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Friedrich Gerstäcker: Sträflinge - Kapitel 14
Quellenangabe
typefiction
authorFriedrich Gerstäcker
titleSträflinge
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secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
modyfied20140523
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14

Mit Tagesanbruch war Walker, in Begleitung seines Gefangenen und Mabongs, aufgebrochen, und Mac Donald schien sich ruhig in sein Schicksal zu finden. Er ritt auch sein umgetauschtes Pferd, das ihm der Leutnant überlassen hatte, um rascher vorwärts zu kommen. Seine Hände waren freilich noch immer gefesselt, und eine starke, im Zügel seines Pferdes befestigte Leine, deren anderes Ende um Walkers Sattelknopf geschlungen war, machte jeden Fluchtversuch von vornherein unmöglich.

Die Station lag, als sie den Platz verließen, noch still und ruhig; nur einer der Hüttenwächter brachte aus der kleinen Einfriedigung vier Pferde an den Zügeln herbei und begann sie zu satteln. Mac Donalds Grauschimmel war dabei.

Walker hielt neben dem Mann, der neugierig und erstaunt stehen geblieben war, um den Gefangenen abführen zu sehen, und sagte:

»Für wen die Pferde, Freund, zu so früher Stunde?«

»Für Master, Sir«, erwiderte der Mann, »Master und Mr. George und Mr. Ned wollen mit Mr. Bale hinausreiten und Pferde eintreiben für den Adelaide-Markt.«

Mac Donald warf noch einen Blick nach dem kleinen freundlichen Wohnhause zurück. Es war ihm fast, als ob er die eine der verhangenen Gardinen sich bewegen sähe; dann ritt er schweigend neben seinem Wärter die hier ziemlich breite und sandige Straße entlang. Mabong folgte dicht hinter ihnen und hatte strengen Befehl, den Gefangenen bei dem geringsten Fluchtversuch vom Pferde zu schießen.

Als sie die äußerste Grenze der Station und den Rand des hier beginnenden Busches erreichten, kamen ihnen Reiter entgegen, und bald darauf sprengte der Wachtmeister mit acht von seinen Leuten herbei.

»Herr Oberleutnant«, sagte der alte Soldat, indem er die Hand an die Mütze legte – »ich habe zu melden, daß – alle Teufel!« unterbrach er sich plötzlich, Dienst und Disziplin in dem Erstaunen über den gefesselten Fremden vergessend, »Mr. Mac Donald mit Handmanschetten ihrer Majestät?«

Der Leutnant sagte, auf den Gefangenen deutend, mit ironischer Höflichkeit zu seinem Wachtmeister:

»Kulloch, ich habe das Vergnügen, Euch hier Herrn Jack London vorzustellen.«

»Alle Wetter!« rief der Wachtmeister. »Da hat der Ritt doch die Mühe gelohnt, und wir haben die beiden Hauptvögel erwischt und unschädlich gemacht.«

Mabong war zu den Kameraden geritten, sie von der Bedeutsamkeit ihres Fanges in Kenntnis zu setzen, und die schwarzen Burschen, ihre großen weißen Augen rollend, drängten sich neugierig herbei, um den Weißen, der sich zwischen sie hineingewagt hatte und ihrer Wachsamkeit entgangen war, in der Nähe zu sehen.

»Zurück mit euch!« rief ihnen der Offizier zu. – »Wachtmeister, haltet Eure Schar in Ordnung; die Kerle wissen so wenig von Disziplin, wie eine Herde Schafe.«

Walker gab das Zeichen zum Aufbruch. Der Wachtmeister blieb, während Mac Donald zur Linken ritt, an seiner rechten Seite, und die Schwarzen folgten in einer Entfernung von etwa zwanzig Schritt.

Der Wachtmeister erstattete kurzen Bericht und sprach seine feste Überzeugung aus, daß der verwundete Buschranger im Murray das Ende seiner verbrecherischen Laufbahn gefunden habe. Die Schwarzen seien allerdings noch anderer Meinung, weil sie auf dem Grund des Stromes auch nicht die mindeste Spur gefunden hätten. Eine solche habe aber jedenfalls die starke Strömung wieder verwischt, und ihre weiteren Nachforschungen würden wahrscheinlich ohne Erfolg bleiben. Außerdem müsse es weiter oben am Strome stark geregnet haben, denn der Fluß sei in der letzten Nacht drei Zoll gestiegen, und wenn er in dieser Jahreszeit zu wachsen anfange, so dauere es oft gar nicht lange, daß er die Ufer überflute.

»Desto mehr Grund haben wir dann, unsere Nachforschungen so rasch als möglich zu beenden«, erwiderte ihm der Offizier, während er vom Pfad ab nach dem hier kaum zwanzig Schritt mehr entfernten Fluß zuhielt – »wie mir scheint, fängt das Wasser sogar an, trübe zu werden. Benutzt also noch den heutigen Tag dazu, durchsucht das andere Ufer besonders bis zur Station hinunter, und erst, wenn sich nichts ergibt, folgt mir heut abend mit den Leuten. Mabong mag mit Euch gehen, und ich selber nehme einen der anderen Leute zur Bedeckung mit. Auf der nächsten Station erwarte ich näheren Bericht.«

Dem Wachtmeister schien nicht viel daran gelegen, die Nachsuche fortzusetzen, aber der Befehl mußte ausgeführt werden. Er bog daher mit seinen Leuten rechts ab.

Der Leutnant ritt mit seinem Gefangenen, von einem anderen der Polizeisoldaten begleitet, an dem Fuß der Malleyhügel entlang. Eine Stunde mochte vergangen sein, als die Gestalt eines Schwarzen vor ihnen über den Weg glitt und in einem dichten Gestrüpp von Teebüschen ebenso rasch und spurlos wieder verschwand.

Walker griff seinem Pferd in die Zügel, und der hinter ihm reitende Schwarze richtete sich hoch in den Bügeln auf, um der dunklen Gestalt soweit wie möglich mit den Augen zu folgen. Nur Mac Donald gab es einen Stich durchs Herz. Es war ihm fast, als ob er in dem breiten, haarigen Oberkörper des vorübergleitenden Wilden die Gestalt Kakurrus erkannt hätte.

Als sie die Stelle erreichten, wo der Wilde die Straße mit einem Satz übersprungen hatte, hielt Walker die Pferde an, und sein schwarzer Begleiter sprang aus dem Sattel und betrachtete die Fährte.

Walker wollte von ihm wissen, was er entdeckt habe, der arme Teufel verstand aber kein Wort englisch und plapperte in seinem eigenen Dialekt nur eine lange Erzählung her, von der wiederum Walker keine Silbe verstand.

»Das ist eine schöne Geschichte!« brummte dieser vor sich hin. »Jetzt hat mir der Wachtmeister einen Burschen aufgehangen, dem ich mich nicht einmal verständlich machen kann.«

»Es ist nichts von Bedeutung«, sagte Mac Donald, der aufmerksam den Worten des schwarzen Berichterstatters gefolgt war. »Er kennt nur die Fährte nicht und glaubt, daß der Eingeborene vielleicht einem anderen Stamm angehöre.«

»Sie sprechen die Sprache dieser Leute?« rief Walker erstaunt.

»Ich verstehe wenigstens das meiste davon.«

»Gut«, lachte Walker, »dann seien Sie so gut und sagen ihm, er möge bei der nächsten Flußbiegung ein Feuer anzünden, damit wir uns einen Becher Tee machen können. Uns allen fehlt heute morgen noch das Frühstück.«

Mac Donald übersetzte dem Mann die Worte. Dieser aber sah seinen Offizier fragend an, als ob er den Befehl von ihm bestätigt zu hören wünsche, und erst, als er ihm zunickte, sprengte er voraus, den Auftrag auszuführen. Die beiden Reiter folgten langsam, Walker still und in sich versunken, Mac Donald aber in gespannter Aufmerksamkeit. Etwa hundert Schritt vor ihnen hatte er denselben dunklen Schatten wieder dicht am Wege gesehen, und es war augenscheinlich, daß sie von irgendeinem schwarzen Stamm beobachtet und verfolgt wurden. Hatte er aber recht gesehen und war Kakurru unter den Verfolgern, so brauchte er für seine Sicherheit nichts zu fürchten, denn ihm selber war jener zu Dank verpflichtet, und die schwarze Polizei haßte er wie den Tod.

Plötzlich hielt Walker sein Pferd an. »Beantworten Sie mir eine einzige Frage, Mac Donald«, sagte er, »und zwar eine Frage, die ich nicht als Polizeileutnant, sondern die ich als Mann dem Manne gegenüber an Sie richte.«

»Und die wäre?« – erwiderte Mac Donald, indem ein bitteres Lächeln seine Lippen überflog.

»Hatten Sie wirklich die Absicht, sich hier, wenn Sie nicht entdeckt wurden, eine Station – eine Heimat zu gründen? Wollten Sie –«

Mac Donald achtete nicht mehr auf ihn – seine Augen hefteten sich überrascht auf eine dunkle Gestalt, auf die Gestalt Kakurrus, die hinter dem Pferde des Offiziers aus einem wildverwachsenen Salzbusch auftauchte und eine der kleinen australischen Keulen, den sogenannten Waddie, in der Luft schwang. Walker folgte rasch dem Blick, hatte aber kaum den Kopf gewandt, als der Waddie schwirrend des jungen Offiziers Stirn traf, so daß dieser, ohne einen Laut auszustoßen, bewußtlos zu Boden sank.

»Kakurru, das kam zur rechten Zeit!« rief jubelnd Mac Donald, aber der Schwarze warnte mit der Hand. – Noch war er nicht gerettet, denn der vorausgesandte Soldat konnte jeden Augenblick zurückkehren. Mac Donald aber, seine gefesselten Hände auf den Sattelknopf stützend, schwang sich im Nu aus dem Sattel und hielt die Hände dem Eingeborenen entgegen. Drei Sekunden später war er frei.

»So«, lachte Kakurru vor sich hin, indem er sich über den betäubten Offizier beugte und den Waddie fester packte – »besser, wir machen jetzt mit diesem ein Ende!«

»Halt!« rief da Mac Donald, »wir wollen kein Blut vergießen, wenn uns nicht die Not dazu zwingt – gib mir die Eisen.«

Über das Gesicht des Eingeborenen zuckte ein wildes Lachen.

»Auch gut«, sagte er, rasch die Absicht des Befreiten begreifend.

»Ha, ha! wird schöne Augen machen, wenn er zu sich kommt. Gut! der Weiße mag leben, das ist Eure Sache, Jacky, mit ihm fertig zu werden – aber der andere ist mein.«

»Was willst du tun?« rief Mac Donald rasch, als Kakurru an das mit dem Leitseil im Busch verwickelte Pferd des Offiziers schritt und den Karabiner von dessen Sattel löste.

»Was ich tun will?« rief plötzlich der Wilde mit funkelnden Augen; »den schwarzen Spion töten. Ihr macht den da fest – den andern besorg' ich!« und ehe Mac Donald ein Wort erwidern konnte, war er im Dickicht verschwunden.

Mac Donald blieb kaum Zeit, die Hände des Offiziers zusammenzulegen, und eben drückte er die Eisen in ihr Schloß, als der Betäubte, dessen Stirn der Wurf zum Glück nur schräg getroffen hatte, die Augen wieder aufschlug und erschreckt emporfahren wollte.

»Was ist das?« rief er, als er seine Arme gefesselt fühlte; – »Teufel! zu Hilfe, Mabong! – zu Hilfe!«

»Leutnant Walker«, sagte Mac Donald, der inzwischen aus dessen Halftern die Pistolen genommen hatte und damit auf den wütend emporfahrenden Mann zuschritt, »Sie sehen, daß sich das Kriegsglück gewandt hat. Wir haben die Rollen getauscht, und Sie sind in meiner Macht. So wenig ich daran denke, Ihnen ein Leid zuzufügen, so zwingen Sie mich doch, bei dem ersten Schrei, den Sie ausstoßen, Ihnen eine Kugel durch den Kopf zu jagen oder, noch schlimmer, Sie gebunden und geknebelt im Busche zurückzulassen.«

Walker erwiderte nichts, aber der Blick, den er nach der Richtung zu warf, nach der sein schwarzer Polizeisoldat vorausgesprengt war, zeigte deutlich genug, daß er von dort noch Hilfe erwarte. Da fiel plötzlich in jener Richtung ein Schuß, und Mac Donald, der einen Moment hinüberhorchte, trat rasch wieder vor des Leutnants Pferd, steckte die linke Pistole in seine Halfter zurück und schwang sich, die andere noch in der Hand haltend, in den Sattel. Er löste zugleich die Leine, an der das zweite Pferd befestigt hing.

»Ihre Flucht ist hoffnungslos«, rief Walker triumphierend aus – »Ihr schwarzer Helfershelfer liegt in seinem Blute, und Sie können uns nicht entkommen.«

Mac Donald antwortete ihm nicht, sondern blickte forschend nach der Richtung, in welcher der Schuß gefallen war. Da tauchte plötzlich eine dunkle Gestalt auf und Kakurru sprengte wild jauchzend heran, die kurze Büchse um den Kopf schwingend, mit dem Waddie in der Linken. Furchtbar war der Anblick, den er bot. Die schwarze, nackte Gestalt des Wilden glänzte von frisch eingeriebenem Fett, in das sich nur hier und da schmale Blutstreifen mischten; selbst Hand und Bart trieften, und seine Augen funkelten in Siegeslust.

Walker barg entsetzt sein Gesicht in die Hände, und selbst Mac Donald wandte sich schaudernd ab, denn beide kannten die Sitten dieser Stämme viel zu gut, um nicht bei dem ersten Anblick des fettglänzenden Schwarzen zu wissen, daß er seinen Gegner erschlagen und sich mit dem warmen Nierenfett des Überwundenen eingerieben habe.

»Und was gedenken Sie jetzt mit mir zu tun?« sagte Walker finster – »ich bin in Ihrer Gewalt – was haben Sie beschlossen?«

»Sie sind frei«, sagte Mac Donald rasch, »sobald Sie mir Ihr Ehrenwort geben, daß Sie mir achtundvierzig Stunden Vorsprung lassen. Nachher folgen Sie mir, wie und wo Sie wollen.«

»Nie«, rief der Offizier entschlossen. »Von dem Augenblicke an, wo ich meine Glieder wieder gebrauchen, meine Leute um mich sammeln kann, bin ich auf Ihrer Fährte. Mein Leben setze ich ein, Sie wieder in meine Gewalt zu bekommen.«

»Dann bleibt mir nichts übrig, als Sie eine Strecke mit mir fortzunehmen, um Sie wenigstens aus dem nächsten Bereich Ihrer Leute zu bringen«, sagte Mac Donald achselzuckend.

»Und wenn ich Ihnen nicht gutwillig folge?« fragte trotzig der Offizier.

»Zwingen Sie mich zu einer Gewalttat!« entgegnete ernst Mac Donald. »Sie haben nur eine Wahl: entweder Sie folgen mir gutwillig, um ein paar Tage Ihrer Freiheit beraubt zu werden, wie ich Ihnen folgte, um mich abermals zur Marterbank führen zu lassen, oder Ihr Tod bürgt mir für Ihr Schweigen. Übrigens«, setzte er ruhiger hinzu, »sind Sie imstande, unser beiderseitiges Verhältnis viel zu genau zu durchschauen, als daß ich Ihnen auch nur ein Wort weiter zu sagen brauchte. Sie wissen recht gut, daß ich selber, will ich nicht im Augenblick wieder in die Hände der Ihrigen fallen, gar nicht anders handeln kann; also entheben Sie mich der bitteren Notwendigkeit, eine Gewalttat zu begehen.«

»Ich folge nur dem Zwange«, sagte Walker finster, »und gebe Ihnen mein Wort, daß mein Leben nur der Rache für diesen Schimpf geweiht sein soll.«

»Daß Sie dieses Leben jetzt in meiner Hand wissen und doch wagen, mir das zu sagen, zeigt mehr Vertrauen zu einem Buschranger, als die Polizei ihm sonst zu beweisen geneigt ist«, lächelte Mac Donald. »Aber wie dem auch sei, ich erwarte von Ihnen nichts anderes, als daß Sie Ihr Schlimmstes tun mögen – sobald ich nur mich selber aus dem Bereich Ihrer Macht gebracht habe. Jetzt also in den Sattel, Mr. Walker, um der Möglichkeit auszuweichen, Ihren Leuten wieder zu begegnen. – Kakurru, gehst du mit?«

Der fettglänzende Schwarze hatte indes mit grimmer Freude den gefangenen Polizeileutnant betrachtet und sich dabei nur manchmal wohlgefällig mit der flachen Hand über die geölten Glieder gestrichen. Bei der Frage hob er den Kopf.

»Wohin, Jacky?«

»Zurück und an der Station vorbei«, antwortete ihm Mac Donald in seiner Sprache, »und dann hinüber nach Sonnenuntergang.«

»Gewiß«, lachte der Schwarze mit funkelnden Augen; »wenigstens bis zu den Häusern der Weißen. – Viel Tee heute dort und Brot und Zucker und Tabak.«

»Heute? – dort?« fragte erstaunt Mac Donald – »was meinst du damit?«

»Werden schon sehen«, antwortete kurz der Wilde, und folgte dabei dem Wink Mac Donalds, des Leutnants Satteltasche auf sein eigenes Pferd zu nehmen. Walker war indessen ebenfalls in den Sattel gestiegen, und der Befreite lenkte das Tier jetzt etwas von der Straße ab, in den Busch hinein, wobei er jedoch die Richtung des Wegs nach der Station zurück beibehielt. Als sie aber erst die Salzbüsche und Malleyhügel gewonnen hatten, gab er seinem Tier die Sporen, und sprengte weit rascher, als sie heute morgen geritten waren, den Weg entlang.

So hatten sie schon den Weg gekreuzt, der von der Station nach der trockenen Sumpf-Schafstation führte, als ihnen Kakurru von einer flachen Anhöhe aus zuwinkte. Mac Donald wie Walker hatten zu gleicher Zeit schon einen leichten Rauchgeruch gespürt und sahen jetzt, wie sich eine dunkle Wolke von Qualm dort herüberzog. Wenige Sekunden später waren beide an der Seite des Schwarzen und konnten einen Ausruf des Staunens und Schreckens nicht unterdrücken, als sie von den Gebäuden herüber dichten dunkeln Rauch aufsteigen sahen.

»Heiliger Gott, was ist das?« rief Mac Donald entsetzt, »die Station brennt.«

»Hahahaha!« lachte Kakurru – »glaubt Ihr, daß die schwarzen Männer ungerächt ihr Blut vergießen und ihre jungen Leute niederschießen lassen, wie die Dingos? Nguyulloman hat das Zeichen gegeben, daß die Weißen die Station verlassen haben, und jetzt ist die Zeit, Tabak und Mehl und Zucker in die Berge zu tragen – ganze Säcke voll. Folgt nur der Richtung, die Ihr eingeschlagen, Jacky. Kakurru will sich sein Teil da drüben holen und kommt dann nach.«

»Was, um Gottes willen, geht da vor!« rief Walker, der kein Wort von dem in der Sprache der Eingeborenen erzählten Bericht verstanden.

»Das Gräßlichste!« rief Mac Donald in furchtbarer Aufregung. »Die Männer haben die Station verlassen, der verräterische schwarze Krüppel, als Spion dort hingesetzt, hat das Zeichen gegeben, und die Wilden sengen und plündern und morden vielleicht dort drüben, was lebend in ihre Hände fällt.«

»Und ich gefangen!« knirschte Walker in wilder, ohnmächtiger Wut. – »Mensch – Teufel – können Sie ruhig mit ansehen, wie –«

»Halt!« unterbrach ihn Mac Donald – »hier gilt mein eigenes Leben, meine eigene Sicherheit nichts mehr. Sie sind frei, und vielleicht ist es uns noch möglich, das Schrecklichste abzuwehren. Hier«, rief er, indem er mit vor Hast und Aufregung zitternden Händen den Schlüssel zu den Handschellen des Offiziers in der Tasche suchte und sein Pferd diesem zulenkte – »um Gottes willen, rasch, – jeder Augenblick, den wir hier versäumen, kann Tod und Elend auf die Häupter uns lieber Menschen bringen.«

»Was wollt Ihr tun, Jacky?« rief dazwischensprengend Kakurru, indem sein Auge vor Wut blitzte, »den Weißen wollt Ihr helfen? – Gegen die Schwarzen kämpfen? Hab' ich Euch deshalb befreit?«

»Zurück, Kakurru«, schrie Mac Donald in wilder Aufregung, »du hast dich geirrt, wenn du glaubtest, daß ich dir meinen Arm zu Mord und zum Brandstiften leihen sollte. – Zurück, oder –«

»Weißer Hund!« brüllte da in ungezähmter Wut der Schwarze, indem er seine kurze schwere Wurfkeule um den Kopf schwang und mit Blitzesschnelle nach der Stirn des Weißen schlug. Aber Mac Donalds linker Arm fuhr zur rechten Zeit empor. Seine eisernen Finger ergriffen das Handgelenk des Feindes und schleuderten den Arm zur Seite, während die Rechte eine Pistole auf die Brust des Angreifers richtete.

Kakurrus Arm zuckte noch einmal wie zum Wurf zurück, aber die gefürchtete Mündung der Schußwaffe schreckte ihn. Er warf sein Pferd herum und drohend die Faust gegen die Weißen erhebend, verschwand er gleich darauf den steilen Hang hinab.

Mac Donald schaute ihm nicht einmal nach. Mit dem kleinen Schlüssel öffnete er die Eisen, die er in den Busch schleuderte, und dem Offizier dessen Pistolenhalfter hinüberreichend, rief er mit heiserer Stimme:

»Jetzt vorwärts, Sir – vorwärts!«

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