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Friedrich Gerstäcker: Sträflinge - Kapitel 17
Quellenangabe
typefiction
authorFriedrich Gerstäcker
titleSträflinge
senderwww.gaga.net
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
modyfied20140523
created20050602
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17

Dicht an Adelaide, die Hauptstadt Südaustraliens, grenzend, lag ein kleines, beinahe nur von Deutschen bewohntes Städtchen, Saaldorf genannt. Ordnung herrschte überall: die Zäune und Stakete waren musterhaft hergerichtet, die Straßen reinlich, die Fenster blank. Der kleine Ort bestand aus dreißig bis fünfunddreißig Häusern, mit zwei Kirchen und ebenso vielen Gasthöfen oder ›Hotels‹; unterschied sich aber darin wesentlich von den englischen Städten Australiens, daß er kein Gefängnis enthielt, das bei allen Ortschaften in Neusüdwales den Mittelpunkt bildet. Das benachbarte Land war fast nur von Deutschen besiedelt, und das Bedürfnis, in ihrer Mitte Geschäfts- und Handwerksleute zu sammeln, die ihnen zuführten, was sie brauchten, oder ihre verschiedenen Arbeiten verrichteten, hatte zuerst einen Schmied hierhergelockt, der sich unter den Landleuten niederließ. Dann folgte ein Rad- oder Wagenmacher, dann ein Sattler; dann kamen zwei Schneider und ein Schuhmacher. Bald gesellte sich ein Apotheker zu ihnen, und ein Geistlicher nahm die kleine Herde unter seinen Schutz. Alsbald fand sich auch ein Arzt bewogen, den Apotheker zu unterstützen, und Tischler, Metzger, Blechschmiede folgten, bis sämtliche Handwerker vertreten waren.

Später kamen noch einige Geistliche von verschiedenen Sekten und Ansichten, und den Schluß bildete in allerletzter Zeit sogar ein Advokat – Herr Doktor Spiegel. So war dort ein deutsches Städtchen mitten in einer sonst englisch und deutsch gemischten Umgebung entstanden, denn in den angrenzenden einzelnen ›Sektionen‹, in deren jeder ein kleiner abgeschiedener Bauernhof stand, wohnten ebenfalls meist deutsche, aber auch einige irische und englische Bauern, und zogen Weizen, Gerste, Kartoffeln und andere Früchte.

In Saaldorf wohnte unter anderen, mit denen wir später noch näher bekannt werden, auch der Blechschmied Lischke mit seiner Frau Katharina und seiner achtzehnjährigen Tochter Susanna.

Lischke, ein einfacher und außerordentlich fleißiger Mann, war vor zehn Jahren als blutarmer Einwanderer nach Australien gekommen. Durch Fleiß und Sparsamkeit hatte er es nicht allein dahin gebracht, nach Ablauf der ersten drei Jahre ein Stück Landes selber mit Vorkaufsrecht zu pachten, sondern es gelang ihm auch, vor einigen Jahren von diesem Rechte Gebrauch zu machen, und so befand er sich in dem Rufe eines wohlhabenden Mannes. Jedenfalls verdiente er sich recht hübsches Geld, und er wie seine Frau hielten das Ihrige wacker zu Rate. Daß er alles durch sich selber erworben hatte, war sein Stolz, und die Menschen, die Gleiches von sich sagen konnten, standen bei ihm in ganz besonderer Achtung. Von allen anderen hielt er wenig, und sein Lieblingsausspruch, wenn er von jemand hörte, der viel Geld geerbt oder auf eine sonst sehr leichte, unerwartete Art gewonnen hatte, war: »Plenty (sehr viel) Schwindel – wie gewonnen, so zerronnen – die treiben's nicht lange.«

Lischke war heute morgen auf seinem Felde gewesen, kam eben, die Hände in den Taschen, die kurze Pfeife im Munde, zurück, und sah außerordentlich vergnügt aus. Seine Ernte hatte er glücklich eingebracht, seine Felder waren in gutem Zustande. Wie er noch so selbstzufrieden dahinschlenderte, hörte er ein Pferd hinter sich, und bald darauf überholte ihn ein junger Bursche, der ebenfalls den Deutschen auf keine Weise hätte verleugnen können.

»Ei, sieh mal an, Chrischan«, sagte Lischke mit freundlichem Kopfnicken, den Gruß des jungen Mannes, der vom Pferde sprang und sein Tier am Zügel nahm, erwidernd, »wie geht's – woher den Nachmittag?«

»Oben von Mühlheims, Herr Lischke, ich habe mir was an Maserholz bestellt, um eine Arbeit fertig zu machen.«

»So – und wo soll jetzt die Reise hingehen? – Über den Torrens hinüber?«

Der junge Bursche schwieg einen Augenblick, und es war fast, als ob er rot würde – endlich sagte er halb entschlossen, halb verschämt:

»Eigentlich zu Euch, Vater Lischke – ich – ich hätte ein Anliegen –«

»An mich?« schmunzelte der Blechschmied, – »das wird wieder was Erhebliches sein. Wahrscheinlich wie neulich, wo Ihr auch ganz erhitzt und mit einem dicken roten Kopfe zu mir hereinkamt und ein großes Anliegen vorschobt, und wie's nachher herauskam, was Ihr haben wolltet, war's die Blechschere, um ein paar Scharniere abzuschneiden.«

Christian Helling wurde womöglich noch röter, ging ein paar Schritte schweigend neben dem Alten her und sagte endlich mit halb flüsternder, beklommener Stimme: »Damals wollte ich Euch dasselbe sagen, um was ich Euch heute aufzusuchen komme – brachte aber das Wort nicht über die Zunge – und heute steckt mir's wieder in der Kehle.«

»Drückt's heraus, Mann«, lachte der Alte – »oder halt«, sagte er, indem er ihn etwas mißtrauisch von der Seite ansah – »ich – ich glaube, ich hab's erraten. – Ihr wollt Geld borgen, und die ehrlichen Leute bringen das gewöhnlich nicht ordentlich über die Lippen, während es den Lumpen wie Wasser abläuft. – Hab' ich's getroffen?«

»Nein, Vater Lischke«, sagte der junge Bursche, »es ist – es ist eigentlich noch viel, viel mehr.«

»Noch mehr als Geld borgen?« rief der Alte, und blieb ganz erstaunt auf der Straße stehen.

»Ja«, sagte jetzt Christian mit einer gewaltsamen Anstrengung – »ich – wollte Euch um Eure Tochter bitten!«

»Meine Tochter – hm!« sagte Lischke, sich doch etwas überrascht das Kinn streichend – »weiter nichts? – Je, nun, seht einmal, Chrischan, die Sache ließe sich allenfalls bereden. Ihr seid ein tüchtiger Kerl, seid von klein auf in der Welt gewesen, aber – habt Ihr denn das Mädel schon um seine Meinung gefragt, he? – Eigentlich hat die doch auch ein Wort mitzureden.«

»Noch nicht«, sagte der junge Bursche verlegen, »ich wollte – wollte doch eigentlich erst wissen, woran ich mit Euch wäre, und ob Ihr und die Mutter nichts dagegen hättet.«

»Das ist aller Ehren wert«, rief Lischke, »seht Ihr, Chrischan, das gefällt mir. Ihr seid ein ordentlicher Kerl und mit Euch kann man was anfangen. Euer Brot habt Ihr auch, die Tischlerei geht vortrefflich, und die Mutter wird gewiß nichts dagegen haben, wenn ihr das Mädel im Anfang auch noch einigermaßen in der Wirtschaft fehlen sollte. – Und Susanna ist Euch gut?«

»Ich hoff es, Meister Lischke«, sagte Christian mit einem Seufzer. »Wir sind ja zusammen über See gekommen, und wenn wir beide auch damals gar jung waren, so hatten wir uns doch immer gern – wie Geschwister. Seit drei Jahren liegt mir die Sache aber im Kopfe, und ich habe gearbeitet wie ein Pferd, um es endlich einmal zu etwas Ordentlichem zu bringen.«

»Drei Jahre schon«, schmunzelte Lischke, »das habt Ihr aber höllisch geheim gehalten, denn ich habe nicht die Spur davon gemerkt.«

»Wenn's nur Susanna gemerkt hat«, lächelte Christian halb verlegen, halb vergnügt vor sich hin – »auf Euch war's auch eigentlich nicht abgesehen.«

»Na – ich will Euch was sagen, Chrischan«, meinte Lischke gutmütig – »ich für mein Teil habe nichts gegen Euch, will sogar mit der Mutter sprechen. Meine Alte will freilich immer mit ihrer Susanna hoch hinaus und schwafelt von großen Kaufleuten und sonst was, aber – mir gefällt die Geschichte nicht – plenty Schwindel, Chrischan, plenty Schwindel. Ihr seid ein ehrlicher Kerl, und nicht allein ein guter Tischler, sondern versteht auch was vom Ackerbau. Also, wenn Ihr das Mädel wollt und sie Euch auch mag – versteht sich – ich habe nichts dawider.«

»Dank, Meister Lischke«, rief Christian voller Freude aus.

»Und da Ihr denn doch einmal im Zuge seid«, lachte Lischke, als sie seinen Garten erreicht hatten und er die Tochter dort bemerkte, »so könnt Ihr gleich Euer Wort an der rechten Schmiede anbringen. Da drin sitzt die Susy.«

Und dem künftigen Schwiegersohne freundlich zunickend, schritt er der Haustür zu.

Christian blieb noch eine ganze Weile, sein Pferd am Zügel, mitten auf der Straße stehen. Endlich faßte er sich aber doch ein Herz; er schritt auf die Gartentür zu, drückte das Schloß auf und ging den schmalen Pfad entlang, der auf die kleine im Innern angebrachte Laube zu führte.

Susanna war aufgesprungen, als sie die Tür ins Schloß fallen hörte; wie sie aber Christian erkannte, setzte sie sich wieder, und ihn ruhig erwartend, streckte sie ihm die Hand zum Gruße entgegen.

»Nun, wie geht's, Christian?« fragte sie, als er ihr, wider Willen errötend, einen guten Tag bot. »Aber, was ist dir heute? – Du bist so sonderbar.«

»Susanna«, sagte Christian, indem er wieder ihre Hand ergriff und festhielt – »ich hätte ein kleines Anliegen an dich.«

»Und das wäre?« rief Susanna, fast erschrocken von ihrem Sitze aufstehend, als ob sie das Kommende ahnte.

»Bist du mir gut?« fragte Christian, ihr treuherzig ins Auge sehend.

»Gewiß«, lachte Susanna, aber das Lachen war gezwungen, »das ist eine sehr alte Geschichte, und ich habe noch nie Ursache gehabt, über dich böse zu sein.«

»So mein' ich's nicht, Susanna!« bat der junge Bursche, sich ein Herz fassend – »ich möchte wissen, ob du – ob du meine Frau werden möchtest?«

»Ha, ha!« rief Susanna, ihre Hand aus der seinigen ziehend, »ob ich deine Frau werden möchte? Der Wunsch ist allerdings noch nicht in mir rege geworden.«

»Susanna«, sagte Christian treuherzig, »wir kennen uns schon seit unserer Kinderzeit, sind mitsammen hier in die fremde Welt gekommen, und ich weiß niemanden, den ich lieber hätte auf der ganzen Erde. Willst du mich haben, so schlag' ein und sag' mir ein ehrliches Ja. – Ich weiß wohl«, – setzte er etwas leiser hinzu, als sie ihn zögernd und fast spöttisch ansah – »du hast mehr gelernt als ich – kannst gut schreiben und lesen, und weißt von allem zu erzählen, was in der Welt vorgeht. Ich selber habe mein ganzes Leben von früh auf hart arbeiten müssen, und meine Eltern waren so arm, daß sie mich knapp ein paar Jahre in die Dorfschule schicken konnten. Es könnte auch sein, daß du – vielleicht – einen vornehmeren Bräutigam fändest – aber ein treueres Herz wahrhaftig nicht. Susanna und ich denke, du dürftest es nie bereuen, wenn du – wenn du mich zum Manne nähmest.«

Christian atmete tief auf. Es wurde ihm unheimlich zumute, daß Susanna gar nichts darauf erwiderte. Sie wußte aber auch wirklich nicht, was sie ihm gleich antworten sollte. Das einzige Kind ihrer Eltern, und ein hübsches Mädchen, von regem, lebendigem Geist, war sie von ihnen, besonders von der Mutter, verzogen worden. Ihre Ansprüche an das Leben gingen höher hinaus, als eine ›Tischlersfrau‹ zu werden. Ihrer Eitelkeit war aber durch den Antrag geschmeichelt, und das vielleicht unbewußte Lächeln, das sich dabei über ihre Züge stahl, nahm der ehrliche Christian für ein gutes Zeichen.

»Und willst du mein werden, Susanna?« sagte er leise, indem er ihre Hand zu nehmen versuchte, die sie ihm aber entzog.

»Und wenn ich nun nein sage?«

Christian sah ihr eine Weile treuherzig in die Augen und sagte dann traurig:

»Dir, Susanna, würde das vielleicht nicht schwer werden, mir aber – bräch' es das Herz.«

»Ich will mir die Sache noch überlegen«, erwiderte das Madchen. »Aufrichtig gesagt, Christian, glaube ich nicht, daß wir beide recht gut zueinander passen. Es ist doch am Ende besser, du überlegst dir einmal, ob es nicht in oder um Adelaide noch ein anderes Mädchen gäbe.«

»Susanna!« rief der arme Teufel bittend.

»Nun, ich meine nur, du sollst es dir überlegen«, lachte die Schöne. »Jedenfalls sind wir noch beide jung und brauchen uns nicht zu übereilen. Laß mir wenigstens Zeit zum Nachdenken.«

»Und wann willst du mir Antwort geben?« fragte Christian recht kleinlaut.

»Ich weiß es noch nicht«, antwortete Susanna – »morgen vielleicht – oder übermorgen – oder am Montag – ich will dir meine Antwort schreiben, Christian, oder ich lasse dich bitten, uns wieder zu besuchen – aber – komme nicht früher – willst du mir das versprechen?« – Sie streckte ihm die Hand entgegen, die er festhielt.

»Ach, ich wollte, du sagtest ja. Susy – und nicht wahr – nein sagst du doch gewiß nicht?«

Susanna lachte.

»Du bist ein wunderlicher Kauz – wenn ich nicht nein sagte, müßte ich doch jedenfalls ja sagen. Also ich sende dir Antwort. Leb' wohl, Christian.«

»Leb' wohl, Susy – sieh, ich möchte jetzt gar so gern –« aber er getraute sich nicht, noch etwas zu sagen, drückte ihr noch einmal die Hand, drehte sich um, verließ den Garten, stieg auf sein Pferd und ritt, ohne sich auch nur ein einziges Mal umzusehen, langsam die Straße hinunter, die nach Adelaide führte.

Susanna blieb im Garten stehen und sah dem davonreitenden jungen Mann nach. Nachdenklich schüttelte sie den Kopf:

»Nein, mein Junge, wir beide passen nicht zueinander. Ich bin doch wohl noch zu etwas Besserem geboren. Wenn der Vater auch brummt und tobt, die Mutter läßt mich nicht im Stich und wird mir –« plötzlich stieß sie einen halblauten Schrei aus, als sich eine Hand um ihre Hüfte legte und eine schmeichelnde Stimme fragte:

»So in Gedanken, mein schönes Suschen – und so erschreckt? An was dachten Sie eben, wenn man fragen darf?«

»Das darf man eben nicht fragen, Herr von Pick«, sagte Susanna, indem sie versuchte, sich von ihm zu befreien; – »aber wo kommen Sie auf einmal her?«

»Dort hinter der Geraniumhecke habe ich gestanden«, lachte der junge Mann, »und Ihrer Unterhaltung mit unserem biederen deutschen Bauernjungen – meinem freundlichen Wirt – wenn auch nicht zugehört, doch zugesehen. Das muß etwas höchst Interessantes gewesen sein, was Sie da verhandelt haben – vielleicht ein neuer Kleiderschrank, denn er guckte immer hinauf und herunter, als ob er Maß an den Bäumen nähme.«

»Er hat um meine Hand angehalten, Herr von Pick«, sagte ruhig Susanna.

»Alle Teufel!« rief der junge Herr aus – »für so gescheit hätt' ich den Tölpel nicht einmal gehalten.«

»Es ist ein braver Junge, der es ehrlich meint«, erwiderte ernst das Mädchen.

»Aber Sie haben ihn doch hoffentlich abgewiesen, Susanna?« fragte der junge Mann, indem er der Schönen ins Auge sah.

»Abgewiesen? – Weshalb?«

»Meinethalben, Susanna!« bat dringend der Werber, indem er das junge Mädchen aufs neue zu umfassen suchte.

»Ihrethalben?«

»O, Sie wissen ja doch, wie ich Sie liebe – müssen es wissen, daß all mein Dichten und Trachten, so lange ich in diesem unglückseligen Adelaide lebe, nur einzig und allein darauf gerichtet war, Ihren Vater für mich zu gewinnen. Ihre Mutter will mir wohl – Sie selber sind mir gut-«

»Woher wissen Sie das?« fragte Susanna.

»Die Liebe ist blind, mein Herzchen, aber die Liebhaber sind es nicht«, lachte von Pick, »und Sie selber doch für etwas Besseres bestimmt, als die Frau eines Bauernjungen oder Tischlers zu werden. Wollen Sie meine Frau werden, Suschen – wie? – sagen Sie ja«, flüsterte er ihr leise ins Ohr, indem er sie an sich preßte.

Susanna war blutrot geworden und schaute schweigend vor sich nieder, endlich sagte sie leise, ohne sich seiner halben Umarmung zu entziehen:

»Wer Ihren Worten glauben dürfte – wer nur wüßte, ob Sie es ebenso ehrlich meinen, wie jener Bauernjunge, der mich gewiß von Herzen lieb hat.«

»Liebes – liebes Mädchen«, flüsterte der junge Mann, auf die kaum widerstrebenden Lippen einen heißen Kuß drückend – »zweifelst du daran, daß ich dich heiß und innig liebe? – Heute noch sprech' ich mit deinem Vater – ich bin überdies hergekommen, um ihn zur Teilnahme an einer wichtigen Sache aufzufordern, die allein schon mein Glück begründen und mich und ihn zu einem steinreichen Mann machen kann. Darf ich ihm sagen, daß du mir gut bist und meine Frau werden willst?«

»Der Vater wird nicht einwilligen«, flüsterte Susanna, »weit eher gäbe er seine Einwilligung zu einer Heirat mit Christian.«

»Aber du und die Mutter werdet ihn überreden«, drängte Pick, »deine Mutter ist mir gewogen, und daß ich dir gut bin, hat sie lange gemerkt.«

Langsam näherte er dabei seine Lippen wieder den ihrigen. Susanna sah ihm mit verschwimmendem Blick ins Auge, riß sich aber in der nächsten Sekunde aus seinen Armen und eilte dem Hause zu.

Oskar von Pick blieb allein zurück. Er setzte sich auf eine Bank, schlug ein Bein über das andere, und sagte endlich mit halblauter Stimme:

»Hm – so weit wären wir, mein alter Junge – verdammt nettes Mädchen, drall und rund und frisch von Geist und Körper – und der Alte hat Geld! Aber wovon heiraten? Wenn die Kohlenspekulation richtig einschlüge und das Mehl tüchtig im Preise stiege, wär's keine Not – habe in dieser Zeit verschiedene Eisen im Feuer. Aber eine mißliche Sache bleibt die Geschichte doch! Ist mir ein klein wenig zu früh über den Hals gekommen, und der Alte ist einer von den richtigen dickköpfigen deutschen Bauern. Bah!« unterbrach er seine Betrachtungen, »die Kohlengeschichte wird mir helfen – kam genau zur rechten Zeit.«

Er ging erst noch eine ganze Weile, wie um seine Gedanken zu sammeln, hinter der Olivenhecke auf und ab, bis er, endlich mit sich im Reinen, Susanna folgte und den Weg nach dem Hause einschlug.

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