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Tantris der Narr

Ernst Hardt: Tantris der Narr - Kapitel 7
Quellenangabe
typedrama
booktitleTantris der Narr
authorErnst Hardt
year1918
firstpub1907
publisherInsel-Verlag
addressLeipzig
titleTantris der Narr
pages159
created20180111
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Sechste Szene

Isolde.                                                       O,
Was sind die Worte dieses Mannes hart
Und scharf wie Schwerter und wie Flammen heiß!
Was will er mir!? Sinnlose, sinnbeschwerte
Reden beschimpften und bedrohten mich!
Und warnten mich! Wovor? Mein Gott, ich bebe . . .
Wenn doch Brangäne käme oder Dinas!
Sie kommen nicht! – Wie geht die Angst mir hart
Ans Herz! Dort kommen andre Gälen. Gott,
Wie oft hab ich nicht hier versteckt gestanden
Und habe ihn zur Burg einreiten sehn, ihn,
Der nicht mehr kommt! Wie prangte da sein hoher,
Erlauchter Leib, wie griff sein Pferd den Boden!
O Tristan, süßer Freund, ob deiner Isot
Herze wohl auch so zuckt wie meines zuckt,
Denk ich nur deinen Schritt?
    Sie kniet vor dem Bauer nieder.
                                                O Hündchen, Hündchen,
Denket dein Herr an mich wie ich an ihn?
    Sie lehnt den Kopf an das Bauer.
. . . Denn die zusammen davon trinken, werden
Sich lieben, sinnlos und mit allen Sinnen,
Gedankenlos mit ihrem Denken, ewig,
Im Leben und im Tod. Doch wer den Trank,
Davon er selig trunken ward, treulos
Ausspeit, soll sein ein herrenlos und fremd
Gewürm, Unkraut am Weg. – O Herre Tristan!
    Dinas kommt. Isolde wirft sich ihm entgegen.
Dinas von Lidan, Liebster, Treuester,
Was hat mich dieser Mann bedroht, wovor
Gewarnt, sprecht schnell, denn um mich dreht die Welt,
Mir schwindelts fast.

Dinas.                             Denovalin berief mich
Zu Euch, Frau Isot, um des Schachspiels willen.
Ihr habt es eilig, sagte er. Hat er
Den Frieden, den ihm Marke anbefahl,
Mit Euch geschlossen?

Isolde.                               Frieden, Er mit Mir!
Dinas, ich sagt Euch ja, er hat gedroht,
Mit dunklen Worten längst Vergangenes
Mir aufgerührt und unheilvoll von künftigem
Geschehen mir gesprochen, daß ich bebe,
Weil ich nicht weiß, was sich zusammenzieht
Ob meinem Haupt.

Dinas.                           Denovalin hat Euch
Gedroht!! Das ist nicht gut!

Isolde.                                       Was dünket Euch? . . .

Dinas. Ich fürchte fast, daß ich mich nicht getäuscht
Heut morgen, da ich durch den Nebel ritt . . .

Isolde. Dinas!

Dinas.             Ich sah im Morgengrauen einen,
Der heimlich durch den Nebel ritt . . . Ich . . .

Isolde.                                                                 Dinas!

Dinas. Herr Tristan ist im Land, Frau Isot.

Isolde.                                                         Dinas!!
    Leise
Mein Freund, Herr Tristan . . . Tristan sei an diesem
Morgen . . . mein Freund, der mich geliebt hat, mein
Herr Tristan! . . . Dinas, Dinas!
    Sie faßt sich. Schnell               Spracht Ihr ihn?

Dinas. hart
Ich rief ihn zweimal an, er floh vor mir!

Isolde. O, warum riefet Ihr ihn nicht bei meinem
Namen, er hätte Euch gestanden, denn
So schwur er mir zu tun, an allen Orten
Bei Tage und bei Nacht . . .

Dinas.                                       Ich rief bei Eurem
Namen, Frau Isot – und er floh vor mir!

Isolde. Dann war es nicht Herr Tristan, Dinas!
Wie dürft Ihr ihn so schmähn!

Dinas.                                           Ich schwur einst, Euer
Und Eures Herren Tristan Freund zu sein
Um Euretwillen, darum sag ich nun,
Er brach den Schwur und hat an Euch, Frau Isot,
Sich schwer vergangen heut . . .

Isolde schwer und starr.                     Isoldens der
Weißhändigen Gemahl, sagt Ihr, erschien
Vor Euch und brach den letzten Eid, den er
Isolde Blondhaar schwur. Dies sagtet Ihr . . .

Paranis kommt mit mühsam eingedämmter Erregung herein und meldet.
Herr Dinas, König Marke sendet mich
Mit dem Gebot, Ihr sollet unverzüglich
Bei ihm erscheinen Rechtens halber.

Isolde. Herr Tristan brach den Schwur! O Dinas, Dinas . . .
Herr Tristan brach den Schwur!

Dinas.                                                 Bedenkt Ihr auch,
Frau Königin, daß es nun gilt, von Eurem
Haupte Erfüllung des Vertrags zu wenden!?

Isolde heftig.
Was schiert mich einer fremden Frau Gemahl!

Dinas. Ich will mich wider dieses Unheil stemmen
Nach meiner besten Kraft. Lebt wohl, Frau Isot!

Isolde. Dinas, der Treuen Treuester, lebt wohl!

Hinter Dinas treten zwei gepanzerte Wachen ein und stellen sich rechts und links neben die Tür.

Was wollt ihr?

Wache.                 König Marke hieß uns hier
Die Wache halten, Königin. Du sollst
Nicht ausgehn dürfen, bis dich Marke ruft.

Paranis bricht in die Kniee.
Sie haben Gawein aufgefangen, Frau
Isot. Brangäne sitzt im Turm. Im Schloß
Geht etwas vor – und ich weiß nicht darum . . .

Isolde. Knabe Paranis . . .

 

Vorhang

 

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