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Tanzpalast Granada

Ravi Ravendro: Tanzpalast Granada - Kapitel 29
Quellenangabe
authorRavi Ravendro
titleTanzpalast Granada
publisherVerlag Peter J. Oestergaard G. m. b. H.
year1936
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20170224
projectidea1e2f5f
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XXVII.

Eisler klingelte.

»Lassen Sie den Mann in eine Untersuchungszelle abführen«, sagte er zu dem Bürodiener.

Gleich darauf erschienen zwei Beamte in Uniform und brachten Fritz Rohmer fort.

»Ob die Behandlung endlich hilft?« fragte Mansfeld, als die beiden wieder allein waren. »Ich habe mich zu sehr über seine verdammten Lügen geärgert! Aber das muß man dem Kerl lassen – er kann vorzüglich Theater spielen.«

»Hoffentlich bequemt er sich nun dazu, uns die Wahrheit zu sagen.«

»Nachweisen können wir ihm den Mord bis jetzt nicht, wenn auch die Verdachtsmomente gegen ihn riesengroß sind. Aber nun wollen wir uns einmal in die Arbeit hineinknien. Es ist jetzt viel Kleinkram zu erledigen. Inzwischen muß auch die Durcharbeitung der Akten weitergediehen und das Notizbuch fertig übersetzt sein.«

»Außerdem müssen wir uns darum kümmern, was Tramm inzwischen erreicht hat«, sagte Eisler und ließ sich mit dem Büro des Beamten verbinden.

Tramm war zurückgekommen.

»Nun, wie steht es? Haben Sie Erfolg gehabt?« fragte Eisler, während Mansfeld gespannt am zweiten Hörer lauschte.

»Ja, Herr Kommissar. Ich habe sämtliche Geheimakten Perquedas gefunden. Fast alle sind in offener Sprache gehalten.«

»Bringen Sie die Papiere zu mir.«

Mansfeld ließ durch den Bürodiener einige Reservetische in Zimmer 247 stellen, auf denen das gesamte Material ausgebreitet werden konnte. Inzwischen erschien Tramm.

»Ordnen Sie die Schriftstücke bitte genau und halten Sie uns nachher Vortrag.«

Eisler und Mansfeld legten Laufzettel an, während sie die gesamten Verhöre und das übrige Material durcharbeiteten. Immer wieder tauchten neue Fragen auf, aber allmählich wurde der umfangreiche Stoff gesichtet und Wichtiges von Unwesentlichem getrennt und abgesondert.

Um vier Uhr rief der Assistenzarzt vom Achenbach-Krankenhaus an.

»Nun, haben Sie gute Nachricht für uns?« fragte Eisler.

»Ja. Schwester Helga hat mir vor kurzem gemeldet, daß Peters aufgewacht ist, und daß ihm der Schlaf sehr gut getan hat. Er ist zwar noch schwach, aber die Kopfschmerzen haben nachgelassen. Und was das Wichtigste für Sie ist, er kann sich wieder auf die Vorgänge besinnen, die Sie wissen wollten. Das ist ein außerordentlich günstiger Verlauf –«

»Wir kommen sofort zu Ihnen«, unterbrach ihn der Kommissar. »Vielen Dank, Herr Doktor.«

Bald darauf saßen die beiden Beamten wieder im Dienstwagen und fuhren zu dem Krankenhaus.

»Die Sache mit diesem Rohmer alias Perenna ist noch lange nicht geklärt, und inzwischen bleibt der Verdacht gegen Hans Peters unvermindert bestehen«, stellte Mansfeld fest.

»Nun, etwas mehr ist Peters doch wohl entlastet, wenigstens in meinen Augen. Dagegen halte ich diesen Rohmer für einen ganz gefährlichen Bruder. Ich habe übrigens eine Schriftdeutung von unserem Graphologen machen lassen, und die Analyse stimmt aufs Haar. Ein skrupelloser Genußmensch mit rücksichtslosem, kaltem Charakter, der andere unbarmherzig unter die Füße tritt, aber nach außen hin Gutmütigkeit und Biederkeit zur Schau trägt.«

Als der Wagen vor der Tür des Krankenhauses hielt, wurden sie vom Hausinspektor empfangen, der schon auf sie wartete. Vor dem Zimmer drei trafen sie den Assistenzarzt.

»Ich möchte einen Vorschlag machen«, sagte er nach der Begrüßung. »Vielleicht geht nur einer der Herren ins Zimmer. Je weniger Menschen anwesend sind, desto besser. An Schwester Helga und mich hat sich Peters nun schon gewöhnt.«

»Ach so, Sie meinen, daß ich zurückbleiben soll?« fragte Mansfeld lächelnd. »Nun, ich verspreche, mich ganz ruhig zu verhalten. Ich werde mich so setzen, daß er mich nicht sehen kann.«

Als sie eintraten, erhob sich Schwester Helga, die neben dem Bett gesessen hatte, und strich ein paar Falten aus der Decke.

»Ich freue mich, daß es Ihnen wieder besser geht«, sagte Eisler zu dem Kranken.

Peters richtete sich etwas auf, und die Pflegerin schob ihm die Kissen im Rücken zurecht.

Nach einigen liebenswürdigen Worten begann Eisler wieder vorsichtig mit der Vernehmung.

»Heute morgen haben wir schon einmal darüber gesprochen, daß Sie gestern abend kurz vor sieben in einer Taxe den Kurfürstendamm nach Halensee hinunterfuhren. Sie konnten sich zuerst nicht mehr besinnen, wohin die Fahrt ging. Können Sie mir das jetzt sagen?«

»Ja. Ich wollte zum Haus Hubertusallee siebenundsiebzig.«

»Also zur Wohnung Juan Perquedas?«

»Ja.«

»Und Sie sind auch dort angekommen?«

»Ja. Der Wagen hielt draußen vor der Gartentür. Ich stieg aus und entließ den Chauffeur.«

»Und was taten Sie dann? Erzählen Sie alles ruhig, wie Sie wollen.«

»Ich ging durch den Vorgarten und fand die Haustür angelehnt. Dann stieg ich die Treppe hinauf. Das Haus war wie ausgestorben, und nichts rührte sich. Ich faßte zuerst an die rechte Tür und versuchte, sie zu öffnen, aber sie war verschlossen. Die linke dagegen öffnete sich sofort –«

Peters schwieg, als ob ihm das Sprechen schwer fiele.

»Lassen Sie sich ruhig Zeit.«

»Zuerst entdeckte ich nichts, aber dann sah ich, daß Perqueda mit dem Gesicht am Boden lag, und trat auf ihn zu. Ein Dolchmesser steckte in seinem Rücken –«

Er schauderte leicht zusammen.

»Im ersten Augenblick wußte ich nicht, was ich machen sollte. Aber dann kam mir zum Bewußtsein, daß ich vor allem die Polizei verständigen mußte. Ich ging zum Schreibtisch und nahm den Hörer vom Telephon, aber die Leitung war tot. Als ich mich umsah, bemerkte ich die Handtasche Marianne Körbers auf einem Sessel und glaubte, daß sie im Hause sein müßte. Ich trat wieder auf die Diele hinaus und ging die Treppe hinauf. Oben drehte ich in verschiedenen Räumen das Licht an, aber die Zimmer waren leer –«

Einige Zeit herrschte Schweigen.

»Und was haben Sie dann unternommen?« fragte Eisler.

»Plötzlich packte mich ein furchtbares Grauen. Ich eilte die beiden Treppen wieder hinunter. Dabei stolperte ich und wäre beinahe gestürzt, aber ich konnte mich noch am Geländer halten. Ich lief durch die Haustür, durch den Garten, auf die Straße. Ich wollte fort und jemand rufen. Und dann muß das Unglück passiert sein.«

»Ist das alles, was Sie wissen?«

»Ja, soweit ich mich besinnen kann.«

»Warum sind Sie denn zu dem Haus gefahren?«

»Ich wollte Perqueda daran hindern, Fräulein Körber ins Ausland zu bringen und an ein Bordell zu verkaufen.«

»Sie hatten aber eine Schußwaffe bei sich, als Sie zu ihm fuhren.«

Peters sah den Kommissar einige Zeit an.

»Ja«, erwiderte er schließlich, »das stimmt.«

»Warum hatten Sie die Waffe mitgenommen?«

Peters überlegte.

»Das weiß ich nicht«, sagte er leise und lehnte sich müde in die Kissen zurück.

Schwester Helga beugte sich vor und betrachtete ihn ängstlich.

Der Assistenzarzt hob die Hand und gab Eisler ein Zeichen, daß es jetzt genug sei.

Aber in dem Augenblick begann Peters wieder zu sprechen.

»Ich wollte Perqueda zwingen, von seinem Plan abzustehen – und ich hätte ihn erschossen –«

Die letzte Anstrengung mußte doch zu groß für ihn gewesen sein, denn er sah plötzlich erschreckend bleich aus, als er die Augen schloß und teilnahmslos in den Kissen lag.

Eisler erhob sich leise und ging mit Mansfeld aus dem Zimmer. Der Arzt folgte ihnen.

»Sie sehen ja selbst, daß es eigentlich schon zuviel für ihn war. Hoffentlich hat es keine bösen Folgen. Der Oberarzt wird sehr ungehalten sein, wenn er es erfährt.«

»Er wird sich sicher bald wieder erholen«, beruhigte ihn Kommissar Eisler und bedankte sich noch einmal.

Dann verabschiedeten sich die beiden Beamten.

»Haben Sie alles mitgeschrieben?« fragte Eisler seinen Kollegen, als sie wieder im Wagen saßen.

»Ja.«

Eisler erwartete, daß Mansfeld sich noch über die Vernehmung äußern würde, aber dieser schwieg. Beide hingen ihren Gedanken nach.

Erst nach einiger Zeit, als sie das Polizeipräsidium beinahe wieder erreicht hatten, sah Mansfeld nach der Uhr.

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