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Friedrich Gerstäcker: Sträflinge - Kapitel 8
Quellenangabe
typefiction
authorFriedrich Gerstäcker
titleSträflinge
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8

An dem Abend ging es still in Mr. Powells Wohnung zu. Der Streifzug gegen die Schwarzen war allerdings geglückt, Mr. Powell aber keineswegs mit dem Ergebnis zufrieden. Georg kam gar nicht zu Tisch, und Mr. Bale, der heute mit im Hause aß, schien noch verdrießlich über den Verlust seines Pferdes.

Auch die Frauen waren einsilbig – das vergossene Blut warf seinen düstern Schatten über ihren heiteren Kreis, und früher als gewöhnlich brachen alle auf. Daß übrigens der nachlässige Hüttenwächter, der eigentlich die Schuld an dem Unfall trug, wie Bale dem Herrn vorschlug, augenblicklich entlassen werden sollte, fand dieser in seiner überdies gereizten Stimmung ganz in der Ordnung, und er dankte dem Aufseher, daß er gleich einen andern Mann eingestellt hatte. Miller sollte morgen früh abgelohnt werden und jener Toby an seiner Statt eintreten.

Was die bei der Station lagernden Schwarzen betraf, so hatten sie sich an diesem Tage vollkommen ruhig verhalten und meist mit Fischfang beschäftigt. Nur ein paar der jungen Leute waren, wie Mr. Powell glaubte, abgeschickt worden, um zu erkunden, was mit dem andern Stamme geschehe. Gegen Abend schien es jedoch, als ob einer dieser Kundschafter eine wichtige Nachricht bringe, denn die Burkas hatten sich versammelt und eine lange, eifrige Unterredung miteinander gehalten, zu der auch Nguyulloman von seinem Sandhügel herabgekommen war. Keineswegs hatten sie teil an dem Schafdiebstahl gehabt, und Mr. Powell dachte nicht daran, sie zu behelligen, ja gab sogar abends noch Auftrag, ihnen für einige Fische, die sie am Nachmittag ins Haus gebracht hatten, am nächsten Morgen zwei von den getöteten Schafen zuzustellen.

Um so größer war am nächsten Morgen das Erstaunen der ganzen Station, das Lager der Schwarzen vollständig geräumt und verlassen zu finden. Die Feuer glühten noch, aber schon mit der frühesten Dämmerung mußte der ganze Stamm aufgebrochen sein, und zwar über den Fluß hinüber, zu dessen Ufer die Spuren führten, während an der anderen Seite noch fünf oder sechs der einfachen Rindenkanus, mit denen sie ihre Überfahrt bewerkstelligt hatten, lagen.

Nur ein einziges Feuer brannte, eine einzige Hütte stand noch, und zwar die Nguyullomans auf dem Sandhügel, und der unglückliche, von seinem Stamme verlassene Krüppel saß oben allein bei seinem Feuer. Wie eilig mußte ihre Flucht gewesen sein, daß sie den Unglücklichen allein zurück- und der Gnade der Weißen überlassen hatten! Von diesen hatte er aber, wie er auch vielleicht recht gut wußte, nichts zu fürchten, und die Frauen besonders nahmen teil an ihm und seinem Schicksal. Mrs. Powell selber bat ihren Gatten, daß er ihr erlaube, ihn zu besuchen und ihm zu versichern, daß sie ihn hier keine Not würden leiden lassen.

Nguyulloman empfing die Damen, die, von Mr. Powell und Mac Donald begleitet, hinaufkamen, übrigens ziemlich kalt und einsilbig. Er schien selber niedergeschlagen über die Flucht seines Stammes, und noch nicht recht zu wissen, wie es die Weißen aufnehmen würden. Als diese ihm aber versicherten, daß er jeden Tag, bis seine Leute zurückkehren würden, seine Ration Fleisch bekommen solle, und Mr. Powell noch hinzusetzte: er würde dafür sorgen, daß er Holz zu seinem Feuer bekäme, taute er merklich auf und wurde gesprächiger. Die letzte Zusage erwies sich übrigens als unnötig, da bald darauf ein kleiner Bursche von acht oder zehn Jahren aus dem Busche mit trockenem Holz zurückkehrte, und die Eingeborenen doch also wenigstens insoweit für ihn gesorgt hatten, daß sie ihm das nötige Brennmaterial verschafften.

Über die Flucht des Stammes behauptete er aber nicht mehr zu wissen, als die Weißen auch. Über die wahrscheinliche Ursache sollten die Weißen indessen nicht lange im Zweifel bleiben, denn noch standen sie oben bei der einsamen Hütte, von der aus sie einen ziemlich weiten Überblick über das Flußtal hatten, als in der Ferne eine Staubwolke aufwirbelte und gleich darauf ein Reitertrupp sichtbar wurde.

»Was ist das?« rief Mac Donald erstaunt aus. Nguyulloman hatte die Nahenden schon lange bemerkt, ja, hätte man ihn genau beobachtet, so würde man entdeckt haben, daß er jene Schar schon den ganzen Morgen erwartet hatte, denn er saß mit dem Gesicht in der Richtung hin, und seine Blicke waren, selbst während er mit den Weißen sprach, nur selten von jener Gegend abgeschweift. »Sind nur Pferde«, erwiderte der Wilde, sein Feuer schürend.

»Und Treiber dabei?«

»Sitzt auf jedem ein Mann.«

»Lauter Reiter? – das ist ja kaum möglich. Wo kämen die her und wo wollten sie hin?«

»Sind Schwarze«, erwiderte der Wilde mit einer nur halb unterdrückten Verwünschung in der eigenen Sprache. »Schwarze, die sich haben abrichten lassen von den Weißen, ihre Brüder zu hetzen.«

»Die schwarze Polizei?« rief Powell erstaunt; »ei, von der hab' ich schon gehört; sie aber hier am Murray noch nicht gesehen, und noch viel weniger erwartet. Übrigens möchte ich wissen, was sie in diese Gegend führt, wenn sie nicht vielleicht nur auf einer Art Patrouille begriffen sind, um den Uferstrich am Murray zu revidieren.«

»Gott sei Dank, daß sie da sind!« sagte auch Sarah, – »hoffentlich beugen sie weiteren Übergriffen der Schwarzen vor und verhindern, daß sie für den gestrigen Tag Rache nehmen.«

»Liebes Kind«, sagte, sie beruhigend, Mr. Powell, »das hätten wir auch ohne sie nicht zu fürchten. Wir sind hier vollkommen stark genug, selbst dem größten Schwarm der Wilden die Spitze zu bieten, wenn sie je etwas Derartiges versuchen sollten. Übrigens denken sie gar nicht an einen solchen Angriff, und wir haben in dieser Hinsicht nicht das mindeste zu fürchten.«

»Ich weiß nicht«, sagte das Mädchen, »mir lag seit gestern ein so eigentümlich beklemmendes Gefühl auf der Brust – ich wollte euch nicht damit ängstigen und gab ihm keine Worte; aber es war mir immer, als ob uns ein großes Unglück drohe. Mit solcher Hilfe in der Nähe habe ich aber wieder Mut und hoffe, es wird alles an uns vorübergehen. Nicht wahr, Mr. Mac Donald?«

»Ja, mein Fräulein – ja – ich hoffe«, sagte der junge Mann wie zerstreut.

»So haben Sie etwas Ähnliches gefürchtet?« rief Sarah erschrocken.

»Gefürchtet? Nein«, erwiderte Mac Donald, der erst jetzt seinen Blick von den rasch näher kommenden Reitern abwendete, – »aber die Burschen werden jedenfalls hier haltmachen. Wollen wir nicht hinuntergehen, Mr. Powell, sie uns anzusehen?«

»Ich denke, ja.« Er schickte sich an, von den übrigen gefolgt, den Hügel hinabzuschreiten.

»Sie sind so ernst geworden, Mr. Mac Donald«, sagte im Hinuntersteigen Sarah zu dem Gaste, der schweigend an ihrer Seite ging.

»Ernst? – Haben Sie mich je anders gesehen, mein Fräulein?«

»Oh doch, ja«, sagte Sarah, leicht errötend, – »als Sie das erstemal zu uns kamen, waren Sie ganz anders – voller Lust und Laune, ja fast übermütig.«

»Wir werden älter, und der Ernst kommt mit den Jahren.«

»Noch nicht in diesen Jahren, hoffentlich«, lächelte Sarah; »das wäre zu früh, und wir wollen das Alter nicht vor der Zeit heraufbeschwören. Aber was haben Sie mit Ihrem Fuße? Sie hinken ja. Sie sind doch gestern nicht auch verwundet worden?« setzte sie ängstlich hinzu.

»Nein – nein«, lächelte der junge Mann, mit einem dankenden Blick die sorgliche Frage lohnend. – »Es ist nichts als eine Kleinigkeit. Ich habe mir den Fuß gestern etwas wund gescheuert, und der Stiefel drückt mich. Soviel ich weiß, ist ein Vorrat von Schuhen hier auf der Station, und mit etwas weiteren bin ich rasch wieder gut zu Fuß.«

»Mr. Mac Donald«, wandte sich jetzt plötzlich Mr. Powell, indem er stehen blieb und zurücksah, an den jungen Mann, »ich habe eine Bitte an Sie – oder vielmehr eine Anfrage.«

»Worin ich Ihnen dienen kann –«

»Versprechen Sie nichts vorderhand. Ich wollte Sie nur fragen, ob Sie Ihren Grauschimmel verkaufen würden.«

»Meinen Grauschimmel?«

»Ich weiß, es ist ein gutes Pferd, aber Pferde wechseln aus einer Hand in die andere, und ich will Ihnen auch sagen, weshalb ich Sie darum frage. Ich selber habe Pferde genug, aber Mr. Bale hat gestern das seinige verloren, und ich bin überzeugt, daß ich ihm mit dem Grauschimmel eine große Freude mache. Sagen Sie mir also, wenn er Ihnen überhaupt feil ist, Ihren Preis, und ich denke, wir werden wohl handelseinig darüber werden.«

»Ich denke auch«, erwiderte lächelnd Mac Donald. »Der Grauschimmel ist ein gutes Pferd, ebensogut gefällt mir aber der Braune, den ich vorgestern abend ritt, und wenn Sie damit einverstanden sind, tauschen wir.«

»Dabei kommen Sie zu kurz.«

»Ich glaube nicht – er springt vortrefflich und ist ein ganz passendes Pferd für den Busch. Ich wenigstens bin mit dem Tausche vollkommen zufrieden.«

»Gut, wenn Sie es sind, ich bin es auch,« rief Mr. Powell.

»Das nenn' ich rasch ein Geschäft abschließen«, sagte Sarah, »und Mr. Bale wird eine große Freude darüber haben.«

»Er geht wohl heute schon auf seine Station ab?« fragte Mac Donald.

»Auf seine Station? – nein«, sagte Mr. Powell; »er soll ausreiten, eine Herde Rinder aufzusuchen, die uns schon lange fehlt, und die einer der Stockkeeper kürzlich in der Nähe gespürt haben will. Er kann sie rasch finden, wenn er Glück hat, kann aber auch möglicherweise eine ganze Woche damit zubringen.«

Das Gespräch unterbrachen hier, gerade als die Männer den Platz vor dem Hause erreicht hatten, die donnernden Hufschläge der heransprengenden Truppe, die in demselben Augenblick um die Ecke der Umzäunung schwenkte, als Miller, der bisherige Hüttenwächter Powells, von der anderen Seite die Station betrat und sich mit etwas verlegenem und halb trotzigem Blick seinem Herrn näherte. Er wußte recht gut, daß er nach den bestehenden Gesetzen und nach dem geschlossenen Kontrakt keinen Penny mehr von diesem zu fordern hatte, da ihm die durch seine Schuld verlorenen Schafe angerechnet werden konnten, und er schon überdies manches schuldig war. Ob ihm Mr. Powell gutwillig etwas zahlte, hing von dessen Großmut ab; er selbst war entschlossen, ihn nicht darum zu bitten.

Für den Augenblick nahm aber des Stationshalters Aufmerksamkeit die schwarze Reiterei in Anspruch, und diese verdiente es auch. Es war eine wilde Schar, die heransprengte, und daß sie der Schrecken aller Buschranger und aller feindlichen Schwarzen geworden war, wußten sie recht gut und waren stolz darauf.

Vorn ritt ein weißer Wachtmeister in einer Art Dragoner-Uniform, mit kurzer, blauer Jacke, blauen Hosen, mit leichter Mütze, einem Pallasch an der Seite, Pistolen vorn in den Halftern, und außerdem noch den Karabiner an die rechte Seite geschnallt. Ihm folgte in unordentlichem Schwarme seine schwarze Eskadron, sechzehn Mann stark, ebenfalls in blauen Jacken und Hosen. Die wenigsten von ihnen schienen sich aber schon so weit zivilisiert zu haben, Mützen tragen zu können, und alle standen barfuß in ihren Steigbügeln, während ihnen das schwarze, lange Haar wild um die Schultern flatterte, und die großen, funkelnden Augen scharf und aufmerksam nach allem umherspähten, was sich ihnen zeigte. Einige hatten Sporen an die nackten Füße geschnallt, andere brauchten eine kurze, derbe Peitsche, die ihnen an einem Lederriemen um das Handgelenk hing.

Auch in ihren Waffen waren sie nicht gleich, und wahrscheinlich führten nur solche von ihnen Feuergewehre, die damit umzugehen wußten. Pistolenhalfter trugen aber die meisten, den Säbel alle.

Der Wachtmeister schwenkte, als er den Besitzer der Station erkannte, rasch auf diesen zu, seiner Schar ein Zeichen mit dem Arme gebend, zurückzubleiben, grüßte militärisch und sprang vom Pferde.

»Hab' ich die Ehre, Herrn Powell zu begrüßen?« fragte er, die Hand an seiner Mütze.

»So ist mein Name. Seien Sie mir willkommen mit Ihren Leuten«, lautete die gastliche Antwort des alten Herrn. »Ich hoffe nicht, daß Sie in so strengem oder eiligem Dienst sind, meine Station gleich wieder verlassen zu müssen.«

»Danke Ihnen, Sir, nein – habe sogar Befehl, hier in der Nähe zu lagern, bis mein Leutnant, der noch zurückgeblieben ist, mich einholt.«

»Wie heißt Ihr Vorgesetzter?«

»Oberleutnant Walker.«

»Ah, ein alter Bekannter, wenn ich nicht sehr irre. Erinnerst du dich noch an Leutnant Walker in Sydney«, sagte er zu seiner Tochter, »der uns einmal auf unserer Reise nach Paramatta begleitete?«

»Ich glaube, ja«, erwiderte das schöne Mädchen, und ein leichtes Erröten färbte ihre Wangen. »Soviel ich mich erinnere, war er damals erst kürzlich in das Korps eingetreten.«

»Allerdings, Miss«, bestätigte der Wachtmeister. »Er zeichnete sich später bei einer Affäre mit einem Trupp verzweifelter Buschranger so aus, daß er die Medaille erhielt und zum Oberleutnant befördert wurde.«

»Wir werden uns freuen, ihn wieder begrüßen zu können«, sagte Mr. Powell. »Aber bitte, richten Sie jetzt vor allen Dingen Ihre Leute ein. Sie scheinen einen weiten Ritt gemacht zu haben, denn die Pferde sehen müde aus. Über das weitere können wir dann später sprechen. – Haben Sie irgendein bestimmtes Ziel, wenn man fragen darf?«

»Kein Geheimnis«, erwiderte der Wachtmeister. »In den Hindmarschsümpfen hatte sich eine kleine Bande von Buschrangern unter einem sehr unternehmenden Führer schon seit längerer Zeit aufgehalten und dort ihr Unwesen getrieben. Die haben wir zersprengt und den größten Teil gefangen, andere in den Busch getrieben, wo sie von der berittenen weißen Polizei umzingelt und wahrscheinlich jetzt schon ebenfalls unschädlich gemacht sind. Hoffentlich ist dort der Anführer dabei. Einzelne, besonders ein paar aus der Hefe der Sträflinge, die wegen der scheußlichsten Verbrechen lebenslänglich deportiert waren, sind aber nordwärts in den Busch geflüchtet, und es ist, wenn auch nicht wahrscheinlich, doch möglich, daß sie den Murray erreichen. Deshalb ist eine Streife am Murray befohlen worden, um die Stationshalter zu benachrichtigen, daß sie sich vorsehen mögen, wenn die Burschen wirklich im Laufe der Zeit eintreffen sollten. Jetzt stecken sie noch drin im Malleybusch, wenn uns die Schwarzen nicht den Gefallen erwiesen haben, die Kolonien von diesen Pestbeulen der menschlichen Gesellschaft zu befreien. – Irgend etwas hier vorgefallen, Sir?«

»Wir hatten gestern ein kleines Scharmützel mit einem Trupp Schwarzer, die uns in die Hürden gebrochen waren; doch das erfahren Sie später. Jetzt denken Sie an die Bequemlichkeit Ihrer Leute, die vielleicht gleich das von einem Stamme erst heute morgen verlassene Lager benutzen können.«

Der Soldat grüßte wieder und schwenkte mit seinem Pferd zurück zu seiner Schar, um diese unterzubringen.

Georg, der ebenfalls herbeigekommen war, schloß sich ihm auf einen Wink seines Vaters an, um die Pferde für die Nacht in einer sogenannten Paddock oder eingezäunten Weide unterzubringen.

Die Schwarzen, sobald sie ihre Tiere versorgt sahen, gingen nun rasch daran, ihr Lager herzurichten. Allerdings ließen sie sich dabei nur die von ihren Stammesgenossen geschlagenen Rindenstücke gefallen, aber der alte Lagerplatz bchagte ihnen nicht. Die Rinde trugen sie an einen von dem vorigen Lager entfernten Platz, den sie jedoch des Wassers wegen auch dicht am Flusse aussuchten.

Merkwürdigerweise hatten die schwarzen wilden Stämme keine erbitterteren und gefährlicheren Feinde auf dem ganzen australischen Kontinent, als gerade die schwarze Polizei. Die Schwarzen, die meist nur dieser Polizei beigetreten waren, um Waffen, ein Pferd und reichlich zu essen zu bekommen, waren nie glücklicher, als wenn sie gegen einen der heimischen Stämme losgelassen wurden, und wenige Weiße hätten sich solche Grausamkeiten gegen sie erlaubt, wie diese Eingeborenen selber, wenn sie nicht von den Weißen streng im Zaum gehalten wurden.

Jetzt überließen sie sich ganz dem einem Eingeborenen höchsten Gefühl der Behaglichkeit: genug zu essen und nichts zu tun zu haben, und als ihr Lager hergerichtet und genug Feuerholz für die Nacht herbeigeschafft war, setzte sich ein Teil lachend und schwatzend zu den Feuern, während ein anderer auf der Station umher- und auch endlich zu Nguyulloman hinaufschlenderte, um dem wunderlichen Burschen, den einige von ihnen schon kannten, einen Besuch abzustatten.

Eigentümlich war dabei, wie aufmerksam sie alles betrachteten, was ihnen in den Weg kam. Kein Pferd, kein Stück Vieh entging ihrem Blick, wobei sie vor allem auf die Brandzeichen achteten.

Nguyulloman empfing den Besuch in seiner ganzen Würde als einziger Vertreter seines Stammes – was ihn übrigens nicht hinderte, die ihm Nächsten ohne weiteres um ein Stück Tabak anzubetteln. Auf ihre Fragen gab er nur sehr einsilbige, ausweichende Antworten, und beklagte sich endlich, als sie durchaus von ihm wissen wollten, wohin sich seine Leute gewandt, bitter darüber, daß sie ihn hier zurückgelassen hätten. Wohin sie gingen, würden sie wahrscheinlich selber nicht gewußt haben – jedenfalls Wallobys zu jagen – und er dächte, daß sie morgen oder am anderen Morgen wieder zurückkommen müßten.

Alle diese Schwarzen trugen, solange sie im Dienst waren, den Säbel. Vielen mochte aber dieser eine noch sehr ungewohnte, vielleicht auch unbequeme Waffe sein, obgleich es ihrer Eitelkeit schmeichelte, ihn neben sich herklappern zu hören. Ein großer Teil von ihnen führte auch noch zu seinem Privatgebrauch den Bumerang mit sich, um ihn als Angriffswaffe sowohl im Kampf mit »aufrührerischen« Schwarzen, als auch im Busch und auf der Jagd für Wallobys und Opossums zu verwenden.

Auch jetzt machten sich fünf oder sechs von ihnen auf, in der Nähe nach diesem Wild zu jagen, während andere an den Fluß gingen, um dort zu fischen.

Der Wachtmeister ließ seine Leute ruhig gewähren. Ihrer Folgsamkeit gewiß, wie er sie vom diszipliniertesten Soldaten hätte fordern können, brauchte er ihnen nur Zeit und Ort zu bestimmen, wann und wo sie sich wieder einzufinden hatten, und er wußte, daß das nicht allein pünktlich geschah, sondern daß sie auch die ihnen gelassene Gelegenheit vortrefflich und aus eigenem Antrieb benutzten, alles, was dort in der Gegend geschah, auszukundschaften. Wie ebensoviele gut dressierte Schweißhunde stöberten sie nach allen Richtungen umher, und keine fremde Fußspur, kein anders gezeichnetes Stück Vieh entging dem rastlos umherschweifenden Auge.

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