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Tagebuch einer Dame

Benno Rüttenauer: Tagebuch einer Dame - Kapitel 2
Quellenangabe
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typeBenno Rüttenauer
authorfiction
titleTagebuch einer Dame
publisherPiper & Co.
year1907
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20120410
projectidc9e68c00
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Vorbemerkung.

Nur wenige Worte hat die Herausgeberin der folgenden Tagebuchblätter ihrem Unternehmen hinzuzufügen.

Sie weiß natürlich, daß ihre Absichten, wie das ganze Buch, argen Mißdeutungen ausgesetzt sein werden, und hat auch mehrere Jahre gezögert, bis sie sich nun doch zu seiner Veröffentlichung entschloß, aus dem Grunde, weil sie sich immer mehr in der Überzeugung bestärkt hat, daß diese Blätter einige sehr wichtige Beiträge enthalten zur Naturgeschichte der weiblichen Psyche.

Ich sage absichtlich Psyche und nicht Seele, um anzudeuten, daß ich darunter etwas verstehe, was in die Naturgeschichte gehört so gut wie der Körper.

Zu ausschließlich haben bis jetzt auf diesem Gebiete die Herren Männer experimentiert und interpretiert; man wird sich in Zukunft daran gewöhnen müssen, nur solche hierhergehörige Dokumente für authentisch anzusehen, die direkt auf weibliche Autoren zurückgehen.

Also in rein wissenschaftlicher Absicht geschieht die Veröffentlichung dieses Buches; darum hatte auch weder die Ästhetik noch die »Moral« ein Wort dabei mitzureden.

Nicht zu den vielen Contes morales, die meistens so hübsch unmoralisch sind, rechnen sich diese Blätter, sondern einfach zur Psychologie, die weder unmoralisch noch moralisch sein kann.

Über die Verfasserin enthalte ich mich jedes Wortes, und die heilige Pflicht der Diskretion gegen die Freundin legt mir selber die strengste Anonymität auf, obwohl man auch diese in ihrem Motiv mißdeuten wird. So Mancher wird infolgedessen, ich zweifle nicht daran, die »Echtheit« dieser Tagebücher in Frage ziehen; jede Beteuerung wäre hier umsonst, der intelligente Leser und noch mehr die intelligente Leserin mögen entscheiden. Allein einige Namensänderungen kommen auf Verantwortung der Herausgeberin.

Einen Augenblick war ich versucht, mich unter dem Deckmantel der Anonymität, nach berühmten Mustern, als Maskulinum zu gebärden; aber ich habe mich dieses Gedankens sofort geschämt, er ist einer Frau des zwanzigsten Jahrhunderts unwürdig.

Die Herausgeberin.

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