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Soll und Haben

Gustav Freytag: Soll und Haben - Kapitel 49
Quellenangabe
typefiction
booktitleSoll und Haben
authorGustav Freytag
publisherDroemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf.
addressMünchen
titleSoll und Haben
pages3-640
sendergerd.bouillon@t-online.de
secondcorrectorHerbert Niephaus
firstpub1855
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Das Ordenszeichen, eine niedliche Erinnerung an einen gewaltigen Bund geistlicher Ritter, welche Länder erobert und ein eigenes Reich gegründet hatten, warf in die Seele des Freiherrn ein helles Licht, so gleichgültig er sic[*]h auch dagegen stellte. Die Glückwünsche seiner zahlreichen Bekannten taten ihm wohl, und seine Selbstachtung erhielt dadurch eine geheime Stütze, deren sie manchmal bedurfte. So fand ihn nach Verlauf einer Woche auch Ehrenthal, der Händler, als er auf seinem Wege nach einem nahe gelegenen Dorfe vorfuhr, nur um dem Freiherrn zu gratulieren. Er hatte bereits seine Abschiedsverbeugung gemacht, als er noch einmal anhielt und die Worte hinwarf: «Der gnädige Herr hatten früher die Idee, eine Zuckerfabrik aus Rüben anzulegen. Ich höre, es ist im Werden, eine Kompanie zu bilden, welche eine solche Fabrik ganz in Ihrer Nähe bauen will; ich bin aufgefordert worden, an dem Geschäft teilzunehmen, und wollte doch erst fragen, wie der Herr Baron es noch gedenken zu halten in dieser Sache.»

Dem Freiherrn war diese Nachricht sehr unangenehm. Seit Jahren hatte er sich mit dem Gedanken getragen, eine gleiche Fabrik auf seinem Grund und Boden zu errichten, er hatte eine Anzahl ähnlicher Unternehmungen besucht, hatte sich Anschläge machen lassen, mit Technikern verhandelt, ja er hatte schon den Platz bezeichnet, auf dem der Bau am wenigsten unschön gewesen wäre. Er hatte diesen Plan eine Zeitlang mit großem Eifer verfolgt, allmählich war er ihm weniger lockend erschienen. Die Scheu eines vorsichtigen Mannes vor der neuen und noch unsichern Industrie, die Klagen einiger Bekannten über die Menge der Kosten und vor allem über die Unruhe und vielen Belästigungen, die ein solches Unternehmen in das Leben eines Gutsbesitzers und die Verwaltung seines Gutes bringe, das alles hatte ihn bewogen, das Projekt liegenzulassen und für die nächsten Jahre eine ruhige Anlage seines Kapitals mit allerdings mäßigem Zinsengenuß vorzuziehen. Jetzt sollte eine Anlage, die er sich doch für die Zukunft vorbehalten hatte, von andern ausgeführt werden; es war klar, daß seine eigene Absicht dadurch gestört wurde. Denn zwei gleiche Fabriken in unmittelbarer Nähe mußten sich zuverlässig hindern. Verärgert rief er: «Gerade jetzt, wo ich mir auf einige Jahre die Disposition über die Kapitalien genommen habe.»

«Herr Baron», sagte der Händler mit Herzlichkeit, «Sie sind ein reicher Mann und angesehen in der Gegend. Wenn Sie erklären, daß Sie selbst anlegen wollen diese Fabrik, so geht der Aktienverein auseinander an demselben Tage.»

«Sie wissen, daß ich das jetzt nicht kann», erwiderte der Freiherr unwillig.

«Wenn Sie wollen, gnädiger Herr, so können Sie auch», entgegnete der Händler mit ehr[*]erbietigem Lächeln. «Ich bin nicht der Mann, der Ihnen zuredet zu einer solchen Fabrik. Was haben Sie nötig, Geld zu verdienen? Wenn Sie aber jetzt zu mir sagen, Ehrenthal, ich will anlegen eine Fabrik, so steht Ihnen Kapital zu Gebot, soviel Sie haben wollen. Ich selbst habe eine Summe von sieben-, von zehntausend Talern vorrätig, Sie können diese erhalten jeden Tag. – Und ich will Ihnen einen Vorschlag tun. Ich schaffe Ihnen das Geld, welches Sie brauchen, zu billigen Zinsen. Für die Summe, die ich selbst Ihnen gebe, lassen Sie mir einen Anteil an dem Geschäft bis zu dem Tage, wo Sie mir zurückzahlen mein Geld. Für das übrige Geld, das Sie brauchen, bestellen Sie Hypothek auf Ihr Gut, bis Sie zurückzahlen in einigen Jahren die ganze Anleihe.»

Der Vorschlag schien uneigennützig, ja freundschaftlich, aber der Freiherr fühlte zu lebhaft die große Veränderung, welche ein solches Geschäft in seinem ganzen Leben hervorbringen werde, er sah mit banger Sorge und einem Mißtrauen sowohl gegen sich selbst als gegen Ehrenthal in eine Zukunft von Verwicklungen. Er verhielt sich deshalb sehr kühl gegen Ehrenthals Antrag. «Ich danke Ihnen für das Zutrauen», sagte er, «aber ich will nicht mit fremdem Gelde einrichten, was doch nur aus Überschüssen der eigenen Einnahmen mit Segen erbaut wird.»

Ehrenthal mußte sich mit diesem Bescheide entfernen und sagte nur noch an der Tür: «Der gnädige Herr können sich ja die Sache überlegen, ich getraue mich, durch vier Wochen das Aktiengeschäft aufzuhalten, damit in dieser Zeit nichts weiter geschieht.»

Nur wer einmal in seinem Leben eine gefeierte Sängerin gewesen ist, kann sich eine Vorstellung von der Fülle unbekannter kleiner Briefe, Pakete und Sendungen machen, welche der Freiherr in den nächsten vier Wochen aus der Stadt empfing. Zunächst schrieb Herr Ehrenthal: ‹Ich habe die Aktionäre vier Wochen aufgehalten›; dann schrieb Herr Karfunkelstein, ein Aktionär: ‹Ich höre, daß Sie wollen anlegen eine Fabrik, in diesem Falle stehe ich Ihnen nach.› Dann schrieb wieder Herr Ehrenthal: ‹Hier ist eine Jahresberechnung einer ähnlichen Fabrik, woraus man kann sehen, was zu gewinnen wäre.› Dann schrieb wieder ein Herr Wolsdorf: ‹Es verlautet, daß der Herr umgehe mit einer Fabrik: ich habe Kapitalien auszuleihen gegen mäßigen Zinsfuß und würde glücklich sein, wenn ich eine Hypothek erhielte oder am liebsten einen Anteil am Geschäft.› Zuletzt schrieb gar ein undeutlicher Herr Itzigveit: ‹Der Herr Baron soll das Geschäft nicht machen mit Ehrenthal, wie man in der Stadt erzählt, Ehrenthal ist ein reicher, aber ein interessanter Mann, er soll ihn wenigstens nicht annehmen zum Kompagnon; ich, der Briefschreiber, will ihm viel bessere Kapitalien verschaffen und ganz andere Teilnehmer›, worauf Herr Ehrenthal wieder genötigt war zu schreiben: ‹Es werden Intrigen gespielt von meinen Gegnern in der Stadt, um dem gnädigen Herrn anderes Geld zu seinem schönen Unternehmen zu verschaffen; Sie können tun nach Gefallen, ich bin ein ehrlicher Mann und dränge mich nicht vor.›

Der Freiherr war erstaunt zu sehen, wie leicht und massenhaft seinem Namen die Kapitalien zurollten und daß ganz unbekannte Menschen bereit waren, das Unternehmen auf seinem Grund und Boden für ein unfehlbares, glänzendes, beneidenswertes zu halten. Er hatte in seinen Spekulationen bis jetzt entschiedenes Glück gehabt, er hatte die Abneigung vor Geldgeschäften ziemlich vollständig überwunden, ja er hatte sich gewöhnt, einen gewissen Anspruch an die Kapitalien anderer zu machen. Jetzt wurde er allmählich mit dem Gedanken vertraut, das Geld zur Anlage seiner Fabrik von Fremden zu nehmen. Nur eines widerstand seinem Stolz, den zuvorkommenden Ehrenthal als Teilhaber zu ertragen; so weit wirkte der Brief des undeutlichen Schreibers. Und er beschloß, falls das geplante Unternehmen zustande kommen sollte, dem Händler für sein geliehenes Geld festen Zinsfuß zu gewähren. Vier Wochen kämpfte der Freiherr mit innerer Unentschlossenheit, oft war seine Stirn umwölkt, oft sah die Baronin wieder mit stillem Schmerz die Aufregung ihres Gemahls, oft fuhr dieser nach der Stadt oder auf die Güter seiner Bekannten, um ähnliche Anlagen zu besichtigen und sich die möglichen Vorteile aus verschiedenen Anschlägen herauszunehmen. Über die projektierte Aktiengesellschaft konnte er nichts Sicheres erfahren. Die weniger günstigen Nachrichten, welche er über die Erfolge einzelner Fabrikanten einsammelte, schrieb er auf Rechnung einer natürlichen Furcht vor seiner Konkurrenz oder auf die unvorteilhafte Anlage ihres Geschäftes.

Vier Wochen vergingen, und ein neuer Brief von Ehrenthal erschien, worin der Baron dringend gebeten wurde, seinen Entschluß mitzuteilen, weil einzelne von den Aktionären gar nicht mehr zu halten wären.

Es war der Abend eines heißen Tages, als der Freiherr unruhig aus dem Wirtschaftshof ins Freie trat. Tief unten am Himmel glänzte ein gelbes blendendes Licht hinter schwarzem Dunst hervor, dicht zusammengeballt hingen die Wolken über seinem Scheitel wie dunkle Felsen der Luft mit eisigen Gipfeln. Rings um den Herrn des Guts war Schwüle, Mutlosigkeit und bange Ahnung. Im Getreide schwirrten die Grillen lauter als sonst, unaufhörlich tönte ihr warnender Ruf in das Ohr des Herrn. Die kleinen Vögel auf den Bäumen der Landstraße kreischten in den Zweigen, flatterten von einem Baum auf den andern und riefen einander zu, daß etwas Furchtbares über ihre Felder hereinbreche; wir Kleinen werden es überstehen, schrien sie, aber die Großen mögen sich hüten. Die Schwalben strichen tief am Boden hin und flogen dicht an dem Freiherrn vorüber, als sei er nicht mehr vorhanden und die Stelle leer, wo er stand. Die wilden Blattpflanzen am Wege ließen saftlos ihre Blätter hängen, sie waren mit gräulichem Staube überzogen und sahen aus wie Gewächse einer untergegangenen Welt, die vor vielen Jahren einmal grün war und Blüten trug. Eine dicke Staubwolke rollte die Landstraße entlang auf den Herrn zu, die heimkehrenden Gespanne zogen an ihm vorüber. Schwerfällig schritten die Pferde vorwärts und senkten die Köpfe in den Geschirren. Die häßliche graue Wolke wälzte sich mit ihnen fort und verhüllte die Umrisse ihres Leibes, daß nur die Hälse hervorragten und sie dem Freiherrn aussahen wie schattenhafte Gestalten, welche in der Luft dahinfahren. Nach ihnen kam langsam in drei Haufen die Schafherde, wieder in Wolken des erstickenden Staubes gehüllt. Die Glöckchen der Tiere klangen dumpf in der dicken Luft, und wie aus weiter Entfernung tönte im Wirbel am Boden bald hier, bald dort die Stimme eines geisterhaften Schäferhundes. Und als der Schäfer, seinen Herrn grüßend, vorüberschritt, sah der Mann so grau und schattenhaft aus wie ein Gespenst aus dem Grabe, das einst auf der grünenden Erde wirkliche Schafe über das Brachfeld getrieben hatte.

Der Gutsherr blieb stehen an den Pferden und Schafen, er stand vor der welken Königskerze am Grabenrand, er hörte auf die Vögel im Laube, es waren unheimliche Gedanken, die sie ihm gaben. Er ging weiter auf dem Damm der Teiche, wo einst Anton den letzten Blick auf das Herrenhaus geworfen hatte. In rotem Feuer stand das Schloß mit seinen Türmen und Mauern vor dem Freiherrn, helle Flämmchen brannten auf den Spitzen der Türme in die Wolken hinein, im Brand leuchteten alle Fensterscheiben des Schlosses, und wie Blutstropfen lagen die rosigen Blumenbüschel auf dem schwarzgelben Laub der Kletterpflanzen. Über dem Schlosse aber in der Luft ballte und wälzte sich's, und immer näher kam's in schwarzen Massen heran, um mit Macht den glänzenden Bau zu verhüllen. Kein Blatt der Bäume bewegte sich, keine Kreiswelle furchte die dunkle Wasserfläche, tot lag sie da wie ein See der Unterwelt. Der Herr beugte sich hinab und suchte ein Zeichen des Lebens, nur eine Wasserspinne, eine Libelle, welche in dem finstern Schweigen um ihn herum sich leibhaftig regte – da starrte ihm aus der Tiefe ein bleiches Menschengesicht entgegen, daß er zurückfuhr und ein zweites Mal hinsehen mußte, um zu lächeln und zu erkennen, daß es sein eigener Widerschein war. Auch hier war um den Herrn des Gutes Schwüle, Mutlosigkeit und bange Ahnung.

Er lehnte sich an den hohlen Weidenstamm und sah unverwandt auf sein Haus und auf die Fenster, wo seine Lieben wohnten: er suchte nach einem Umriß ihrer Gestalt, er horchte nach einem Ton von dem Flügel der Baronin, er wünschte, daß nur ein helles Band Lenorens niederflattern möchte von dem Balkon ihres Zimmers; aber kein Zeichen des Lebens war in dem Hause zu erspähen, das Schloß war ausgestorben, wüst, wie ein Bau aus uralter Zeit durch geisterhaftes Licht beleuchtet – noch wenige Augenblicke, und es mußte verschwinden in dem Boden. Dann konnte das Wasser darüber hinfluten, und die Leute konnten sich erzählen, daß hier einst ein schönes Schloß war, in dem ein stolzer Baron lebte, das sei aber lange, lange her. -

Ein gefallenes Haus, eine untergegangene Familie! – Wenn die Zeit kam, wo ein fremder Mann an seiner Stelle stand und ein neues Haus ansah, das er sic[*]h erbaut, dann lag die Wasserfläche vor dem Fremden wie jetzt vor ihm, dieselbe Erdscholle, die sein Pflug aufwarf, trug auch dem Spätern bereitwillig Frucht. Dann gaben die Körner aus seinen Halmen noch weißes Mehl, die Lämmer von seinen Schafen sprangen um denselben steinernen Wassertrog, die Ackerfläche lag vor dem Neuen da wie jetzt vor ihm, an derselben Stelle liefen vielleicht die Wasserrinnen durch das Feld, die Binsenwurzel unter ihm trieb ebenso ihren Schaft aus dem Wasser: nur er und sein Geschlecht, die jetzt über alles geboten, sie sollten dann verschwunden sein, verschwunden bis auf eine gleichgültige Erinnerung!

So stand der Herr des Gutes, gelähmt durch den bösen Zauber, der auf der Erde und auf seiner Seele lag, er holte tief Atem und trocknete den Schweiß von der Stirne, er war ratlos, wie gebrochen. Da fuhr ein scharfer Ton durch die Wipfel der Bäume, es war ein Jagdruf der Lüfte. Noch einmal wurde alles still, dann raste der Sturmwind plötzlich hernieder von der Höhe, er rauschte durch die Baumwipfel, er zischte über das Wasser; tief beugten die Weiden ihre grauen Äste, und die Staubwolken der Straße fuhren in tollen Wirbeln nach der Höhe; der gelbe Schein an den Mauern des Schlosses verschwand, bleigraue Dämmerung überzog die Landschaft. Ein zackiger Blitz fuhr durch die Finsternis, und lang und majestätisch rollte der Donner herauf. Der wilde Jäger der Luft hielt seine Hetzjagd über die Fluren der Menschen.

Der Freiherr richtete sich hoch auf und öffnete seine Brust dem Zuge des Sturmwindes. Blätter und Baumzweige flogen um ihn, und große Regentropfen schlugen um sein Haupt, er aber starrte nach den Wolken in das Wetter hinein und auf die Blitze, welche sich kreuzten, als erwartete er von da oben eine Entscheidung. Da klapperte der Galopp eines Pferdes auf der Straße, und eine fröhliche Männerstimme rief von der Höhe herab: «Mein Vater!» Ein junger Reiteroffizier hielt vor ihm.

«Mein Sohn, mein geliebter Sohn», rief der Vater mit bebender Stimme, «du kommst zur rechten Zeit.» Er drückte den Jüngling fest an sich, und als er ihn aus der Umarmung losließ, hielt er noch lange seine Hände fest und wurde nicht müde, ihn anzusehen. Auch der Reitersmann war mit grauem Staube bedeckt, aber sein jugendliches Gesicht und zwei kecke Augen sprachen in diesem Augenblick entscheidende Worte zu dem Vater. Die Unsicherheit, alle trübe Ahnung war verschwunden, er fühlte sich wieder fest, wie dem Haupte seines Hauses geziemte. Vor ihm stand in blühender Jugend die Zukunft seines Geschlechts. Daß diese Erinnerung ihm gerade jetzt kam, in der Stunde, wo er einen Entschluß fassen sollte, das galt ihm für einen Befehl des Schicksals. «Und jetzt komm nach Haus», sagte er, «es ist kein Grund mehr, daß wir unsere Begrüßung im Regen abmachen.»

Während die Baronin ihren Sohn auf das Sofa zog und nicht müde wurde, sich über sein männliches Aussehen zu freuen, und während Lenore sogleich mit dem Bruder ein leichtes Wortgefecht begann, ging der Freiherr in der Familienstube auf und ab und sah zuweilen durch den strömenden Regen in die Landschaft hinaus. Immer schneller fuhren die Blitze durcheinander, und immer kürzer wurden die Pausen, in denen der Donner dem Zucken des Feuerstrahls folgte.

«Schließe das Fenster», bat die Baronin, «das Wetter kommt herauf.»

«Es wird unserm Hause nichts tun», antwortete der Freiherr beruhigend. «Der Leiter steht oben auf dem Dach, er glänzte vorhin hell wie ein Licht durch die dunklen Wolken. Sieh dorthin, wo die Wolken am schwärzesten zusammengeballt sind, dort über der hellen Esche.»

«Ich sehe die Stelle», sagte die Baronin.

«Mache dich gefaßt», fuhr der Freiherr lächelnd fort, «daß dein blauer Himmel dort für immer durch graue Wolken bedeckt wird, dort wird der Schornstein der Fabrik durch die Bäume ragen.»

«Du willst bauen?» fragte die Baronin besorgt.

«Du willst eine Fabrik errichten?» rief der Leutnant vorwurfsvoll.

«Ja», sagte der Freiherr zu seiner Gemahlin, «das Unternehmen wird viel Unangenehmes haben für dich und mich und wird meine Kräfte in jeder Beziehung in Anspruch nehmen. Wenn ich es doch wage, so geschieht es nicht um unsertwillen, sondern für die Kinder, für die Familie. Ich will das Gut befestigen bei unserm Hause, ich will seine Einkünfte so vermehren, daß der Herr dieses Schlosses in der Lage ist, auch für die Zukunft der Lieben zu sorgen, denen er nach dem alten Recht der Erstgeburt und der männlichen Nachfolge das Gut nicht überlassen kann. Es hat mich lange Kampf gekostet, heut hab' ich mich entschlossen.»

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