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Tantris der Narr

Ernst Hardt: Tantris der Narr - Kapitel 9
Quellenangabe
typedrama
booktitleTantris der Narr
authorErnst Hardt
year1918
firstpub1907
publisherInsel-Verlag
addressLeipzig
titleTantris der Narr
pages159
created20180111
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Zweite Szene

Marke und Denovalin treten ein, ein Knappe schließt hinter ihnen die Tür. Marke trägt in der Hand ein Pergament und geht hastig, ohne die Barone zu beachten, nach vorn, Denovalin geht hinterwärts um den Tisch und stellt sich zwischen Tisch und Thron. Die Barone haben sich erhoben.

Der erste Baron.   Kennt uns König Marke nicht,
Daß er den Gruß uns weigert?

Der Zweite.                                   Herzog, wißt Ihr . . .

Marke bricht heftig gegen die Barone gewandt aus.
Bin ich ein alter Mann, weil meine Haare grau
Und meine Hände faltig sind und hart?
Weil mich der Panzer an den Schultern manchmal
Wund scheuert, bin ich des ein abgetaner,
Saftloser Leib, der schweigen soll? . . .
    Er beherrscht sich                               Verzeiht,
Ihr Herren! Nehmt doch Platz!

Die Barone setzen sich, Dinas kommt herein.

Dinas.                                             Herr Marke, Ihr
Rieft mich.

Marke.             Ja, Dinas. Setz dich!
    Er spricht, nur mühsam Herr seiner gewaltigen Erregung.
                                                    Hört mich, meine
Adligen Herrn. Wir müssen eine große,
Genaue Rechnung halten voreinander.
Was ich zu tun gedenke, soll vor euch
Bestehn als recht getan. – Mich hat der Mann dort
    er reicht Denovalin das Pergament
Mit einer schlimmen Lanze angerannt
Und aus dem Sattel so gehoben, daß
Mirs schwindelt. Drum verzeiht und glaubet nicht,
Daß ichs in irgendwas versehen will
Vor euch: Herrn, seid mir alle sehr willkommen!

Der dritte Baron. Wir grüßen Euch, Herr Marke.

Ganelun.                                                                   Saget uns,
Was Euch so schwer bedrängt: wir sind von Herzen
Alle Euch zugetan!

Denovalin entfaltet das Pergament.
                                Fehlt wer von denen,
Die hier als Bürgen zeichneten den Blut-
Vertrag, den König Marke mit Herrn Tristan
Und mit Isolde, seinem Weibe, schloß?

Der erste Baron. So handelt sichs um den Vertrag, Herr Marke?

Der Dritte. Ich zeichnete.

Der Vierte.                         Und ich.

Der Fünfte.                                       Und ich.

Marke.                                                             Drei Bürgen
Warens, und ihr seid drei. So ist es gut!
Wir sind beisammen, Herrn!

Er spricht stoßweise, mit jedem Ausdruck seelischer Qual und leidenschaftlicher Erregung.

                                              Ihr wisset alle,
Wie lang ich hier mit meinem lieben Neffen,
Dem edlen Herren Tristan, still gelebt
Und nie ein Weib auf meine Schwelle kam!

Der fünfte Baron. Durch unsre Schuld wards anders, denn wir riefen
Nach einem Erben!

Der Zweite.                   Isot kam als Euer
Gemahl von Irland.

Denovalin ruhig, laut und fest.
                                Ritterlich geleitet,
Im Schutz Herrn Tristans . . .

Marke leise.                                 Ja, ich freite Isot,
Und wars zufrieden, diese adelige
Und süße Frau mein Eigentum zu nennen
Und wert zu halten. Seht, es war wohl nur ein,
Ein einziger Tag, denn dann kam dieser Mann dort
    er weist auf Denovalin
Und sprach: »Sie flüstern miteinander, Euer
Neffe und Euer Weib, sobald es dunkelt.«
Seit diesem argen Wort ward mir die Welt
Verkehrt in eine Hölle. Mein Geblüt
Schäumte um Isot, die doch mein Gemahl
Mir war, und schrie nach ihr, als sei sie nicht
Mein eigen.

Der dritte Baron.   Doch dem argen Spruche
Glaubtet Ihr nicht?

Marke.                         O nein, ich hielt wohl niemals
Mir einen Feind so ab von meinem Leib
Wie diesen Spruch!

Denovalin fest.             Doch bald kam dieser Mann hier
Und sprach: »Sie finden ihre Hände wohl,
Der Tristan und Isolde, wenn es dunkelt.«

Marke. Herren, ich bin so wie ein Wicht geschlichen
Um ihre Leiber, habe ihre Lippen
Belauert, ihre Augen, ihre Hände
So wie ein Mörder angestarrt, und nachts
Vor ihren Fenstern hab ich jämmerlich
Gelauscht auf ihre Träume, daß ich selber
Mich anspein mochte um mein Jammertum.
Ich fand nichts! Seht, ich fand nichts! – Doch Isolde
Ward mir nun teurer als mein Gott und Heiland.

Ganelun. Ihr hieltet sie in großen Ehren. Stets!

Marke. Ja, Ganelun, doch wieder stand der Mann dort
Mit seinem Mund an meinem Ohr: »Hör, Marke,
Bist du wohl blind? Sie liegen beieinander,
Dein Neffe Tristan und Isolde Blondhaar,
Bei Tage und bei Nacht.« Gott, Gott, ihr Herren!!
Ich faßte zu . . . und glaubte sie zu halten,
Ich Tor!
    Er verbirgt sein Gesicht.

Dinas.         Wohlan – man baute Scheiterhaufen,
Gar herrlich hoch aus Kien und trocknem Holz:
Gott blies sie aus! Die beiden – flohn – ins Morois.

Marke. . . . In einer Nacht hab ich sie dort beschlichen,
Ihr Herren. Dieses weiß von euch nur Dinas.
Isolde schlief, und Tristan schlief . . . sie lagen
Auf Armesweite vor mir bleich im Moos
Und atmeten so müd und schwer wie Wild,
Das man zu Tod gehetzet.
    Stöhnend
                                          O, es wäre
Damals so leichte Arbeit nur gewesen!
Nun seht, ihr Herren, wie es kam: starr zwischen
Ihren getrennten Leibern lag ein Schwert,
Das scharfe Schwert Morholms . . . ich tauscht es leise
Für meines aus und weinte wie ein Narr
Ob ihrer Keuschheit!

Der zweite Baron.         Ward Herr Tristan gar
Vom Schwertertausch so arg gerührt, daß er
Euch Eure Frau Isolde wiedergab?

Marke heftig.
Gott, und ich nahm sie! – Seht, sein weises Urteil
Wand ihre Unschuld ja ums glühe Eisen,
Daß Isots Hände hell und unversehrt
Wie Elfenbein erstrahlten nach der Probe!
Herr Tristan aber ward verbannt, und ein
Vertrag geschlossen, den ihr alle kennt. Ich frage
Nun euch, euch Bürgen des Vertrages, wenn
Herr Tristan je ihn bräche, heimlich und
Versteckt nach Kurnwal wiederkäme . . .

Der dritte Baron.                                         Da sei
Gott vor!

Der Vierte.     Ja, täte je Herr Tristan dies
Und bräche den Vertrag und wagte sein
Und Eures Weibes Leben dran . . .

Der Fünfte.                                         Seht zu,
Herr Marke, dann belogen sie wohl Euch und Gott!

Marke. Nicht wahr, du Mann, dann logen sie vor mir
Und Gott! Dann brauch ich länger nicht im Dunkeln
Zu tappen und die Seele mir zu stoßen
An meiner Blindheit! Ja, dann logen sie!
Dann war mein Bette ekel und mein Leben
Gespött für Narren, denn dann logen sie!
Nun seht, ihr Herren, dieser Mann dort kam,
– Denovalin, ich hass Euch! – kam und sprach,
Daß Tristan den Vertrag gebrochen habe . . .

Die Barone fahren auf.

Der erste Baron. Wie das?

Der Zweite.                         Was weiß er?

Der Dritte.                                                 Sprich, Denovalin!

Ganelun. Herr Tristan sollte den Vertrag gebrochen
Haben um Lebenspreis . . .

Der fünfte Baron.                   Das glaub ich nicht.

Der Vierte. Herr Tristan hat des Königs Karke Tochter
Zum Weib genommen in Arund. Ihr wißts!

Der Dritte. Denovalin soll uns Beweise bringen.

Marke. Gemach, ihr Herren, er wird sprechen vor
Gericht! Man rufe jetzt die Königin!

Ein Baron geht zur Tür und spricht hinaus.

Dinas. Wie bist du stets so eilig, Marke, wenns
Denovalin zu glauben gilt!

Marke.                                     Dinas,
Hier gilt kein Glaube, wissen will ich nur noch,
Ob er nach ihrer Sehnsucht kam, das andre
Weiß ich und weiß das Ende dieses Spiels
Um Leben und um Blut und meine Ehre!

 

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