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Tantris der Narr

Ernst Hardt: Tantris der Narr - Kapitel 11
Quellenangabe
typedrama
booktitleTantris der Narr
authorErnst Hardt
year1918
firstpub1907
publisherInsel-Verlag
addressLeipzig
titleTantris der Narr
pages159
created20180111
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Dritter Akt

Der innere Burghof.

Erste Szene

Vorn links das Schloßtor, im Hintergrund rechts über einer breiten hohen Treppe unter einem Säulenvorbau die Kapellentür, links das Eingangstor zum Burghof, zwischen den Gebäuden hohe, von Baumkronen überragte Mauern. Der Weg vom Schloß zur Kapelle ist mit Teppichen belegt. Links in der Mitte ein steinernes Brunnenbild. Im Hintergrund Volk, das von drei gepanzerten Wachen in Schach gehalten wird. Am Fuß der Kapellentür rechts und links je ein Knappe.

Die erste Wache. Ihr sollt nicht drängen!

Die Zweite.                                                 Laßt die Kinder vor
Und haltet sie. Da kriecht schon wieder eines!

Die erste Wache schiebt das Kind in die Menge zurück.
Mein Söhnlein, komm! Ich mache einen Strich
Nun in den Grund, und wenn du deine Zehen
Noch einmal über diesen Strich auch nur
Um eines Fadens Breite schiebst, so stoß ich
Das Eisen drauf, daß sie hübsch flach dir werden
Wie Weizenfladen.

Lachen.

Ein Mädchen.             Hu!

Ein Anderes.                       Bist du gar Bäcker
Geworden, Gilain?

Die erste Wache hebt die gepanzerte Hand.
                                Soll ich kneten, Jungfer?

Lachen.

Ein Bursch. Seid still! Des Rufers Stimme hallt herauf.

Ein Mädchen. Er geht die Gassen hin und her seit morgens
Und schreit, daß einen friert.

Der Bursch                                 Paßt auf!

Das Mädchen.                                           Jetzt, jetzt!

Stimme des Rufers fern und verhallend.
Heute um Mittag soll Isolde Blondhaar,
Weil sie vom König Marke, unserm Herrn,
Treulos erfunden ward, den Siechen von
Lubin gegeben werden als Geschenk. – Herr
Tristan von Lonnois, der ihr Buhle einst
Gewesen, hat Herrn Marke den Vertrag
Gebrochen und sein Land befahren. Wer
Ihn fängt und unserm Herren Marke bringt,
Tot oder lebend, soll vom König hundert
Goldene Mark erhalten als Belohnung.
Der König will, daß jeder, der Lubin
Bewohnt, dies höret und erfährt. Des ruf ich!

Ein Kind. Ich fürchte mich! Kommt er herauf, der Mann?

Das Mädchen. Auswendig kann ichs, und er hört nicht auf!

Ein Mann. Ei, laß ihn schrein!

Ein Anderer.                             Der Tristan ist ein Fuchs!
Den müssen sie in einer Grube fangen,
Sonst kratzt er sie, daß sie ihr Lebtag dran
Zu denken haben.

Ein Mädchen             O, der edle Herre
Tristan, ich wollt ihn bergen, wenn ich könnte!

Ein Zweites drängt sich vor.
Ich muß die Königin ganz nahe sehn.

Ein Drittes. Ich auch!

Ein Viertes                 Ich will ihr Blumen vor die Füße
Hinwerfen, wenn sie kommt.

Das Erste                                     Mein Vater hat
Der Königin einmal aus weißer Seide
Schuhe gesteppt mit goldnen Schnallen und
Karminbesätzen. Er sagt, sie habe Füße,
So schlank und zierlich, zugespitzt und weiß
Wie unsre Gottesmutter auf dem großen
Altar im Dom zu Tintajol.

Das Vierte.                             Die Arme!

Eine Alte. Sie mag nun schaun, wohin sie ihre schönen
Füße getragen haben!

Die dritte Wache zu einem Buben, der auf die Mauer geklettert ist.
                                    Du, herunter dort!
Mauer und Fels sind hundert Klafter tief!
Fällst du, so hilft kein Schrein und Heulen, Bursch.

Der Bursch. Ich wollt hier sitzen, wenn die Siechen kommen.

Ein Zweiter. Ein guter Platz, ich komm dir nach.

Ein Vierter.                                                             Ich auch.

Die erste Wache. Niemand von euch darf hier im Burghof bleiben
Und gaffen, wenn die Siechen Frau Isolde
Bekommen. Dieses hat der König unsrer
Königin zugestanden, weil es ihre
Einzigste Bitte war. Ihr müßt mit in
Die Kirche.

Ein Mann.       Niemand darf es sehn?!

Ein Zweiter.                                           Potz Teufel,
So bin ich ganz umsonst zur Burg geklettert!

Eine Frau sehr erregt.
Schäm dich, du Hund! Was man sich auszudenken
Nicht wagt, das wünschst du dir zum Schauspiel? Pfui,
Man sollte dich dem Husdent hier zum Fraß
Vorwerfen für so niederes Gelüsten!

Die zweite Wache. Keifet nicht so!

Ein Mädchen.                                   Die arme Königin!

Ein Zweites. Herr Marke ist gar streng zu ihr!

Der Mann.                                                           Sie hat ihn
Gehörnt, du Jüngferlein!

Die Alte.                               Nun stößt er mit
Den spitzen Hörnern!

Der junge Hirte.             Ist Frau Isot denn
Von solcher Schönheit, wie's erzählt wird rings
Im Land?

Ein Mädchen.   Hast du die Königin gar nie
Gesehn?

Der Hirte.     Ich sah sie nie!

Ein Mädchen.                         Er hat sie nicht
Gesehn!

Ein Bursch.   Hört, hier ist einer, der hat unsre
Königin nie gesehn!

Eine Stimme.               Wer ist es?

Die erste Wache.                           Sprich,
Bürschlein, wo warst du, als sie hier am Holze
Gestanden ist?

Ein Mädchen.       Ganz nackt in ihrer großen
Schönheit!

Ein Anderes.   Um ihrer Liebe willen!

Der Bursch.                                         Damals
Sahen wir alle sie!

Der Hirte.                   Ich bin seitdem
Von Toste erst herabgekommen.

Eine Frau.                                         Hört,
Laßt ihn nach vorn, damit er Frau Isolde
Ins Antlitz schaut, eh es der Geierschwarm
Zerfressen hat!

Die erste Wache.   Komm her! Wenn du Frau Isot
Noch niemals sahst, so darfst du dich herüber
Zur Treppe stellen. Geh!

Der Hirte.                             Ich danke dir.

Ein Knappe zieht ihn neben sich.                   Hier.

Eine Stimme. Die Knappen kommen!

Ein Kind.                                             Heb mich, Vater!

Eine Stimme.                                                                   Still!

 

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