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Tantris der Narr

Ernst Hardt: Tantris der Narr - Kapitel 14
Quellenangabe
typedrama
booktitleTantris der Narr
authorErnst Hardt
year1918
firstpub1907
publisherInsel-Verlag
addressLeipzig
titleTantris der Narr
pages159
created20180111
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Vierte Szene

Die Tür der Kapelle wird zum Spalt geöffnet, der Henker führt Isolde heraus. Der fremde Sieche bricht in die Kniee nieder und beugt sich tief zu Boden.

Der junge Sieche.             Wir wollen knieen, Iwein!

Einzelne Sieche knieen nieder, der Henker nimmt Isolde Krone und Mantel ab. Sie steht von ihrem blonden Haar umflossen nackt mit geschlossenen Augen regungslos da.

Der Henker küßt ihren Fuß.
Vergebt es mir um Gott, Frau Königin!

Er geht hinter die Kirchentür zurück, die Orgel tönt lauter in der Stille.

Iwein. Wir sind die Siechen von Lubin, und Ihr
Auf König Markes, unsres Herrn Geheiß
Nun unsre Braut! – So kommt herab, daß wir . . .

Der fremde Sieche fährt mit einer gewaltigen Bewegung aus den Knieen auf und kehrt sich gegen die Siechen.

Der fremde Sieche. Wer spricht? Wer spricht von euch? Sagt mir, wer sprach?
Gesindel, Geier, Hunde, packt euch. Fort!
Ihr seid zertreten und zerstampft, wenn einer
Noch einmal spricht! Was wollt ihr?
    Er wirft Geld unter sie, nach dem sich nur wenige bücken.
                                                          Hier! Hier ist,
Wes ihr bedürft. Nun packt euch, Hunde!

Der junge Sieche will an ihn, Iwein hält ihn zurück
                                                                    Du!

Iwein. Wer bist du, der uns hier so gröblich nennt?

Der zehnte Sieche. Schweig still, sonst wird dich Iwein mundtot machen!

Der Achte. Iwein ist stark . . . er war ein großer Herzog!

Der fremde Sieche. Wollt ihr nicht gehn?

Der Erste.                                                   Hör, diese Frau ist unser!

Der Rothaarige drängt Iwein einen Stock in die Hand
Iwein, so schlag ihn doch zu Boden!

Der Siebente.                                         Auf!

Der fremde Sieche reißt dem blöden Siechen die Krücke fort, so daß er stürzt, schlägt den Iwein zu Boden und fährt mit wuchtigen Hieben in den Haufen hinein, in der linken Hand ein Schwert haltend, das sein Mantel verbarg und dessen er sich nicht bedient. Auch in diesem Auftritt bleiben die Stimmen der anderen Siechen vor Scheu und Staunen gedämpft.

Der fremde Sieche. Da liegt der Iwein. Fort, ihr Hunde!

Der alte Sieche.                                                                 Ai!

Der Zehnte. Er schlug den Iwein tot!

Der Vierte.                                           So packt ihn doch!

Der Siebente. Greif ihn, du Roter, bei der Kehle, ich
Von hinten!

Der fremde Sieche schlägt den Rothaarigen mit der Krücke nieder.

Der Rothaarige   Ai!

Der fremde Sieche.   Da liegt der Rote!

Der Vierte.                                               Flieht,
Er hält ein Schwert!

Der Elfte von einem Krückenschlag getroffen
                                  Ai!

Der alte Sieche.                 Brüder, flieht, kommt!

Der Sechste getroffen.                                             Weh!

Der fremde Sieche. Fort! Wollt ihr!

Der Siebente getroffen.                       Ai!

Einzelne Sieche versuchen fliehend die Gefallenen mitzuschleifen.

Der junge Sieche.                                     Faßt an, wir wollen Iwein
Bergen!

Der erste Sieche.   Und Godwin; schnell, faß an!

Der Elfte getroffen                                                   Ai! Weh!

Der fremde Sieche treibt den ganzen Trupp dem Ausgang zu.
Hinab mit euch in eure Hundelöcher!
Verkriecht euch!

Der Siebente getroffen.   Ai! Der Beelzebub!

Der Zehnte.                                                   Der Teufel!

Der Neunte. Laß ab!

Der Zwölfte.               Wir fliehn!

Der Sechste.                                 Herr Marke soll dich strafen!

Der fremde Sieche wirft ihnen die Krücke nach.
Nehmt noch die Krücke mit und lauft, ihr Hunde!

Stimmen der Siechen außerhalb
Ai! Weh! – Er traf mich. Flieht!

 

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