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Symphonie für Jazz

René Schickele: Symphonie für Jazz - Kapitel 10
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typefiction
authorRené Schickele
titleSymphonie für Jazz
year1963
publisherDeutscher Taschenbuch Verlag
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9

Was nun?

Soll ich mich um etwas plagen, was möglicherweise sein wird, weiß nicht einmal, wann und wo? Ich bin nicht ängstlich und auch nicht gescheit genug, ›der Zukunft zu leben‹. Bin weder Vater zahlreicher Kinder, noch ein Genie wie Kollreuth. Wenn ich mich anstrenge, an meine Zukunft zu denken, so sehe ich nichts als meine Gegenwart in der magischen Beleuchtung meiner Wünsche. Also ist meine Zukunft die Gegenwart, und nichts scheint mir tiefer als die gegenwärtige Stunde, es sei denn diese Stunde, wie ich sie mir bei ihrer Wiederkehr (großartiger ) vorstelle. Wie sie aber lebendig auf mich wirkt, werde ich erst wissen, wenn ich sie habe.

»Die Maray denken nicht weiter als ihre Nase«, sagte meine Mutter. Wahrscheinlich weil die Maray mit einer stattlichen Nase begabt sind! Und richtig, fällt mir ein, richtig denkt Johanna, die keine so stattliche Nase besitzt, entsprechend kürzer als ich.

Ich will mit dem Briefträger darüber sprechen. Der denkt gewiß nur an die Zukunft! Er liest täglich seine Zeitung, die doch auch nur um die Zukunft besorgt ist, und kennt einen berühmten amerikanischen Philosophen persönlich ...

Inzwischen geht es vorwärts – in der Gegenwart.

Wenn ich mich vor das Meer hinsetze und mit dem Saxophon bäbäbä mache, so bekomme ich Antwort: Tut!

Auch an die Autostraße habe ich mich gewöhnt. Ich empfinde sie nicht mehr als Prahlerei mit unsrer Muskelkraft und unsrer Eleganz vor der unverbesserlichen Barbarei. Sie stört mich ebensowenig wie die Dachrinne an meinem Haus.

Vorher aber ist sie noch in meine Musik eingegangen. Eines Nachts, unversehens – habe ich sie geschnappt. Der Länge nach, mit einem weichen, schwarzen Strich, läuft sie durch etliche Synkopen, der Scheinwerfer eines Autos wischt darüber (mit Sandpapier über das Kalbsfell), eine hochmoderne Sirene kitzelt die Brandung. Zweiundzwanzig Takte, ein Bonbon. Später soll es in der Orgel wiederkommen – aber wie! Nichts mehr von Bonbon.

Ein freundlicher Gedanke hat mir unter die Arme gegriffen. Dieses Meer – haben meine Vorfahren durchschifft, um sich drüben, am Rande des Urwaldes, in Ordnung zu bringen! Es ist ihnen stets gewogen gewesen. Ein Baum des Urwaldes, die Schaumkrone einer Meereswelle gehören in mein Wappen. Warum so verzagt, mein Junge? Alle Segel gehißt auf dem Notenpapier, und los!

Wolltest du nicht, daß zu dir geredet werde? Hier wird geredet aus dem Innern der Erde sowie vom Himmel herunter, daß die Erde kracht. Hör' zu! Vertraute Rede sollte es für dich sein. Alle deine Väter haben sie gekannt, bei ihrem Würfelspiel. Wage es, setze die Segel, los!

Dein See im Süden? So gering ist der, daß er über die Ufer getreten wäre, wenn man einen einzigen Hugo Wolf darin begraben hätte. Ein See für den Toilettentisch. Zur Nagelpflege. Ein wässerig Lied: mit dem ein Säugling gurgeln könnte.

Alter Maray, waren deine Lieder nicht immer schon schlängelnde Donnerwetter, selbst wenn sie nach Flieder rochen oder nasser Erde statt nach Schwefel?

Neulich, als ich zwanzig Kilometer auf der Straße zurückgelegt hatte und bis zur französischen Grenze gekommen war, überall mit scheelen Augen beschnüffelt, im Wirtshaus, wo ich einkehrte, schlecht bedient, weil ich offenbar wie ein Strolch aussah, als ich gegen Abend vor der Grenze stand, da brachte der Anblick der dort versammelten Käppis mich zur Vernunft. Zwanzig Käppis auf einmal richteten drohend ihren Schirm auf mich. Ich mietete ein Auto, bezahlte im voraus und fuhr zurück.

Bald sah ich: alles war verändert. Das Meer lag still und lauschte, und ein federleichtes Feuer wehte über den Himmel. Flach und gering machte sich das Meer und wog nicht schwerer als ein Glanzlicht im Spiegel einer Magd. Nirgends Feindschaft, keine Fremde. Sollte ich mich dennoch wieder aufmachen und sie suchen? Ich Narr. Der Wagen, der mich trug, summte wie ein fernes Flugzeug, es konnte nicht lange dauern, dann würde ich mitsamt Wagen und fremdem Chauffeur in die höhere Verwandlung von Himmel und Erde eingehn. In aller Welt war nichts mehr als nur dieser Abend, der sich langsam ausblutete, der sich weißblutete in die Nacht.

In makelloser Reinheit tropften die ersten Sterne. Ich spürte ihr Zittern auf der Haut über dem Herzen – winzige Schweißtropfen, die ein wenig stachen und verrannen.

Unter meiner Tür fand ich einen Brief von Ruth Samtaug. Darin stand, Johanna denke ›unermüdlich‹ an mich, finde aber ›buchstäblich‹ nicht die Zeit, mir zu schreiben. Es gelang mir, über die Buchstäblichkeit und Unermüdlichkeit zu lachen.

Wie fern schon: der tägliche Schmerz, der heiße Angsttraum Nacht für Nacht, der Radau, der fortwährende Radau im Kopf und im Zwerchfell! Warum machte sich die gute Ruth eine Mühe, die meiner Frau zu groß war? Ich telephonierte in derselben Nacht, dankte Ruth Samtaug und sagte: »Warum machst du dir eine Mühe, die meiner Frau zu schwerfällt? Grüße Johanna«, sagte ich ruhig, »es geht vorwärts mit der Arbeit, aber um ungestörter zu sein, will ich ein Stückchen weiterziehn, ja, ich brauche Ruhe und das tägliche Flugzeug aus England und zurück, das ist mir zuviel. Ich weiß noch nicht, wohin. Grüße Johanna.«

»Wir sind eben zu Bett gegangen«, hörte ich noch. – »Gute Nacht, alle miteinander«, sagte ich. – »Hallo John, hallo?« Es war Josephus Samtaugs Stimme. Ich antwortete nicht. Ich wartete, bis ich das schrubbende Geräusch des abgelegten Hörers vernahm, und hängte dann ebenfalls ab.

Diese Heimtücke und daß ich nicht ausdrücklich nach Johanna gefragt, rührte mir wohlig den Magen. Der Portier, der meinetwegen hatte aufbleiben müssen, erhielt sein Trinkgeld, einen wahren Sündenlohn. Meine Ruhe aber, obzwar leicht getigert, war echt.

Zum erstenmal schlief ich, ohne aufzuwachen, bis zum Morgen.

Als wäre ich dem Abend ein für allemal entschritten, lenkte ich von nun an meine Märsche gegen Osten, der holländischen Grenze zu. Ich erreichte sie nie – immer ertappte ich mich dabei, wie ich auf einmal den Schritt hemmte, die Arme von mir schleuderte und sang.

Sollten am Ende die lang erwarteten Geigen auf jener Heimfahrt unbemerkt vom Himmel geschneit sein?

Oder begrub ich singend Johanna dort oben, woher der feurige Tau gefallen war? Eine Johanna, die während ihres Lebens schön und tapfer gewesen war und manchmal die Hände geballt hatte, um sich vor dem Schmerz zusammenzunehmen, und die eines Abends ... Mochte es dies sein oder jenes, was mich auf der schwarzen Straße befiel, ich kehrte schleunigst um und eilte nach Hause zu meinem Notenpapier.

Bald brauchte ich das große Donnerwetter, ich erbat und erhielt die Erlaubnis, nachmittags auf der Orgel der Pfarrkirche zu spielen. Was Hilfe! Was Brotkrumen für Möwen! Es flutet das Werk, ohne Anfang, ohne Ende. Daß Musik sei, ist Forderung genug. Daß Musik ist, genügt mir zum Leben. Ich sehe Pfeiler, Bruchstücke eines festen Raumes, Gewölberippen, Kapitelle, manchmal bezaubert mich die Erscheinung eines Turms.

Wieder ein hartblauer Tag, dem auf einmal Dämmerlocken wachsen. Der Wind ist in ein Rudel abendfarbener Katzen gefahren. Sie galoppieren auf dem Landungsplatz, schlittern über das Schieferdach des Schuppens, erklettern Mäste, ruhen äugend auf der Spitze aus, und eine von ihnen rollt sich dicht vor meinen Füßen zusammen. Wie ich mich nach ihr bücken will, ist da nur noch ein Stück Zeitungspapier, das lacht mich aus.

Ich habe das Postschiff nicht kommen sehn, weich biegt es um die Mole, über mir in den Bogenlampen platzt ein rosiges Licht – das Licht der Abendlandung an der belgischen Küste. Ein Atem von Kraft und Gesundheit steht in der Luft, ein recht männlicher Atem, riecht nach Teer und Wasser und schmeckt rauh auf den Zähnen wie Sand. Im Hinterschädel undeutliche Musik, Nachhall vom Orgelspiel.

An der Reling hält ein Mann die Hände am Mund und trompetet: »John van Maray ... Van Maray, John ...«

Jetzt hebt er die Arme, es ist Kollreuth.

Die Dame neben ihm, von ihm getrennt, mindestens eine Handbreit, und doch an ihn geschmiegt in der Luft, aus seinen Rippen geschnitten: Ursel Bruhn. Straffe, schmächtige Frau. Dagegen – solche wuchtigen Gestalten wie Kollreuth hatten früher die Wagnerdirigenten. Drei, vier Exemplare der aussterbenden Rasse laufen noch herum. Eines davon heißt Kollreuth. Leider geht er maskiert. Er ist imstande, abends nach dem Konzert in einer Provinzstadt, als Gast eines musikliebenden Fabrikanten, zu fragen: »Wagner? Wer ist das? Ach so, ja, ich erinnere mich, Lohengrin, Parsifal, Nibelungen. Wenn ich nicht irre, Siegfried mit Vornamen?«

Warum Ursel Bruhn den Hut abnimmt, um mich zu begrüßen – weiß ich nicht. Hatte sie nicht schon immer die Haare geschnitten, glatt, schwarz, ohne Scheitel zur Seite gekämmt? Ein verdächtiger Jungenskopf ... Nein doch, der Kopf, der ihr gehört: einer bildschönen Turnerin.

»Ewig nicht gesehn, Herr van Maray«, sagt sie. »Seit dem Konzert in Zürich.« Handdruck eines wohlwollenden, durch und durch kräftigen Kollegen.

Kollreuth reicht eine Patschhand, warm und quallig, aber als ich sie ergriffen habe und ahnungslos drücke, erlebe ich das Erwachen eines Titanen, fast reißt er mir den Arm aus. »Triumph in London, mein Lieber! Auch Ihre Lieder haben wir wiederholen müssen.«

»Was gab es sonst?«

»Mein Quintett in b-moll, mit Saxophon. Zehnmal herausgerufen. Katerpromenade des Saxophons dreimal wiederholt. Kommen Sie mit zum Gepäck. Ich meine –«

Mir wird fast schlecht von dem, was er meint.

Mit der reinen Musik, meint er, ist es zu Ende, auch der Musiker muß ins Leben steigen, es mit dem ›Strand‹ in London aufnehmen oder der City um fünf Uhr abends bei Geschäftsschluß, mit dem Sirenenkonzert der Schlepper auf der Themse – oder aber (er bleibt stehn und starrt mir, einen Wurstfinger in der Luft, faszinierend in die Pupille), oder aber nur in Zeichen schreiben, verstehn Sie: Sigel, mathematische Hieroglyphen, Zeichen also, bloß um Gottes willen keinen Wohllaut! Das Klappern von Geschirr, meint er, das in einer Restaurantküche gespült wird (»Träger, die Koffer! Wo sind unsere Koffer? gezeichnet B.K. und U.B.?« Halblaut: »Saufratz von einem Belgier ...«), so ein Klappern und Plätschern ist für unsere Ohren musikalischer als die poetische Anstellerei einer ollen Nachtigall, die nie einer von uns gehört hat.

Ein Trost, daß Ursel Bruhn nicht zuhört. Im Handumdrehn hat sie die Koffer heraus, erwischt zwei Gepäckträger, befiehlt uns mit einem Lächeln voll neuer Sachlichkeit zu folgen und zieht los. Nach Paris.

Und was geschieht in Paris?

Quintett in b-moll von Kollreuth, mit Saxophon. Erst in Brüssel, dann in Paris. Ich schaudere.

Aber: die Katerpromenade des Saxophons, vermutet der Meister, werden die Pariser noch ganz anders kosten als die Angelsachsen. Dazu gibt's einen alten Italiener, den Boccherini, merkwürdigerweise mögen die Leute gleichzeitig auch so was.

Und auch meine Lieder, altbewährte Nummer unsrer Ursel, mit Kollreuth am Flügel, auch dies Unglück noch geschieht in Paris.

»Sie sind ein Vorläufer gewesen, Maray, der Neid muß es Ihnen lassen. In diesen alten Liedern von Ihnen, wissen Sie: ›O schöne Fahrt, so leicht wie Wind‹ –«

Ich schreie: »Hören Sie auf! Ich konnte noch gar nicht schreiben, damals! War ja lauter Jux. Ich torkelte durch Europa und bumste mir was. Gut daran – seien Sie still!! – gut daran sind die holländischen Volkslieder, die ich hineingehackt habe, das bißchen Klingklanghaschee. Gewiß. Fabrizieren Sie doch sonst was – warum muß es denn gerade Musik sein?! Wilde Kerle, wie ... wie ... wie gewisse Leute, braucht man nur zu kratzen – wissen Sie, Kollreuth, worauf man da stößt? Auf einen stämmigen Operettenlouis, der seine Mehlspeisen mit Dreck verschmiert! Ich möchte nur wissen, wozu die Kerle was gelernt haben. Wozu? Es wäre ja noch ... viel ... besser, wenn sie nichts könnten, gar nichts. Und was den Spülraum anlangt, in den die Musik kommandiert wird, oder die spröde Exaktheit der Handschrift oder die Zeichen und geistigen Runen, oder wie die Verlegenheitsausreden für Mangel an Einfällen sonst heißen, so spaziere ich halt lieber durch eine Dynamofabrik und lese dabei das Wiener Journal! Adieu, Kapellmeister!«

Kehrtum!

Nicht ausstehn kann ich den Kerl!

Was brüllt er hinter mir her? »Sie schimpfen wie Jazz, im übrigen sind Sie ein Reaktionär!« Freilich, freilich. Wenn ich für den Reichstag mitwählen dürfte, so stimmte ich für den Kaiser Barbarossa.

Aber die erste Amtshandlung Kaiser Barbarossas wäre, den Kollreuth als Feldmarschall über das Opernhaus zu setzen.

Schauen wir zu, wer sonst noch in England triumphiert hat.

Brüllt er noch immer dahinten? der Affe eines Maray und anderer ehrlichen Leute! Brüllaffe. Rohraffe – ja, Rohraffe nannte man im Mittelalter die Affenmaske, die unter der Orgel angebracht war und in die jeder Narr hineinschlüpfen konnte zu Pfingsten und alles verhöhnen, was in der Kirche geschah, sogar die heilige Messe. Ich hätte Ursel Bruhn verbieten sollen, noch weiter meine alten, runzligen Lieder zu singen – der strahlenden Turnerin.

Schade, daß sie dem Kabarettisten Kollreuth gehört.

Gehört sie ihm?

Hätte versuchen sollen, sie ihm wegzunehmen.

Bestenfalls kann sie an ihm herumturnen. Muß doch ermüdend für sie sein ... Läßt sie mich schwimmen? Fischt sie mich heraus? An den Schattenblättern der Bogenlampe hier auf dem Boden will ich es mit den Füßen abzählen. »Gehört ihm ... Gehört ihm nicht ... Gehört ihm ... Nicht ...«

Es ist Essenszeit. Ich hungere, ich glaube: schon, seitdem ich sie an Deck erblickt habe. Eine halbe Stunde werde ich warten. Erinnere mich genau: als ich die aufrechte Linie ihres Körpers über der Reling schwanken sah, in der elektrorosa gepuderten Dämmerluft, da habe ich zuerst den Hunger gespürt.

Sonst stellte er sich erst ein, wenn alle Passagiere sich verlaufen hatten.

Da – ein kräftiger, man könnte sagen: ein stählerner Stern tritt in den manschigen Himmel unter die andern, ungewissen Sterne. Mit einem entschieden persönlichen Ausdruck. Kenne ich ihn nicht? Mir scheint, ich sehe ihn zum erstenmal.

Ein wunderbares Instrument war die alte Viola d'amore. Wie aus einer Frauenkehle der Ton, wie aus der Flanke einer Frau die Gestalt ...

Endlich! Da sind Sie endlich, Ursel Bruhn. Wie ich gewartet habe!

Gewiß doch, ich warte schon eine ganze Weile auf Sie.

Ach, lassen wir das Fachsimpeln, wollen Sie? Reden wir von ernsten Dingen. Sagen Sie, Ursel Bruhn, glattgehobelte, zartknochige Ursel Bruhn, die ich vor Jahren schon so geliebt habe und die mir immer so unerreichbar schien, sagen Sie: stehn Sie nur in Geschäftsverbindung mit dem Kapellmeister oder –?

Oh, Ihr Lachen! Bitte, noch einmal. Bitte! Einen kleinen melodischen Rülpser haben Sie in der Stimme, Ursel, wie eine gute alte Viole d'amour.

Versöhnung mit Kollreuth? Nein. Bin froh, ihn los zu sein. Man kann gar nicht genug Leute abschütteln, wenn man zu tun hat. Aber Sie möchte ich behalten.

Bitte, noch einmal.

Ihre Stimme!

Sie brauchen nicht einmal zu lachen, die Viole d'amour kommt nicht zur Ruhe, auch wenn Sie nur schwatzen. Schwatzen Sie – bitte ...

Und ob ich arbeite! Ich stehe in vollem Saft. Es reicht für zwei. Ich zeige Ihnen, was ich getan habe. Wir zwei können ebenso gut konzertieren wie der Wotan – wenn unbedingt konzertiert sein muß. Hat er nicht ein Fettherz? Strengen Sie sich an, soviel Sie wollen: mager kriegen Sie ihn doch nicht, er stammt aus Walhall. Bleiben Sie hier!

»Sie wollen also mit mir in Geschäftsverbindung treten, John van Maray?«

Ha, wie der Stock des Moses, aus dem eine Schlange wurde, haben Sie sich aufgerichtet, eine Stockschlange zur beschwörenden Musik einer Viole d'amour ...

O schöne Fahrt, so leicht wie Wind,
Vor dem die Fernen sich entfalten!

Gut, versuchen wir's mit der Geschäftsverbindung. Sehen Sie das letzte Hotel da am Strand? Dort können Sie wohnen. Ich habe dreihundert Meter weiter ein Chalet und esse im Hotel. Verstehn Sie was von Haushalt? Entschuldigen Sie die Beleidigung! Ich weiß, Sie sind Künstlerin, Sie wohnen besser im Hotel. Bitte, nur nicht viel nachdenken. Das Nachdenken überlassen Sie am besten den Kapellmeistern. Unsereiner – Wo laufen Sie hin? ... Ursel!

»In einer halben Stunde ...«

In einer halben Stunde?

»In Ihrem Hotel – oder unterwegs nach Brüssel.«

Jawohl, Ursel, jawohl:

Wir wollen uns für Götter halten,
Die auf der Hochzeitsreise sind!

Pfui Teufel.

Das alte runzlige Zeug!

Glattgehobelt ist sie und locker in den Gliedern – und was für eine vielversprechende Stimme!

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