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Tausend und eine Nacht. Band I

Max Henning: Tausend und eine Nacht. Band I - Kapitel 23
Quellenangabe
typenarrative
authorUnbekannte Autoren
titleTausend und eine Nacht. Band I
publisherVerlag von Philipp Reclam jun.
yearo.J.
firstpub1895
translatorMax Henning
correctorJosef Muehlgassner
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20150411
modified20180223
projectidbbb389ae
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Achtzehnte Nacht.

Schluß der Geschichte des Lastträgers und der drei Mädchen.

Als der Chalife diese wunderbare Geschichte vernommen hatte, befahl er sie in die Akten aufzuzeichnen und in das königliche Archiv niederzulegen. Dann fragte er das erste Mädchen: »Habt ihr nichts mehr von der Ifrîte gehört, die deine Schwestern verzaubert hat?« Sie antwortete: »O Fürst der Gläubigen, sie gab mir eine Haarlocke und sprach dazu: Wenn du begehrst, daß ich erscheinen soll, so verbrenne einige dieser Haare; ich komme dann eilends zu dir, auch wenn ich mich hinter dem Berge Kâf befinden sollte.« Der Chalife befahl ihr darauf das Haar zu holen. Als sie es gebracht hatte, nahm er es und verbrannte etwas davon. Kaum hatte sich der Geruch verbreitet, da erbebte auch schon das Schloß, ein Donnergetöse erscholl, und plötzlich erschien die Dschinnîje. Da sie sich zum Islam bekannte, sprach sie den Gruß: »Frieden sei mit dir, Chalife Gottes!« Er antwortete: »Und Frieden mit euch, und die Barmherzigkeit und der Segen Gottes!« Darauf sagte sie: »Wisse, dieses Mädchen hier hat mir einen Dienst erwiesen, den ich ihr nicht in gleichem Maße vergelten kann; sie hat meinen Feind getötet und mir dadurch das Leben gerettet. Da ich nun gesehen hatte, was ihr ihre Schwestern angethan hatten, beschloß ich an ihnen Rache zu nehmen und verzauberte sie zu zwei Hündinnen, obwohl ich sie lieber getötet hätte in der Besorgnis, sie könnten ihrer Schwester Übles zufügen. Wenn du aber, o Fürst der Gläubigen begehrst, daß ich sie erlöse, so thue ich es dir und ihr zu Gefallen, denn ich bin eine Gläubige.« Der Chalife sagte: »Befreie sie, damit wir uns hernach mit der Angelegenheit des geschlagenen Mädchens befassen und dieselbe genau prüfen; erweist sich mir ihre Unschuld, so will ich sie an demjenigen, der sie so grausam behandelt hat, rächen.« Darauf entgegnete ihm die Ifrîte: »O Fürst der Gläubigen, ich werde dir denjenigen weisen, der mit diesem Mädchen so grausam verfahren ist und ihr Vermögen genommen hat; er steht dir unter allen Menschen am nächsten.« Hierauf nahm die Ifrîte eine Schale mit Wasser, besprach es, spritzte es den Hündinnen ins Gesicht und sprach zu ihnen: Kehret wieder in euere frühere menschliche Gestalt zurück! Da wurden sie wieder zu Mädchen – Preis ihrem Schöpfer! – Dann sagte sie: »O Fürst der Gläubigen, derjenige, der das Mädchen geschlagen hat, ist dein Sohn El-Amîn, der von ihrer Schönheit und Anmut gehört hatte;« und nun erzählte sie ihm den ganzen Vorfall mit dem Mädchen.

Der Chalife erstaunte und rief: »Gott sei gepriesen für die Befreiung dieser beiden Hündinnen durch meine Hand.« Darauf ließ er seinen Sohn El-Amîn kommen und stellte ihn des Mädchens wegen zur Rede, der ihm die Sache wahrheitsgemäß vortrug. Dann bestellte er die Richter und Zeugen, ließ die drei Bettler und das erste Mädchen mit ihren beiden Schwestern, die zu Hündinnen verzaubert gewesen waren, herbeiführen, und vermählte sie mit den drei Bettlern, die ihnen erzählt hatten, daß sie Könige wären. Außerdem aber machte er sie noch zu seinen Kämmerlingen, schenkte ihnen alles, was sie brauchten, und gab ihnen in seinem Schlosse zu Bagdad Wohnungen.

Das geschlagene Mädchen übergab er wieder seinem Sohne El-Amîn, schenkte ihr ein großes Vermögen und befahl ihr Haus schöner als es gewesen war wieder aufzubauen. Die Einkäuferin heiratete der Chalife jedoch selber und ruhte noch in derselben Nacht bei ihr. Am andern Morgen gab er ihr ein eigenes Gemach mit Sklavinnen zu ihrer Bedienung, setzte ihr ein festes Jahresgeld aus und baute ihr ein großes Schloß.

 

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