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Tag- und Nachtgeschichten

Guy de Maupassant: Tag- und Nachtgeschichten - Kapitel 9
Quellenangabe
typenovelette
authorGuy de Maupassant
titleTag- und Nachtgeschichten
publisherEgon Fleischel & Co.
seriesGesammelte Werke
volume19
year1917
printrunFünftes Tausend
translatorGeorg Freiherr von Ompteda
correctorhille@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20060127
modified20140921
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Ein Feigling

Er hieß allgemein in der Gesellschaft der schöne Signoles. Sein Name war Vicomte Gontran Josef de Signoles. Ohne Eltern und im Besitz eines genügenden Vermögens, spielte er eine Rolle, wie man zu sagen pflegt.

Er hatte gute Manieren, ein angenehmes Äußere und wußte sich leicht auszudrücken, so daß man glaubte, er wäre ein gescheiter Kerl; er besaß eine gewisse natürliche Gracie und den Schein von Vornehmheit – Stolz, einen schönen Schnurrbart und ein schmachtendes Auge, Dinge, die den Weibern gefallen.

In den Salons war er gern gesehen, ein gesuchter Tänzer, und den Männern flößte er jene Scheu ein, die man Leuten gegenüber empfindet mit einem besonders energischen Aussehen.

Ein paar Liebschaften wurden ihm nachgesagt, die ihm einen gewissen Junggesellen-Ruf einbrachten: er lebte fröhlich, ruhig dahin im völligen Gleichgewicht. Man wußte, daß er ein guter Fechter war und noch besser Pistole schoß.

– Wenn ich einmal ein Duell kriegen sollte – pflegte er zu sagen, – würde ich Schußwaffen wählen, denn ich bin meines Schusses sicher.

Eines Abends hatte er zwei junge Frauen seiner Bekanntschaft, die übrigens in Gesellschaft ihrer Männer waren, ins Theater begleitet und bot ihnen nachher ein Eis bei Tortoni an.

Sie waren schon einige Minuten da, da sahen sie einen Herrn an einem der Nebentische, der unausgesetzt die eine seiner Nachbarinnen anstarrte. Sie schien das zu stören, sie wurde unruhig und senkte den Kopf. Endlich sagte sie zu ihrem Mann:

– Sieh doch einmal, wie der mich anguckt, ich kenne ihn nicht, kennst Du ihn?

Der Mann, der nichts davon bemerkt, blickte hin und erklärte:

– Ich kenne ihn nicht!

Da sagte die junge Frau halb lachend, halb ärgerlich:

– Das ist furchtbar gênant, der Mensch verdirbt mir mein Eis.

Ihr Mann zuckte mit den Achseln:

– Ach thu nicht desgleichen. Wenn man sich über jeden Flegel aufhalten wollte, hätte man viel zu thun.

Aber der Vicomte war plötzlich aufgestanden. Er durfte es nicht dulden, daß der Fremde einen Aufenthalt verleidete, zu dem er geladen. Er fühlte sich gekränkt, denn seinetwegen und auf seine Veranlassung waren seine Freunde hierher gekommen, es war also seine Sache.

Er ging auf den Herrn zu und sagte:

– Sie starren diese Dame in einer Art an, die ich nicht dulden kann. Darf ich Sie bitten, dies bleiben zu lassen!

Der andere antwortete:

– Lassen Sie mich gefälligst in Frieden!

Der Vicomte erklärte, indem er die Zähne aufeinanderpreßte:

– Nehmen Sie sich in Acht, sonst sollen Sie mal sehen, was passiert.

Der Herr erwiderte nur ein Wort, ein Schimpfwort, das von einem Ende bis zum andern durch das Café klang, sodaß wie in einer automatischen Bewegung alle Köpfe zusammenfuhren. Wer dem Sprecher den Rücken gedreht hatte, wandte sich herum, alle anderen blickten auf; drei Kellner drehten sich auf dem Absatz herum wie Kreisel, die beiden Buffettdamen schnellten in die Höhe und lehnten sich weit vor, als ob sie zwei Automaten wären, die auf einen Druck gehorchten.

Allgemeines Stillschweigen trat ein, dann schallte plötzlich ein kurzer Ton durch das Cafs, der Vicomte hatte seinem Gegner eine Ohrfeige gegeben.

Alles erhob sich, um sich dazwischen zu werfen. Karten wurden ausgetauscht.

*

Als der Vicomte heimgefahren war, durchmaß er ein paar Minuten sein Zimmer, er war zu erregt, um nachzudenken, ein einziger Gedanke nur blieb ihm: ein Duell! Ohne daß diese Idee ihn besonders bewegt hätte.

Er hatte gethan was er thun mußte, er hatte sich benommen wie es sich gehörte. Man würde davon reden und sein Benehmen billigen. Und er sagte ganz laut, wie man es in großer Erregung thut:

– So ein Lümmel, dieser Kerl!

Dann setzte er sich und dachte nach. Er mußte am Morgen sofort Zeugen suchen. Wen? Er durchsuchte in Gedanken die Vornehmsten seiner Bekannten, endlich wählte er den Marquis de la Tour-Noire und Oberst Bourdin, einen Vertreter des hohen Adels und einen Offizier, das paßte ausgezeichnet.

Ihre Namen würden in der Zeitung stehen.

Da fühlte er, daß er Durst hatte, und kurz hintereinander trank er drei Gläser Wasser; dann lief er wieder auf und ab und fühlte sich voll Energie.

Wenn er sich unerbittlich zeigte, zu allem bereit, außerordentlich strenge gefährliche Bedingungen stellte, indem er auf einem ernsten, sehr ernsten, fürchterlichen Duell bestand, würde sein Gegner wahrscheinlich zurückschrecken und sich entschuldigen.

Er nahm die Karte, die er aus der Tasche gezogen und die er auf den Tisch geworfen hatte und las sie noch einmal, wie er sie schon im Café mit einem Blick überflogen und dann wieder im Wagen beim Schein jeder vorüberhuschenden Laterne.

»George Lamil 51 rue Moncey,« nichts weiter. Er betrachtete diese zusammengestellten Buchstaben die ihm wie ein Rätsel schienen voll verborgenen Sinns. George Lamil, wer war das? Was trieb er? Warum hatte er die Dame so angestarrt?

War es nicht eigentlich empörend, daß ein Fremder, ein Unbekannter, in unser Leben so eindringt, so plötzlich, nur weil es ihm gefällt, eine Frau unverschämt anzustarren? Der Vicomte sagte noch einmal laut:

– So ein Lümmel!

Dann blieb er unbeweglich stehen, tief in Gedanken, immer den Blick auf der Karte. Eine Wut stieg in ihm auf gegen dieses Stück Papier, ein Zorn, in dem sich ein seltsames, unbehagliches Gefühl mischte.

Die Geschichte war doch zu dumm! Er nahm ein Federmesser, das aufgeklappt dalag und durchspießte damit den gegnerischen Namen, als ob er jemanden erdolchte.

Er mußte sich also schlagen. Sollte er Degen oder Pistolen wählen? Er, denn er hielt sich für den Beleidigten. Mit dem Degen riskierte er weniger, aber die Pistolen würden wohl eher seinen Gegner zum Rückzug veranlassen. Ein Degenduell ist selten tötlich, bei der gegenseitigen Vorsicht der Duellanten, sich nicht zu sehr einander zu nähern, daß die Spitze etwa zu tief eindringt.

Bei einem Pistolen-Duell wagte er sein Leben, aber er konnte sich ebensogut mit allen Ehren aus her Sache ziehen, ohne daß ein Zusammenstoß wirklich stattfand.

Er sagte vor sich hin:

– Man muß nur forsch auftreten, der Kerl wird schon Angst haben!

Er zitterte beim Ton seiner Stimme und blickte sich um. Er war sehr nervös. Er trank noch ein Glas Wasser, dann ging er an, sich auszukleiden und zu Bett zu gehen. Sobald er im Bett lag, blies er das Licht aus und schloß die Augen. Er dachte:

– Ich kann mich morgen den ganzen Tag über mit der Sache beschäftigen, erst muß ich nur mal schlafen, um ruhig zu sein.

Es ward ihm heiß unter der Decke, und er konnte nicht einschlafen. Er wälzte sich hin und her, blieb mal fünf Minuten auf dem Rücken liegen, lag dann auf der linken Seite und schließlich rechts. Er hatte immer noch Durst. Er stand auf, um noch einmal zu trinken. Da packte ihn die Unruhe:

– Habe ich etwa Angst?

Warum klopfte sein Herz wie verrückt bei den kleinsten Geräuschen in seinem Zimmer, die er doch kannte? Wenn die Uhr schlug, fuhr er in die Höhe bei dem Schnarren der Feder, und war so erschrocken, daß er ein paar Sekunden den Mund offen halten mußte um Atem zu holen. Er überlegte bei sich selbst die Möglichkeit:

– Sollte ich wirklich Angst haben?

Nein, er konnte nicht Angst haben, er war ja entschlossen, die Sache bis zum Äußersten zu treiben, da er doch ebenso fest entschlossen war, sich zu schlagen und nicht zu zittern.

Aber er fühlte sich so erregt, daß er sich fragte:

– Kann man wohl gegen seinen Willen Angst haben?

Zweifel, Unruhe, Entsetzen packten ihn:

Wenn nun eine stärkere Gewalt, als sein Wille, etwas Unwiderstehliches ihn niederzwang, was sollte dann geschehen? Ja, was sollte geschehen?

Nun, auf den Kampfplatz, da er einmal wollte, würde er schon gehen. Aber, wenn er nun zitterte, wenn er die Besinnung verlor? Und er überlegte sich die Sache, er dachte an seinen Ruf, seine Stellung, seinen Namen.

Ein seltsames Bedürfnis faßte ihn, plötzlich aufzustehen und sich im Spiegel zu betrachten. Er machte Licht, und als er in dem blanken Glase sein Gesicht sah, erkannte er sich kaum wieder. Es war ihm, als hätte er sich nie gesehen.

Seine Augen schienen matt, er war blaß, ja ja er war blaß, sehr blaß. Er blieb vor dem Spiegel stehen und streckte sich die Zunge heraus, als wollte er seinen Gesundheitszustand feststellen, und plötzlich schoß ihm ein Gedanke pfeilschnell durch den Kopf:

– Übermorgen um diese Zeit bin ich vielleicht tot!

Und wieder begann sein Herz fürchterlich zu schlagen:

– Übermorgen um diese Stunde bin ich vielleicht tot! Dieser Mensch, den ich hier mir gegenübersehe, den ich hier in diesem Spiegel erblicke, ist dann nicht mehr. Wie ist das möglich? Hier bin ich, ich sehe mich an, ich fühle meine Lippen, und in wenigen Stunden soll ich in diesem Bett liegen, tot, mit geschlossenen Augen, kalt, leblos?

Er drehte sich zu seinem Lager um und sah sich selbst ganz genau in den Kissen, die er eben verlassen. Er hatte jenes eingefallene Gesicht der Toten und jene starren Hände, die sich nicht mehr bewegen.

Da bekam er Angst vor seinem Bett, und um es nicht mehr zu sehen, ging er in das Wohnzimmer. Mechanisch nahm er eine Cigarre, steckte sie an und begann wieder auf- und niederzuschreiten.

Er fror. Er ging zur elektrischen Klingel, um seinen Diener zu wecken, aber er blieb stehen mit erhobener Hand:

– Der Mensch wird merken, daß ich Angst habe! Er klingelte nicht, sondern machte selbst Feuer.

Seine Hände zitterten ein wenig nervös, als sie die Gegenstände berührten, die Gedanken irrten ihm ab, sie verwirrten sich, flohen schmerzlich und jäh. Eine Art Rausch kam über ihn, als wenn er getrunken hätte. Und immerfort fragte er sich:

– Was wird denn nur werden? Was wird denn nur werden?

Sein ganzer Körper schlotterte, ein Zittern lief über seine Glieder; er stand auf, ging ans Fenster und schlug die Vorhänge zurück. Der Tag brach an, ein Sommermorgen.

Der flammende Himmel färbte rötlich die Dächer und die Mauern, eine gewaltige Lichtflut, wie die erste Liebkosung der aufgehenden Sonne, überschüttete die erwachende Welt, und mit diesem Schein kam in das Herz des Vicomte plötzlich fröhliche Hoffnung.

War er denn nur ganz verrückt, sich durch die Furcht so packen zu lassen, ehe nur irgend etwas entschieden war? Ehe die Zeugen überhaupt mit denen dieses Herrn George Lamil zusammengetroffen waren? Ehe er nur überhaupt wußte, ob er sich schlagen mußte?

Er wusch sich, zog sich an, mit sicherem Schritt verließ er seine Wohnung.

*

Während er dahinging, sagte er sich:

– Ich muß energisch sein, sehr energisch! Ich muß den Leuten beweisen, daß ich keine Angst habe!

Seine Zeugen, der Marquis und der Oberst stellten sich ihm zur Verfügung. Nachdem sie ihm kräftig die Hand gedrückt, sprachen sie über die Bedingungen.

Der Oberst fragte:

– Wollen Sie scharfe Bedingungen?

Der Vicomte antwortete:

– Sehr scharfe!

Der Marquis fragte:

– Ihnen sind Pistolen lieber?

– Jawohl!

– Das Übrige überlassen Sie wohl uns?

Der Vicomte stammelte mit trockner Stimme und abgehackten Worten:

– Zwanzig Schritt – Schuß auf Kommando – Kugelwechsel bis – zur Kampfunfähigkeit!

Der Oberst erklärte zufriedengestellt:

– Das sind ausgezeichnete Bedingungen. Sie sind ein guter Schütze, alle Vorteile stehen auf Ihrer Seite.

Und sie gingen davon. Der Vicomte kehrte heim, um sie zu erwarten.

Seine eben noch geminderte Aufregung stieg jetzt wieder von Minute zu Minute. Er fühlte ein Zittern die Arme hinablaufen, die Beine, in der Brust ein unausgesetztes Beben. Er konnte nicht an einem Platz verweilen, weder sitzen noch stehen. Er hatte keinen Speichel mehr im Mund, und alle Augenblicke schnalzte er mit der Zunge, als müßte er sie vom Gaumen losreißen. Er wollte frühstücken, doch er konnte keinen Bissen herunterbekommen.

Da kam ihm der Gedanke, etwas zu trinken, um sich Mut zu machen, und er ließ sich eine Flasche Rum bringen und schüttete nacheinander drei Glas hinunter.

Eine Wärme, als wäre er verbrannt, überrann ihn, und bald fühlte er sich wie umnebelt. Er dachte:

– So, nun habe ich das Mittel gefunden, jetzt wird's schon gehen.

Und nach einer Stunde hatte er die ganze Karaffe ausgetrunken, und der Zustand seiner Aufregung wurde unerträglich. Er fühlte ein tolles Bedürfnis, sich zu Boden zu werfen, sich zu wälzen, zu schreien, zu beißen. Es wurde Abend.

Als es klingelte, war er so erschrocken, daß er kaum die Kraft hatte, aufzustehen, um seine Zeugen zu empfangen. Er wagte gar nicht mehr, mit ihnen zu sprechen, ihnen guten Tag zu sagen, nur ein Wort zu äußern, in der Befürchtung, sie möchten im Ton seiner Stimme seine Erregung bemerken.

Der Oberst erklärte:

– Alles ist nach den Bedingungen, die Sie gestellt haben, abgemacht. Ihr Gegner wollte zuerst der Beleidigte sein, aber er hat nachgegeben und alles angenommen. Seine Zeugen sind zwei Offiziere.

Der Vicomte sagte:

– Danke!

Der Marquis antwortete:

– Entschuldigen Sie uns, wenn wir gleich wieder fortgehen, aber es müssen noch hundert Dinge geordnet werden. Wir müssen einen guten Arzt suchen, da der Kampf bis zur Kampfunfähigkeit dauern soll. Und Sie wissen, mit Schußwaffen ist nicht zu spaßen. Dann müssen wir den Platz bestimmen, nicht zu weit von einem Gehöft, um den Verwundeten wenn es nötig wäre, hinbringen zu können, kurz wir haben zwei oder drei Stunden gewiß noch zu thun.

Der Vicomte stammelte ein zweites Mal:

– Danke!

Der Oberst fragte:

– Geht es Ihnen gut? Sind Sie ruhig?

– O ganz ruhig, danke!

Die beiden Herren gingen.

Als er sich wieder allein fühlte, war es ihm, als würde er verrückt. Der Diener kam, die Lampe wurde angesteckt, er setzte sich an den Schreibtisch, um Briefe zu schreiben.

Nachdem er an den oberen Rand eines Briefblattes geschrieben: »Mein Testament« durchschüttelte es ihn; er sprang auf und lief davon. Er konnte nicht zwei Gedanken fassen, keinen Entschluß, nichts Entscheidendes.

Also er würde sich schlagen. Es war nicht mehr zu ändern. Aber was ging nur in ihm vor? Er wollte sich schlagen, er hatte die feste Absicht, doch er fühlte trotz aller Anstrengung seines Willens, daß er nicht einmal die nötige Kraft behalten würde, um nur bis zum Rendezvous zu gehen.

Er suchte sich den Kampf vorzustellen, sein Benehmen und das seines Gegners. Ab und zu schlugen ihm mit leisem, kurzem Ton die Zähne zusammen. Er wollte etwas lesen, und er nahm die Regeln des Duells vor von Chateauvillard. Dann fragte er sich:

– Ob mein Gegner ein guter Schütze ist? Vielleicht gar als solcher bekannt? Wie soll ich das wissen!

Er erinnerte sich des Buches von Baron de Vaux über die Pistolenschützen, und er durchlas es von Anfang bis zu Ende. George Lamil war nicht darin genannt. Aber wenn der Mann kein guter Schütze war, würde er doch nicht sofort tötliche Bedingungen und diese gefährliche Waffe angenommen haben.

Er nahm im Vorübergehen aus einem Kasten zwei Pistolen in die Hand zum Schuß und hob den Arm. Aber er zitterte von Kopf bis zu Fuß, und die Mündung fuhr nach allen Seiten hin und her.

Da sagte er sich:

– Unmöglich, so kann ich mich nicht schlagen!

Er betrachtete an der Mündung das schwarze, kleine, tiefe Loch, aus dem der Tod fährt, er dachte an alle Ehrlosigkeit, an die Klatschereien im Club, an die Verachtung der Damen, die Anspielungen in den Zeitungen, und alle Beleidigungen, die ihm Feiglinge zufügen würden.

Er betrachtete immer die Waffe, und als er den Hahn hob, sah er plötzlich eine Patrone darin, deren rotes Papier wie eine Flamme leuchtete. Die Pistole war also zufällig geladen geblieben, und mit unerklärlicher, seltsamer Freude dachte er daran.

Wenn er dem anderen gegenüber sich nicht vornehm und ruhig benahm, wie es sein mußte, würde er ewig verloren sein; er würde einen Makel davontragen, in der Gesellschaft unmöglich werden und jene vornehme, ruhige Art würde er nicht besitzen, das wußte er, das fühlte er.

Und doch war er mutig, denn er wollte sich doch schlagen. Er war mutig, weil – – – weil – – –

Der Gedanke, der ihn anflog, wurde nicht mehr ausgedacht in seinem Geist, denn plötzlich öffnete er weit den Mund, steckte sich die Mündung der Pistole bis zum Hals hinein und drückte los . . . . . . . . . . .

Als sein Diener erschien, von dem Schuß herbeigelockt, fand er ihn tot auf dem Boden liegen. Ein Blutstrahl hatte das weiße Papier auf dem Schreibtisch benetzt und einen großen, roten Fleck gemacht unter den zwei Worten:

– Mein Testament!

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