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Tausend und eine Nacht. Band I

Max Henning: Tausend und eine Nacht. Band I - Kapitel 12
Quellenangabe
typenarrative
authorUnbekannte Autoren
titleTausend und eine Nacht. Band I
publisherVerlag von Philipp Reclam jun.
yearo.J.
firstpub1895
translatorMax Henning
correctorJosef Muehlgassner
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20150411
modified20180223
projectidbbb389ae
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[Der Eifersüchtige und der Papagei.]

Folgende hübsche Erzählung, welche die Breslauer und die Kalkuttaer Ausgabe an Stelle der vorigen bringen, sei hier ebenfalls mitgeteilt.

Es war einmal ein sehr eifersüchtiger Mann, welcher eine mit allen Reizen der Schönheit und Anmut geschmückte Frau hatte, die er nie allein ließ. Als er nun doch einmal zu einer ganz notwendigen Reise gezwungen wurde, ging er auf den Vogelmarkt, kaufte sich einen Papagei und setzte ihn als Wächter in sein Haus während seiner Abwesenheit, damit er ihm alles, was sich inzwischen in seinem Hause zutragen würde, wiedererzählte. Der Papagei war aber schlau, klug, intelligent und scharfsinnig. Als er nun seine Geschäfte besorgt hatte und von der Reise zurückgekehrt war und den Papagei vor sich bringen ließ, erzählte ihm dieser alles, was seine Frau während seiner Abwesenheit mit ihrem Liebhaber Tag für Tag getrieben hatte. Da stand er in heftigstem Zorne auf und prügelte seine Frau, bis sie genug hatte.

In der Meinung, daß eine der Sklavinnen ihrem Manne verraten hätte, was zwischen ihr und ihrem Geliebten vorgefallen war, nahm sich die Frau nun eine Sklavin nach der andern vor, um sie zum Geständnis zu bringen, alle aber schwuren ihr, daß der Papagei ihm alles verraten hätte, und daß sie es selber mit angehört hätten. Als die Frau dies vernahm, befahl sie in der folgenden Nacht, welche ihr Mann wieder außerhalb zubringen mußte, einer Sklavin eine Mühle zu nehmen und unter dem Käfig zu mahlen, einer andern von oben her über den Käfig Wasser zu gießen, und einer dritten mit einem Stahlspiegel die ganze Nacht über hin- und herzulaufen.

Als nun ihr Mann am Morgen den Papagei vor sich bringen ließ und ihn fragte, was während der Nacht in seiner Abwesenheit vorgegangen sei, sagte er: »Ach, mein Herr, entschuldige mich, ich konnte die ganze Nacht über bis zum Morgen wegen der großen Finsternis, des starken Regens und des fortwährenden Donnerns und Blitzens weder etwas sehen noch hören.« Es war aber gerade die Sommerszeit und der Monat Tamus. Infolgedessen rief der Mann: »Weh dir, jetzt ist ja gar nicht die Regenzeit.« Der Papagei versicherte jedoch: »Ja, bei Gott, die ganze Nacht über sah ich das, was ich dir erzählte.« Da hielt der Mann es für erwiesen, daß der Papagei ihn auch das erste Mal über seine Frau belogen hatte; voll Zorn streckte er die Hand nach ihm aus, holte ihn aus dem Bauer hervor und warf ihn so heftig zu Boden, daß er tot liegen blieb. Hernach aber erfuhr er von seinen Nachbarn, daß der Papagei doch die Wahrheit über seine Frau gesprochen hatte, und vernahm auch die List, welche seine Frau angewendet hatte, so daß er über den Tod des Papageis Reue empfand, wo die Reue nichts mehr nützen konnte.

Als der Wesir die Geschichte des Königs Sindbad und seines Falken vom König Jûnân vernommen hatte, sagte er: »Großmächtiger König, welche Unbill habe ich ihm denn zugefügt, und welche Bosheit habe ich von ihm erlitten? Nur aus Besorgnis um dich habe ich so gesprochen, und du wirst die Wahrheit davon erfahren; folgst du mir, so bist du gerettet, wenn aber nicht, so verlierst du dein Leben, wie jener Wesir hingerichtet wurde, der einem Prinzen nachstellte.«

 

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