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Friedrich Spielhagen: Sturmflut - Kapitel 10
Quellenangabe
typefiction
booktitleSturmflut
authorFriedrich Spielhagen
year1996
publisherHinstorff Verlag
addressRostock
isbn3-356-00694-0
titleSturmflut
pages3-312
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1877
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Die Tür war ins Schloß gefallen, die Schritte der Fortgehenden verhallten – Ferdinande hatte sich noch nicht aus der Stellung bewegt.

Es ist köstlich, sich so geliebt zu wissen – köstlich und – gefährlich! Er beobachtet mich auf Tritt und Schritt – keine meiner Mienen entgeht ihm – aber gestern abend scheint er wirklich zu Hause gewesen zu sein – er weiß noch nicht, daß ich schon nichts mehr wage, wenn er in der Nähe ist.

Sie ließ sich auf einen Sessel sinken und nahm aus dem Busen den Brief, den er ihr gestern abend über die Gartenwand geworfen. Sie kannte ihn bereits auswendig; aber so sah sie doch wenigstens die Züge der geliebten Hand.

»Warum hast Du keinen Versuch gemacht, mich wissen zu lassen, daß Du auf dem Bahnhof sein würdest? Du konntest ganz sicher an Schönau schreiben; jetzt war es ein Zufall, daß ich mit dem Zuge kam, ein Zufall, daß ich Deinen Vetter im Coupé kennenlernte – wie können wir weiter kommen, ja, wie können wir auch nur diese traurige Existenz weiter fristen, wenn wir alles dem Zufall überlassen? Wenn wir unser Glück nicht dem grausamen Schicksal durch unsere Kühnheit abtrotzen? – Nun mußte ich unter dem Vorwand, Dich aufsuchen zu wollen, Hals über Kopf aus dem Coupé stürzen, und wie leicht hätte ich Dich gar nicht oder mit Deinem Vater zusammen finden können – so wäre die Gelegenheit wieder einmal verloren gewesen. Ich hoffe, es soll jetzt ein wenig besser werden. Dein Vetter ist, wie er mir erzählte und wie mir eben meine Schwester bestätigte, unterwegs mit ihnen bekannt geworden – hat sich der Gesellschaft vielfach nützlich erwiesen – meine Schwester spricht mit großer Wärme von ihm. Er wird zweifellos kommen, dem Vater sich vorzustellen – andernfalls komme ich, dem »Kameraden« für die Dienste, die er den Meinigen geleistet, zu danken – in Elses und des Papas Auftrag – oder auch ohne Auftrag – laß mich nur machen! Das gibt immer eine Anknüpfung, die uns sehr vorteilhaft werden kann, um so mehr, als Dein Vetter ein bequemer Mensch scheint, mit dem nicht viel Umstände nötig sind. Stelle Dich nur gut mit ihm und nutze »den Vetter« aus zu Spaziergängen, Konzerten, Theater – Kunstausstellung – à propos! Laß Dich morgen – glänzender Einfall – auf die Ausstellung führen! Ich habe nur bis 12 Uhr Dienst; also vielleicht um halb eins – werde Elsen persuadieren, die schon den Wunsch ausgesprochen. Kann Dich hier bei der Gelegenheit vorstellen – darf es ja, nachdem wir gestern offiziell miteinander bekannt geworden – rechne also mit Bestimmtheit darauf – schreibe diese Zeilen wie gewöhnlich in fliegender Eile während der paar Minuten, die ich mich vom Teetisch wegstehlen konnte – verzeihe die Kritzelei – ich küsse Deine schöne Hand – in Gedanken – wie neulich, als Du sie mir über die Gartenwand reichtest – zum ersten Male – nicht zum letzten! Ich schwöre es Dir! – –«

Sie ließ den Brief in den Schoß sinken. – Und kein Wort vom Vater! Kein Wort, welches darauf hindeutet, daß es ihm Ernst, heiliger Ernst ist; daß er wenigstens einen Versuch machen will, uns aus diesem schmachvollen Zustande zu erlösen! – Und er wußte doch noch nichts von der Szene gestern abend!

Sie knitterte das Papier mit der Rechten, die darauf ruhte, zusammen und glättete es im nächsten Moment wieder mit beiden Händen und bedeckte es mit Küssen, faltete es sorgfältig, verbarg es wieder in dem Busen und lehnte dann die heiße Stirn auf die Marmorplatte des Tischchens.

Ja, ja, rief sie, aufspringend – ich bin dieses Lebens müde, das kein Leben ist – ein elendes Scheinleben nur – ein Tod vor dem Tode – ja schlimmer; ein lebendiges Begrabensein! Ich will ihn sprengen, diesen fürchterlichen Sargdeckel – oder mich erwürgen mit meinen eigenen Händen!

Ein Pochen an der Tür, das schon ein paarmal von ihr überhört war, erschallte lauter. Sie ließ die Arme sinken, warf einen Blick durch den Raum, griff nach dem Busen, wo der Brief verborgen war, strich sich mit beiden Händen über Haar und Stirn und Augen und Wangen: Herein!

Ich fürchte, dich zu stören, sagte Reinhold, in der geöffneten Tür stehen bleibend.

Komm nur herein und schließ die Tür!

Es war die Ferdinande von gestern abend mit der halb gleichgültigen, halb finstern, undurchdringlichen Miene und der tiefen, klanglosen, müden Stimme.

Reinhold tat, wie ihm geheißen. Sie legte die Modellierhölzer, die sie im letzten Augenblick auf gut Glück ergriffen, wieder auf das Tischchen und reichte ihm die Hand: Ich habe dich längst erwartet.

Auch wäre ich viel früher gekommen, erwiderte Reinhold, – aber ein hübscher junger Mensch nebenan, den ich bei der Toilette gestört zu haben schien –

Antonio – ein Italiener – Herrn Anders' Gehilfe –

Konnte oder wollte mir keine Auskunft geben. Dann habe ich die Fabrikräume und den Hof durchstreift, deinen Vater zu suchen.

Sie hatte die große Schürze abgebunden; Reinhold war vor ihre Arbeit getreten.

Wie findest du es? fragte Ferdinande.

Sehr schön, erwiderte Reinhold mit aufrichtiger Bewunderung; aber ich wollte, es wäre weniger schön, wenn es um ebensoviel heiterer wäre. Der Zug um den Mund, der Blick der von der Hand beschatteten Augen, der ganze Ausdruck in dem sonst so lieblichen Gesicht – scheint mir nicht recht in Übereinstimmung mit der friedlich-ländlichen Beschäftigung, die durch die Sichel und das Ährenbüschel angedeutet ist. Als ich hereintrat, glaubte ich, ein Mädchen zu sehen, das nach dem Geliebten ausspäht. Jetzt späht sie noch – aber wehe ihm, wenn er kommt! Er mag sich vor der Sichel hüten! Habe ich recht?

Vollkommen, erwiderte Ferdinande, – und jetzt freue ich mich doppelt darauf, mit dir in die Ausstellung zu gehen. Wer so feinsinnig eine Dilettantenarbeit zu beurteilen weiß, mit dem muß es ein Genuß sein, die Werke wahrer Künstler zu betrachten.

*

Ich fürchte nun doch, ihr werdet mich so gründlich verwöhnen, daß ich mich nur schwer in mein einfaches Leben zurückfinde, sagte Reinhold, als er in des Onkels Equipage an Ferdinandes Seite durch die Tiergartenstraße dem Brandenburger Tor zurollte.

Weshalb hat man Wagen und Pferde, wenn man sie nicht benutzten soll, erwiderte Ferdinande.

Sie hatte sich in die Kissen zurückgelegt, mit der Spitze eines ihrer Füße nur eben den Vordersitz berührend. Reinholds Blick glitt fast scheu an der prachtvollen Gestalt hin, deren herrliche Formen ein elegantes Herbstkostüm auf das Vorteilhafteste hervorhob. Er glaubte erst jetzt zu entdecken, wie schön seine Cousine sei, und er fand es sehr erklärlich, daß sie offenbar die Aufmerksamkeit der bunten Menge erregte, von der die Promenade wimmelte, und mancher Kavalier, der an ihnen vorübersprengte, sich im Sattel wandte. Ferdinande schien nichts davon zu bemerken. Die großen Augen blickten vor sich nieder oder hoben sich mit einem träumerisch-müden Ausdruck zu den Wipfeln der Bäume, die, ebenso träumerisch-müde, regungslos die milde Wärme der herbstlichen Sonne zu trinken schienen. Vielleicht war es diese Ideenverbindung, daß Reinhold sich fragte, wie alt denn eigentlich das schöne Mädchen sei? Und ein wenig erstaunt war, als er bald herausgerechnet, daß sie nicht mehr weit von vierundzwanzig sein konnte. Sie hatte in seiner Erinnerung immer als das hochaufgeschossene, etwas magere, junge Ding gelebt, das sich eben zur Blume entfalten wollte. Aber freilich – es waren ja zehn Jahre seitdem vergangen. Vetter Philipp – damals ebenfalls ein langer, hagerer, junger Mensch – mußte ja bereits in dem Anfange der Dreißiger stehen.

Ein zweirädriges Kabriolett, das hinter ihnen kam, überholte sie. Auf dem hohen Bock saß ein großer, stattlicher, breitschultriger, mit höchster, wie es Reinhold schien, etwas studierter Eleganz gekleideter Herr, der den wundervollen, mächtig ausgreifenden Rappen selbst mit den in hellen Glacés steckenden Händen lenkte, während der kleine Groom mit übereinandergeschlagenen Ärmchen in dem niedrigen Hintersitze schaukelte. Der Herr hatte einem begegnenden Wagen eben ausweichen müssen, und seine Aufmerksamkeit war nach der andern Seite gerichtet gewesen; jetzt – bereits einige Wagenlängen entfernt – wandte er sich auf seinem Sitze und grüßte lebhaft mit Hand und Peitsche, während Ferdinande in ihrer lässigen Weise durch ein Kopfnicken antwortete.

Wer war der Herr? fragte Reinhold.

Mein Bruder Philipp.

Wie seltsam!

Weshalb?

Ich dachte nur eben an ihn.

Das kommt ja so oft vor – und besonders in einer großen Stadt und um die Stunde, wo alle Welt unterwegs ist. Es soll mich nicht wundern, wenn wir ihn in der Ausstellung wiederfinden. Philipp ist ein großer Bilderfreund und zeichnet und malt selbst gar nicht übel. Da hält er still – ich dachte es mir – Philipp weiß zu leben.

Im nächsten Augenblick waren sie Seite an Seite mit dem Kabriolett.

Guten Morgen, Ferdinande! Guten Morgen, Reinhold! Horrender Treffer, daß ich dich gleich am ersten Tage treffe! Schlechtes Wortspiel, Ferdinande? He? Sieht stattlich aus, der Herr Vetter, mit dem braunen Gesicht und dem Bart – braucht sich aber auch der Dame an seiner Seite nicht zu schämen – he? – Wohin wollt ihr? In die Ausstellung? Das ist ja prächtig – sehen uns da – der Gaul ist heute wie toll – au revoir!

Er berührte den Rappen, der bereits in dem Geschirr zu steigen begann, mit der Peitschenspitze und jagte davon, noch einmal über die breiten Schultern zurücknickend.

Ich würde Philipp nicht wiedererkannt haben, sagte Reinhold, – er sieht euch – ich meine: dem Onkel und dir, gar nicht ähnlich.

In der Tat war kaum ein größerer Gegensatz denkbar, als zwischen dem breiten, roten, bartlosen, glatten Gesicht des jungen Mannes mit dem kurzgeschorenen Haar und dem tiefgefurchten, von grauem Haar und Bart umwogten und umwallten prächtigen Antlitz von Onkel Ernst oder der edelblassen, vornehmen Schönheit Ferdinandes.

Ein Glück für ihn, sagte Ferdinande.

Ein Glück?

Er ist, als was er erscheint, der Mann seiner Zeit; wir sind mittelalterliche Gespenster. Dafür geht er unter uns als Gespenst um – es ist nicht seine Schuld.

Du stehst also in dem unseligen Zwiespalt zwischen ihm und dem Onkel auf seiner Seite?

Wir andern werden bei uns zu Hause um unsere Meinung nicht gefragt. Du wirst dir das für die Zukunft merken müssen.

In dem ersten großen, viereckigen Saale der Ausstellung – dem sogenannten Uhrsaale – stand die schaulustige Menge so dicht geschart, daß Reinhold, der Ferdinanden am Arm führte, kaum eine Möglichkeit des Weiterkommens sah. – In den Nebensälen ist es weniger voll, sagte Ferdinande, aber wir müssen doch ein wenig aushalten; es pflegen hier immer gute Bilder zu hängen. Wir wollen uns loslassen – man bewegt sich dann freier. Wie findest du diesen prachtvollen Andreas Achenbach? – Ist das nicht zum Entzücken? Wunderbar! In seinem besten, edelsten Stil! Himmel und Meer – alles grau in grau, und doch – wie scharf sich die einzelnen Partien voneinander abheben! Und wie er dann durch die rote Flagge da hinten am Mast des Dampfers und hier vorn durch die zitternden Lichter auf den überströmten Planken der Brücke wieder so viel Leben in die scheinbare Einförmigkeit zu bringen weiß – meisterhaft – ganz meisterhaft!

Reinhold hatte mit großem Vergnügen Ferdinandes begeisterter Schilderung zugehört. – Hier kann sie sprechen, dachte er; – nun, sie ist eben eine Künstlerin! Du siehst das alles auch, aber nicht im Zusammenhang, und wüßtest nicht zu erklären, warum es so schön ist.

Er stand da, in Betrachtung des Bildes verloren. Welches Manöver würde der Kapitän im nächsten Augenblick machen? Er mußte unzweifelhaft noch einmal umlegen, um vor den Wind zu kommen – dazu war er aber schon eine Schiffslänge oder so zu nahe an der Brücke – ein verteufeltes Manöver! dachte Reinhold. –

Werden die wohl ohne Kompaß ans Land kommen, Herr Kapitän? fragte eine Stimme neben ihm, und fröhlich war das Lächeln, das um die lieblichen Wangen, um die feinen Lippen spielte, als sie ihm jetzt ohne alle Befangenheit die Hand reichte, wie einem alten Freunde.

Wann sind Sie gekommen?

Gestern abend, mein gnädiges Fräulein.

Da haben Sie freilich noch nicht Zeit gehabt, sich nach uns zu erkundigen. Sind Sie allein?

Mit meiner Cousine.

Der müssen Sie mich vorstellen. Ich habe unten ihren Hirtenknaben gesehen – entzückend! Ich weiß ja jetzt erst von meinem Bruder, daß die Bildhauerin Ihre Cousine ist und daß wir Nachbarn sind und alles; – wo ist sie?

Ich sehe mich vergebens nach ihr um.

Nun, das ist lustig! Zwei verlassene Kinder in diesem Menschenwalde – ich fürchte mich ordentlich.

Ich habe meinen Bruder hier hineingehen sehen, sagte sie. – Da – nein, das war Herr von Saldern – lassen wir ihn! – ich finde ihn schon und Ihre Cousine?

Ist ebenfalls nicht hier.

Schadet auch nichts. Es wird ihr so wenig an Bekannten fehlen wie mir. Bis wir sie finden, plaudern wir ein wenig; oder wollen Sie Bilder besehen? Es sind hier ein paar köstliche Passinis.

Ich plaudere lieber.

Es plaudert sich auch nirgends besser als auf der Ausstellung in den ersten Tagen. Man kommt eigens, um zu plaudern, seine Bekannten nach dem langen Sommer, wo alle Welt fort ist, wieder zu begrüßen, die neuesten Toiletten, die die Bankiersfrau und ihre Töchter – wir Offiziersdamen spielen keine Rolle – aus Paris mitgebracht haben, zu mustern – man hat furchtbar viel zu tun, und die Bilder laufen ja nicht fort. Sie wollen nun den Winter bei uns bleiben, sagte mein Bruder?

Ein paar Wochen wenigstens.

Dann bleiben Sie auch länger. Sie glauben nicht, wie amüsant Berlin im Winter ist! Und nun gar für Sie, dem so viel Kreise offen stehen! Ihr Herr Onkel macht ein großes Haus, sagt mein Bruder, von dem ich alle meine Weisheit habe: Künstler gehen aus und ein – natürlich, wenn die Tochter vom Hause selbst Künstlerin und überdies so schön ist! Ist sie wirklich so schön? Ich bin so neugierig! Bei uns geht es freilich stiller zu und ein wenig einförmig – immer dieselben Leute – Offiziere – aber es sind treffliche Männer darunter, die Ihnen sehr zusagen werden, und unter den Damen ein paar liebenswürdige, hübsche Frauen und Mädchen. – Und dann kommt Fräulein von Strummin! Mieting! Sie hat es mir unter tausend Schwüren in Golmberg versprochen und schon ein halbes Dutzend Briefe über das Thema geschrieben – sie schreibt nämlich jeden Tag, – manchmal zwei Briefe an einem Tage; der letzte handelte nur von Ihnen.

Da wäre ich neugierig.

Das glaube ich; aber ich werde mich hüten, es Ihnen zu sagen: Ihr Herren seid so schon eitel genug. Auch mein Papa hält große Stücke auf Sie – wissen Sie das? Er meinte, es wäre schade, daß Sie nicht in der Armee geblieben wären. Sie hätten das so leicht gehabt, könnten noch jeden Augenblick wieder eintreten.

Sehr gütig, mein gnädiges Fräulein. Aber im Frieden! Ein Sekondeleutnant von dreißig Jahren – das geht schon nicht.

Freilich, freilich! Aber, wie wäre es mit der Marine? Das ließe sich gewiß machen, und Sie blieben gleich in Ihrem eigentlichen Berufe.

In dem bliebe ich freilich gern, antwortete Reinhold, und so geht mir denn auch eine Proposition, die mir der Herr Präsident von Sanden in diesen Tagen gemacht hat und die mich gleich zum Kommandeur befördern würde, sehr im Kopfe herum.

Zum Kommandeur? rief Else mit verwunderten Augen.

Zum Lotsenkommandeur, mein gnädiges Fräulein.

Ah!

Es lag eine Enttäuschung in dem Ausrufe, die Reinhold nicht entging. Er fuhr lächelnd fort: Das ist der Oberbefehlshaber von ein paar Dutzend rauher, wettergehärteter, seetüchtiger Männer und von einem Dutzend tüchtiger, sturmfester, schnellsegelnder Fahrzeuge, unter denen hoffentlich auch ein oder zwei Rettungsboote sich befinden – ein bescheidener Posten, mein gnädiges Fräulein, aber doch nicht ohne Verdienst und ganz gewiß voller Gefahren und, alles in allem, wert, daß jemand, der keine großen Ansprüche an das Leben machen kann, aber gern der Welt nach seinen Kräften und Fähigkeiten nützen möchte, seine Kräfte und Fähigkeiten und, was er sonst noch zu geben hat, freudig hingibt und daransetzt. Und ich – ich bliebe noch nebenbei in meinem ganz eigentlichen Berufe.

Sie haben recht – das ist Ihr ganz eigentlicher Beruf. Nehmen Sie ja den Antrag an, den Ihnen der liebe, alte Herr gemacht hat! Sie sehen, Sie haben Freunde in allen Kreisen. Und handelt es sich schon um eine bestimmte Stelle, wenn man fragen darf?

Ja, ich würde in Wissow meine Station haben.

In Wissow?

Sie schlug die Hände zusammen und lachte.

In unserm Wissow? Nein, das ist aber köstlich! Da wären wir ja halbe Nachbarn, von Warnow aus, und auch von Strummin, wenn ich Mieting den versprochenen Gegenbesuch mache. Dann kommen wir, und Sie segeln mit uns – aber weit, weit hinaus – wollen Sie?

So weit, wie Sie wollen!

Ein Mann, ein Wort! Und nun müssen wir vorläufig unsere Entdeckungsreise fortsetzen. – Ach, du lieber Himmel! Die Prinzessin Heinrich August mit den Prinzessinnen! – Sie hat mich jedenfalls schon gesehen – sie sieht alles mit einem Blick, ich darf nicht mehr fort; aber –

Ich gehe! rief Reinhold.

Tun Sie's, es ist besser! Hier – haben Sie noch eine Hand! Auf Wiedersehen!

*

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