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Hermann Essig: Taifun - Kapitel 28
Quellenangabe
typefiction
booktitleDer Taifun
authorHermann Essig
year1997
publisherWeidle Verlag
addressBonn
isbn3-931135-28-4
titleTaifun
pages2-15
created19991120
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1919
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Hermione war entrüstet, daß Susanne über ihren Zustand innere Freude empfand. Und Ganswind fand den Doktor unverantwortlich leichtsinnig.

Hermione wollte Susanne zwingen, ihren eigenen Hausarzt zu konsultieren. Sie sollte nur einmal hören, wie materiell dieser eine Großstadtehe auffaßte. Und Künstlerehen durften erst recht keine Kinder haben. Sie saßen noch auf den Abend im Café Tamtam, wo sie zufällig den Arzt beim Kaffee trafen. Die Sprache kam sehr bald auf die Kinderzeugung. Da war der Arzt auf dem richtigen Gebiet.

Er war selbst Literat und regierte die Menschen nach seiner Meinung psychologisch gleich gut wie chirurgisch. Er trug eine knallrote Krawatte in der Farbe des Arterienblutes der Sozialdemokraten, und hieß Täubler. Er erzählte von den schauerlichsten Ehen seiner Krankenkassenklienten, wo fünfzehn Kinder vorkamen und der Mann alles vertrank, die Mutter ihre Kinder nähren mußte unter Stütze auf das Bibelwort von den Vögeln unter dem Himmel, die der himmlische Vater doch nicht Hungers sterben ließ. Susanne und Fredi lagen sich im Café öffentlich schmachtend in den Armen. Er mit großen blauen Augenringen und sie mit geschwollenen Augenlidern.

Während Dr. med. Täubler noch bis um drei Uhr morgens bei Hermione weilte, hatten sich Doktors ganz unüberzeugbar in ihre eigene Wohnung zurückgezogen.

Sollten Ganswinds nicht noch am Tage des Mahles selbst absagen? Machte es nicht den Eindruck, daß der Taifun die Direktion über das Ehepaar verlor? Es mußte überlegt werden. Der Doktor war zwar ein unvermißbares Organ zur Propagierung der taifunistischen Geistesautoren, aber wie, wenn er eines Tages überraschend mit Forderungen hervortrat? Glücklicherweise führte Büffel über den ganzen Wirtschaftsverbrauch Buch. Im schlimmsten Falle waren doch zwei Drittel seiner Forderungen bereits vorgeschossen.

Über diesen bangen Lebensfragen gaben sich in der darübergelegenen Etage Bäumlers frivole Naturküsse.

Der Polizeirat hatte zufällig ähnliche Sorgen. Er kam am Vormittag in den Taifun und sagte, daß er sich die Sache wohl überlegt hätte. Er möchte am liebsten das Essen absagen.

Stadtrat Waldeck hingegen war so aufgeregt, daß er fast nicht fähig war, die zur Ehe drängenden Paare zu kopulieren.

Da surrte der Fernsprecher.

»Wer dort?«

»Stadtrat Waldeck.«

»Ah, guten Morgen, Herr Stadtrat, Sie wollen gewiß absagen?!«

»Ich? Nein. Das wäre der schändlichste Unfug im Lichtkreis der Erdenwonne. Wenn das Versöhnungsmahl nicht stattfindet, so müßte ich der Katze habhaft werden, um sie dennoch zu ersäufen.«

»Die Katze ist bereits ersäuft!«

»Ja, was wollen Sie denn? Warum dann kein Versöhnungsmahl?«

»Bäumlers werden Nachwuchs kriegen.«

»Ich werde sofort hinkommen. Schluß.«

Was wollte denn der Stadtrat schon jetzt hier zu tun haben? Das Essen war erst auf fünf Uhr nachmittags angesetzt. Ganswind und der Polizeirat hatten erkundschaftet, daß der Doktor zur Gärtnerei unterwegs war, um die Tischblumen einzukaufen. Käterchen ließ Beide mit leiser Türklinke zur Frau herein.

Die Beiden wollten Susanne dahin bringen, den Doktor als ernste Liebschaft aufzugeben. Der Polizeirat versuchte ihr weis zu machen, daß eine ganz unerwartete politische Ermittlung neu gegen sie im Zuge wäre. Die Liebe zu den Freunden könnte sofort alles niederschlagen. Susanne gab sich den Anschein großer Angst und lieferte sich ihnen aus, zunächst auf »fest«, zur Barfaktur erst nach der Mahlzeit, denn der Doktor konnte alle Augenblicke zurückkehren.

Oskar war ein schöner Mann.

Löwe noch viel schöner.

Susanne erfuhr, daß ihr gesetzlicher Ehegatte ein Charlatan wäre. Ihm Treue zu halten, war vollkommen unnötig. Susanne wurde in ihrer Entwicklung nur durch ihn gehemmt. Ihre Feindschaft und ihr Unverständnis gegen die taifunistischen Menschheitsbestrebungen und Kunstphänomene würde sich auf der frei irrenden Bahn eines Kometen in Nebelschwaden auflösen.

Susanne, der große weibliche Komet im Taifunhimmel! So war ihre Person eigentlich gedacht gewesen. Zur großen Enttäuschung des Taifun hatte sich aber die Belgierin nur in ausgesprochener Neigung zur Philisterei und Hausbackenheit gezeigt.

Als Taifunkomet konnte sie viel Schmuck von Perlen und Brillanten mitreißen. Es standen viele schwerreiche Knöpfe auf den einzelnen Ebenen der Ringe, die danach lüsterten, von Susanne eine Gnadenliebe zu erhalten.

»Was tut dann Hermione?«

Ganswind war mockiert. Hermione war die Sonne, das wußte doch jeder. Was brauchte man also zu fragen. Vor ihr brauchte nur jeder Wünscher die Wolke wegzuziehen, dann schmolz sie ihn mit ihren zehrenden Strahlen nieder.

Susanne wallte das Blut. Sie kämpfte es aber in die Brusthöhle zurück, aus der es aufsteigen wollte, ihr Gesicht zu röten. Sie sollte nur Komet sein und Hermione Sonne. Ha, da tat sie nicht mit. Sie versprach den Beiden, die sie im Bade überrascht hatten, wie einst die bösen Pharisäer die große Susanne, sich häufig erkenntlich zu erweisen, aber in ihrem Innern glühte nun erst recht der Trotz.

Sie wollte es sich eher zum Ziele setzen, den Taifun kläglich scheitern zu machen. Sie mußte die beiden Schwerenöter dazu bringen, ihre Katze aufzufressen, dann hatte sie alles in der Hand.

Es war den Beiden schreckliches Schmerzgefühl, daß sie sich an der Lieblichen mit den Augen Genüge tun mußten. Schon zogen sich die würzigen Düfte des Bratens durch die Wohnung; wie viel schöner wären sie aber noch in die Nüstern gestiegen, wenn der Hitze der Gedanken eine Kühlung erlaubt worden wäre.

Susanne blieb für jetzt fest. Sie wollte aber, wenn sie darum gewürfelt hätten, wer als Erster Gnade finden sollte, nicht nein sagen.

Ossi küßte ihre linke Hand. »Alfred ist ein wirklich unbedeutender Mensch.«

Der Polizeirat küßte die Rechte. »Susanne verdient mehr Verständnis, als es der Doktor ihr entgegenbringt.«

»Wie glücklich bin ich, daß ich so mächtige Freunde habe. Seit ich das weiß, werde ich auch den Mut finden können, mich als die große Gnadensonne im Taifun anbeten zu lassen.« Mit diesen Worten drückte sie Beiden die Hand. Und als die Türe hinter ihnen zugeflogen war, lag sie dem von hinten eintretenden Käterchen in den Armen.

»Sorge nur, daß du deinen Schellenhauer in Sicherheit bringst! Wenn der Taifun zusammenkracht, könnte es deinen Herzensfreund mit erschlagen!«

»Nee. Da brachen Sie keine Bange zu haben, Frau Doktor, der ist bereits draußen in der Küche.«

Susanne fand in der niedrigen Realität ihres Mädchens Erquickung. Dieses in Kunst und Trug balanzierende Hochleben war ihr nicht dauernd erträglich. Sie sehnte sich nach einem festen Boden. Der Geruch des Bauern von Clairemont war ihr in der Nase. Sie wußte schon Rat. Wenn dies Kartenhaus hier zusammenfiel, so nahm sie Fredi mit nach Belgien, besonders da jetzt Aussicht war auf beruhigte und sichere Zustände. Sie wurde ganz gerne Bäuerin. Wenn der Doktor einmal die Ackerfurche als Säemann hinablaufen würde, so konnte er ja, wenn es ihm Vergnügen machte, dazu Taifundeklamationen treiben. Allein dann, das wußte sie, vergaß sich das alles auch in seinem kleinen Köpfchen, und er ließ lieber die Lerchen schmettern und die Vögel pfeifen. Der Mensch war schweigsam viel königlicher und größer!

Käterchen mußte ihre gute Frau aus den Händen gleiten lassen. Draußen lüpfte Schellenhauer einen Deckel.

Inzwischen war Waldeck bei Hermione eingetroffen. Er sprach voll Hingerissenheit Improvisationen auf ihre Augen, ihre blonden Ponylöckchen und die weiche Kratzbürste, welch sie ihm hinhielt. Er vergaß, wie vielen sie schon begegnet war mit ihren weit aufgerissenen Augen, schwarze Schrecken brauend, ganz Hingebung wollend, und seine leidenschaftliche Zunge, Verse stammelnd, im Kehlkopf gurgelnd, schlug aus dem Halse. Hermione war vernichtet; solch wählender Liebe war sie noch kaum unterworfen gewesen.

Ganswind und sein Rat stiegen die Treppe aus der oberen Etage herab. Oskar hatte den Eindruck, als ob sich der Stadtrat gerade von den Knieen erhoben hätte. Ein Abdruck auf den Knieen war nicht feststellbar, weil überall staubfreie Teppiche lagen. Ein Vakuumreiniger war sehr vorteilhaft, er enthob von allen konventionell notwendigen Gewissensbissen.

Das lichtblaue Kleid Hermiones lag in anderen Falten über die Schienbeine, etwa als streckten sie die Zunge nach dem Polizeirat heraus. Ossi ging hin und küßte Hermione sanft das Händchen. Es zitterte noch leise nach von der großen Erschütterung. Waldeck hatte ein nasses Gesicht, er rieb sich aufgeregt mit dem Taschentuch darüber hinweg und behauptete, sehr gerannt zu sein, um eventuell noch bereits gefaßte ungünstige Beschlüsse über das Gastmahl umstoßen zu können.

Ganswind grinste, schlug ihm kameradschaftlich auf die Schulter und schnalzte um ihn herum. Dagegen hatte der Polizeirat eifersüchtige Wolfsaugen. Waldeck war aufs Innigste eingeführt. Hermione lobte ihn sehr, daß er den weiten Weg zum Zenit des Taifun in vierzehn Minuten hatte zurücklegen können.

Löwe war wütend auf seinen unscheinbaren Kollegen.

Hermione lächelte schnippisch. In der Kunst kam es eben nicht auf den trügerischen Wuchs der Gestalt an. Man lebte doch endlich im 20. Jahrhundert und mußte wissen, daß nur der innere Mensch galt. In Leipzig lebte sogar ein so scheußlicher Mensch, der aussah wie ein in seiner Kindheit überfahrener Dattelmann. Dieser war fähig, in Hermione Scheidungsgedanken keimen zu machen. So besonders war seine Kunst zu lieben. Freilich war er geschäftlich zu dumm, ein großes Wesen um sich zu hüllen. Ossi gewann durch seine übrige geschäftliche Tätigkeit immer wieder vor allen Männern den Vorzug.

In der nächsten Woche kam die große Tournee durch ganz Deutschland. So etwas konnte nur Ganswind leisten. Der Ruhm des Taifun, aus dem Nichts geboren, wirkte bereits faszinierend. Und das Glück dieses Zustandes tat Hermiones Heroinengestalt so wohl überall, wo sie hinkam. Sie brauchte nur zu lächeln, und alle Welt wußte: »Diese ist's!« Susanne blieb zu Hause, der Doktor hatte so lange Urlaub.

Nun ging man eben, weil's versprochen war, zu Bäumlers hinauf und aß mit scheinbarem Temperament. Waldeck zitterte vor Naturhunger. Die Natur war ihm kein stinkendes Ragout. Wenn er über solche Worte geistiger Leuchten nachdachte, so war er tief unglücklich. Er liebte noch aus natürlichem Antrieb und mußte nicht erst wie ein Auto mit Benzin angelassen werden. Er fraß noch mit Zähnen aus Menschenbein.

Was für Narren die Modernsten waren! Sie glaubten wirklich, mit der Natur fertig zu sein. Und doch war das raffinierte Gestammel und Wortgetöse mit der Zunge der Natur geredet. Gab es denn nicht bloß Geheimnisse der Natur, die sich nicht offenbaren wollten?

Waldeck betrat die vom Bratenduft durchwebte Wohnung als Einziger mit Enthusiasmus. Und Susanne fühlte es; sie drückte ihm so die Hand, daß er schon an Übermorgen dachte, ehe er mit der Gegenwart fertig war.

Man setzte sich rundum, und alle aßen. Auch Susanne. Das hätte Käterchen nie gedacht, daß Susanne wie eine Katze die andere auffressen konnte. Sie bekam Furcht vor ihr und erinnerte sich an die vielen entsetzlichen Qualen, die sie durch Susanne hatte ausstehen müssen. Das war ihr eigentlicher Charakter: grausam bis zur Menschenfresserei. Käterchen verfolgte abseitsstehend jeden Bissen, den Susanne tat, mit entsetzten Augen. Ein Tierchen, das man so abgöttisch geliebt hatte, selbst zu verzehren, das schien in Käterchens Augen Kannibalismus.

Aber aßen nicht alle Christenmenschen von dem Leibe des Herrn? Wer eine gute Phantasie hatte, und gerade die Heiligen waren solche Menschen, der fühlte die Knochen. Und Susanne biß ohne Scheu auf die Kreuzknochen Kätzis.

Der Doktor behauptete, solches »zwischen Kaninchen und Waldhasen« liegendes Fleisch noch nie gegessen zu haben. Allmählich hatte die ganze Gesellschaft die verrückten Geistesideen vergessen und aß mit natürlichem Kiefer. Löwe und Waldeck schielten giftig einander auf ihre Teller. Es gab Rotkohl dazu. Waldeck schnaubte und öffnete seinen Hosengurt mit unauffälligem Griff unter der Serviette. Löwes Wangen färbten sich rot wie Scharlach. Clothilde war die einzige, die noch Geist genug hatte, ihre Beobachtung auf den Doktor zu lenken. Sie hatte während des glühenden Appetits der Tafel Gelegenheit, Susanne und den Doktor gegeneinander zu vergleichen. Wie ein lieber Junge saß er da, während sie an Susanne doch stets einen selbstbewußten herrischen Zug erkannte. Doch wie nun der Wein heiß machte und das zweitemal serviert wurde, glaubte auch sie an die Versöhnung. Büffel war vergnügt, ungefähr in der Mitte seines Hauses zu sitzen. Solche Mieter waren eben etwas ganz anderes; sie hatten Takt und Verständnis zu bedenken, daß ein Hausbesitzer nicht nur ein Etagenbewohner sein, sondern sich wirklich in seinem Hause wohl fühlen wollte.

Das Mahl endete mit einem feurigen Toast des Polizeirats auf Herrn und Frau Doktor. Waldeck aß noch und mußte sich deshalb den Lorbeer der Rede entwinden lassen. Allein er hatte es auch nicht nötig, sich darin mit Löwe zu messen. Sein Rednerruhm war in zwanzig Bänden Grab- und Festreden, Verlag Kuttler und Sohn, zur Genüge festgestellt.

Und nun hätte kein Mensch erfahren, durch wessen Leib man sich versöhnt hatte, wenn nicht der zwischen Susanne und Käterchen verabredete Zwischenfall eingetreten wäre.

Susanne frug: »Herr Stadtrat, wünschen Sie noch einmal die Platte?«

»Gewiß, gewiß, wenn es möglich ist.«

Darauf erklärte Käterchen: »Es ist nichts mehr da.«

Nun ging ein größerer Disput los, ob das Tier ein großer oder ein kleiner Hase gewesen war.

In diesen, heftige Formen annehmenden Streit griff Käterchen ein. Sie sagte so kurz hin: »Bei uns im Schwarzwald gibt es auch keine größeren Katzen.«

Dieses Wort schlug wie eine Bombe ein. Alles sah sich an, kaute und strich sich die Zunge ab. Grabesschweigen herrschte.

Man sah vor allen Dingen auf Susanne. Die saß völlig gleichgültig, doch mit hochgerötetem Gesicht. Wenn es das gewesen wäre, so hätte sie doch wohl nicht mitgehalten.

Fünf Minuten später lag der Doktor jammervoll verprügelt am Boden. Und die Damen wälzten sich in raufendem Gemenge.

»Ich bin unschuldig«, wimmerte der Doktor, »ich wußte von nichts.«

Schellenhauer, schmächtig aussehend, aber bereits trainiert seit dem an ihm verübten Totschlag im Taifunsalon, kam herein und stieß die Haufen befreiend durch kräftige Fauststöße auseinander. Susanne wurde von Käterchen, die Püffe gewöhnt war, beschirmt und beschützt.

So traf Alfred allein das Pech, für diese Art der Versöhnung büßen zu müssen. Waldeck konnte es nicht fassen. Er allein blieb von der ganzen Gesellschaft der Künstler. Er transformierte mit Eigensinn »felis« in »lepus«.

Die Hauswirtin war am meisten alteriert über Käterchen. Sie hatte geglaubt, Käterchen hinterbringe ihr alle Wirtschaftsgeheimnisse und Ehevorgänge. Und nun zeigte sich, daß dieses Mädchen so treulos war in ihrem Hintertreppenklatsch.

Hermione hätte Susanne am liebsten die Augen ausgekratzt. Sie verließ als Erste die Wohnung. Hierüber mußte beraten werden! Dieses belgische Ungeheuer erlaubte sich, die Taifunisten vor aller Welt herabzusetzen. Durch Waldeck wurde es öffentlich bekannt, weil dieser Affe behauptete, hartnäckig, daß er mit Bewußtsein »lepus leporis« gegessen habe. Hätte man sich wenigstens einmütig gegen diesen verruchten Scherz gewehrt!

»Was geschieht mit dem Doktor?« frug Hermione ihren Gemahl, dem sie Blicke voll Wut zuwarf, weil ihm, dem alles gelang, nicht die vorzeitige Wissenschaft von dem Verbrechen geworden war.

»Was weiß ich!«

Der Doktor war ja selbst hereingelegt worden. Er hatte von seiner Todfeindin mindestens dreihundert Gramm auf dem Teller gehabt!

»Was tut man mit Susanne?«

Der Polizeirat deutete mit aufgeblasener Brust in die Vergangenheit. »Riet ich nicht oft, gegen die Ausländerin einzuschreiten?« Jetzt war es nicht mehr möglich, sonst wurde es amtlich bekannt, daß er »Katze« gegessen hatte.

»Und Schellenhauer?« Er befreite sogar den Übeltäter vor den verdienten Schlägen. Für morgen war seine Ausstellung angesetzt. Hier ging nichts mehr rückgängig zu machen. Oh, wieviele geheime Feinde hatte der Taifun! Es war notwendig, daß außer dem Polizeirat, der den Außendienst der Behörde gegenüber versah, noch ein zweiter gewonnen wurde. Ein Kriminalpolizeirat, welcher den Taifun im Innern säubern sollte.

Hermione prophezeite den furchtbarsten Zusammensturz, wenn nicht sofort etwas geschah. »Alles Übel kommt von Susanne«, sprach sie. »Wir haben es immer gefühlt und gedacht, sie ist innerlich gegen die Kunst; und wir behielten sie. Also liegt der Fehler gar nicht an Susanne, sondern an unserer Gutmütigkeit.«

Ganswind hatte dumpfe Sorgenfalten auf der Stirne. Er sah aus wie Napoleon, als er auf der Flucht aus Moskau in Dresden ankam. Ganswind sah eine verlorene Schlacht. Wie gewann er ein neues Heer?

»Ist die Sache denn so tragisch?« Clothilde blieb allein bei kalter Besinnung.

»Gewiß ist es tragisch. Jede Revolution hat so begonnen. Auf einmal, an einem kleinen Ding, hat man erkannt, daß sie da ist. Es fragt sich, ob Ossi morgen ausstellen kann. Aber wenn er es nicht tut, so ist es genau so schlimm, dann schreit man Feigheit. Ich möchte die verruchte Person ertränken!«

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