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Tantris der Narr

Ernst Hardt: Tantris der Narr - Kapitel 18
Quellenangabe
typedrama
booktitleTantris der Narr
authorErnst Hardt
year1918
firstpub1907
publisherInsel-Verlag
addressLeipzig
titleTantris der Narr
pages159
created20180111
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Zweite Szene

Marke. Fürwahr, Herr Ganelun, kein Sterblicher.

Der zweite Baron aufspringend
Der König!

Der erste Baron.   Ist Herr Marke hier? Verzeiht!

Marke. Ich dank euch, Herrn, daß ihr mir altem Manne
Nicht zürnt und wiederkamet. Seht, nicht gern
Wär ich den Abend heut allein geblieben.

Der zweite Baron. Wir kamen alle frohen Herzens, denn
Uns freut die wunderbare Rettung sehr!

Der erste Baron. Es fehlen nur die drei, die Bürgen waren.

Marke. Sie fahnden durch den finstren Wald auf einen,
Der nicht darin sein kann – nach Gottes Spruch.
Ich habe meine Leute ausgesandt,
Sie heimzurufen.

Ganelun.                   Gebt mir Eure Hand,
Ich bin so froh, Herr Marke, daß Ihr irrtet.

Marke seine Rede ist Verzweiflung und Spott
Ich auch, ihr Herrn! Wenn ich heut morgen noch
Ein junger törichter Geselle schien,
Der voll Vermessenheit sich aufzulehnen
Wagte – verzeiht es mir – denn Leidenschaft
Ist menschlich Erbgut, Handeln wollen nach
Der Leidenschaft natürlich! Dünkts euch nicht?
Seht, dafür hat mein Gott zum zweiten Male
Mich hart verwiesen nun! Will er vielleicht,
Daß ich die Sterne blind verehren lerne,
An denen alles hängt, was hier geschieht?
Dünkt es euch so? Wohlan, mich dünkt es so!
Drum hat er, was ich wissen wollte, stets
Verhüllt, daß mir vor seinem Schleier schier
Das Blut gerann! Des will ich nun mein Trachten
Ändern und meine Blindheit achten als
Von ihm mir unentrinnbar auferlegt!
Weisheit ist Demut, sagt ein altes Wort.
Ich will nun eifrig solche Demut lernen
Und herrlich weise werden!
    Er geht fort.

Ein Ritter.                                   Lieber Herre,
Beruhigt Euch!

Ugrin ruft.               Geh in ein Kloster, Vetter.

Marke wendet sich.
Ich will auch lernen, über Gott zu lächeln,
Daß er sich solche Mühe gab mit mir
Törichtem Mann. – Es ist genug. Verzeiht
Mir freundlich meine Taten, wie auch ich
Jedwedes Tun euch allen stets von Herzen
Nachsehen will! Doch wenn ein weiser Mann
Euch raten darf, so tuet nie! Denn euer
Ist wohl der Anfang – Gottes ist das Ende.

Ugrin ruft.
Amen.

Marke.     Ich unterbrach euch mitten im
Spielen, ihr Herrn. Ich bin geschwätzig worden.
Verzeiht und spielet weiter. Trinket auch.
    Er geht zu Ugrin.
Du machst gar schale Späße heute, Ugrin!

Ugrin. Mein Witz sei abgestanden, sagst du, Marke?
Zeitläufte, guter Marke, – glaub mirs! Witz
Ist Wein – und Wein gießt man in funkelnde
Goldbecher – nicht in alte Töpfe –
    Er steht auf.
                                                      Du
Aber, erlauchter Vetter, bist ein alter
Zersprungner Topf geworden über Mittag.
    Er reicht ihm sein Narrenholz.
Da nimm und klopf an dich. – Es klingt nicht mehr!
Mein Witz ist mir zu schade für solch altes
Griesgrämiges Gefäß. – Als du noch Herzen
Zum Nachtisch bukst, gefielst du mir weit besser!
Dünkts dich nicht so? Wohlan, mich dünkt es so
Nach meiner Leidenschaft! Ich such mir einen
Vergnügten jungen Herrn zu Ostern, der
Tollheiten macht, trinkt, flucht und seine Frau
Verschenkt, wenn er sie über hat.

Marke sitzt auf der Steinbank.               Freund Ugrin,
Ich wollt, du nähmest dich in acht.

Ugrin.                                                   Ei, Vetter,
Da du das – Handeln abgeschworen hast!

Marke. Könnt ich dich doch vorm Schlafengehn noch schrauben
Und peitschen lassen! – Hör, dagegen will
Ich dir zwei ganze Mark in Gold auszahlen,
So du Frau Isot heut zum Lachen bringst.
Auch sollst du eine neue Kappe für
Den Winter haben.

Ugrin.                           Warm gefüttert?

Marke faßt ihn bei beiden Ohren.               Ugrin,
Mir liegt etwas daran, daß Frau Isolde
Heute ein wenig lacht. Versuch es, Bursch.

Ugrin steht auf.
. . . Ich könnte ihr zum Beispiel eine kurze
Beschreibung von den Siechen machen, Vetter?

Marke. Dumm.

Ugrin.               Oder sie befragen, wie es tut,
Wenn eine Frau von ihrem eignen Gatten
Aus kalter Eifersucht verbrannt soll werden?
Oder ich könnte sie recht artig bitten,
Dir wieder gut zu sein, du guter Vetter,
Darüber wird sie sicherlich laut lachen!

Marke. Du langweilst mich.

Ugrin.                                   Willst du dir jetzt den Bart
Gleich andren Weisen wachsen lassen, Marke,
So will ich Bartscher werden, daß ich dich
Besser bedienen kann denn heut als Narr.
Was denkst du?

Marke.                   Narr, wärst du nur nicht ein Narr!

Ugrin erblickt Isolde auf den obersten Treppenstufen.
Doch kein so großer wie du selber einer:
Dort kommt die Frau, die du verschenken wolltest!
Pfui, schäm dich, Vetter!
    Er kniet nieder und ruft.   Frau Isolde kommt!

 

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