du deines Weges gehen, kehre aber nie wieder zu diesem Hause zurück.« Darauf packte ihn der Ifrît und stellte ihn dort, wo er lag, verkehrt auf, mit dem Kopf nach unten und den Beinen nach oben, und schrie ihn an: »Bleib' hier, ich werde bis Sonnenaufgang bei dir Wache stehen.«

Soviel, was den Buckeligen anlangt. Was aber Hasan Bedr ed-Dîn betrifft, so hatte dieser den Buckeligen und den Ifrît im Streit miteinander verlassen, war wieder ins Haus gegangen und hatte sich in die Hochzeitskammer gesetzt. Bald darauf kam auch die Braut von einer alten Frau geleitet an; an der Thür der Hochzeitskammer blieb diese stehen und rief: »Komm', Abu Schihâb,Abu Schihâb bedeutet Vater der Sternschnuppe; es ist ein Spitzname, welcher oft den Ifrîten beigelegt wird, indem sie, wie auch hier im Verlauf der Erzählung auf Gottes Geheiß bisweilen von Engeln durch Sternschnuppen vernichtet werden. nimm deine Braut und sei Gottes Schutz anempfohlen!« worauf sie den Rücken kehrte, und die Braut, deren Namen Sitt el-HusnHerrin der Schönheit. war, gebrochenen Herzens auf dem andern Ende der Hochzeitskammer eintrat, indem sie bei sich sprach: »Bei Gott, es ist mir nicht möglich und sollte ich mein Leben lassen.« Als sie nun Hasan Bedr ed-Dîn erblickte, sagte sie: »Ach, mein Geliebter, bist du bis jetzt hiergeblieben? Ich dachte schon, ihr beide, du und der buckelige Stallknecht solltet euch in meinen Besitz teilen.« Hasan Bedr ed-Dîn antwortete: »Was sollte wohl dem Stallknecht Zutritt zu dir gewähren, und woher sollte er dich mit mir teilen?« Sie versetzte: »Wer ist denn mein Gatte, du oder er?« Bedr ed-Dîn erwiderte: »Meine Herrin, wir haben uns diesen Scherz nur erlaubt, um ihn zu verspotten und zu verlachen; die Putzweiber, die Sängerinnen und deine Anverwandten waren nämlich, im Hinblick auf deine wunderbare Schönheit, um uns des bösen Auges wegen besorgt, so daß ihn dein Vater für zehn Dinare mietete, um von uns das böse Auge abzuwenden; jetzt aber ist er fortgegangen.« Als Sitt el-Husn diese Worte von Hasan Bedr ed-Dîn vernahm, lächelte sie fröhlich und holdselig und sagte: »Ach, bei Gott, du hast mein Feuer nun ausgelöscht; um Gott, nimm mich hin und presse mich an deine Brust!« So ruhten sie denn beide nach den Worten des Dichters:

Suche deine Geliebte auf und laß die Neider reden,
Die der Liebe doch keine Hilfe gewähren.
Keinen schöneren Anblick hat der Barmherzige geschaffen,
Als zwei Liebende auf einem Lager innig umstrickt.

Soviel, was Hasan und Bedr ed-Dîn und Sitt el-Husn anlangt. Der Ifrît aber sagte nach einiger Zeit zur Ifrîte: »Komm' und fasse den Jüngling unter, daß wir ihn wieder an seinen Wohnort zurücktragen, ehe der Morgen über uns kommt, denn die Stunde ist schon nahe.« Infolgedessen erhob sich die Ifrîte, faßte ihn unter und flog mit ihm, wie er war, schlafend und nur mit dem Hemde bekleidet, von dannen, während der Ifrît ihr immer zur Seite blieb. Gott erlaubte jedoch den Engeln eine feurige Sternschnuppe nach dem Ifrît zu werfen, die ihn verbrannte. Aus Besorgnis um den Jüngling legte ihn deshalb die Ifrîte, die unversehrt geblieben war, an demselben Orte, an welchem die Sternschnuppe den Ifrît verbrannt hatte, vor dem Thore einer Stadt, die sich dort befand und die nach der Fügung des Schicksals Damaskus war, nieder und flog dann allein weiter fort.

Als nun mit Tagesanbruch die Stadtthore geöffnet wurden und die Leute herauskamen und einen schönen Jüngling nur mit Hemd und Kappe ohne den Turban bekleidet, und infolge seines langen Wachbleibens in tiefen Schlaf versunken erblickten, sagten sie: »Glücklich die, bei der dieser die Nacht verbracht hat! Hätte er sich nur wenigstens Zeit genommen und seine Kleider angezogen!« Andere wiederum meinten: »Habt doch Mitleid mit den jungen Herren! Vielleicht ist er soeben von einer Zecherei eines Bedürfnisses halber hinausgegangen und hat in seinem starken Rausch den Ort, den er aufsuchte, verfehlt; wie er dann zum Stadtthor kam, und es verschlossen fand, hat er sich hier schlafen gelegt.« Während die Leute noch in dieser Weise allerlei Vermutungen über ihn äußerten, reckte und streckte sich Bedr ed-Dîn und erwachte, um sich an einem Stadtthor rings von Leuten umgeben vorzufinden. Verwundert fragte er sie: »Bei Gott, ihr lieben Leute, wo bin ich, was stehet ihr hier bei mir und was ist mir mit euch begegnet?« Sie antworteten: »Wir fanden dich hier in der Frühe, als der Muezzin zum Gebet rief, vor diesem Stadtthor schlafend am Boden und wissen sonst nichts weiter von dir; wo hast du denn die Nacht über zugebracht?« Hasan Bedr ed-Dîn antwortete: »Bei Gott, ihr Leute, ich schlief diese Nacht in Kairo.« Da sagte einer von ihnen: »Hast du etwa Haschisch gegessen?« Andere riefen: »Bist du verrückt? Wie kannst du während der Nacht in Kairo gewesen sein und am Morgen in der Stadt Damaskus schlafen?« Er antwortete ihnen: »Bei Gott, ihr lieben Leute, ich lüge nicht, ich war gestern Nacht in Ägypten und vorgestern in Basra.« Da rief einer: »Das ist wunderbar!« Ein anderer: »Der junge Mensch ist verrückt!« und klatschten mit den Händen und sagten zu einander: »Wie schade um seine Jugend! Aber, bei Gott, es ist kein Zweifel, er ist verrückt.« Darauf riefen sie ihm wieder zu: »Nimm doch Verstand an!« Hasan Bedr ed-Dîn wußte jedoch nichts anderes zu sagen als: »Ich war gestern Bräutigam im Lande Ägypten.« Nun meinten sie: »Vielleicht hast du geträumt und dies im Schlaf gesehen?« Hasan wurde jetzt vollends verwirrt, doch sagte er: »Bei Gott, nein, das war kein Traum! Und wo ist denn der buckelige Stallknecht, der bei uns saß, und mein Beutel voll Gold, wo sind meine Kleider und meine Hosen?« Dann stand er auf und ging in die Stadt; auf allen Straßen und Plätzen aber umringte ihn das Volk und gab ihm festlich Geleit, so daß er in den Laden eines Kochs eintrat, den alle Leute in Damaskus wegen seiner Gewalttätigkeit fürchteten, da er früher ein ausschweifendes Leben geführt hatte, doch von Gott zu Gnaden aufgenommen war, nachdem er seine Thaten bereut und einen Kochladen eröffnet hatte. Als die Menge nun den jungen Mann in den Laden des Kochs treten sah, gingen sie alle aus Furcht vor dem Koch ihres Weges, der Koch aber, der Hasan Bedr ed-Dîn beim Anblick seiner Schönheit und Anmut sogleich lieb gewann, fragte ihn: »Woher kommst du, junger Mann? Erzähle mir deine Geschichte, du bist mir lieber als mein Leben.« Da erzählte er ihm alle seine Erlebnisse von Anfang bis Ende, worauf der Koch zu ihm sagte: »Mein Herr Bedr ed-Dîn, wisse, das ist eine wunderbare Sache und eine merkwürdige Geschichte; aber, mein Sohn, behalt' es bei dir, bis Gott deine Sorgen zerstreut, und bleibe hier bei mir; da ich kein Kind habe, will ich dich an Sohnes Statt annehmen.« Bedr ed-Dîn versetzte darauf: »Es sei so, wie du willst, mein Oheim!« Der Koch ging hierauf auf den Markt und kaufte für Bedr ed-Dîn prächtige Kleider ein; nachdem er ihn darin gekleidet hatte, nahm er ihn mit sich vor den Kadi und erklärte ihn für seinen Sohn, so daß Hasan Bedr ed-Dîn in der Stadt Damaskus als Sohn des Kochs galt und fortan bei ihm im Laden saß und das Geld in Empfang nahm.

Soviel was Hasan Bedr ed-Dîn anlangt. Als nun Sitt el-Husn, die Tochter seines Oheims, beim Morgengrauen erwachte und Hasan Bedr ed-Dîn nicht an ihrer Seite fand, glaubte sie, daß er nur einmal hinausgegangen sei. Sie wartete deshalb auf ihn, als nach einer Weile unvermutet ihr Vater voll Kummer über das, was ihm vom Sultan widerfahren war, und daß er ihn gezwungen hatte seine Tochter mit einem seiner Bediensteten, dem buckeligen Stallknecht, zu vermählen, ankam. Indem er bei sich sagte: »Ich bringe diese Tochter um, wenn sie sich diesem gemeinen Menschen hingegeben hat,« blieb er vor der Thür der Hochzeitskammer stehen und rief: »Sitt el-Husn!« Sie antwortete: »Ja, mein Herr,« und tänzelte fröhlich hinaus, um, nach den Umarmungen dieser Gazelle noch schöner und strahlender als zuvor, vor ihrem Vater die Erde zu küssen. Als er sie so verklärten Angesichts sah, sagte er: »Du gemeine Dirne bist wohl noch gar erfreut über diesen Stallknecht?« Sitt el-Husn lächelte bei diesen Worten ihres Vaters und sagte: »Um Gott, ich habe doch genug von dir und den Leuten erlitten, die mich verlachten und mit diesem Stallknecht auf eine Stufe stellten, welcher nicht soviel wert ist als ein Schnipsel von meinem Fingernagel; die gestrige Nacht aber mit meinem Gatten war, bei Gott, die schönste meines Lebens; halte mich daher nicht zum besten und sprich mir nicht mehr von diesem Buckeligen.« Bei diesen Worten seiner Tochter rollte der Wesir die Augen vor Zorn, daß nur das Weiße zu sehen war, und fuhr sie an: »Wehe dir, was sprichst du da? Der buckelige Stallknecht hat doch die Nacht bei dir zugebracht?« Sie erwiderte: »Um Gott, sprich mir nicht von ihm, Gott verdamme ihn und seinen Vater! Hänsele mich nicht zu sehr mit ihm, denn der Stallknecht ist doch nur für zehn Dinare gemietet gewesen und ist fortgegangen, nachdem er seinen Lohn erhalten hat. Ich ging darauf in die Hochzeitskammer und sah dort meinen Gatten sitzen, nachdem mich die Sängerinnen ihm entschleiert hatten, und er die anwesenden Armen überreich mit rotem Golde beschenkt hatte. An der Brust meines zärtlichen Gatten mit den schwarzen Augen und zusammengewachsenen Brauen habe ich die Nacht verbracht.« Als ihr Vater dies vernahm, ward das Licht vor seinem Angesicht Finsternis, so daß er sagte: »Was sprichst du da, Dirne? Wo hast du deinen Verstand gelassen?« Sie antwortete: »Ach, mein Vater, du zerbrichst mir das Herz; warum hörst du denn gar nicht? Der ist mein Gatte, der mich hingenommen hat, und der eben auf den Abtritt gegangen ist.«

Zweiundzwanzigste Nacht.

Da ging ihr Vater verwundert hinaus, um auf dem Abtritt nachzusehen; als er dort den buckeligen Stallknecht kopfstehen sah, sagte er, sich an den Kopf fassend: »Ist das nicht der Buckelige?« und redete ihn an, ohne jedoch eine Antwort zu erhalten, da ihn der Buckelige für den Ifrît hielt. Da brüllte ihn der Wesir an: »Sprich oder ich haue dir mit diesem Schwert den Kopf ab!«

Unter solchen Umständen antwortete der Buckelige: »Bei Gott, o Ifrîtenscheich, seit dem Augenblick, daß du mich an diesen Ort stelltest, habe ich den Kopf nicht gerührt, aber, bei Gott, habe nun Mitleid mit mir!« Der Wesir antwortete ihm darauf: »Was redest du da?« Ich bin der Vater deiner Braut und kein Ifrît.« Der Buckelige versetzte nun: »Dann ruht mein Leben nicht in deiner Hand, und hast du nicht Macht es mir zu nehmen; geh' deines Weges, bevor jener, der mich in dieser Weise behandelt hat, wiederkommt; ihr aber habt mich mit der Liebsten von Büffeln Ifrîten verheiratet. Gott verdamme den, der mich mit ihr verheiratet hat und den, der die Ursache dazu gewesen ist!« und stieß diese Verwünschung zu dem Wesir, dem Vater seiner Braut, noch mehrmals aus. Als der Wesir ihm nun befahl: »Mach' dich auf und komm aus diesem Ort heraus!« antwortete er: »Bin ich etwa verrückt, daß ich mit dir ohne des Ifrîts Erlaubnis fortgehen sollte? Er sagte zu mir: »Wenn die Sonne aufgegangen ist, dann mach' dich fort und geh deines Weges! Ist die Sonne aufgegangen oder nicht? Eher, als die Sonne nicht aufgegangen ist, kann ich mich nicht vom Platze rühren.« Darauf fragte ihn der Wesir: »Wer hat dich an diesen Ort gebracht?« Er antwortete: »Mich führte gestern Nacht noch ein Bedürfnis hierher, als plötzlich eine Staubwolke mitten aus dem Wasser aufstieg und brüllte und immer größer und größer wurde, bis sie den Umfang eines Büffels erreichte und Worte zu mir sprach, die mir ins Ohr gingen. Laß mich darum los und geh' fort, Gott aber verdamme die Braut und den, der mich mit ihr vermählt hat!« Da trat der Wesir an ihn heran und zog ihn aus dem Abtritt heraus, worauf er sich, im Zweifel darüber, ob die Sonne aufgegangen sei oder nicht, spornstreichs zum Sultan fortmachte und ihm sein Abenteuer mit dem Ifrît vortrug.

Der Wesir hingegen, der über diese Geschichte halb den Verstand verloren hatte, ging wieder zu seiner Tochter zurück ins Haus und sprach zu ihr: »Meine Tochter, offenbare mir alles.« Da erzählte sie ihm: »Der feine junge Mann, vor dem ich gestern entschleiert wurde, brachte die Nacht bei mir zu; glaubst du es aber nicht, so sieh hier auf dem Stuhle seinen Turban, noch gewickelt wie er war, und da liegen seine Hosen unter dem Bett. Es steckt etwas Zusammengewickeltes darin, doch weiß ich nicht, was es ist.« Nun trat der Wesir in die Hochzeitskammer ein; als er den Turban seines Bruderssohnes Hasan Bedr ed-Dîn erblickte, nahm er ihn sogleich in die Hand und sagte, nachdem er ihn aufgewickelt hatte: »Das ist ein Turban, wie ihn die Wesire tragen, nur daß er nach Art der mossulischen Turbane ist.« Als er dann merkte, daß im Tarbusch ein Amulett eingenäht war, trennte er ihn auf, und nahm dann auch die Hosen und fand den Beutel mit den tausend Dinaren darin. Beim Öffnen des Beutels fand er in demselben außer dem Gelde auch den Kaufkontrakt des Juden und den Namen Hasan Bedr ed-Dîns, des Sohnes des Wesirs von Basra, darin geschrieben. Da schrie er auf und sank in Ohnmacht. Als er sich wieder erholt hatte und ihm alles klar geworden war, rief er voll Verwunderung: »Es giebt keinen Gott außer Gott, der über alle Dinge Macht hat!« Dann sagte er: »Meine Tochter, weißt du auch, wer dich hingenommen hat?« Sie antwortete: »Nein.« »Der Sohn deines Oheims ist es,« versetzte er, »und diese tausend Dinare sind seine Morgengabe. Preis sei Gott! Doch möchte ich gern wissen, wie sich dies zugetragen hat.« Darauf öffnete er das eingenähte Amulett und fand darin ein Papier, das mit den Schriftzügen seines Bruders Nûr ed-Dîn von Basra, des Vaters Hasan Bedr ed-Dîns, bedeckt war. Als er die Schriftzüge seines Bruders erblickte, sprach er die Verse:

»Ich schaue ihre Spuren und schmelze hin in Sehnsucht,
Und vergieße auf ihre Heimstätten meine Thränen;
Ich bete zu Ihm, der mich durch ihre Trennung verwundet hat,
Daß er mir gnädig einen Tag der Heimkehr gewährt.«

Darauf las er das Amulett und fand darin das Datum seiner Hochzeit mit der Tochter des Wesirs von Basra verzeichnet, und ebenso das Datum seines Lebensalters bis zu seinem Verscheiden und das Datum der Geburt seines Sohnes Hasan Bedr ed-Dîn. Staunend und zitternd vor Freude verglich er diese Aufzeichnungen seines Bruders mit den Ereignissen seines Lebens und fand sie völlig gleich, indem sowohl das Datum der Hochzeit seines Bruders mit dem Datum seiner Hochzeit, wie auch der Geburtstag Hasan Bedr ed-Dîns, des Sohnes seines Bruders, mit dem Geburtstag seiner Tochter Sitt el-Husn übereinstimmte. Mit beiden Papieren begab er sich zum Sultan und erzählte ihm alles von Anfang bis Ende, der König aber befahl diese Geschichte unverzüglich in die Chroniken einzutragen.

Nachdem der Wesir hierauf längere Zeit auf den Sohn seines Bruders gewartet hatte, ohne eine Kunde von ihm zu erhalten, sagte er:

Dreiundzwanzigste Nacht.

»Bei Gott, ich will eine That thun, die keiner zuvor gethan hat!« Dann nahm er Tinte und Feder und verzeichnte das Inventar seines Hauses mit dem Bemerken, daß der und der Schrank an dem und dem Platz gestanden, und der und der Vorhang an dem und dem Orte gehangen hätte. Nachdem er in dieser Weise alle Gegenstände in seinem Haus aufgenommen hatte, faltete er das Papier zusammen und befahl die ganze Hauseinrichtung im Schatzraum einzuschließen. Den Turban aber, den Tarbusch, Überrock und Beutel nahm er selber an sich.

Als nun ihre Monate vollendet waren, gebar Sitt el-Husn einen Knaben schön wie der Mond und seinem Vater an Schönheit, Vollkommenheit, Glanz und Anmut gleich. Sie bestrichen ihm die Augenlider mit Antimon, übergaben ihn den Ammen und nannten seinen Namen Adschîb;Wunderbar. und so glich sein Tag einem Monat und sein Monat einem Jahr,d. h. er wuchs in einem Tage so viel wie ein anderes Kind in einem Monat u. s. w. bis er sieben Jahre alt geworden war, und sein Großvater ihn dem Lehrer übergab und demselben ans Herz legte, ihn sorgfältig zu erziehen. Vier Jahre war er bereits in die Schule gegangen als er sich einmal wieder mit den Knaben raufte und sie schmähte: »Wer unter euch ist mir gleich? Ich bin der Sohn des Wesirs von Kairo.« Da beklagten sich alle Knaben zusammen bei dem Famulus über die von Adschîb erlittene Kränkung. Der Famulus sagte zu ihnen: »Ich will euch lehren, was ihr sagen sollt, wenn er morgen wieder in die Schule kommt, daß es ihn gereuen soll, hierher gekommen zu sein. Setzet euch morgen rings um ihn und sprecht zu einander: »Bei Gott, dieses Spiel soll nur der mit uns spielen, der uns den Namen seines Vaters und seiner Mutter nennen kann. Wer den Namen seines Vaters oder seiner Mutter nicht weiß, ist ein Bastard und soll nicht mit uns spielen.« Als nun die Knaben am andern Morgen wieder zur Schule kamen und auch Adschîb erschien, umringten sie ihn und sagten: »Wir wollen ein Spiel spielen, doch soll nur der mitspielen, der uns den Namen seines Vaters und seiner Mutter nennen kann.« Nachdem sie alle beigestimmt hatten, sagte der eine: »Mein Name ist Mâdschid, meine Mutter heißt Alawî und mein Vater Izz ed-Dîn.« Der zweite und dritte gab die Namen in derselben Weise an, bis die Reihe an Adschîb kam und er sagte: »Ich heiße Adschîb, meine Mutter Sitt el-Husn und mein Vater Schems ed-Dîn, der Wesir von Kairo.« Da sagten sie: »Bei Gott, der Wesir ist nicht dein Vater.« Adschîb entgegnete: »Der Wesir ist in Wahrheit mein Vater.« Darauf verlachten sie ihn, klatschten in die Hände und riefen: »Du kennst deinen Vater nicht, geh darum fort von uns, denn nur der, der den Namen seines Vaters kennt, soll mit uns spielen.« In demselben Augenblicke liefen sie von ihm fort und machten sich untereinander über ihn lustig, so daß sich ihm die Brust zuschnürte und er vor Weinen ersticken wollte. Da sagte der Famulus zu ihm: »Glaubst du wirklich, daß dein Großvater, der Wesir, der Vater deiner Mutter Sitt el-Husn, dein eigener Vater ist? Weder du noch wir kennen deinen Vater; der Sultan hat zwar deine Mutter mit dem buckeligen Stallknecht vermählt, doch kamen die Dschinn dazwischen. Da du deinen Vater nicht kennst, müssen sie dich für einen Bastard halten. Begreifst du denn nicht, daß der Sohn einer verheirateten Frau seinen Vater kennt? Der Wesir von Kairo ist aber nur dein Großvater, deinen Vater kennen weder wir noch du; so nimm doch Verstand an.« Als Adschîb dies hörte, ging er sofort zu seiner Mutter Sitt el-Husn, um sich bei ihr zu beklagen, aber die Thränen erstickten seine Stimme. Wie die Mutter ihn nun so laut schluchzen hörte, entbrannte ihr Herz zu ihm und sie fragte ihn: »Mein Sohn, warum weinst du? Erzähl' mir, was mit dir vorgefallen ist?« Da erzählte er ihr, was er von den Knaben und dem Famulus gehört hatte und fragte sie: »Mutter, wer ist mein Vater?« Sie antwortete: »Dein Vater ist der Wesir von Kairo.« Er erwiderte jedoch: »Nein, er ist nicht mein Vater; lüge mir nichts vor. Wenn der Wesir dein Vater ist, so kann er nicht mein Vater sein. Wer ist mein Vater? Sagst du mir nicht die Wahrheit, so ersteche ich mich mit diesem Dolch.«

Als nun die Mutter ihn seinen Vater erwähnen hörte, weinte sie und sprach, ihres Vetters Hasan Bedr ed-Dîm von Basra und seiner Schönheit und ihres Erlebnisses mit ihm gedenkend, die Verse:

Sie haben die Liebe in meinem Herzen erweckt und sind von dannen gezogen,
In weiter Ferne steht nun ihr Haus.
Mit ihrem Scheiden wich auch meines Geistes Klarheit,
Und es verließ mich Schlaf und Geduld.
Da sie von hinnen zogen, wich auch die Freude von mir,
Und verlassen von ihnen finde ich auch keines Bleibens mehr.
Thränen sind meinem Auge entströmt ob der Trennung von ihnen,
Ströme von Thränen, wie Meere so weit und tief,
Und jedes Verlangen sie einmal noch wiederzuschauen,
Mehrt meine Seufzer und meine Sehnsucht nach ihnen.
So wird ihr Bild mir im Herzen die Verkörperung
Von Liebesqual und Sehnsucht und Erinnerung.
O ihr, deren Gedenken mein Oberkleid ist,
Wie die Liebe zu euch mein Unterkleid ward,
O, ihr Freunde, wie lange noch währt diese Qual?
Wie lange noch flieht ihr mich und bleibet ihr fern von mir?

Darauf weinten und jammerten beide, als plötzlich der Wesir zu ihnen eintrat. Beim Anblick ihrer Thränen entbrannte ihm das Herz, und er fragte sie nach dem Grunde ihres Weinens, worauf ihm seine Tochter erzählte, was die Knaben in der Schule ihrem Sohne angethan hatten, so daß er ebenfalls zu weinen anhob, indem er sich der Erlebnisse mit seinem Bruder und Neffen erinnerte, ohne die verborgenen Fügungen darin zu ahnen. Dann machte sich der Wesir sofort auf und begab sich in den Diwan zum Sultan, um ihm die Sache vorzutragen und sich von ihm die Erlaubnis auszubitten ins Morgenland nach der Stadt Basra zu reisen und dort über den Sohn seines Bruders Nachforschungen anzustellen. Außerdem aber bat er den Sultan ihm königliche Handschreiben an die übrigen Länder mitzugeben, daß er, falls er den Sohn seines Bruders fände, wo es auch immer sei, ihn mitnehmen dürfte. Als ihm nun der Sultan, von seinen Thränen gerührt, Handschreiben an alle Klimate und Länder ausgestellt hatte, verabschiedete sich der Wesir, in seiner Freude auf den Sultan Segen herabflehend, und ging unverzüglich nach Haus um sich zur Reise zur rüsten. Nachdem er alles Erforderliche beschafft hatte, nahm er seinen Enkel Adschîb mit sich und reiste einen Tag und noch einen und wieder einen, bis er nach der Stadt Damaskus kam, und sie mit all ihren Bäumen und Gewässern daliegen sah, von denen der Dichter singt:

In ihres Gezweiges Schatten flimmern Perlenlichter,
Die der Zephyr mit sanftem Hauch niedergestreift hat.
Von dem Spiegel des Sees, der wie ein Blatt daliegt,
Lesen die Vögel die Schrift des Windes und der Wolken.

Auf dem Meidân el-HasbāKiesplatz. ließ der Wesir Halt machen und die Zelte aufschlagen, indem er den Dienern erklärte sich hier zwei Tage erholen zu wollen. Die Diener gingen darauf in die Stadt um ihre Bedürfnisse zu besorgen, der eine um zu kaufen, der andere um zu verkaufen, ein dritter um ins Bad zu gehen, ein vierter um die Omajjadenmoschee,Omajja, der Stammvater der Omajjadendynastie, gehörte wie die Familie Haschem, aus welcher Mohammed stammte, dem Stamme Qoreisch in Mekka an. Omajjas Sohn, Abu Sofjan, war Mohammeds erbittertster Gegner und schlug ihn 625 am Berge Ohod, mußte sich 680 jedoch, als Mohammed Mekka eroberte, unterwerfen und den Islam annehmen. Nach der Ermordung Alis 661, des Neffen und Schwiegersohnes Mohammeds, rissen die Omajjaden das Chalifat an sich, bis sich die Abbassiden gegen sie erhoben (750) und das ganze Geschlecht ausrotteten. Nur zwei entkamen, von denen der eine, Abd er-Rahman 755 das Chalifat von Cordova gründete. die schönste in der ganzen Welt, aufzusuchen. Auch Adschîb begab sich mit seinem Diener, der ihm mit einem Knittel folgte, mit dem er ein Kamel hätte zu Boden schlagen können, in die Stadt um sich zu belustigen; als aber das Volk von Damaskus Adschîb erblickte und seinen schlanken Wuchs und seine vollendete Schönheit gewahrte, wie er voll wunderbarer Anmut und zarter Koketterie einherschritt, sanfter als der Hauch des Nordwinds, süßer als klares Wasser für den Dürstenden und köstlicher als Genesung für den Kranken, lief es ihm nach und setzte sich an den Weg, um ihn vorübergehen zu sehen, bis der Sklave nach dem Ratschluß des Schicksals vor dem Laden seines Vaters Hasan Bedr ed-Dîn stehen blieb. Als dieser seinen Sohn erblickte, ward er von seiner außerordentlichen Schönheit entzückt, sein Innerstes ward von Sehnsucht nach ihm ergriffen und sein Herz hängte sich an ihn; da er aber gerade gezuckerte Granatapfelkerne zubereitet hatte, rief er, von seiner heißen, ihm von Gott eingeflößten Liebe getrieben, in Extase: »O mein Herr, der du mein innerstes Herz eingenommen hast, und nachdem meine Seele sich in Sehnsucht verzehrt, möchtest du nicht bei mir eintreten, um mein Herz zu erquicken und von meiner Speise zu essen?« Die Augen strömten ihm dabei unwillkürlich über, indem er seiner vergangenen und seiner jetzigen Lage gedachte. Bei diesen Worten seines Vaters ward auch Adschîbs Herz von Sehnsucht entflammt, daß er sich zu seinem Diener wendete und sagte: »Mein Herz ist von Sehnsucht nach diesem Koch ergriffen; es kommt mir vor, als ob er sich von einem Sohne hat trennen müssen; komm' daher, wir wollen bei ihm eintreten, sein Herz erquicken und seine gastliche Gabe essen, vielleicht daß Gott uns dadurch mit unserm Vater wieder vereint.«

Der Sklave antwortete jedoch seinem Herrn: »Bei Gott, mein Herr, es ist nicht schicklich; wie kannst du als Sohn eines Wesirs in dem Laden eines Kochs essen? Ich will aber die Leute mit diesem Knittel von dir fortscheuchen, daß sie dich nicht sehen, sonst kannst du unmöglich in den Laden gehen.« Als Hasan Bedr ed-Dîn vom Diener diese Worte vernahm, erstaunte er und sagte zu ihm, indem ihm immer noch die Thränen über die Backen liefen: »Siehe, mein Herz liebt ihn.« Der Diener entgegnete ihm jedoch: »Laß uns mit solchen Reden zufrieden!« und wehrte Adschîb: »Geh nicht hinein!« Doch Adschîbs Vater redete ihn von neuem an: »Großmächtiger, warum willst du denn nicht bei mir eintreten und mein Herz erquicken? Du, der du schwarz wie eine Kastanie bist und doch ein weißes Herz hast, dessen Lob ein Dichter mit den und den Versen verkündet hat!« Da mußte der Diener lachen und sagte: »Was wolltest du sagen? Aber, bei Gott, mach's kurz!« Hasan Bedr ed-Dîn sprach darauf sogleich die Verse:

»Seine Bildung allein und seine Vertrauenswürdigkeit
Hat ihn im Palaste der Könige zu Ehren gebracht.
Was für ein prächtiger Haremswärter er doch ist!
Wegen seiner Schönheit bedienen ihn die Engel im Himmel.«

Der Sklave faßte, hierdurch geschmeichelt, Adschîb an die Hand und betrat mit ihm den Laden des Kochs; Hasan Bedr ed-Dîn aber schöpfte eine Schüssel voll Granatapfelkerne, die mit Mandeln und Zucker zubereitet waren, und sagte, indem er sie ihnen beiden vorsetzte: »Ihr habt mich mit eurer Gesellschaft beehrt, mag es euch wohlbekommen!« Darauf sagte Adschîb zu seinem Vater: »Setz dich zu uns und iß mit! Vielleicht vereint uns Gott wieder mit dem, den wir suchen.« Da sagte Hasan Bedr ed-Dîn: »O mein Sohn, hast du bei deiner Jugend auch schon die Trennung von den Lieben erfahren?« Adschîb erwiderte: »Ja, mein Oheim, mein Herz ist entbrannt über die Trennung von meinen Lieben; der Teuere, von dem ich getrennt bin, ist mein Vater. Ich und mein Großvater sind nun ausgezogen und durchwandern die Länder nach ihm. Ach, wie ich danach seufze mit ihm wieder vereinigt zu werden!« Bei diesen Worten schluchzte er laut auf und weinte, und es weinte auch sein Vater, ergriffen von seinen Thränen, und der Trennung von seinen Lieben gedenkend, wie er seinen Vater verloren hatte und so fern von seiner Mutter weilte, so daß der Diener mit ihm Mitleid empfand.

Nachdem sich nun alle satt gegessen hatten, standen Adschîb und der Diener auf und verließen den Laden Hasan Bedr ed-Dîns. Hasan aber hatte das Gefühl, als ob die Seele seinen Körper verlassen hätte und mit ihnen mitgezogen sei. Er vermochte es ohne sie keinen Augenblick mehr auszuhalten und verschloß daher seinen Laden, um ihnen nachzugehen, ohne zu wissen, daß es sein Sohn war. Er eilte so sehr, daß er sie, noch bevor sie aus dem großen Thore geschritten waren, einholte. Da wendete sich der Eunuch um und fragte ihn: »Was wünschest du, Koch?« Hasan Bedr ed-Dîn antwortete: »Als ihr mich verlassen hattet, hatte ich das Gefühl, als ob die Seele aus meinem Körper gewichen sei, und, da ich in der Außenstadt vor dem Thor ein Geschäft hatte, wollte ich euch begleiten, bis ich mein Geschäft besorgt hätte, und dann wieder heimkehren.« Der Eunuch sagte hierauf zornig zu Adschîb: »Das war eine üble Mahlzeit, unsere Güte bekommt uns schlecht. Sieh', wie er uns von Ort zu Ort folgt.« Adschîb wendete sich nun um und wurde, wie er den Koch sah, rot vor Zorn; er sagte jedoch zum Diener: »Mag er auf der Straße der Gläubigen gehen; folgte er uns aber auch noch heraus zu unseren Zelten, so wollen wir ihn fortjagen.« Darauf ging er mit gesenktem Kopf, den Diener hinter sich, weiter, während Hasan Bedr ed-Dîn ihnen bis zum Meidân el-Hasbâ folgte. Als sie sich nun den Zelten näherten und gewahrten, daß er ihnen auch dorthin folgte, ward Adschîb aus Furcht, der Eunuch könnte es seinem Großvater erzählen, daß er in den Laden eines Kochs gegangen und dieser ihnen dann nachgefolgt sei, so erzürnt, daß er sich umwandte, bis er seinem Vater, der wie ein Körper ohne Seele geworden war, gegenüberstand, und es ihm erschien, als ob sein Auge das eines Verräters und er selber ein Schurke wäre. In aufloderndem Zorn ergriff er einen Stein und traf seinen Vater damit an die Stirn, daß er ohnmächtig und mit blutüberströmtem Gesicht zu Boden stürzte. Dann ging er mit dem Eunuchen in die Zelte. Hasan Bedr ed-Dîn aber, der sich nach einiger Zeit wieder erholte, schalt sich selber, nachdem er sich das Blut abgewischt, ein Stück von seinem Turban abgerissen und damit den Kopf umwickelt hatte, indem er bei sich sprach: »Ich that dem Knaben unrecht, daß ich meinen Laden verschloß und ihm nachfolgte; er mußte mich deshalb für einen Verräter halten.« Darauf kehrte er wieder in seinen Laden zurück und verkaufte seine Speisen; voll Sehnsucht nach seiner Mutter in Basra vergoß er Thränen und sprach die Verse:

»Verlange keine Gerechtigkeit vom Schicksal, du würdest ihm Unrecht thun,
O mein Freund, am Schicksal schaust du nimmer Gerechtigkeit!
Nimm daher, was du erlosest, und schieb' die Sorgen beiseite,
Heute sind die Tage dunkel und morgen heiter.«

Nachdem nun sein Oheim, der Wesir, drei Tage in Damaskus verweilt hatte, brach er auf und schlug die Richtung nach Emesa ein; von dort reiste er, überall, wo er einkehrte, nach dem Weg Erkundigungen einziehend, weiter, bis er über Maridîn, Mossul und Dijâr Bekr endlich in Basra ankam. Als er sich dort Quartier beschafft hatte, begab er sich zum Sultan, der ihn ehrenvoll und seinem Range angemessen empfing. Auf die Frage nach dem Grunde seines Kommens erzählte er ihm seine Geschichte und daß der Wesir Alî Nûr ed-Dîn sein Bruder gewesen sei. Der Sultan äußerte ihm sein Mitleid und sagte: »Herr, er war mein Wesir und mir sehr teuer, doch ist er seit nunmehr zwölf Jahren tot. Er hinterließ einen Knaben, welcher verschwunden ist, ohne daß wir je eine Kunde von ihm erhielten; seine Mutter, die Tochter meines alten Wesirs, lebt jedoch noch bei uns.« Als der Wesir Schems ed-Dîm vom König vernahm, daß die Mutter seines Neffen noch am Leben war, bat er erfreut den König sie aufsuchen zu dürfen, wozu ihm der König auf der Stelle Erlaubnis erteilte. Darauf begab sich Schems ed-Dîn zu ihr in den Palast seines Bruders; dort angelangt ließ er seine Blicke rings umherschweifen, küßte weinend die Schwelle des Hauses und sprach, indem er seines Bruders Alî Nûr ed-Dîn gedachte, und wie er voll Sehnsucht nach ihm in der Fremde gestorben war, die Verse:

»Ich gehe vorüber an den Wohnungen, den Wohnungen Leilās,
Und küsse ihre Mauern bei Schritt und Tritt.
Doch nicht für die Wohnungen glüht mein Herz in Liebe,
Es liebt nur sie, die dort geweilt hat.«

Dann trat er durch das Portal in einen weiten Raum, bis er zu einem mit Quarzgestein überwölbten und mit Marmormosaik in allerlei Farben verzierten Thor kam. An den Wänden des Palastes entlang schreitend fand er, als er seine Blicke darübergleiten ließ, den Namen seines Bruders Nûr ed-Dîn in goldenen Buchstaben daraufgeschrieben. Da schritt er auf den Namen zu, küßte ihn und sprach, weinend vor Schmerz über den Verlust seines Bruders, die Verse:

»Ich frage die Sonne nach euch, so oft sie aufgeht,
Und wende mich an den Blitz, so oft er flammt.
Sehnsucht rollt mich in ihrer Hand des Nachts zusammen
Und rollt mich wieder auf, doch klag' ich ihr nicht mein Leid.
O meine Geliebten, währt die Trennung von euch noch lange,
So zerstückelt die Sehnsucht nach euch mir das Herz.
Wolltet ihr meinem Auge vergönnen noch einmal euch zu schauen,
Das schönste Wiedersehen wollten wir miteinander feiern.
Glaubt nicht, daß ich mich mit einem andern tröste,
Ach, mein Herz hat keinen Raum mehr für die Liebe zu einem andern.«

Hierauf schritt er weiter, bis er sich dem Gemach der Gattin seines Bruders, der Mutter Hasan Bedr ed-Dîns von Basra, näherte. Seit der Stunde, daß ihr Sohn verschwunden war, hatte sie ihn unablässig Tag und Nacht beweint und beklagt und dann nach Verlauf einiger Zeit ihrem Sohne ein marmornes Grabmal mitten in ihrem Zimmer errichten lassen, bei welchem sie nun Tag und Nacht weinte und des Nachts ruhte. Wie er ihre Stimme vernahm, blieb er hinter der Thür stehen und hörte hier, wie sie beim Grabmal die Verse klagte:

»Um Gott, o Grab, ist seine Schönheit vergangen?
Ist wirklich dies strahlende Antlitz verblaßt?
O Grab, du bist kein Garten und kein Himmel,
Wie kann das Reis und der Mond in dir wohnen?«

Da trat der Wesir Schems ed-Dîn zu ihr ein und sagte ihr, nachdem er sie begrüßt hatte, daß er der Bruder ihres Gatten sei, und erzählte ihr alles. Er teilte ihr auch mit, daß ihr Sohn Hasan Bedr ed-Dîn bei seiner Tochter eine ganze Nacht zugebracht hatte, dann aber am Morgen verschwunden war, und daß seine Tochter von ihm einen Sohn erhalten hätte, den er mitgebracht habe und der ihr Sohn und der Sohn ihres Sohnes von seiner Tochter sei. Als sie diese Nachricht erhielt und vernahm, daß ihr Sohn vielleicht noch am Leben wäre, und auch den Bruder ihres Gatten sah, warf sie sich vor ihm nieder, küßte ihm die Füße und sprach die Verse:

»Welch herrlicher Bote, der mir ihr Kommen verkündet,
Der mir die köstliche Nachricht gebracht hat!
Wäre er zufrieden mit einem abgetragenen Geschenk,
Ich gäbe ihm ein Herz, das die Stunde des Abschieds zerrissen hat.«

Hierauf schickte der Wesir einen Sklaven zu Adschîb und ließ ihn rufen. Bei seinem Eintreten erhob sich seine Großmutter vor ihm, umarmte ihn und weinte; Schems ed-Dîn sagte jedoch zu ihr: »Dies ist nicht die Zeit zum Weinen, sondern, daß du dich zurecht machst zur Abreise mit uns nach Ägyptenland; vielleicht, daß Gott uns und dich doch noch mit deinem Sohne, dem Sohne meines Bruders, vereint.« Sie antwortete ihm: »Ich höre und gehorche.« Dann erhob sie sich sogleich, holte all ihren Besitz, ihre Schätze und ihre Sklavinnen herbei und machte sich selber zurecht, während der Wesir Schems ed-Dîn zum Sultan von Basra ging und sich verabschiedete. Nachdem ihm der Sultan noch Geschenke und Kostbarkeiten für den Sultan von Kairo mitgegeben hatte, brach er unverzüglich mit der Gattin seines Bruders auf und unterbrach die Reise erst wieder mit seiner Ankunft in Damaskus. Dort stieg er auf dem üblichen Platze ab, ließ die Zelte aufschlagen und sagte zu seinen Leuten: »Wir wollen hier eine Woche lang bleiben, um für den Sultan Geschenke und Kostbarkeiten einzukaufen.«

Als sie nun das Lager aufgeschlagen hatten, sagte Adschîb zum Eunuchen: »Bursche, ich trage Verlangen nach Zerstreuung; komm', wir wollen den Bazar von Damaskus besuchen und sehen, was dort vorgeht, und auch schauen, wie es jenem Koch ergeht, dessen Speise wir erst gegessen und ihm dann den Kopf zerschlagen haben, trotzdem er gütig gegen uns gewesen war; wir haben ihn schlecht behandelt.« Der Eunuch erwiderte: »Ich höre und gehorche.« Hierauf ging Adschîb mit dem Eunuchen aus den Zelten, von den Banden des Blutes zu seinem Vater getrieben. Nachdem sie die Stadt Damaskus betreten hatten, durchwanderten sie ihre Straßen so lange, bis sie um die Nachmittagszeit bei dem Laden des Kochs anlangten, der zufälligerweise wieder Granatapfelkerne gekocht hatte und nun im Laden stand. Als ihn Adschîb erblickte, entbrannte ihm das Herz in Sehnsucht, und, wie er nun die Narbe des Steinwurfs an seiner Stirn gewahrte, redete er ihn an: »Frieden sei mit dir, du da! Wisse, mein Herz ist bei dir.« Als ihn Hasan Bedr ed-Dîn nun ebenfalls erblickte, hängte sich sein Inneres an ihn und sein Herz pochte ihm entgegen. Er neigte sein Haupt zur Erde und wollte die Zunge bewegen, vermochte es aber nicht. Demütig und unterwürfig erhob er das Haupt zu seinem Knaben und brachte endlich die Verse hervor:

»Heiß ersehnte ich den Teuersten, doch nun ich ihn schaue,
Stehe ich da, meiner Zunge und Augen beraubt.
Ich neige mein Haupt in Verehrung und Ehrfurcht
Und möchte mein Innerstes verbergen, doch fällt mir's zu schwer.
Ganze Bände voll Entschuldigungen hatte ich mir zurecht gelegt,
Doch nun wir uns wiedersehen, finde ich kein einziges Wort.«

Hierauf sagte er zu ihnen: »Erquicket doch mein Herz und esset von meiner Speise! Bei Gott, Knabe, ich kann dich nicht anschauen, ohne daß mein Herz in Sehnsucht nach dir entbrennt: ich wäre dir auch damals nicht gefolgt, wäre ich nicht ganz von Sinnen gewesen.« Adschîb erwiderte ihm: »Bei Gott, du liebst uns, und wir aßen bei dir einen Bissen, dann aber folgtest du uns in einem fort dicht nach und wolltest uns bloßstellen. Wir wollen daher nur unter der Bedingung wieder bei dir essen, daß du uns schwörst, erst nach uns auszugehen und uns nicht wieder zu folgen. Thust du es nicht, so kommen wir nicht wieder zu dir, denn wir bleiben hier in dieser Stadt noch eine ganze Woche, bis mein Großvater Geschenke für den König gekauft hat.« Bedr ed-Dîn antwortete: »Ich schwöre es euch,« worauf Adschîb mit dem Diener in den Laden eintrat, und der Koch ihnen eine Schüssel mit Granatäpfelkernen vorsetzte. Wie das erste Mal sagte dann Adschîb wieder zu ihm: »Komm', iß mit uns, vielleicht giebt uns Gott Trost.« Erfreut setzte sich Hasan Bedr ed-Dîn zu ihnen und aß mit ihnen, doch konnte er die Blicke vom Gesichte des Knaben nicht abwenden, da sich sein Herz und alle seine Glieder an ihn gehängt hatten. Da sagte Adschîb: »Hast du vergessen, daß ich dir sagte, du seiest ein lästiger Liebhaber? Doch genug davon, sieh' mir nicht so lange ins Gesicht!« Hasan Bedr ed-Dîn entgegnete darauf die Verse:

Du hast über die Herzen geheimnisvolle Macht,
Deren verhülltes Wesen nicht entfaltet wird.
O du, der du den leuchtenden Mond mit deiner Schönheit beschämst,
Und mit deinem Angesichte den hellen Morgen verdunkelst,
Dein Glanz, der ewig strahlt, lockt meine Blicke an,
Und immer muß ich mich weiden an deinem Angesicht.
Ich schmelze vor Glut, obgleich dein Antlitz mein Eden ist,
Und sterbe vor Durst, wiewohl dein Speichel dem Wasser vom KautharSprich th wie das harte englische th. Der Kauthar ist der Hauptstrom im Paradiese. gleicht.

Hierauf stopfte Hasan Bedr ed-Dîn eine Weile lang zuerst Adschîb und dann dem Eunuchen Bissen in den Mund, goß dann Wasser zum Waschen über ihre Hände, knüpfte ein seidenes Tuch von seinem Leibgurt, trocknete ihnen damit die Hände ab und bespritzte sie aus einer Flasche mit Rosenwasser. Dann ging er fort und holte zwei Krüge voll Scherbett von Rosenwasser, das mit Moschus parfümiert war; ihnen dieselben vorsetzend, bat er: »Machet das Maß eurer Güte voll!« Als nun Adschîb zulangte, reichte der Koch den andern Krug dem Eunuchen, und beide tranken so lange, bis ihr Magen voll war und sie sich ganz gegen ihre Gewohnheit über und über gesättigt hatten; dann machten sie sich eilig auf den Weg zu ihren Zelten zurück. Dort angekommen, begab sich Adschîb zu seiner Großmutter, der Mutter seines Vaters Hasan Bedr ed-Dîn und küßte sie, während sie seufzend seines Vaters Hasan Bedr ed-Dîn gedachte und unter Thränen die Verse sprach:

»Wenn ich nicht hoffte noch einmal mit euch vereint zu werden,
Ich trüge nach dem Leben kein Verlangen mehr.
Ich schwöre es, in meinem Herzen lebt nur die Liebe zu euch,
Und Gott, mein Herr, weiß meine geheimsten Gedanken.«

Dann fragte sie Adschîb: »Mein Sohn, wo bist du gewesen?« Er antwortete: »In der Stadt Damaskus.« Darauf stand sie auf und setzte ihm eine Schüssel Granatapfelkerne vor, die jedoch nicht sehr süß zubereitet waren, und sagte zum Diener: »Setz' dich zu deinem Herrn.« Der Diener sprach bei sich: »Bei Gott, wir haben keinen Appetit,« setzte sich aber. Adschîb, der ebenso noch völlig satt vom Essen und Trinken war, nahm einen Brocken und tauchte ihn in die Granatapfelkerne ein; da sie ihm aber, weil er satt war, nicht süß genug schmeckten, sagte er verdrießlich: »Was ist das für ein wüstes Essen!« Seine Großmutter versetzte: »Mein Sohn, tadelst du mein Gericht? Ich hab' es selber gekocht, und niemand außer deinem Vater Hasan Bedr ed-Dîn versteht es so gut als ich zu kochen.« Adschîb versetzte darauf: »Bei Gott, meine Herrin, dein Gericht ist nicht gut gekocht; soeben noch sahen wir in der Stadt einen Koch, der ein Gericht Granatapfelkerne gekocht hatte, dessen Duft das Herz öffnete, und das selbst einen Menschen mit verdorbenem Magen hätte zum Essen reizen können; dein Gericht läßt sich damit überhaupt nicht vergleichen.«

Vierundzwanzigste Nacht.

Über diese Worte erzürnte sich seine Großmutter heftig; den Diener anblickend, sagte sie: »Weh dir, verdirbst du mein Kind, daß du mit ihm die Läden von Köchen besuchst?« Da bekam der Eunuch Furcht und log: »Wir sind in keinem Kochladen gewesen; wir sind nur daran vorbeigegangen.« Adschîb behauptete dagegen: »Bei Gott, wir sind doch darin gewesen und haben gegessen; es schmeckte viel besser als dein Gericht.« Da stand seine Großmutter auf und erzählte es dem Bruder ihres Gatten, der, hierüber aufgebracht, den Eunuchen vor sich bringen ließ und ihn zur Rede stellte: »Warum bist du mit dem Knaben in den Laden des Kochs gegangen?« Der Diener log in seiner Angst wieder und sagte: »Wir sind in keinem Laden gewesen.« Adschîb aber sagte: »Jawohl, wir sind in seinem Laden gewesen und haben uns an Granatapfelkernen satt gegessen; dann hat der Koch uns auch noch Scherbett mit Schnee und Zucker zu trinken gegeben.« Der Zorn des Sultans über den Diener wurde hierdurch noch ärger, aber so oft er ihn frug, log er. Da sagte der Sultan: »Sprichst du die Wahrheit, so setz' dich und iß vor uns.« Nun kam der Diener heran und versuchte zu essen; da er es jedoch nicht vermochte, warf er den Bissen aus der Hand und sagte: »Mein Herr, ich bin noch von gestern satt.« Der Wesir, der hieraus merkte, daß er bei dem Koch gewesen war und gegessen hatte, befahl darauf den Sklavinnen ihn zu Boden zu werfen und schlug ihn so lange, bis er um Hilfe schrie und schließlich die Wahrheit bekannte und sagte: »Wisse, wir waren im Laden des Kochs, der Granatapfelkerne gekocht hatte und uns davon aufschöpfte; bei Gott, in meinem Leben habe ich nichts dem gleiches gegessen, abscheulicheres aber wie das da vor uns habe ich auch noch nicht gesehen.« Da sagte die Mutter Hasan Bedr ed-Dîns entrüstet: »Du mußt zu diesem Koch gehen und uns eine Schüssel voll von seinen Granatapfelkernen bringen und sie deinem Herrn zeigen, daß er selber urteilen kann, ob seine oder meine Granatapfelkerne besser und wohlschmeckender sind.« Der Diener antwortete: »Gut,« und sie gab ihm sogleich eine Schüssel und einen halben Dinar.

Nun machte sich der Diener auf den Weg zum Laden und sagte zum Koch: »Wir haben im Hause unsers Herrn über deine Speise gewettet, weil wir nämlich dort auch Granatapfelkerne haben, welche die Hausfrau gekocht hat. Gieb uns für einen halben Dinar und paß beim Kochen auf, daß es gerät, denn wir haben deines Gerichtes wegen schon die jämmerlichsten Prügel zu kosten bekommen.« Da lachte Hasan Bedr ed-Dîn und sagte: »Bei Gott, diese Speise kann niemand so gut kochen wie ich und meine Mutter; sie aber lebt jetzt in fernem Land.« Darauf schöpfte er die Schüssel voll, setzte ihr zum Abschluß Moschus und Rosenwasser hinzu und gab sie dem Diener, der mit ihr nach Hause lief. Als nun die Mutter Hasans sie nahm und kostete, merkte sie an dem feinen Geschmack, wer sie gekocht hatte, und sank mit einem lauten Schrei in Ohnmacht. Der Wesir ließ ihr bestürzt Wasser ins Gesicht sprengen, worauf sie nach einer Weile wieder zu sich kam und sagte: »Wenn mein Sohn noch am Leben ist, so hat er und kein anderer die Granatapfelkerne gekocht; es ist kein Zweifel, es ist mein Sohn Hasan Bedr ed-Dîn, denn nur ich und er wissen diese Speise so gut zu kochen, da er es von mir gelernt hat.« – Als der Wesir diese Worte vernahm, rief er in höchster Freude: »O wie ich mich danach sehne den Sohn meines Bruders zu schauen! Will die Zeit uns wirklich mit ihm vereinen? Doch nur von Gott, dem Erhabenen, erflehe ich unsere Vereinigung.«

Hierauf erhob sich der Wesir unverzüglich, rief über seine Leute und befahl ihnen: »Zwanzig Mann von euch sollen zum Laden des Kochs gehen, ihn einreißen und dem Koch selber mit seinem Turban die Hände auf dem Rücken knebeln und ihn, ohne daß ihm jedoch ein Leid widerfährt, hierherschleppen.« Die Leute antworteten: »Gut.« Dann ritt der Wesir sofort zur Wohnung der Glückseligkeit, zum Vicekönig von Damaskus, und legte ihm die Schreiben, die er vom Sultan mitbekommen hatte, vor. Der Vicekönig küßte sie, führte sie an sein HauptZum Zeichen der Ehrerbietung. und fragte: »Um wen handelt es sich?« Der Wesir antwortete: »Um einen Koch.« Sogleich gebot der Vicekönig seinen Kämmerlingen sich nach dem Laden des Kochs zu begeben; als sie aber dort ankamen, fanden sie ihn eingerissen und alle Sachen zerschlagen, da die Leute des Wesirs den Befehl ausgerichtet hatten, während er sich zur Wohnung der Glückseligkeit begeben hatte, und nun auf seine Rückkehr von der Wohnung der Glückseligkeit mit dem gefesselten Hasan warteten, der bei sich dachte: »Was mögen sie nur an den Granatapfelkernen gefunden haben, daß mir solches widerfährt?«

Als nun der Wesir vom Vicekönig von Damaskus mit der Erlaubnis ihn mit sich zu nehmen zu den Zelten zurückgekehrt war, verlangte er nach dem Koch. Man führte ihm Hasan Bedr ed-Dîn mit seinem Turban gefesselt vor, der beim Anblick seines Oheims laut weinte und sagte: »Ach, mein Herr, worin habe ich mich gegen euch vergangen?« Der Wesir entgegnete: »Bist du's, der die Granatapfelkerne gekocht hat?« Hasan erwiderte: »Jawohl; was aber habt ihr an ihnen gefunden, daß mir der Kopf abgeschlagen werden soll?« Der Wesir antwortete: »Das ist deine geringste Strafe.« Hasan bat wiederum: »Ach. mein Herr, willst du mir nicht meine Schuld sagen?« »Sofort,« versetzte der Wesir, und rief über die Burschen, ihnen befehlend: »Bringt die Kamele her!« Darauf nahmen sie Hasan Bedr ed-Dîn mit sich, packten ihn in einen Kasten, legten Schlösser davor und ritten ab, um erst wieder bei Anbruch der Nacht Rast zu machen. Dann nahmen sie ihn herunter, aßen ein wenig, holten ihn aus dem Kasten hervor und gaben ihm ebenfalls etwas zu essen. Darauf packten sie ihn wieder in den Kasten und reisten in derselben Weise weiter, bis sie zu einem neuen Halteplatz gelangten. Dort holten sie ihn wieder heraus, und der Wesir fragte ihn zum zweitenmal: »Bist du's, der die Granatapfelkerne gekocht hat?« Hasan erwiderte: »Jawohl, mein Herr.« Darauf befahl der Wesir: »Fesselt ihn!« Die Burschen fesselten ihn, packten ihn wieder in den Kasten und reisten weiter, bis sie in Kairo anlangten und in Er-ReidânîjeEin Platz im Norden von Kairo, wo die von Syrien anlangenden Karawanen Halt machten. abstiegen. Hier befahl der Wesir Hasan aus dem Kasten hervorzuholen und einen Tischler zu rufen. Als derselbe erschien, gab er ihm den Auftrag für Hasan ein Holzkreuz zu machen. Da fragte Hasan: »Was beabsichtigst du damit?« Der Wesir antwortete: »Ich will dich daran nageln und durch die ganze Stadt führen lassen.« Hasan fragte: »Und weswegen willst du das thun?« Der Wesir entgegnete: »Weil du die Granatapfelkerne schlecht gekocht hattest; wie konntest du sie mit so wenig Pfeffer zubereiten?« Hasan versetzte: »Darum, daß zu wenig Pfeffer daran gethan war, willst du mir alles dies zufügen? Genügt es dir nicht, daß ich gefesselt wurde und jeden Tag nur eine Mahlzeit erhielt?« Der Wesir antwortete jedoch: »Weil du zu wenig Pfeffer nahmst, bekommst du als Strafe den Tod.«

Wie nun Hasan bestürzt hierüber und bekümmert über sein Schicksal in Gedanken versunken dasaß, fragte ihn der Wesir: »Worüber bist du so nachdenklich?« Hasan antwortete: »Über einen so schwachen Verstand wie den deinigen; hättest du wirklich Verstand, du hättest mir dafür, daß ich zu wenig Pfeffer nahm, dies sicherlich nicht angethan.« Der Wesir entgegnete ihm jedoch: »Es ist unsere Schuldigkeit dich zu strafen, daß du es nicht wieder thust.« Hasan erwiderte ihm darauf: »Das Geringste von dem, was du mir angethan hast, wäre Strafe genug für mich gewesen.« Der Wesir blieb jedoch dabei: »Hilft nichts, du wirst gekreuzigt.« – Alles dies trug sich zu, während der Tischler das Holz zurechtmachte und Hasan ihm zusah.

Als nun die Nacht anbrach, nahm ihn sein Oheim, packte ihn wieder in den Kasten und sagte: »Morgen wirst du gekreuzigt.« Nachdem er dann so lange gewartet hatte, bis er merkte, daß Hasan eingeschlafen war, lud er den Kasten vor sich auf und ritt in die Stadt. Zu Hause angekommen sagte er zu seiner Tochter Sitt el-Husn: »Preis sei Gott, der dich mit dem Sohn deines Oheims wieder vereint hat! Mach' dich auf und richte das Haus wieder ebenso ein, als es in der Nacht deiner Entschleierung war.« Indem sie nun ihren Sklavinnen hierzu Befehl erteilte, und diese die Lichter anzündeten, holte der Wesir das Blatt Papier hervor, auf welchem er die Hauseinrichtung verzeichnet hatte, und befahl, nachdem er es durchgelesen hatte, jeden Gegenstand an seinen Platz zu stellen, so daß jemand, der es sah, nicht daran zweifeln konnte, daß es die Nacht der Entschleierung selber wäre. Ebenso befahl er Bedr ed-Dîns Turban an den Platz, an welchen er ihn selber hingelegt hatte, wieder hinzulegen nebst seinen Hosen und dem Beutel, der unter dem Kissen gewesen war, und hieß seine Tochter sich ebenso wie in der Nacht der Entschleierung zu schmücken und in die Hochzeitskammer zu gehen. »Kommt dann dein Vetter,« sagte er, »so sprich zu ihm: ›Du bist lange draußen geblieben.‹ Bitte ihn bei dir zu bleiben und plaudere mit ihm bis zum Morgen.«

Hierauf holte der Wesir Bedr ed-Dîn aus seinem Kasten hervor, löste ihm die Fesseln von den Füßen und entkleidete ihn im Schlaf bis aufs Nachthemd, ohne daß er etwas davon merkte.

Als Hasan Bedr ed-Dîn nun erwachte und sich in einer erleuchteten Halle fand, sprach er bei sich: »Ist das ein wüster Traum oder bin ich wach?« Wie er aber aufstand und ein wenig weiter schritt und an eine andere Thür kam und hineinschaute, sah er, daß er sich in dem Hause befand, in welchem ihm die Braut entschleiert war, und sah auch die Hochzeitskammer und das Lager, seinen Turban und seine Sachen. Von all dem ganz verwirrt, setzte er einen Fuß vor und den andern wieder zurück und sprach bei sich: »Nein, träume ich, oder bin ich wach?« rieb sich die Stirn und rief ganz verwundert: »Bei Gott, das ist doch der Raum, in welchem mir die Braut entschleiert wurde! Aber ich war doch noch eben in dem Kasten?« Wie er nun so mit sich redete, hob Sitt el-Husn plötzlich den Zipfel des Mückennetzes und rief: »Ach, mein Herr, kommst du wieder? Du bist so lange draußen von mir fort geblieben.« Als er ihre Stimme vernahm und ihr Gesicht sah, lachte er und sagte: »Das ist aber ein wirrer Traum!« Darauf trat er seufzend, nachsinnend und ganz verwirrt von dieser dunkeln Geschichte ein. Beim Anblick seines Turbans, seiner Beinkleider und des Beutels mit den tausend Dinaren rief er aus: »Gott ist allwissend! Das sind wüste Traumgesichte!« und wußte in seiner Verwunderung nicht mehr aus noch ein.

Da redete ihn Sitt el-Husn wieder an: »Was bist du so verwundert und bestürzt, du warst doch zu Anbeginn der Nacht nicht so?« Hasan lachte und sagte: »Wie viele Jahre bin ich wohl fern von dir gewesen!« Sie antwortete: »Gott behüte dich! Gottes Name sei schirmend um dir! Du bist nur einmal auf den Abtritt gegangen und kommst jetzt wieder; was ist mit deinem Verstand vorgefallen?« Hasan Bedr ed-Dîn lachte über ihre Worte und sagte: »Du hast recht, aber als ich von dir gegangen war, überwältigte mich draußen der Schlaf, und mir träumte auf dem Abtritt, ich sei seit zwölf Jahren Koch in Damaskus. Dann war es mir, als wäre ein Knabe, ein Kind vornehmer Leute, mit einem Diener zu mir gekommen, um deretwillen es mir übel erging.« Dann rieb er sich wieder die Stirn und, als er dabei die Narbe spürte, rief er: »Bei Gott, meine Herrin, mir ist doch, als ob es wahr wäre, weil er einen Stein nach mir warf und mir die Stirn blutig schlug. Es ist doch wohl im Wachen geschehen.« Dann sagte er wieder: »Vielleicht träumte mir alles dies, als ich in deinen Armen schlief. Ich träumte, ich wäre nach Damaskus ohne Tarbusch, Turban und Hosen gekommen und hätte dort als Koch gelebt.« Dann stand er wieder eine Weile ratlos da und sagte: »Bei Gott, mir war's im Traum, als ob ich Granatapfelkerne gekocht hätte und zu wenig Pfeffer daran that; bei Gott, ich muß wirklich auf dem Abtritt eingeschlafen sein und dies alles im Traum erlebt haben.« Sitt el-Husn sagte darauf: »Um Gott, was hast du denn noch außerdem geträumt?« Da erzählte er ihr alles, was er geträumt zu haben meinte, und rief: »Bei Gott, wäre ich nicht erwacht, sie hätten mich wirklich ans Kreuz geschlagen.« »Aber weswegen denn?« fragte Sitt el-Husn. »Weil zu wenig Pfeffer an den Granatäpfeln war; ich sah auch wie sie mir den Laden verwüsteten, alle meine Kochgeräte zerbrachen und mich selber in einen Kasten steckten. Dann ließen sie einen Tischler kommen, der für mich ein Kreuz aus Holz zimmern mußte, weil sie mich daran schlagen wollten. Doch, Preis sei Gott, der alles dies mich nur im Traum und nicht im Wachen hat erleben lassen!« Sitt el-Husn lachte und zog ihn an ihre Brust; doch wurde er wieder nachdenklich und sagte: »Bei Gott, nein, ich habe doch gewacht; ich weiß wirklich nicht, wie es sich verhält und was wahr ist.« Dann schlief er völlig verwirrt ein und rief im Schlaf die ganze Nacht über bis zum Morgen bald »ich hab' geträumt,« bald »ich hab' gewacht.«

Am nächsten Morgen kam sein Oheim, der Wesir Schems ed-Dîn, zu ihm und begrüßte ihn. Als Hasan Bedr ed-Dîn ihn erblickte, rief er: »Um Gott, warst du's nicht, der mich der Granatapfelkerne wegen, weil sie zu wenig gepfeffert waren, binden und meinen Laden vernageln ließ?« Darauf sagte der Wesir zu ihm: »Wisse, mein Sohn, die Wahrheit ist nun an den Tag gekommen und das Verborgene klar geworden. Du bist meines Bruders Sohn, und alles das habe ich nur gethan, um mich zu vergewissern, daß du derjenige bist, der jene Nacht bei meiner Tochter verbrachte. Ich war meiner Sache nicht eher gewiß, bis ich sah, daß du das Haus, deinen Turban, deine Beinkleider, dein Geld und die beiden Schriftstücke, das eine von deiner Hand, das andere von der Hand deines Vaters, meines Bruders, wiedererkanntest. Deine Mutter aber ist auch hier, ich habe sie von Basra mit mir mitgebracht.« Darauf warf er sich weinend in seine Arme; Hasan Bedr ed-Dîn aber stand erst fassungslos vor Staunen da, dann umschlang er ihn ebenfalls und weinte im Übermaß seiner Freude. Nachdem sie in dieser Weise das Wiedersehen gefeiert hatten, sagte der Wesir: »Mein Sohn, an alledem ist allein schuld, was sich zwischen mir und deinem Vater einst zutrug,« und erzählte ihm alles. Dann ließ er Adschîb rufen; als derselbe eintrat, rief sein Vater: »Das ist der Knabe, der mich mit dem Stein geworfen hat.« Der Wesir aber sagte: »Es ist dein Sohn.« Da warf er sich an seine Brust und sprach die Verse:

»Lang habe ich geweint über unsere Trennung,
Und die Thränen rannen mir von den Lidern.
Ich gelobte, wenn einst der Schützer uns wieder vereinte,
Nie sollte das Wort der Trennung mehr über meine Lippen kommen.
Nun hat mich die Freude so plötzlich ergriffen,
Daß ich im Übermaß meines Glückes weinen muß.«

Als er die Verse gesprochen hatte, trat auch seine Mutter herzu, warf sich an seine Brust und sprach:

»Das Schicksal hatte geschworen mich immerdar zu betrüben;
Doch deinen Schwur hast du gebrochen, so sühne es nun!
Mein Glück ward vollkommen und der Geliebte steht mir zur Seite,
Geh' drum den Freudenboten entgegen und tummle dich!«

Darauf erzählten beide einander, wie es ihnen seit ihrer Trennung ergangen war und was sie erlitten hatten, und dankten Gott für ihre Vereinigung. Alsdann begab sich der Wesir zum Sultan und berichtete ihm die ganze Geschichte, worauf der Sultan voll Verwunderung sie als eine wahre Begebenheit in die Akten für künftige Zeiten einzutragen befahl. Der Wesir aber verlebte mit dem Sohne seines Bruders, seiner Tochter, ihrem Sohne und der Gattin seines Bruders die glücklichsten Tage, bis der Zerstörer aller Freuden und der Trenner aller Vereinigung sie ereilte.

Dies, o Fürst der Gläubigen, ist die Geschichte des Wesirs Schems ed-Dîn und seines Bruders Nûr ed-Dîn. Da rief der Chalife Hārûn er-Raschid: »Bei Gott, das ist eine wunderbare Geschichte!« Dann schenkte er dem jungen Mann eine seiner eigenen Beischläferinnen, bestimmte ihm ein festes Einkommen und nahm ihn unter seine Tischgenossen auf.

»Diese Geschichte aber,« sagte Schehersad, »ist nicht wunderbarer als die Geschichte des Schneiders und des Buckeligen.« Der König fragte sie: »Wie ist diese Geschichte?«

Darauf erzählte Schehersad:

Die Geschichte des Schneiders und des Buckeligen.

 


 

Ende des ersten Bandes.

 

 << Kapitel 24  Kapitel 26 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.