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Tantris der Narr

Ernst Hardt: Tantris der Narr - Kapitel 22
Quellenangabe
typedrama
booktitleTantris der Narr
authorErnst Hardt
year1918
firstpub1907
publisherInsel-Verlag
addressLeipzig
titleTantris der Narr
pages159
created20180111
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Sechste Szene

Ugrin. So sind sie: peitschen lassen! peitschen lassen!
Späße erfinden und dafür gepeitscht
Werden zum Dank, wenns ihre Laune will!
Sie halten uns doch nur wie Hunde – Pfui!
    Er geht an den Schenktisch und steckt sich einen Bissen in den Mund.
Willst du was essen, Bruder? – Wart, ich will
Dir meinen Mantel bringen, denn du frierst!
    Er zieht unter der Treppe einen Mantel hervor.
Ich schlafe nämlich unter dieser Treppe,
Das ist mein Hundeloch! Pfui!
    Er ißt wieder.                         Sags doch, willst von
Den abgegeßnen Tischen denn nichts essen?
Wir dürfens schon! Auch trinken! Er erlaubts,
Der Vetter.

Geht bis in die Mitte der Halle und beugt sich, wie um dem fremden Narren ins Gesicht zu sehen.

                    Hast du Kummer, lieber Bruder?
Sprich doch zu mir. Sei nicht so traurig.
    Er beugt sich über den Leichnam des fremden Ritters.
                                                                  Sieh,
Dem hier ist kälter noch als dir. Hast Furcht?
Der wacht nicht auf.
    Er tritt an den fremden Narren heran.
                                  Ich will dich hier in meinen
Mantel warm wickeln, daß du schlafen kannst.
Hast keinen Schlaf? Dann will ich dir ein Liedchen
Zum Schlafen singen! Bah, ich weiß nur dumme,
Vergnügte Lieder.
    Er setzt sich auf die Bank und zieht den Kopf des Narren auf seinen Schoß.
                              Komm! Leg dich nur hin!
Du siehst nicht lustig aus! Hast Schmerzen, Bruder?
So sprich mir doch! Hier liegst du gut. Ich will
Was singen, denn du bist mir wie ein Kind,
Dem man was singen muß zum Schlafen. Wart,
Ich will das Lied dir singen, das Frau Isot
Abends am Fenster singt, wenn sie des Herren
Tristan gedenket, der ihr teuer war . . .
Es ist ein schönes Lied:

Er summt mit angelehntem Kopf und geschlossenen Augen sehr langsam wie im Schlaf. Der Körper des fremden Narren schüttelt sich unter dem schwarzen Mantel in krampfhaftem Schluchzen.

        Herr Tristan ist untreu worden,
        Gott soll es strafen an ihm,
        Daß er mich will ermorden . . .

 

Vorhang

 

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