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Spanische Novellen

: Spanische Novellen - Kapitel 2
Quellenangabe
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typenarrative
authorVerschiedene Autoren
titleSpanische Novellen
publisherBuchverlag fürs Deutsche Haus
illustratorH. A. Glatz
year1908
translatorElse Otten und Rosa Speyer
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Zur Einführung

So seltsam fern entrückt uns das Land der schönen, verschleierten Señoritas erscheint, so fremd wir uns seiner unruhigen inneren Politik gegenüber fühlen, so wenig bekannt ist uns auch – im Gegensatz zu der geradezu vorschriftsmäßigen Kenntnis seiner Klassiker – Spaniens Literatur der Moderne. Und das ist und bleibt bedauerlich; denn möge sie auch, an dem unversiegbaren Born der klassischen Schönheit gemessen, etwas dürftig anmuten, – doch bietet auch sie genug des Typischen und Urwüchsigen, um einen Einblick in die geistige Werkstatt ihrer Vertreter zu lohnen. Eine Reihe kleinerer und größerer Beiträge berühmter und minder berühmter Namen haben wir hier versammelt, und aus jungen Knospen und reifen Blüten ein Kränzlein geflochten, das eine Gruppe volltönender Namen umschließt.

Da ist, räumlich mit der umfangreichsten Erzählung vertreten, die bekannte Gräfin Emilia Pardo-Bazan, die in der Gilde der spanischen Romanschriftsteller (beiderlei Geschlechts) einen allerersten Platz einnimmt. Sie hat außer der in diesem Bändchen enthaltenen Erzählung »Sonnenstich« die durch ihr lebhaftes Lokalkolorit und die äußerst fesselnde Schilderung spanischer Sitten und Gebräuche ein ganz besonderes Interesse erweckt, noch zahlreiche Novellen und Romane geschrieben, von denen ein großer Teil auch bereits ins Deutsche, Englische, Französische und Tschechische übersetzt wurde. Besonderes Aufsehen erregte wohl seinerzeit die Veröffentlichung der beiden Romane »Doña Milagros« (Frau Wunder) und Memorias de un solteron (Memoiren eines Junggesellen), die gleichfalls Sittenschilderungen und Provinzbilder enthalten und sich zum Teil auch mit der Frauenfrage beschäftigen. Auch diese Werke wurden in die vorgenannten Kultursprachen übertragen.

Dieser interessanten Erscheinung reiht sich würdig Arturo Campion an, dessen sympathische, bunte, bewegliche Natur- und Charakterschilderungen aus den baskischen Provinzen besondere Beachtung verdienen. Campion, von Hause aus Rechtsgelehrter, trat zunächst mit philologischen Arbeiten an die Öffentlichkeit, und hat unter anderem eine Grammatik der vier euskarischen Dialekte herausgegeben, der von fachmännischer Seite hohe Anerkennung zuteil wurde. Da er in günstigen Vermögensverhältnissen lebte, konnte er sich völlig seiner Familie, der Politik und dem Studium widmen, bis plötzlich der Künstler in ihm erwachte. Sein Künstlerberuf ist aus reiner, hell auflodernder Begeisterung entstanden; er schildert das Leben der baskischen Provinzen, klagt über die Zügelung ihres wilden Freiheitssinnes, das Verblassen ihrer Traditionen, ihrer alten, klangschönen Sprache. Arturo Campions hervorragende Begabung hatte sich bereits in seinen bedeutenden Novellen gezeigt, sein Roman »Blancos y negros« (Die schwarzen und die Weißen) stellt ihn Spaniens ersten Romanschriftstellern als einen Ebenbürtigen an die Seite. Seine bunten, lebhaften und dabei doch knappen Darstellungen, sein echtes, tiefes Empfinden, seine warme Überzeugungstreue warben und werben ihm allüberall ehrliche Sympathien. Campion gehört keiner Schule an, hat sich keiner Richtung angeschlossen, sondern ist sich selber unverbrüchlich treu geblieben, und das kann, da er die Verkörperung eines gesunden, kraftvollen und poetischen Künstlers darstellt, nicht freudig genug begrüßt werden.

Und außer den größeren Erzählungen dieser beiden Erstgenannten geben wir noch eine ganze Reihe kleinerer Skizzen und Novelletten, – von denen gleichfalls manche mit bekannten Namen, wie zum Beispiel José Echegaray, Juan Valera und so weiter gezeichnet sind, – die in ihrer naiven Eigenart, mit ihrer oft primitiven, ja sogar fast elementaren Ausdrucksweise und Kompositionstechnik als die typischen Merkmale für die besondere Eigenart eines jener romanischen Völker gelten können, die unter den Strahlen einer heißeren Sonne, angesichts einer üppigeren Vegetation und den auserlesensten Naturschönheiten sich frei zu halten wußten von den vielfach naturfeindlich wirkenden Einflüssen der Länder des kalten Nordens.

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