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Friedrich Spielhagen: Sturmflut - Kapitel 12
Quellenangabe
typefiction
booktitleSturmflut
authorFriedrich Spielhagen
year1996
publisherHinstorff Verlag
addressRostock
isbn3-356-00694-0
titleSturmflut
pages3-312
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1877
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Reinhold stand eben, ratlos, ob er weitergehen oder wieder umkehren solle, als eine Hand in gelbem Glacé seine Schulter berührte. – Da hätte ich dich endlich!

Philipp! rief Reinhold, sich wendend und seinem Vetter die Hand reichend.

Wo ist Ferdinande?

Reinhold erzählte sein Mißgeschick.

So suchen wir sie gemeinschaftlich, sagte Philipp; – ich komme aus den mittleren Sälen, da war sie nicht – vielleicht in einem der letzten.

Er hatte seine Hand in Reinholds Arm gelegt mit der Vertraulichkeit eines Vetters und guten Freundes. Reinhold fühlte sich angenehm berührt und ein wenig beschämt, da er sich bewußt war, in dem Streit zwischen Vater und Sohn bereits für den ersteren Partei genommen zu haben.

Ich freue mich aufrichtig, dich zu sehen, sagte er.

Zweifle nicht an der Aufrichtigkeit! erwiderte Philipp lachend – und will nur hoffen, daß die Freude anhält. Übrigens beanspruche ich von dem Vergnügen mindestens fünfzig Prozent für meinen Anteil. Es ist immerhin eine Chance, endlich einmal einen vernünftigen Menschen in des Alten Gesellschaft zu wissen; und der Alte hat von jeher immense Stücke auf dich gehalten – vermutlich nur, um mich zu ärgern, aber das ist mir ganz egal.

Ich bin so neu in diesen Verhältnissen, lieber Philipp –

Diplomatisch? – Was hat er dir denn von mir gesagt?

Kein Wort – auf Ehre!

Kommt noch; aber ich warne dich, ein Wort zu glauben. Ich bin für ihn ein Egoist, ein Plusmacher, ein Gründer, ein Halsabschneider – was weiß ich! – Warum? Weil ich zehnmal reicher bin als er, weil ich seinen ganzen Marmorkram in die Tasche stecken kann, ohne es groß zu merken, weil ich – mit einem Worte – weil ich Erfolg gehabt habe! Na, ich tröste mich mit meinem Bismarck, den er haßt wie die Sünde. Bismarck ist mein Mann – ich schwöre auf Bismarck – ich gehe mit Bismarck durch dick und dünn. Der kennt auch den Rummel – und wie!

Du kommst wohl nicht mehr in des Vaters Haus? fragte Reinhold.

Nein; weshalb?

Aber Philipp! – Als ob es das natürlichste Ding von der Welt wäre, wenn ein Sohn nicht mehr in des Vater Haus kommt!

Natürlich? Was heißt natürlich? Ich finde es natürlich, wenn man in meinen Jahren keine Lust mehr hat, sich wie einen dummen Jungen behandeln zu lassen. Indessen, – ich habe, wie gesagt, prinzipiell nichts dagegen; in diesem Augenblick ist mir sogar daran gelegen; verschaffe mir nur eine Einladung!

Ich will's versuchen – unter einer Bedingung!

Nun?

Daß du in meiner Gegenwart nicht auf deinen Vater schiltst.

Philipp lachte. – Du bist ein Pedant, lieber Reinhold; – in unserer Zeit darf man die Personen und die Sachen nicht mit Sammethandschuhen anfassen wollen. Sonst kommt man unter den Schlitten, ehe man sich's versieht. Bismarck tut's auch nicht; der greift durch!

In der Politik ist manches erlaubt, was für das bürgerliche Leben unstatthaft wäre.

Gänzlich überwundener Standpunkt! Im Gegenteil, wir sind, Gott sei Dank, zu der Überzeugung gekommen, daß hier, wie dort, alle Vorteile gelten. Sieh' mal den kleinen schwarzen Mann da mit der großen dicken Frau! Vor zwei Jahren war er ein armer Pfuschmakler, der nicht von einem Tag auf den andern zu leben hatte. Heute ist er ein doppelter Millionär.

Philipp hatte mit einem Ruck seinen Arm aus Reinholds Arm gezogen, um vor der Prinzessin und ihrem Gefolge, die eben jetzt vorüberging, Front machen und den Hut ziehen zu können. Reinhold, der durch Dazwischendrängende zurückgeschoben war, konnte, ohne selbst bemerkt zu werden, den Zug deutlich übersehen: die Prinzessin, die bald mit Else, welche zu ihrer Linken ging, bald mit Graf Golm, etwas hinter ihr zu ihrer Rechten, plauderte.

Ein sonderbares Gefühl überkam Reinhold. Seine Flucht vorhin hatte in der Eilfertigkeit, mit der sie ausgeführt werden mußte, etwas Komisches gehabt, und er selbst hatte hinterher herzlich gelacht. Jetzt konnte er nicht lachen. Inmitten der frontmachenden, ehrfurchtsvoll grüßenden Menge fühlte er den gesellschaftlichen Abstand zwischen ihm selbst und der jungen Dame an der Seite der Prinzessin ganz anders als zuvor. Er gehörte eben zur Menge – nicht, wie sie, zu den Auserwählten – sie und – Graf Golm!

Er wandte sich mit einem heimlichen Seufzer und erblickte dicht hinter sich Ferdinande. Sie sah ihn nicht. Ihre Augen waren, wie die aller, auf die Prinzessin-Gruppe gerichtet mit einer sonderbaren Starrheit, die durch bloße Neugier kaum erklärbar schien. Es lag wohl noch der Unmut, solange allein gewesen zu sein, auf dem schönen, verdüsterten Gesicht.

Ferdinande!

Sie fuhr, wie aus einem Traum erwachend, zusammen. Eine tiefe Glut hatte sich über ihre Wangen ergossen; Reinhold entschuldigte sich, so gut er konnte, Philipp trat herzu.

Habt ihr sie gesehen? Wunderschöne Frau – schwärme für sie! Die kleine Werben scheint ja fabelhaft liiert mit ihr – der Kavalier an der andern Seite, höre eben, Graf Golm – grand seigneur, aber verschuldet bis über die Ohren – hat jetzt Gelegenheit, sich zu retten, wenn er klug ist; – werden, hoffe ich, in nächster Zeit ein Geschäft in großem Stil zusammen machen – kannte ihn noch nicht persönlich – seine Unterschrift war mir desto bekannter. – Und hast du den jungen Werben gesehen, Ferdinande? – Mit dem Fräulein von Wallbach, – soll ja jetzt richtig sein – keine schlechte Partie – sie ist so einhunderttausend schwer, und ihr Bruder, der ihr Vermögen verwaltet – er war auch dabei – der da, Reinhold, mit dem halbkahlen Kopf – ist ein geriebener Junge, und der junge Werben selbst – na – in diesem Augenblick ein etwas unsicheres Papier, aber kann vielleicht noch sehr steigen.

Wollen wir gehen? sagte Ferdinande.

Sie schritt, ohne die Antwort der Herren abzuwarten, voran, zu Reinholds gelindem Schrecken dicht vorüber an der Prinzessin und ihrer Gruppe. Die Prinzessin war abermals stehen geblieben, andere höchste Herrschaften, die eben gekommen waren, zu begrüßen. Ihre Begleitung war ein wenig zurückgetreten und führte unter sich eine leise Unterhaltung. So durfte er hoffen, unbemerkt durchzuschlüpfen, aber gerade in dem Moment, wo er vorüberging, streifte ihn Elses Blick, und sie nickte ihm so freundlich, ja herzlich zu, daß Graf Golm, dadurch aufmerksam geworden, sich halb wandte und ihn sicher erkannte, obgleich seine hellen Augen, anstatt zu grüßen, nur ein wenig zwinkerten und alsbald wieder eine andere Richtung nahmen. Darüber hatte Reinhold nicht bemerkt, daß Ottomar, der sich ebenfalls umgewandt hatte, sich vor Ferdinande, deren Kleid ihn streifte, mit einer gewissen gleichgültigen Höflichkeit verbeugte, um dann sofort das unterbrochene Gespräch mit Fräulein von Wallbach aufs eifrigste fortzusetzen, während Ferdinande die Verbeugung mit einem starren, leeren Blick beantwortete.

Aber den Augen eines andern war von der kleinen Szene nichts entgangen: den schwarzen, glänzenden, funkelnden Augen des schönen, jungen Mannes, der vorhin schon das Rendezvous der beiden in der Galerie aus der Ferne beobachtet. Seine schwarzen Augen verfolgten die Davonschreitenden, bis sie in dem Ausgang verschwunden waren. Dann wandten sie sich in den zweiten Saal zurück und blieben mit einem Ausdruck tödlichen Hasses auf Ottomar haften.

Jetzt weiß ich, von wem die Briefe sind, in denen sie so viel liest! – Du sollst es bezahlen, murmelte er durch die weißen Zähne.

*

An demselben Abend saßen in einem eleganten Salon des Hotel Royal unter den Linden an einem mit Karten und Plänen bedeckten Tische Graf Golm und der Geheimrat Schieler. Die Herren hatten über einer Flasche Wein lange und eifrig diskutiert, die lebhaften Farben in dem Gesicht des Grafen waren besonders intensiv, auch sprach sich ein gewisser Unmut in seinen Zügen aus, als er sich jetzt in den Schaukelstuhl zurücklehnte und sich schweigend hin und her zu wiegen begann. Der Geheimrat blätterte noch ein wenig in den Plänen, nippte an seinem Wein, lehnte sich dann ebenfalls zurück und sagte: Ich finde Sie doch, alles in allem, weniger geneigt, Herr Graf, auf unsere Projekte einzugehen, als ich nach unseren schriftlichen Verhandlungen vermuten durfte.

Aber ist denn das noch unser Projekt! rief der Graf, aus seiner Lage emporschnellend. Was geht mich denn eigentlich die ganze Geschichte noch an, wenn ihr einen Nordhafen wollt anstatt eines Osthafens? Die Bahn wird dann eines meiner Güter durchschneiden und ein zweites berühren – ich wüßte nicht, weshalb ich mich deshalb echauffieren sollte!

Wir wollen den Nordhafen doch nur, weil wir den Osthafen nicht bekommen können, erwiderte der Geheimrat gelassen. Zu einem Nordhafen wird sich die Regierung zur Not verstehen, zu einem Osthafen – nun, Herr Graf, mir deucht, nach den so überaus interessanten Äußerungen, die Sie aus dem Munde des Generals und des Präsidenten an Ihrem eigenen Tische gehört haben, müßten wir doch die Hoffnung endlich draußen lassen. Verschaffen Sie uns die Konzession des Osthafens, und die Sundin-Wissower Eisenbahn-Gesellschaft ist morgen fertig.

Wie kann ich das, wenn Sie das nicht können, der Sie an der Quelle sitzen!

Haben Sie nicht mit Hugo Lübbener gesprochen? Ich sollte meinen, ein so kulanter Mann und Ihr langjähriger Bankier –

Er ist es erst seit drei Jahren, nachdem Sie ihn mir so dringend empfohlen, indessen mein Konto bei ihm steht sehr schlecht – die Abrechnung vom Juli ist noch bis auf den heutigen Tag nicht reguliert: Ich kann Lübbeners Gefälligkeit nicht weiter in Anspruch nehmen, ich habe noch gar nicht einmal gewagt, mich bei ihm sehen zu lassen.

Hm, hm! sagte der Geheimrat mit der Miene eines Mannes, dem eine Sache, die er genau zu kennen glaubte, von einem durchaus neuen Gesichtspunkte gezeigt wird. Ich meinte, Ihre Angelegenheiten seien – abgesehen von vorübergehenden Verlegenheiten – doch im ganzen geordnet. Was Sie mir da – ich hoffe mit einiger hypochondrischen Übertreibung, mitteilen, überrascht mich sehr – sehr –

Ich übertreibe nicht, entgegnete der Graf, – ich habe im Gegenteil eher zu wenig als zu viel gesagt.

Dann aber begreife ich um so weniger, weshalb Sie auf unser Projekt nicht eingehen. Der Wert der beiden Güter steigt um das Doppelte, und eine Stelle im Verwaltungsrat ist Ihnen auch sicher. Das ist doch immer etwas.

Nichts ist es, gar nichts! rief der Graf mit Heftigkeit – ein Tropfen auf einen heißen Stein! Was soll ich mit den armseligen paar Tausend, die ich an einem Abend im Ecarté gewinnen kann! Nein, wenn ich schon einmal unter die Gründer gehe, so darf es um keine Bagatelle sein.

Der Geheimrat rieb sich mit dem Bleistift die lange Nase, um ein Lächeln zu unterdrücken und die Antwort, die ihm auf der Zunge schwebte: Wie kann man einen Spieler für alle Zukunft sicherstellen! Er sagte dafür: Sie sollten heiraten, Herr Graf!

Die drei Mohrenköpfe in meinem Wappen bedeuten eine runde Million Mitgift. Nennen Sie mir die betreffende jüdische junge Dame!

Ich könnte Ihnen mehr als eine nennen. Indessen ich hatte keine der schönen Töchter Israels im Sinn, vielmehr die Tochter eines Geschlechts, das, wenn auch etwas Wendenblut in seinen Adern fließt, beinahe ebenso alt ist wie das Ihre: Fräulein Else von Werben.

Scherzen Sie?

Ich bin nie ernsthafter gewesen. Die Sache geht mir schon seit drei Tagen durch den Kopf, das heißt, seitdem der glücklichste aller Zufälle zwischen Ihnen und den Werbens eine persönliche Begegnung arrangiert hat unter Umständen, die Ihnen hinüber und herüber – den Austausch weiterer geselliger Höflichkeiten zur einfachen Pflicht machen. Bedenken Sie doch, Herr Graf. Der Hauptgegner der östlichen Richtung unserer Bahn ist der General aus strategischen Gründen – mag sein! Aber – ich kenne den Mann genau – ganz gewiß auch aus persönlichen Rücksichten. Der Hafen kann nur auf Warnowschen Grund und Boden zu liegen kommen, das heißt, die Warnowschen Güter müssen an unsere Gesellschaft verkauft werden; sie können aber nicht verkauft werden – wenigstens vorläufig nicht – ohne seinen Konsens, als Mitkurator über das Warnowsche Vermögen. Nun gut: Heiraten Sie die Tochter, die das Vermögen dermaleinst zur Hälfte erben wird, und wir wollen doch sehen, ob er dem Schwiegersohn vorenthält, was er dem Direktor der Sundin-Wissower Eisenbahn- und Hafenbaugesellschaft verweigert. Es steht nicht umsonst geschrieben: Führe uns nicht in Versuchung.

Ich glaube den General auch ein wenig kennengelernt zu haben, rief der Graf – und ich wette hundert gegen eins: Er würde der Versuchung widerstehen!

Ich wette nie, entgegnete der Geheimrat; ich kalkuliere immer nur; und ich habe den Kalkül, daß Tropfen den Stein höhlen, zwar etwas unbestimmt, aber im ganzen doch immer richtig befunden. Hören Sie weiter! Der Legationsrat von Wallbach ist, als mein Kollege im Aufsichtsrat der Berlin-Sundiner Bahn, mit mir aufs äußerste interessiert, daß die Sundin-Wissower Bahn, die uns wieder flott machen soll – Sie sehen, Herr Graf, ich bin die Aufrichtigkeit selbst – zustande kommt. Der Legationsrat ist aber nach seines Vaters, des Ministers, Tode ebenfalls einer der Kuratoren des Warnowschen Vermögens, und Ottomar von Werben – der zweite Erbe – ist mit Wallbachs geistreicher Schwester verlobt, so gut wie verlobt. Wallbach rechnet viel zu gut, um nicht zu wissen, daß die Hälfte der Güter, wenn sie verkauft und an uns verkauft wird, doppelt – was sage ich: dreimal, viermal so viel wert ist als jetzt der ganze Komplex; scheut sich aber – aus einem Rest adligen Vorurteils – verzeihen Sie mir das Wort – energisch in den General zu dringen. Machen Sie mit ihm gemeinschaftliche Sache! – Ich meine, heiraten Sie die Tochter wie seine Schwester den Sohn.

Der Graf, der, während der Geheimrat sprach, leise auf den Teppich tretend und manchmal stehen bleibend, um kein Wort zu verlieren, hin und her gegangen war, machte eine scharfe Wendung.

Gut, sagte er, sehr schön! Aber ich müßte auf alle Fälle der Verkäufer sein, ich, als Nachbar und Schwiegersohn bekomme die Güter entschieden billiger als die Gesellschaft, die überdies den ganzen Komplex nicht einmal brauchen kann. So will ich doch lieber, was sie braucht, an die Gesellschaft verkaufen, als von der Gesellschaft, was ich zur Arrondierung meines Komplexes brauche, kaufen. Ich dächte, das wäre klar.

Dem Geheimrat war es sehr klar, ausnehmend klar, vom ersten Augenblick an gewesen, und er hatte nur Zeit gewinnen wollen, sich von seiner Überraschung zu erholen. Der Zug des Grafen war ein Meisterzug, den er dem fahrigen jungen Manne niemals zugetraut hätte. Er war in der seltsamen Lage, den Übereifer, den er so künstlich entfacht, wieder zügeln zu müssen.

Bravo! sagte er. Wir werden einen gewiegten Aufsichtsrat an Ihnen haben; ich gratuliere uns und Ihnen im voraus. Indessen teilen wir das Fell auch nicht, bevor wir den Bären erlegten! Wir rechnen bisher noch immer ohne einen Faktor, der denn doch sehr wichtig ist: ohne die Baronin Warnow selbst.

Aber, wenn sie unter Kuratel steht und Sie mit Wallbach in dem Kuratorium den General majorisieren können –

Nur bis zum ersten Oktober! Von dem Tage an, der zugleich ihr fünfzigster Geburtstag ist, hat die Baronin, laut testamentarischer Verfügung, Sitz und Stimme im Kuratorium, das dann also, wenn Sie wollen, eigentlich nur noch ein ihr zugeordneter Aufsichtsrat ist.

Und Sie glauben, die Baronin werde unzugänglich für unsere Pläne sein?

Ich glaube, daß die Ansichten der Baronin in dieser und jeder anderen Beziehung zu kennen, viel weniger wichtig ist als die des Signor Giraldi.

Ihres Haushofmeisters?

Haushofmeisters, Vorlesers, Gesellschafters – was weiß ich!

Man sagt, sie sei mit ihm verheiratet?

Sie wird sich hüten!

Weshalb?

Weil sie mit diesem Schritt jedes Anrecht auf das Vermögen verlöre, das dann direkt an Fräulein von Werben und ihren Bruder fiele, vorausgesetzt, daß sie der Baronin, ihrer Tante, nicht die Torheit nachmachten und sich auch unstandesgemäß verheirateten. Dann hätte freilich niemand etwas davon, als diverse milde Stiftungen.

Ich habe, wie Sie sich denken können, von dem wunderlichen Testamente alles Mögliche und Unmögliche gehört, sagte der Graf. Könnten und möchten Sie wohl meine Neugier, die jetzt noch kaum so zu nennen ist, befriedigen?

Sehr gern, sagte der Geheimrat. Die kleine Indiskretion, die ich allerdings damit begehe, schreibe ich in unserm Kontokorrent auf meinen Kredit; aber wo soll ich anfangen?

Beim Anfang, sagte der Graf, – ich weiß viel, ich weiß wenig, ich weiß gar nichts. – Sie sehen: Ich bewege mich schon mit einiger Leichtigkeit in dem Jargon. Soll ich eine zweite Flasche –

Danke, danke – ich habe noch einen Besuch vor – indessen – Sie haben recht: Sie müssen das jetzt wissen, und ich werde mich möglichst kurz fassen.

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