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Tantris der Narr

Ernst Hardt: Tantris der Narr - Kapitel 19
Quellenangabe
typedrama
booktitleTantris der Narr
authorErnst Hardt
year1918
firstpub1907
publisherInsel-Verlag
addressLeipzig
titleTantris der Narr
pages159
created20180111
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Dritte Szene

Die Ritter und Barone stehen auf, Marke weicht aufspringend etwas zurück.
Isolde bleibt auf den untersten Treppenstufen stehen. Brangäne, Gimelle und Paranis sind hinter ihr.

Isolde. Ihr Herrn . .  ich bitt euch . .  denkt, es war ein Traum . . 
Wir möchten sonst Gefühl und rechte Worte
Nicht finden voreinander – ihr und ich –
Aus Scheu vor jenem gräßlichen Erleben.
    Sie tritt herab.
Ich freue mich, euch alle wohl zu sehn.

Ganelun. Frau Königin, ich küsse deinen Saum.

Der erste Baron. So tut ein jeder von uns allen hier.
Wir fühlen Euch wie eine Heilige!

Isolde. Da tut ihr unrecht, werte Herrn. Ich bin
Nur stets in meinen Schwüren wahr gewesen!
Laßt euch nicht hindern.

Sie tritt, sich zu Marke wendend, von der Stufe herab, beide starren sich einen Augenblick lang an, dann spricht Isolde zag und fast kindlich im Ton

                                          Ich will . . . hier . . . mit Marke
Schach spielen und mit Dinas! . . .

Marke nach kurzer Stille ruhig, fast gütig.   Spiel zuerst
Mit Dinas, Isot, weil ich heute morgen
Euch unterbrochen habe und ihm doch
Zuvor versprach, er solle heut noch spielen
Mit dir.
    Er geht zu der Truhe hinüber. Ausbrechend
              Ich will den Ugrin mir zum Gegner
Erwählen. Komm, du Narr, und spiel mit mir!
    Er setzt sich auf die Truhe.

Isolde. Wie du es willst! Herr Dinas, kommt! Gimelle
Soll spielen mit Herrn Ganelun.
    Zu Brangäne.                             Du steh
Mir bei, auf daß wir meinen Gegner schlagen.
Kommt!

Sie setzt sich mit Dinas an den erhöhten Tisch, Brangäne stellt sich hinter den Tritt und beugt sich neben Isolde über das Geländer. Paranis setzt sich zu Isoldens Füßen nieder. Gimelle nimmt am hinteren Tisch Platz. Über den Hof schleicht der fremde Narr und preßt sein qualenbleiches bartloses Gesicht an die Stäbe des Gitters; sein Kopf ist kahl geschoren, sein Kleid zerschlissen und zerfetzt.

Ugrin.         Schöne Königin, ich bitte dich,
Lach über mich!

Isolde.                     Warum denn, Ugrin?

Ugrin.                                                       Lach,
Lach über mich, ich bitt dich närrisch: lach!
Mein Vetter hat mir was aus Gold versprochen,
So du nur einmal lächelst über mich.
Ich möcht das Goldne gar so gern, Frau Isot!

Isolde. Verdien es dir. Jetzt laß uns spielen. Geh!

Ugrin kniet sich Marke gegenüber an die Truhe vor das Schachbrett.
Mein lieber Vetter, deine Frau ist heute
Nicht gut gelaunt! Weißt du vielleicht, warum?

Marke. Laß jetzt die Späße! Acht auf deine Züge!

Isolde. Herr Dinas, aufgepaßt, ich nehm den Turm!

Ugrin summt.
Es war einmal ein König,
Der hatte eine Frau,
Die liebt er gar nicht wenig
Als sei . . . es seine Frau.

Isolde. Mein ist der Turm.
    Leise.                         Kaum sehe ich die Felder,
Es schwankt um mich wie Wogen eines Meeres . . .

Dinas. Ihr weint?

Isolde.                   Ich bin nicht glücklich, Dinas!

Paranis leise.                                                           Gott,
Seht dort! Am Gitter starrt ein fremder Mensch!

Dinas.                                                                           Wo?

Paranis. Dort, dort!

Der fremde Narr schreit durch das Gitter in die Halle hinein
                            Hollo, Herr Marke, auf, hollo!

Dinas. Was gibts?

Marke steht auf.     Wer lärmt vor meiner Tür? Ich mag
Nicht Lärm zur Abendstunde! He, wer ists?

Ugrin läuft ans Gitter.

Der fremde Narr. Ich bin ein armer Narr, laß mich herein!
Ich mach dir Späße vor, laß mich herein!

Ugrin. Ein Narr!

Gimelle.               Wie kam er her?

Brangäne.                                       Pfui, ich erschrak.

Isolde. Wir haben an den Späßen Ugrins wahrlich
Genug!

Der fremde Narr.   Ich bin ein armer Narr und will
Zu dir herein, Herr Marke, mach mir auf!

Marke geht ans Gitter.
Die Narren wittern, scheints, jetzt meine Tür,
Wie Geier Aas!

Ugrin.                     Ich bitt dich, Vetter, laß ihn
Fortpeitschen!

Die erste Wache von draußen
                        Ah, jetzt hab ich dich, du Schelm!

Marke. Gilain, wie kommt der fremde Narr durchs Tor?
Schlaft Ihr?!

Die erste Wache.   Herr Marke, dieser Mensch schleicht
Seit Dunkelwerden um die untre Wache
Und klebt wie Pech am Tor. Er will zu dir!
Wir haben ihn schon oft davongejagt!

Der fremde Narr. Ich bin ein Narr und will zu König Marke!

Die erste Wache. Hörst du! So schreit er unaufhörlich!

Marke.                                                                               Narrlein,
Was willst du denn von mir?

Der fremde Narr.                       Zu dir herein!
Ich mache Späße, daß die Herrn und Damen
Vor Lachen sterben müssen. Laß mich ein!

Gimelle lacht.
Gesunde Späße!

Isolde.                       Dieses fahrende
Gesindel drängt sich allzu frech heran!

Ugrin. Ein unverschämter Narr! Ich will ihn prügeln!

Marke. So weißt du wirklich neue Späße?

Der fremde Narr.                                       Ja,
Zum Lachen und zum Weinen. Schöne Späße!

 

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